Value Investing – Die Investment-Strategie im Detail erklärt

Value Investing Definition
Ratgeber - die Value Investing Strategie » RoboAdvisor-Portal.com - das Infoportal

Markus G

2. Januar 2022

Inhaltsverzeichnis

Sie gilt als einer der bekanntesten und zugleich erfolgreichsten Investment-Strategien und steht sinnbildlich für den erzielten Reichtum schillernder Börsenpersönlichkeiten. Die Rede ist von der Strategie des Value Investing. Doch was bedeutet dies eigentlich im Detail? Wie funktioniert diese Investment-Strategie, wer hat sie erfunden, was sind die Kern-Elemente? Im folgenden Artikel betrachten wir all diese und viele weitere Elemente jener, bis dato wohl erfolgreichsten Investment-Strategie.

Was Value Investing in einfachen Worten bedeutet

Stellt sich am Anfang die Frage, was man unter Value-basierten Investments eigentlich verstehen darf. Um es in einer kurzen Version zu erläutern:

Value-Investing ist eine Anlagestrategie, bei der Aktien ausgewählt werden, die unter ihrem sogenannten „inneren Wert“ oder „Buchwert“ am Kapitalmarkt, also der Börse gehandelt werden. Value-Investoren suchen demnach aktiv nach Aktien, die nach deren Auffassung nicht den wahren Wert des Unternehmens wiedergeben, also „unterbewertet“ sind. Oftmals auch damit einhergehend, dass diese Aktien aufgrund von Nachrichten deutlich überreagieren – sei es mit temporären Kursgewinnen oder aber auch Kursverlusten. Kursbewegungen beziehungsweise Kursreaktionen, die jedoch mit den mittel- bis langfristig betrachteten Fundamentaldaten des Unternehmens nicht in Übereinstimmung stehen.

Anleger, die nach dem Value Prinzip investieren, suchen also gezielt nach Aktien, die aufgrund ihrer Unterbewertung mittel-bis langfristig aufgrund sehr guter Fundamental-Daten Kursgewinne „versprechen“.

Der „Kern“ des Value Investing: Unterbewertete Unternehmensaktien

Womit sich die Frage stellt, warum Aktien „unterbewertet“ werden und somit die Chance auf Kurs-Gewinne bieten. Hier gilt festzustellen, dass sich Aktien-Kurse nicht allein durch ökonomische Kennzahlen entwickeln, sondern sich vor allem durch Anlegerverhalten, Gerüchten und anderen „wichen“ Faktoren beeinflussen lassen. Einflüsse, die eben dafür Sorge tragen, dass die sogenannten Fundamental-Daten in den Hintergrund der Bewertung geraten und ebenso für die, seitens der Value-Investoren gesuchten „Unterbewertung“ führen.

Im Folgenden bekannte Faktoren, die den Kurs einer Aktie nach unten ziehen und zu einer Unterbewertung führen (können):

Extreme Marktbewegungen und Herden-Mentalität

Eine der wichtigsten Einflussfaktoren auf Aktienkurse ist der Mensch beziehungsweise Anleger selbst. Den Investmententscheidungen unterliegen nicht immer elementarer Markt- und / oder Unternehmensdaten, sondern psychologischen (emotionalen) Beweggründen. Beispiel hierfür?

Wenn der Kurs einer bestimmten Aktie steigt oder wenn der Markt insgesamt steigt, wird die Aktie gekauft. Wäre die Aktie jedoch 3 Monate vorher zu einem günstigeren Preis gekauft worden, hätten gegebenenfalls bereits 10-15 % Gewinn realisiert werden können. Dennoch wird die Entscheidung nicht bereut, denn es besteht die Angst den Aufwärtstrend zu verpassen.

Umgekehrt zwingt die Verlustangst Anleger immer wieder dazu, ihre Aktien zu verkaufen, wenn der Kurs einer Aktie fällt oder der Gesamtmarkt rückläufig ist. Anstatt also ihre Verluste auf dem Papier zu behalten und darauf zu warten, dass der Markt eine andere Richtung einschlägt, nehmen sie durch den Verkauf einen gewissen Verlust in Kauf.

Dieses Anlegerverhalten ist so weit verbreitet, dass es sich auf die Kurse einzelner Aktien auswirkt und sowohl Aufwärts- als auch Abwärtsbewegungen des Marktes verstärkt und zu übermäßigen Bewegungen führt. Und gerade Abwärtsbewegungen nutzen Value Investoren für den Einstieg beziehungsweise zur Aufstockung.

Marktkorrekturen durch „Überhitzung“

Alte Weisheit: Es kann an den Börsen dieser Welt nicht immer nur nach oben gehen. Bedeutet, dass nach enormen Höchstständen, die zumeist nie von Dauer sind, entsprechende Einbrüche bei den Kursen folgen. Die Folge des „Platzens“ einer solchen Blase ist, dass die meisten Anleger in Panik verfallen und ihre Aktien verkaufen. Ein Verhalten, dass der Kursabsturz nur noch mehr „befeuert“ wird.

So geschehen Anfang der 2000er Jahre mit der Dotcom-Blase, als die Werte der Tech-Aktien über den eigentlichen Wert der Unternehmen hinaus in die Höhe schossen. Dasselbe geschah, als 2008 die Immobilienblase platzte und der Markt zusammenbrach. In beiden Fällen lohnte es sich jedoch die Aktien jener Unternehmen zu erwerben, deren Fundamental-Daten völlig in Ordnung waren, durch den allgemeinen Markteinbruch aber unberechtigterweise in Mitleidenschaft gezogen wurden.

“Unbeliebte“ Aktien

Einzig die Aktien von großen Unternehmen sind eines Investments wert? Leider nein – denn oftmals sind es eher die unbekannteren und vielleicht auch unbeliebteren Unternehmen, die aufgrund ihrer starken Unterbewertung ein lohnenswertes Investment darstellen. Natürlich kann es lohnenswert sein in den nächsten Hype zu investieren, aber manchmal ist bei genauerer Betrachtung wichtiger Unternehmenskennzahlen ein Investment in einen Mischkonzern oder einen Nebenwert, der bei vielen Anlegern nicht auf der Liste stehen.

Schlechte Nachrichten

Auch gute Unternehmen haben mit Rückschlägen zu kämpfen, z. B. mit Rechtsstreitigkeiten und Rückrufaktionen. Doch nur weil ein Unternehmen ein negatives Ereignis erlebt, heißt das nicht, dass das Unternehmen nicht grundsätzlich wertvoll ist oder dass sich seine Aktien nicht wieder erholen werden. In anderen Fällen gibt es vielleicht ein Segment oder einen Geschäftsbereich, der die Rentabilität eines Unternehmens negativ beeinflusst. Das kann sich jedoch ändern, wenn das Unternehmen beschließt, diesen Geschäftsbereich zu veräußern oder zu schließen.

Ein weiteres Beispiel für kurs-beeinflussende „schlechte“ Nachrichten: Die vielbeachteten Analysten sind nicht immer besonders gut darin, die wichtigen wirtschaftlichen Kennzahlen beobachteter Unternehmen zu prognostizieren. Und so passiert es, dass Anleger oft in Panik geraten und verkaufen, wenn ein Unternehmen Gewinne bekannt gibt, die unter den Erwartungen der Analysten liegen.

Value-Investoren, die über die Herabstufungen und negativen Nachrichten hinausblicken, kaufen jedoch just in solchen Momenten diese Aktien zu niedrigeren Preisen, weil sich der langfristige Wert eines Unternehmens nicht verändert hat.

Wirtschaftszyklen

Unter Wirtschaftszyklen versteht man die Schwankungen, die ein Unternehmen beeinflussen. Bedeutet, dass Unternehmen nicht immun gegen das Auf und Ab der Wirtschaft gefeit sind beziehungsweise sein können. Sei es aufgrund der Saisonalität und der Jahreszeit oder der Einstellung und Stimmung der Verbraucher bis hin zu globalen Katastrophen wie der Corona Pandemie. All dies kann sich auf die Gewinnhöhe und den Aktienkurs eines Unternehmens auswirken, muss aber keinen negativen Einfluss auf den langfristigen Unternehmenswert an sich haben.

Wie Value Investing als Anleger „verstanden“ werden sollte

Nachdem nun festgestellt wurde, welche Faktoren den Wert einer Aktie neben den eigentlichen Fundamental-Daten des Unternehmens beeinflussen können, gilt es zu verstehen, wie man nun aus diesen Erkenntnissen heraus, dieses Wissen zur Umsetzung der Value-Investing Strategie nutzen kann.

Das Grundkonzept des Value Investing ist dabei auch für Laien relativ einfach zu verstehen:

„Wer den wahren Wert einer Sache kennt, sollte versuchen diese Sache zum besten Preis zu kaufen.“

Mit Aktien verhält es sich ähnlich, d. h. der Aktienkurs eines Unternehmens kann sich ändern, auch wenn der Wert oder die Bewertung des Unternehmens gleichgeblieben ist. Auch Aktien unterliegen Phasen mit höherer und niedrigerer Nachfrage, die zu Preisschwankungen führen – das ändert aber nichts daran, was Sie für Ihr Geld bekommen.

Oder es mit den Worten des derzeit wohl berühmtesten Value-Investors Warren Buffet zu beschreiben:

„Der Preis ist das, was man bezahlt; der Wert ist das, was man bekommt.“

Beim Value-Investing geht es also im Kern darum, die Zeitpunkte zu erkennen, an denen so etwas wie Ausverkäufe von Aktien stattfinden, um sie dann mit einem Abschlag im Vergleich zum Marktwert zu kaufen. Werden diese günstig gekauften Aktien über einen längeren Zeitraum gehalten, so wird der Value-Investor beim Verkauf jener Value-Aktien nicht selten mit erheblichen Gewinnen belohnt. Das Auffinden solcher „unterbewerteter“ Aktien ist im breiten Sprachgebrauch auch als „Stock Picking“ bekannt.

Intrinsischer Wert und Value Investing

Nachdem nun deutlich gemacht wurde, was Value-Investing in der einfachen praktischen Anwendung bedeutet, gilt es nun etwas tiefer in die Materie einzutauchen. Und zwar dahingehend, wie Value-Investoren eigentlich feststellen, ab wann eine Aktie als „unterbewertet“ gilt und sich somit ein Investment in diese Aktie lohnen könnte.

Um dies festzustellen, nutzen Value-Investoren verschiedene Kennzahlen zur Bewertung der Aktie beziehungsweise der Feststellung des sogenannten „inneren“ Wertes.

Dieser „innere Wert (Intrinsischer Wert)“ stellt im Grunde eine Kombination aus Finanzanalysen wie der detaillierten Betrachtung

• der finanziellen Leistung
• des Umsatzes
• des Gewinns
• des Cashflows
• des Gewinns eines Unternehmens

sowie aus fundamentalen Faktoren wie

• der Marke
• dem Geschäftsmodell
• dem Zielmarkt
• dem etwaigen Wettbewerbsvorteil des Unternehmens.

dar.

Die grundlegen Kennzahlen, die für Value-Investoren bei der Aktien-Bewertung von hoher Bedeutung sind, sind die Folgenden:

 

  • Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) oder der Buchwert, der den Wert der Aktiva eines Unternehmens misst und sie mit dem Aktienkurs vergleicht. Ist der Kurs niedriger als der Wert der Aktiva, ist die Aktie unterbewertet, vorausgesetzt, das Unternehmen befindet sich nicht in finanziellen Schwierigkeiten. Value Investoren setzen hier zumeist einen Wert von maximal 1,5 an.
  • Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das die Gewinnentwicklung des Unternehmens aufzeigt, um festzustellen, ob der Aktienkurs nicht den gesamten Gewinn widerspiegelt oder unterbewertet ist.
  • Freier Cashflow (Free Cashflow), d. h. die aus den Einnahmen oder dem Betrieb eines Unternehmens erwirtschafteten Barmittel nach Abzug der Kosten für Ausgaben. Der freie Cashflow ist der Barbetrag, der nach Begleichung der Ausgaben verbleibt, einschließlich der Betriebskosten und großer Anschaffungen, die als Investitionsausgaben bezeichnet werden, d. h. der Kauf von Vermögenswerten wie Ausrüstung oder die Modernisierung einer Produktionsanlage. Wenn ein Unternehmen einen freien Cashflow erwirtschaftet, hat es Geld übrig, um in die Zukunft des Unternehmens zu investieren, Schulden zu tilgen, Dividenden oder Prämien an die Aktionäre zu zahlen und Aktienrückkäufe zu tätigen.

Natürlich gibt es noch viele andere Kennzahlen, die in die Analyse einfließen, wie z. B. die Analyse von Schulden, Eigenkapital, Umsatz, Ertragswachstum, Qualität des Managements etc.

Letztendlich steht jedoch nach Prüfung dieser Kennzahlen der Value-Investor vor der finalen Entscheidung, diese Aktien zu kaufen, wenn der Vergleichswert – also der aktuelle Aktienkurs im Vergleich zum inneren Wert des Unternehmens – attraktiv genug ist.

Value-basierte Investments: Für wen geeignet?

Wer sich als Anleger für die Nutzung einer Value-basierten Investment-Strategie entscheidet, benötigt neben analytischen Fähigkeiten in allererster Linie mal zwei Dinge und das ist Geduld (in Form eines längeren Anlagehorizonts) nebst entsprechender innerer Ruhe.

Im Klartext: Wer darauf aus ist, kurzfristig hohe Gewinne mit Aktienkäufen und -Verkäufen generieren zu wollen, sollte sich nicht dem Prinzip des Value-basierten Investments widmen.

Neben dem Thema Geduld ist auch das Thema des „antizyklischen“ Handelns ein wesentlicher Erfolgsfaktor jener Anlagestrategie. Anleger, die sich von kurzfristigen, extremen Marktbewegungen (Volatilitäten) emotional nicht beeinflussen lassen und nicht den breiten Massen folgen, sind klassische Value-Investoren.

Prinzip? günstig kaufen, beobachten und laufen lassen. Oder um es auch hier mit den Worten des Warren Buffet zu verdeutlichen:

„Risiko resultiert daraus, dass man nicht weiß, was man tut.“

Value-Investing – Wer hat es erfunden?

Stellt sich abschließend die Frage, wer denn nun der geistige Vater dieser einfachen, aber letztendlich belegbar erfolgreichen Investmentstrategie ist?

Die Väter des Value Investing
Die Väter und Erfinder des Value Investing – Benjamin Graham und David Dodd

 

Als „Erfinder“ des Value-orientierten investierens“ gilt der Wirtschaftswissenschaftler und Investor Benjamin Graham. In Zusammenarbeit mit David Dodd veröffentlichte er im Jahre 1934 das Buch „Security Analysis“, das bis heute als DAS Standardwerk des Value Investings gilt. Dieses Buch beschreibt die Grundlagen der quantitativen Fundamental-Analyse anhand derer sich unterbewerte Unternehmen identifizieren lassen.

Endgültig bekannt wurde die Strategie des Value Investings jedoch mit dem wohl bekanntesten Buch von Benjamin Graham „The Intelligent Investor“ aus dem Jahre 1949, mit dem sich Graham an ein breiteres Publikum wandte. Durch zahlreiche Überarbeitungen, Übersetzung in zahlreiche Sprachen sowie der Nutzung als Studiums-Lektüre avancierte dieses Buch über die Jahrzehnte zu einer Art „Investment-Bibel“ für jeden, der sich für die Börse und Investments interessierte.

Letztendlich „verdankt“ auch ein Warren Buffet diesem Buch seine unbeschreibliche Karriere als einer der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten. Denn dieses Buch bewegte Warren Buffet (nach entsprechender Lektüre) dazu, bei Benjamin Graham an der Columbia University zu studieren.

Die berühmtesten Vertreter des Value Investing

Das die Strategie des Value-basierten Investments sehr erfolgreich ist beziehungsweise sein kann, belegt der Umstand dass zahlreiche bekannte Börsenpersönlichkeiten dieser Strategie ihren immensen Reichtum verdanken.

Die berühmtesten Value-Investoren
Die bekanntesten Vertreter der Value Investing Strategie – Peter Lynch, Charles Munger, Walter Schloss und Warren Buffet – Quelle: Roboadvisor Portal.com

Investoren, die ihren Erfolg auf dieser Strategie verdanken sind neben Warren Buffet vor allem:

 

Die berühmtesten Vertreter dieser Investment-Strategie in Deutschland sind

  • Dr. Hendrik Leber (Acatis Vermögensverwaltung)
  • Professor Doktor Max Otte

Das Fazit zur Value Investing Strategie

Zweifelsohne ist diese Investment-Strategie eine der erfolgreichsten Methoden, um erfolgreich an den Börsen dieser Welt zu agieren. Dennoch ist auch diese Strategie nicht frei von Risiken und keinesfalls eine Garantie für das Erzielen hoher Renditen. Zwar besteht durch die Identifikation unterbewerteter Aktien die Chance auf eine Outperformance, jedoch setzt dies ein korrekte fundamentale Analyse voraus. Und selbst wenn diese korrekt ist, so ist die Gefahr einer Fehlinterpretation dieser Daten nie vollständig ausgeschlossen.

Facebook
Twitter
LinkedIn
Pinterest
Pocket
Reddit
XING
WhatsApp
Ratgeber - die Value Investing Strategie » RoboAdvisor-Portal.com - das Infoportal

Markus G

Markus ist der “Kopf” des Teams. Ideengeber, Vermarkter, Redakteur und irgendwie an allem auf diesem Portal beteiligt. Ohne ihn würde es dieses Portal so nicht geben. Eine Idee – entstanden aus dem persönlichen Interesse an FinTech und nun langjähriger Erfahrungen in der Finanz-Szene. Zudem ist Markus Kolumnist auf zahlreichen Online-Plattformen – vor allem im englischsprachigen Raum (The Verge, Talkmarkets, Stockopedia, aber u.a. auch auf Focus.de
Empfehlungen aus der Redaktion

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert