Er ist die lebende Legende der Finanzwelt und wird ehrfürchtig das „Orakel von Omaha“ genannt – Warren Buffett. Mit Berkshire Hathaway hat er aus einem strauchelnden Textilunternehmen eines der wertvollsten Konglomerate der Welt geschaffen. Seine Investmentstrategie des Value Investing hat Generationen von Anlegern geprägt und ihm ein Vermögen von rund 150 Milliarden Dollar eingebracht.
Doch Buffett ist weit mehr als ein erfolgreicher Investor. Er ist ein Meister der Kapitalallokation, der es versteht, mit simplen Prinzipien außergewöhnliche Investment-Ergebnisse zu erzielen. Seine jährlichen Briefe an die Aktionäre sind Pflichtlektüre für jeden ernsthaften Anleger, und seine Hauptversammlungen in Omaha ziehen Tausende Investoren aus aller Welt an, die von seiner Weisheit lernen wollen.
Was macht Warren Buffett zu einem der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten? Welche Strategien stehen hinter seinem phänomenalen Erfolg? Und welche Lehren können Privatanleger aus seinen fast sieben Jahrzehnten an den Kapitalmärkten ziehen?
Markus G
23. Oktober 2025
Zuletzt aktualisiert am: 21. September 2026
Warren Edward Buffett wurde am 30. August 1930 in Omaha, Nebraska, geboren – ausgerechnet inmitten der Großen Depression. Sein Vater Howard war Börsenmakler und später Kongressabgeordneter, die Mutter Leila kümmerte sich um die Familie. Die wirtschaftlich schwierigen Zeiten prägten den jungen Warren nachhaltig und schärften seinen Sinn für den Wert des Geldes.
Bereits als Kind zeigte sich Buffetts außergewöhnliches Talent für Zahlen und Geschäfte. Mit sechs Jahren verkaufte er Kaugummi und Coca-Cola an Nachbarn. Mit elf Jahren wagte er seinen ersten Schritt an die Börse und kaufte drei Aktien von Cities Service Preferred für sich und seine Schwester Doris. Die Aktien fielen zunächst, erholten sich aber wieder – eine frühe Lektion in Geduld, die ihn sein Leben lang begleiten sollte.
Als Teenager verdiente Buffett bereits beträchtliche Summen. Er trug Zeitungen aus, mietete Flipperautomaten an Friseurläden und verkaufte gebrauchte Golfbälle. Mit 16 Jahren hatte er bereits 6.000 Dollar gespart – nach heutiger Kaufkraft etwa 75.000 Dollar. Sein unternehmerischer Instinkt und seine Sparsamkeit waren bereits in jungen Jahren ausgeprägt.
Der entscheidende Wendepunkt kam während seines Studiums an der Columbia Business School. Dort traf er auf Benjamin Graham, den Vater des Value Investing. Grahams Bücher Security Analysis und The Intelligent Investor wurden zu Buffetts Bibel. Graham lehrte ihn, Aktien nicht als Spekulationsobjekte zu sehen, sondern als Anteile an realen Unternehmen mit intrinsischem Wert. Diese Philosophie sollte die Grundlage für Buffetts gesamte Karriere bilden.
Warren Buffett – Steckbrief
| Vollständiger Name | Warren Edward Buffett |
| Geburtsdatum | 30. August 1930, Omaha, Nebraska |
| Spitzname | Orakel von Omaha |
| Funktion bei Berkshire | Chairman (seit Jan. 2026, zuvor CEO) |
| Anlagestrategie | Value Investing |
| Geschätztes Vermögen | ca. 147–150 Mrd. USD (Forbes/Bloomberg, Stand August 2026) |
| Mentor | Benjamin Graham |
| Berkshire-Rendite (1965–2024) | Ø 19,9 % p. a. vs. 10,4 % S&P 500 |
Nach seinem Abschluss 1951 arbeitete Buffett zunächst bei Graham-Newman, der Investmentfirma seines Mentors. Als Graham die Firma 1956 auflöste, kehrte Buffett nach Omaha zurück und gründete mit gerade einmal 26 Jahren die Buffett Partnership Ltd. Sein Startkapital: 105.000 Dollar, von denen nur 100 Dollar sein eigenes Geld waren. Den Rest steuerten Familie und Freunde bei, die an sein Talent glaubten.
Was Buffetts Partnership von anderen unterschied, war die Gebührenstruktur: Statt einer festen Managementgebühr nahm er nur eine Gewinnbeteiligung – und auch nur dann, wenn die Rendite sechs Prozent überstieg. Diese Struktur schuf perfekte Interessengleichheit zwischen ihm und seinen Investoren.
Buffett Partnership: Ergebnisse im Überblick (1957–1969)
Doch 1969 traf Buffett eine Entscheidung, die seine Investoren schockierte: Er löste die Partnership auf. Der Markt war ihm zu teuer geworden, die Bewertungen zu hoch. Statt gegen seine Prinzipien zu verstoßen, gab er lieber das Geld zurück. Diese Disziplin – zu wissen, wann man nicht investieren sollte – ist eine von Buffetts unterschätzten Stärken.
Die Geschichte von Berkshire Hathaway beginnt mit einem Fehler – zumindest nach Buffetts eigener Einschätzung. 1962 begann er, Aktien des Textilherstellers zu kaufen, der in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Nach einem Streit mit dem damaligen Management übernahm er 1965 die Kontrolle über das Unternehmen.
Das Textilgeschäft erwies sich als Desaster. Die Branche war strukturell zum Scheitern verurteilt – ausländische Konkurrenz, sinkende Margen, hoher Kapitalbedarf bei niedrigen Renditen. Buffett bezeichnete den Kauf später als seinen größten Fehler.
Doch Buffett machte das Beste daraus. Er nutzte den Cashflow aus dem Textilgeschäft, um in andere Bereiche zu diversifizieren. 1967 kam der Durchbruch mit dem Kauf von National Indemnity, einem Versicherungsunternehmen. Versicherungen wurden zur Goldgrube – nicht wegen der Underwriting-Gewinne, sondern wegen des „Float“: Versicherungsprämien, die eingezahlt werden, bevor Schäden ausgezahlt werden müssen. Dieses Geld konnte Buffett investieren und vermehren.
In den folgenden Jahrzehnten transformierte Buffett Berkshire von einem Textilhersteller zu einem diversifizierten Konglomerat. Er kaufte GEICO, die führende Direktversicherung. Er investierte massiv in Coca-Cola und erkannte den Wert der Marke, als andere nur ein Getränkeunternehmen sahen. Er erwarb die Eisenbahngesellschaft BNSF für 26,5 Milliarden Dollar. Und ab 2016 baute er eine Position in Apple auf.
Was ist Value Investing nach Warren Buffett?
Value Investing bedeutet, Aktien qualitativ hochwertiger Unternehmen zu kaufen, wenn sie unter ihrem intrinsischen Wert (innerem Wert) gehandelt werden – und sie dann langfristig zu halten. Buffetts Kernformel: „Kaufe ein wunderbares Unternehmen zu einem fairen Preis – nicht ein faires Unternehmen zu einem wunderbaren Preis.“
Anfangs folgte Buffett strikt Benjamin Grahams Ansatz des „Cigar Butt Investing“ – billige Unternehmen kaufen, den letzten Zug nehmen und weitergehen. Doch der Einfluss seines Partners Charlie Munger veränderte sein Denken grundlegend. Munger lehrte ihn, dass es besser ist, ein wunderbares Unternehmen zu einem fairen Preis zu kaufen als ein faires Unternehmen zu einem wunderbaren Preis.
Für Warren Buffett sind es vier Kernkriterien:
Ein klassisches Beispiel für Buffetts Methode ist seine Investition in Coca-Cola 1988. Der Markt war pessimistisch, die Aktie günstig bewertet. Buffett erkannte jedoch den immensen Wert der Marke und des globalen Vertriebsnetzes. Er investierte 1,3 Milliarden Dollar. Heute ist diese Position über 34 Milliarden Dollar wert und wirft jährlich Dividenden ab, die den ursprünglichen Kaufpreis übersteigen.
Buffetts Erfolg basiert nicht auf Hunderten von Trades, sondern auf wenigen außergewöhnlichen Investments, die er jahrzehntelang hält. Sein Ansatz ist konzentriert – die Top-5-Positionen machen weiterhin rund 63 Prozent des Aktienportfolios aus.
Coca-Cola ist und bleibt eine seiner besten Entscheidungen. Die Position, die er 1988 aufbaute, hält Berkshire noch heute. Aus 1,3 Milliarden anfänglichem Anlagewert wurden mittlerweile fast 35 Milliarden Dollar – die Aktie markierte Anfang August 2026 sogar ein neues Allzeithoch.
American Express ist ein weiteres Beispiel für Buffetts Contrarian-Instinkt. 1963 geriet das Unternehmen in eine Krise wegen des Salatöl-Skandals. Während andere verkauften, kaufte Buffett massiv ein – er erkannte, dass Marke und Geschäftsmodell intakt waren. Auch diese Position hält Berkshire seit über 60 Jahren, und sie ist inzwischen zur mit Abstand zweitgrößten Einzelposition des Portfolios herangewachsen.
Sein Investment in Bank of America während der Finanzkrise 2011 zeigt seine Fähigkeit, in Krisenzeiten mutig zu agieren. Er investierte fünf Milliarden Dollar in Vorzugsaktien mit attraktiven Konditionen, als die Bank um ihr Überleben kämpfte. Anders als die „unbefristeten“ Kernpositionen gilt Bank of America inzwischen als eher verzichtbar: Buffett und Nachfolger Abel haben den Bestand seit Mitte 2024 bereits um rund die Hälfte reduziert, unter anderem weil die Aktie längst nicht mehr die Schnäppchenbewertung von 2011 aufweist.
Die Apple-Investition ab 2016 überraschte viele. Jahrzehntelang hatte Buffett Technologieunternehmen gemieden. Doch er sah Apple nicht als Tech-Firma, sondern als Konsumgüterunternehmen mit außergewöhnlicher Markentreue. Apple ist nach wie vor die mit Abstand größte Einzelposition im Portfolio.
| Kennzahl | Berkshire Hathaway | S&P 500 (inkl. Div.) |
|---|---|---|
| Ø Jahresrendite (1965–2024) | 19,9 % | 10,4 % |
| Gesamtrendite | ca. 5.500.000 % | ca. 39.000 % |
| 1.000 $ (1965) → heute | ca. 40 Mio. $ | ca. 300.000 $ |
Quelle: Berkshire Hathaway Annual Report 2024
Die Performance von Berkshire Hathaway ist beispiellos. Von 1965 bis 2024 erzielte die Aktie eine durchschnittliche jährliche Rendite von 19,9 Prozent, verglichen mit 10,4 Prozent für den S&P 500 (inkl. Dividenden). Diese scheinbar kleine Differenz von etwa zehn Prozentpunkten macht über fast sechs Jahrzehnte einen astronomischen Unterschied aus.
Die A-Aktie von Berkshire, die nie gesplittet wurde, kostet Stand August 2026 rund 790.000 Dollar pro Stück – gestartet 1965 bei 19 Dollar. Keine andere Aktie der Welt kann auf eine vergleichbare Langfrist-Performance zurückblicken.
Doch die jüngere Vergangenheit zeigt auch die Grenzen des Erfolgs. Von 2000 bis 2024 lag Buffetts durchschnittliche Jahresrendite nur noch leicht über dem S&P 500. Die schiere Größe von Berkshire – mit einer Marktkapitalisierung von über einer Billion Dollar – macht es mathematisch schwierig, die früheren Überrenditen zu wiederholen. Buffett selbst warnt regelmäßig davor.
Ende 2025 – Buffetts letztes Jahr als CEO – spiegelte das Portfolio noch seine über Jahrzehnte gewachsene Präferenz für wenige, hochwertige Beteiligungen wider. Laut SEC-13F-Einreichung (Stand 31.12.2025):
| Unternehmen | Portfolioanteil | Marktwert (ca.) |
|---|---|---|
| Apple (AAPL) | ~23 % | ~63 Mrd. $ |
| American Express (AXP) | ~20 % | ~56 Mrd. $ |
| Bank of America (BAC) | ~10 % | ~28 Mrd. $ |
| Coca-Cola (KO) | ~10 % | ~28 Mrd. $ |
| Chevron (CVX) | ~6,5 % | ~18 Mrd. $ |
| Sonstige | ~30,5 % | ~84 Mrd. $ |
Quelle: SEC 13F-Einreichung Q4 2025. Werte sind Näherungsangaben.
Dieses Bild hat sich im Verlauf des Jahres 2026 spürbar verändert. Bereits in seinem ersten vollen Quartal als CEO räumte Greg Abel kräftig auf: Im ersten Quartal 2026 trennte sich Berkshire von 16 Aktienpositionen komplett und reduzierte sechs weitere – darunter auch die traditionsreiche Chevron-Position, die aus den Top 5 herausfiel. Im Gegenzug baute Abel unter anderem eine neue, mittlerweile bedeutende Position in Alphabet (Google) auf. Bezeichnend: Buffett selbst räumte in einem CNBC-Interview mit Becky Quick ein, dass er diese Alphabet-Position noch selbst angestoßen hatte, bevor er das Ruder an Abel übergab.
Das Berkshire-Portfolio unter Greg Abel (Stand 5. August 2026)
| Unternehmen | Portfolioanteil | Marktwert (ca.) |
|---|---|---|
| Apple (AAPL) | ~20 % | ~70,9 Mrd. $ |
| American Express (AXP) | ~14,9 % | ~52,9 Mrd. $ |
| Coca-Cola (KO) | ~9,8 % | ~34,7 Mrd. $ |
| Bank of America (BAC) | ~9,1 % | ~32,5 Mrd. $ |
| Alphabet (GOOGL/GOOG) | ~8,8 % | ~31,3 Mrd. $ |
| Sonstige | ~37,4 % | ~132,7 Mrd. $ |
Quelle: Berkshire-Portfolio auf Basis Schlusskursen vom 5. August 2026, Gesamtportfolio ca. 355 Mrd. $. Werte sind Näherungsangaben.
Auffällig ist, wie stark die Top-5-Positionen weiterhin das Bild prägen: Zusammen machen sie rund 63 Prozent (etwa 222,3 Milliarden Dollar) des gesamten Aktienportfolios aus – Abel bleibt damit, ganz in Buffetts Tradition, ein Verfechter konzentrierter statt breit gestreuter Wetten. Coca-Cola und American Express gelten laut Buffetts eigener Einordnung als „unbefristete“ Kernpositionen und erwirtschaften dank ihrer niedrigen historischen Einstandskurse Dividendenrenditen auf den ursprünglichen Kaufpreis von rund 65 respektive 45 Prozent pro Jahr. Bank of America dagegen gilt zunehmend als verzichtbar: Die Position wurde seit Mitte 2024 bereits um rund die Hälfte reduziert, auch weil die Aktie inzwischen mit einem deutlichen Aufschlag zum Buchwert gehandelt wird statt, wie 2011, mit einem Abschlag.
Besonders auffällig war die Rekord-Cash-Position, die Buffett und später Abel bewusst vorhielten – nicht um den Markt zu timen, sondern um bei der nächsten Krise als Käufer bereit zu stehen. Sie erreichte zum 31. März 2026 mit rund 397,4 Milliarden Dollar ihren bisherigen Höchststand. Im zweiten Quartal 2026 begann Abel dann erstmals sichtbar, diesen Kriegskassenbestand einzusetzen: Bis zum 30. Juni 2026 sank die Cash-Position um 8,0 Prozent auf rund 365,5 Milliarden Dollar – unter anderem durch Aktienrückkäufe von 4,5 Milliarden Dollar und Netto-Aktienkäufe von knapp 20 Milliarden Dollar. Berkshire wurde damit im zweiten Quartal 2026 erstmals seit Längerem wieder zum Nettokäufer von Aktien, nachdem Abel im ersten Quartal noch überwiegend verkauft hatte. Ergänzend hält Berkshire weiterhin bedeutende Positionen in fünf großen japanischen Handelskonzernen: Mitsubishi, Mitsui, Itochu, Marubeni und Sumitomo.
Buffetts Erfolg basiert nicht auf geheimen Formeln oder Insiderwissen, sondern auf konsequenter Anwendung simpler Prinzipien. Seine jährlichen Briefe an die Aktionäre, die er seit 1965 verfasst, sind voll von Weisheiten, die jeder Anleger beherzigen sollte.
Sein wichtigstes Prinzip: Investiere nur in das, was du verstehst. Sein „Circle of Competence“ – der Kreis der Kompetenz – definiert, in welche Unternehmen er investiert und welche er meidet. Jahrzehntelang ignorierte er Technologie, weil er sie nicht verstand. Erst als er Apple als Konsumgüterunternehmen betrachtete, stieg er ein.
Ein weiteres Kernprinzip: Denke langfristig. Buffetts bevorzugter Haltezeitraum ist „für immer“. Diese Langfristorientierung befreit ihn von der Tyrannei kurzfristiger Kursschwankungen und ermöglicht es ihm, vom Zinseszinseffekt optimal zu profitieren.
Emotionale Kontrolle ist ein dritter Pfeiler seines Erfolgs. Sein berühmter Rat:
„Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und gierig, wenn andere ängstlich sind.“
Während der Dotcom-Blase Ende der 1990er Jahre weigerte er sich, überbewertete Technologieaktien zu kaufen. Er wurde dafür verspottet, als altmodisch abgestempelt. Doch als die Blase platzte, behielt er recht.
Buffett predigt auch die Macht der Einfachheit. Komplizierte Investmentstrategien beeindrucken ihn nicht. Er bevorzugt Unternehmen mit simplen, verständlichen Geschäftsmodellen. See’s Candies verkauft Pralinen, Coca-Cola verkauft Limonade, GEICO verkauft Versicherungen. Diese Klarheit reduziert das Risiko von Fehleinschätzungen.
Was Buffett von vielen anderen unterscheidet, ist seine Offenheit über Fehler. In seinen Aktionärsbriefen analysiert er regelmäßig seine Fehlentscheidungen und die daraus gezogenen Lehren.
Der Kauf von Berkshire Hathaway selbst war sein größter Fehler, wie er selbst sagt. Er investierte aus Emotionen heraus in ein strukturell zum Scheitern verurteiltes Textilgeschäft. Das Kapital, das über Jahre in diesem Geschäft gebunden war, hätte er weitaus profitabler einsetzen können.
Der Kauf von Dexter Shoes 1993 für 433 Millionen Dollar in Berkshire-Aktien war ein weiterer Fehlschlag. Das Unternehmen verlor komplett an Wert durch billige Konkurrenz aus Asien. Noch schmerzhafter: Er bezahlte mit Berkshire-Aktien, die heute Milliarden wert wären.
Auch verpasste Chancen gehören zu Buffetts Lernkurve. Er räumt ein, Google und Amazon nicht gekauft zu haben, obwohl er deren Geschäftsmodelle durchaus verstand. Manchmal, so sagt er, ist Inaktivität der größte Fehler. Bemerkenswert: Ausgerechnet die von ihm einst verpasste Google-Mutter Alphabet ist es, mit der sein Nachfolger Greg Abel nun eine der größten Neupositionen des Portfolios aufgebaut hat – nach eigener Aussage Buffetts letzter noch von ihm selbst angestoßener Coup.
Doch aus jedem Fehler zog Buffett Konsequenzen. Nach Dexter Shoes schwor er, nie wieder mit Aktien zu bezahlen. Diese Lernfähigkeit ist vielleicht sein unterschätztestes Talent.
Warren Buffett ist eine Anomalie unter Milliardären. Er lebt noch immer in demselben Haus in Omaha, das er 1958 für 31.500 Dollar kaufte. Er fährt sich selbst im Auto durch die Stadt, isst zum Frühstück bei McDonald’s und hat eine Vorliebe für Cherry Coke und Hamburger. Diese Bodenständigkeit ist keine Show – sie ist Teil seiner Persönlichkeit.
Sein bescheidener Lebensstil steht in krassem Gegensatz zu seinem Vermögen von rund 145 Milliarden Dollar (Bloomberg Billionaires Index, September 2026). Fast sein gesamtes Vermögen steckt in Berkshire-Aktien. Er zahlte sich selbst ein Gehalt von nur 100.000 Dollar jährlich – seit Jahrzehnten unverändert, und auch nach seinem Rückzug als CEO weiterhin unverändert.
Seine philanthropische Haltung ist bemerkenswert. 2006 kündigte er an, 85 Prozent seines Vermögens zu spenden – größtenteils an die Bill & Melinda Gates Foundation. Bis heute hat er bereits über 60 Milliarden Dollar gespendet, unter anderem durch eine weitere große Aktienspende Mitte Juli 2026. 2010 initiierte er gemeinsam mit Bill Gates das „Giving Pledge“, eine Initiative, die Milliardäre ermutigt, mindestens die Hälfte ihres Vermögens zu spenden.
Die jährliche Hauptversammlung von Berkshire Hathaway in Omaha ist ein einzigartiges Ereignis in der Finanzwelt. Über 40.000 Aktionäre aus aller Welt pilgern jedes Jahr nach Nebraska, um Buffett live zu erleben. Die Veranstaltung wird liebevoll als „Woodstock für Kapitalisten“ bezeichnet.
Das Herzstück ist eine mehrstündige Frage-und-Antwort-Runde. Aktionäre können den CEO zu allem befragen – von spezifischen Investmententscheidungen über makroökonomische Entwicklungen bis zu Lebensweisheiten. Die Antworten sind eine Mischung aus tiefgründiger Analyse, praktischer Erfahrung und trockenem Humor.
Seit Charlie Mungers Tod im November 2023 im Alter von 99 Jahren führt Buffett die Veranstaltungen allein weiter. Die Ära Buffett-Munger, eine der erfolgreichsten Partnerschaften der Wirtschaftsgeschichte, ist damit zu Ende gegangen. Die Hauptversammlung im Mai 2026 war die erste, bei der Greg Abel als amtierender CEO die Fragen der Aktionäre beantwortete – Buffett saß erstmals seit sechs Jahrzehnten als Chairman an seiner Seite, statt selbst federführend zu moderieren.
Aktuelle Entwicklung (Stand: 21. September 2026)
Am 18. September 2026 hat Warren Buffett den Vorsitz des Verwaltungsrats abgegeben, den er seit 1970 innehatte. Er bleibt als Chairman Emeritus Mitglied des Boards. Neuer Chairman ist sein Sohn Howard Buffett, seit 1993 Berkshire-Direktor. Greg Abel bleibt CEO, Susan Decker weiterhin Lead Independent Director.
Zum Geschäft: Im zweiten Quartal 2026 stiegen die operativen Gewinne um 16 Prozent auf 12,98 Milliarden Dollar, getragen von starkem Wachstum im Energie-, Eisenbahn- und Fertigungsgeschäft. Gleichzeitig begann Abel, die zuvor auf einen Rekordwert von 397,4 Milliarden Dollar angewachsene Cash-Position gezielt für Aktienrückkäufe und Zukäufe einzusetzen.
Mit 95 Jahren übergab Buffett zum 1. Januar 2026 den Staffelstab als CEO an seinen langjährigen Vertrauten Greg Abel, den er bereits seit Jahren als designierten Nachfolger öffentlich benannt hatte. Abel, 1962 in Edmonton, Kanada, geboren, leitete zuvor das Nicht-Versicherungsgeschäft von Berkshire und baute das Energiegeschäft des Konzerns massiv aus.
Buffetts letzter Aktionärsbrief als CEO (November 2025) fasste seine Überzeugung so zusammen: Abel habe die hohen Erwartungen mehr als erfüllt und verstehe viele der Berkshire-Geschäfte und das Personal besser als Buffett selbst. Bereits im März 2026 investierte Abel sein gesamtes Nettogehalt von rund 15 Millionen Dollar in Berkshire-Aktien der Klasse A – ein starkes Bekenntnis zu seinem eigenen Mandat.
Der letzte Schritt: Buffett gibt den Chairman-Posten ab. Am 18. September 2026 folgte der bislang letzte Schritt des Generationswechsels. Der inzwischen 96-jährige Buffett trat nach mehr als 50 Jahren als Chairman zurück, bleibt aber als Chairman Emeritus im Board. In seinem Brief an die Aktionäre räumte er ein, dass am Ende immer die Zeit gewinnt – „Father Time always wins“ –, sie sei aber großzügig zu ihm gewesen. Als Grund für den Zeitpunkt nannte er unter anderem, dass Abel seine Erwartungen übertroffen habe und der Übergang damit abgeschlossen werden könne. Buffett kündigte zudem an, weiterhin als Aktionär an der Seite der Anleger zu bleiben.
Die Rollenverteilung ist eindeutig: Abel führt das operative Geschäft und entscheidet über Investitionen und Kapitalallokation. Howard Buffett (71), Landwirt und Philanthrop, soll als nicht-exekutiver Chairman Kultur und Werte des Konzerns hüten. Sein Vater verwies darauf, dass Howard seit 33 Jahren im Board sitzt und damit länger eingearbeitet ist, als er selbst es vor der Übernahme von Berkshire war, und beschrieb ihn sinngemäß als eine Art Police der Aktionäre, die man hofft, nie in Anspruch nehmen zu müssen. Die Börse reagierte gelassen: Die B-Aktie gab am Tag der Bekanntgabe nur um rund 0,3 Prozent nach.
Im Rückblick zeigt sich, wie deutlich Abel seit Jahresbeginn eigene Akzente setzt. Im ersten Quartal 2026 räumte er zunächst kräftig auf: 16 Positionen wurden komplett verkauft, sechs weitere reduziert – darunter die traditionsreiche Chevron-Beteiligung. Im zweiten Quartal 2026 drehte er dann um und wurde per saldo zum Nettokäufer von Aktien, unter anderem durch den weiteren Ausbau der neuen Alphabet-Position. Ein bemerkenswerter Unterschied zu Buffetts Ära: Technologieaktien stehen unter Abel deutlich stärker auf der Einkaufsliste, ohne dass er dabei Buffetts Grundprinzip der fairen Bewertung aufgegeben hätte.
Die einst zentrale strategische Frage – wie die rekordhohe Cash-Position eingesetzt wird – hat sich damit im Sommer 2026 erstmals sichtbar beantwortet: über eine Kombination aus Aktienrückkäufen (4,5 Milliarden Dollar allein im zweiten Quartal), gezielten Neupositionen wie Alphabet und dem weiteren Abbau von als weniger strategisch eingestuften Positionen wie Bank of America und Chevron.
Die Investmentseite liegt in den Händen von Abel und Ted Weschler (nach dem Abgang von Todd Combs Ende 2025).
Trotz aller Erfolge gibt es auch Kritikpunkte an Buffett und Berkshire. Die Investitionen in fossile Energieunternehmen wie Occidental Petroleum wurden zunehmend hinterfragt; die Chevron-Position selbst wurde im ersten Quartal 2026 unter Abel deutlich reduziert. Kritiker bemängeln, dass Berkshire nicht genug für Klimaschutz und Nachhaltigkeit tue.
Buffetts Antwort war stets pragmatisch: Fossile Brennstoffe würden noch für Jahrzehnte gebraucht, und er investiere in profitable Geschäfte, nicht aus ideologischen Gründen. Gleichzeitig verwies er auf die massiven Investitionen in erneuerbare Energien durch Berkshire Hathaway Energy.
Auch die sinkende Outperformance in den letzten zwei Jahrzehnten gibt Anlass zur Frage, ob Buffetts Methoden in modernen, effizienteren Märkten noch genauso gut funktionieren. Die schiere Größe von Berkshire macht es mathematisch schwierig, die früheren Überrenditen zu wiederholen – eine Herausforderung, vor der nun auch Nachfolger Abel steht. Zuletzt lief es an der Börse zäh: Berkshires B-Aktien lagen 2026 bis Mitte September nur rund 1 Prozent im Plus, während der S&P 500 im selben Zeitraum etwa 11,5 Prozent zulegte – Anleger setzten zuletzt verstärkt auf den KI-Trend.
Warren Buffetts Prinzipien sind nicht nur für Milliardäre relevant. Privatanleger können eine Fülle von Lehren aus seinen fast sieben Jahrzehnten an den Märkten ziehen:
Investiere langfristig und lass den Zinseszinseffekt für dich arbeiten. Buffetts Vermögen entstand nicht durch spektakuläre Einzeltrades, sondern durch konsequentes, geduldiges Investieren über Jahrzehnte. Wer häufig handelt, generiert hauptsächlich Gebühren und Steuern.
Verstehe, in was du investierst. Buffetts Circle of Competence ist für jeden Anleger wichtig. Investiere nur in Unternehmen und Branchen, die du wirklich durchschaust. Komplexität ist kein Zeichen von Qualität.
Nutze Krisen als Chancen. Buffetts beste Investments entstanden in Zeiten der Panik. Wer die emotionale Disziplin hat, antizyklisch zu agieren, kann außergewöhnliche Renditen erzielen. Das erfordert jedoch Cash-Reserven und den Mut, gegen die Masse zu handeln.
Für die meisten Privatanleger gilt: kostengünstige Indexfonds auf den S&P 500. Buffetts eigene Empfehlung ist ehrlich: Die meisten Anleger haben weder die Zeit noch die Fähigkeit für erfolgreiches Stock-Picking. Ein breit gestreuter Indexfonds, regelmäßig bespart über Jahrzehnte, ist für die meisten Menschen der sicherste Weg zu Wohlstand.
Warren Buffett ist mehr als nur der erfolgreichste Investor der Geschichte. Er ist ein Lehrer, ein Philosoph der Märkte und ein Vorbild für rationales, prinzipienbasiertes Handeln. Seine fast sieben Jahrzehnte an den Kapitalmärkten bieten eine Fülle von Lektionen für jeden, der sein Geld klug anlegen möchte.
Was Buffett auszeichnet, ist nicht überlegene Intelligenz oder Zugang zu geheimen Informationen. Es ist die konsequente Anwendung simpler Prinzipien über Jahrzehnte hinweg: Verstehe, in was du investierst. Kaufe Qualität zu fairen Preisen. Denke langfristig. Kontrolliere deine Emotionen.
Mit Greg Abel als CEO ist Berkshire Hathaway im Verlauf des Jahres 2026 sichtbar in eine neue Ära eingetreten: ein deutlich aufgeräumtes Portfolio, eine erstmals seit Langem wieder aktiv eingesetzte Cash-Reserve und mit Alphabet eine erste große, von Abel verantwortete Wachstumswette im Technologiesektor. Mit Buffetts Rückzug vom Chairman-Posten am 18. September 2026 ist die Nachfolgeregelung nun vollständig umgesetzt: Abel führt das Unternehmen, Sohn Howard wacht als Chairman über Kultur und Werte, und Buffett selbst bleibt als Chairman Emeritus und Aktionär mit dem Konzern verbunden. Ob Abel die Überrenditen der Vergangenheit fortschreiben kann, bleibt weiterhin offen.
Was bleibt, ist Buffetts Vermächtnis: die Demokratisierung des Investmentwissens und der Beweis, dass erfolgreiche Geldanlage keine Raketenwissenschaft ist – sondern vor allem Geduld, Disziplin und Charakter erfordert.
Disclaimer: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Vergangene Renditen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Stand: September 2026.
Markus G
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Zuletzt aktualisiert am 21. September 2026 by Redaktion