Markus G
Zuletzt aktualisiert am: 28. Juni 2026
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Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) – englisch Price-Earnings Ratio (PE Ratio) – ist eine Kennzahl zur Bewertung von Aktien. Es gibt an, wie viele Jahre ein Unternehmen seinen aktuellen Jahresgewinn erwirtschaften müsste, um den eigenen Börsenwert zu erreichen. Berechnet wird es als:
Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie
Ein niedriges KGV deutet auf eine günstige Bewertung hin, ein hohes KGV auf hohe Wachstumserwartungen des Marktes. Es ist die weltweit meistgenutzte Kennzahl zur Aktienbewertung und zum Unternehmensvergleich.
Lassen Sie uns mit einem Beispiel beginnen: Volkswagen hatte Ende 2024 ein KGV von 5 – günstiger als fast jede andere Aktie im DAX. Gleichzeitig hatte NVIDIA ein KGV von 45 – neunmal teurer. Die notwendige Frage:
Welche Aktie war die bessere Investition?
Wer einfach dem niedrigen KGV gefolgt wäre, hätte die falsche Entscheidung getroffen: NVIDIAs KI-Marktführerschaft rechtfertigte die hohe Bewertung, während Volkswagens niedriges KGV die Transformationsrisiken der Elektromobilität widerspiegelte.
Genau das ist das Paradox des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV): Es ist die meistgenutzte Kennzahl der Aktienanalyse – und gleichzeitig die am häufigsten missverstandene.
Dieser Ratgeber erklärt das KGV (englisch: P/E Ratio) von Grund auf: Berechnung, alle Varianten (Trailing, Forward, Shiller-KGV), Branchenvergleiche mit realen Unternehmen, den Einfluss des Zinsniveaus, historische Fallstudien und die wichtigsten Grenzen der Kennzahl.
KGV auf Englisch: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis heißt auf Englisch P/E Ratio, Price-to-Earnings Ratio oder PER. In Finanzplattformen wie Bloomberg, Yahoo Finance oder Seeking Alpha finden Sie die Kennzahl stets unter dem Kürzel P/E. Alle Begriffe bezeichnen dieselbe Kennzahl: Aktienkurs geteilt durch Gewinn je Aktie.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV oder englisch P/E Ratio) ist eine fundamentale Bewertungskennzahl, die den Börsenkurs einer Aktie ins Verhältnis zum Gewinn je Aktie setzt. Ein KGV von 15 bedeutet: Der Markt bewertet das Unternehmen mit dem 15-fachen des Jahresgewinns – also wie viele Jahresgewinne erforderlich wären, um den aktuellen Marktwert zu erwirtschaften. Diese Kennzahl erlaubt den Vergleich zwischen Unternehmen unterschiedlicher Größe auf einer einheitlichen Basis.
Kernaussage: Ein niedriges KGV kann auf potenzielle Unterbewertung hindeuten, während ein hohes KGV entweder Überbewertung oder hohe Wachstumserwartungen des Marktes zeigt. Beides ist nur im Zusammenhang mit der Branche, der Wachstumsrate und dem aktuellen Zinsniveau richtig einzuordnen.
Benjamin Graham und David Dodd etablierten das KGV in den 1930er Jahren als zentrale Kennzahl des Value Investing. In ihrer wegweisenden Publikation „Security Analysis“ (1934) schufen sie damit die Grundlage für die moderne Wertpapieranalyse. Bis heute wenden Value-Investoren wie Warren Buffett das KGV an – stets eingebettet in eine umfassendere Unternehmensanalyse.
Im Vergleich zum PEG-Ratio (Price/Earnings to Growth, berechnet als KGV / erwartete jährliche Gewinnwachstumsrate) verzichtet das KGV auf die Integration von Wachstumsraten, ist dafür aber einfacher zu berechnen. Gegenüber dem EV/EBITDA zeichnet sich das KGV durch höhere Transparenz aus, vernachlässigt aber die Kapitalstruktur. Das KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis) ist auch bei Verlustunternehmen anwendbar – ein Bereich, in dem das KGV schlicht undefiniert ist.
Schritt-für-Schritt-Berechnung: (1) Ermitteln Sie den aktuellen Aktienkurs, (2) Bestimmen Sie den Gewinn pro Aktie (EPS) aus dem Geschäftsbericht oder Finanzplattformen, (3) Teilen Sie den Aktienkurs durch den EPS.
KGV = Aktienkurs / Gewinn pro Aktie (EPS)
KGV-Formel (P/E Ratio): Aktienkurs geteilt durch den Gewinn je Aktie (EPS)
Aktueller Aktienkurs: 185 Euro | Jahresüberschuss pro Aktie: 7,50 Euro
KGV = 185 € / 7,50 € = 24,7
Das KGV von 24,7 signalisiert: Der Markt bewertet SAP mit dem knapp 25-fachen des Jahresgewinns. Der DAX-Durchschnitt liegt bei einem KGV von etwa 14, der NASDAQ 100 bei 25–30.
Ausgangsdaten (beispielhaft): Aktienkurs 165 Euro | Jahresüberschuss 5,5 Mrd. Euro | Ausstehende Aktien 800 Mio. Stück
Schritt 1 – EPS: 5,5 Mrd. € / 800 Mio. Aktien = 6,88 €
Schritt 2 – KGV: 165 € / 6,88 € = ≈ 24
Das 24-fache des Jahresgewinns – deutlich über dem DAX-Schnitt, was Wachstumserwartungen in Digitalisierung und Automatisierungstechnik reflektiert.
Das historische KGV (Trailing P/E) basiert auf tatsächlich realisierten Gewinnen der zurückliegenden vier Quartale: Trailing KGV = Aktueller Aktienkurs / Summe EPS der letzten vier Quartale
Vorteile: Basiert auf verifizierten, testierten Gewinngrößen ohne Prognoseunsicherheit.
Nachteile: Vergangenheitsorientierung erfasst aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven nicht adäquat.
Das prospektive KGV (Forward P/E) verwendet Gewinnprognosen für zukünftige Perioden, typischerweise den Analystenkonsensus: Forward KGV = Aktueller Aktienkurs / Prognostizierter EPS (nächste 12 Monate)
Vorteile: Zukunftsorientiert, integriert aktuelle Markterwartungen.
Nachteile: Prognoseunsicherheit – Analystenschätzungen können erheblich vom tatsächlichen Ergebnis abweichen.
Forward KGV: Prospektives Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis von Analystenschätzungen im Vergleich zum historischen Trailing KGV
Allianz SE (beispielhaft): Kurs 260 Euro | realisierter EPS 22 Euro | prognostizierter EPS 24 Euro
Trailing KGV = 260 € / 22 € ≈ 11,8 | Forward KGV = 260 € / 24 € ≈ 10,8
Das niedrigere Forward KGV reflektiert Gewinnexpansions-Erwartungen. Typisch für defensive Versicherungswerte mit stabilen Cashflows.
ASML Holding (beispielhaft): Kurs 720 Euro | realisierter EPS 18 Euro | prognostizierter EPS 24 Euro
Trailing KGV = 720 € / 18 € = 40 | Forward KGV = 720 € / 24 € = 30
Die Differenz quantifiziert die eingepreiste Gewinnexpansion durch ASMLs Monopolstellung bei EUV-Lithographie-Technologie.
Das Shiller-KGV (Nobelpreisträger Robert Shiller) wird auch als CAPE (Cyclically Adjusted Price-Earnings Ratio) bezeichnet: Shiller-KGV = Aktueller Marktpreis / Durchschnittlicher inflationsbereinigter 10-Jahres-Gewinn. Es eliminiert zyklische Gewinnverzerrungen und ermöglicht die Identifikation langfristiger Bewertungstrends bei Marktindizes. Historisch liegt das Shiller-KGV des S&P 500 bei etwa 17, Werte über 30 können auf potenzielle Überbewertungsphasen hindeuten. Wichtig: Das Shiller-KGV eignet sich nur für die Bewertung von Marktindizes – nicht für einzelne Aktien.
Shiller-KGV (CAPE Ratio): Zyklisch adjustiertes Kurs-Gewinn-Verhältnis über 10-Jahres-Gewinnbasis
Kernaussage: Die Definition eines „angemessenen“ KGV ist kontextabhängig. Als grobe Orientierung: KGV unter 10 kann Unterbewertung signalisieren, KGV 12–15 gilt als faire Bewertung reifer Unternehmen, KGV über 20 indiziert erhöhte Bewertung oder Wachstumserwartungen. Diese Schwellenwerte sind immer im Branchenkontext zu interpretieren.
Technologie & Software (KGV 25–45):
Konsumgüter & Pharma (KGV 15–35):
Automobilindustrie (KGV 4–8):
Finanzsektor (KGV 8–12):
Diese Tabelle macht deutlich: Ein isolierter Vergleich würde Volkswagen als attraktiver erscheinen lassen. Diese Schlussfolgerung greift jedoch zu kurz – das niedrige KGV reflektiert Transformationsdruck, während das hohe NVIDIA-KGV durch KI-Marktführerschaft und Wachstumsraten über 20 % fundamental gerechtfertigt sein kann.
Die wachstumsadjustierte Bewertung mittels PEG Ratio normalisiert das KGV um die erwartete Gewinnwachstumsrate: PEG Ratio = KGV / Erwartete jährliche Gewinnwachstumsrate (%). PEG-Werte unter 2 gelten als moderat, Werte über 2 deuten auf potenzielle Überbewertung hin.
PEG NVIDIA = 45 / 30 = 1,5 (Wachstumsrate: 30 % p.a.)
PEG Nestlé = 18 / 5 = 3,6 (Wachstumsrate: 5 % p.a.)
Wachstumsadjustiert erscheint NVIDIA trotz höherem absolutem KGV als relativ attraktiver bewertet als Nestlé.
Die relative KGV-Analyse normalisiert die Bewertung durch Bezugnahme auf das Branchen-KGV: Relatives KGV = KGV des Unternehmens / Durchschnittliches Branchen-KGV. Ein relatives KGV < 1 deutet auf Unterbewertung gegenüber der Peergroup hin. Beispiel: SAP mit KGV 25 bei Software-Branchendurchschnitt 30 ergibt relatives KGV 0,83.
Relatives KGV: Unternehmens-KGV im Vergleich zum Branchen-Durchschnitt
Ein universell „richtiges“ KGV gibt es nicht. Wer eine Aktie allein anhand des KGV kauft oder verkauft, riskiert Fehlentscheidungen. Das KGV ist ein nützlicher Einstiegspunkt – aber eine fundierte Anlageentscheidung braucht immer auch Wachstumsrate, Wettbewerbsposition, Kapitalstruktur und das aktuelle Zinsniveau.
Einer der am häufigsten übersehenen Einflussfaktoren auf das KGV ist das allgemeine Zinsniveau. Den theoretischen Rahmen liefert das Capital Asset Pricing Model (CAPM).
Der Wert einer Aktie entspricht dem Barwert aller zukünftigen Gewinne, abdiskontiert mit einem risikoadäquaten Zinssatz. Steigen die Zinsen, steigt der Diskontierungssatz – und damit sinkt der Barwert zukünftiger Gewinne, was KGV-Niveaus nach unten drückt.
Vereinfachte Bewertungsformel: Fairer Aktienwert ≈ EPS / (Diskontierungssatz – Wachstumsrate)
Steigt der Diskontierungssatz von 5 % auf 8 % bei gleichbleibender Wachstumsrate 3 %, sinkt der faire Wert um rund 40 % – allein durch den Zinsanstieg.
Als die US-Notenbank den Leitzins von 0,25 % auf 5,25 % anhob, verlor der NASDAQ 100 im Jahr 2022 rund 33 % – primär auf Multiples-Kompression zurückzuführen.
Multiples-Kompression 2022 am NASDAQ 100:
Forward-KGV Anfang 2022: ~35 (Leitzins 0,25 %)
Forward-KGV Ende 2022: ~22 (Leitzins 4,25 %) → Rückgang trotz stabiler Gewinne
Die Earnings Yield – der Kehrwert des KGV – steht in direktem Zusammenhang zur Renditeerwartung: Earnings Yield = 1 / KGV × 100 %
2021 (Niedrigzins): NASDAQ-KGV ~35 → Earnings Yield 2,9 % | 10-jährige US-Anleihe: ~1,5 % → Aktien bieten deutliche Risikoprämie
2023 (Hochzins): NASDAQ-KGV ~28 → Earnings Yield 3,6 % | 10-jährige US-Anleihe: ~4,5 % → hohe KGVs schwerer zu rechtfertigen
Liegt die Earnings Yield nahe der aktuellen Anleiherendite, sind Aktien relativ zu risikolosen Investments weniger attraktiv.
KGV-Niveaus können nicht losgelöst vom Zinsniveau interpretiert werden. Was 2021 bei Nullzinsen ein „faires“ KGV von 30 war, entspricht bei einem Zinsniveau von 2–4 % (aktueller Rahmen Q2 2026) einer deutlich höheren Bewertungsanforderung.
Anwendungsschritte: (1) Aktuelles KGV ermitteln, (2) Mit historischem 5-Jahres-Durchschnitt des Unternehmens vergleichen, (3) Im Branchenvergleich analysieren, (4) Wachstumsadjustierung mittels PEG Ratio prüfen, (5) Qualitative Faktoren integrieren (Wettbewerbsposition, Management, Markttrends).
KGV (P/E Ratio) in der Fundamentalanalyse: systematisches Aktien-Screening
In der praktischen Anwendung dient das KGV als primäres Screening-Kriterium. Die moderne Portfoliotheorie nach Markowitz zeigt, wie KGV-basiertes Screening mit Diversifikationsansätzen kombiniert werden kann. Professionelle Analysten nutzen Bloomberg Terminal, FactSet, Morningstar Direct oder kostenfreie Plattformen wie finanzen.net.
Der Bewertungsprozess beginnt mit dem aktuellen KGV, gefolgt von einem zeitlichen Vergleich mit dem historischen 5-Jahres-Durchschnitt. Signifikante Abweichungen nach unten können auf temporäre Unterbewertungen hindeuten.
Wachstumsbereinigt ist Intel mit einem PEG von 2,4 teurer als NVIDIA mit einem PEG von 1,5 – obwohl Intels absolutes KGV niedriger erscheint.
Apple-Aktie 2003–2004: KGV von etwa 15 – während das Unternehmen den iPod bereits eingeführt hatte und vor der iPhone-Revolution stand. Das niedrige KGV reflektierte Nachwirkungen der Dotcom-Krise und Skepsis gegenüber Apples PC-Marktposition. Die Kombination aus niedriger Bewertung und bevorstehenden Produktinnovationen ermöglichte substantielle Wertsteigerungen.
Dotcom-Blase (1999–2000): Zahlreiche Technologieunternehmen wiesen negative Gewinne auf, was KGV-Berechnungen unmöglich machte. Investoren wichen auf Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) aus. Nach dem Platzen der Blase 2000–2002 zeigten sich viele Unternehmen als fundamental überbewertet.
Warren Buffetts Coca-Cola-Investment 1988: KGV von etwa 15 bei S&P 500-Durchschnitt von 12. Das Investment basierte nicht primär auf einem niedrigen KGV, sondern auf nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen: globale Markenführerschaft, Distributionsnetzwerk und stabile Cashflow-Generierung. Buffetts Fokus liegt auf „fairer Preis für exzellente Qualität“.
Kritische Limitationen: Das KGV unterliegt Verzerrungen durch Einmaleffekte, vernachlässigt Wachstumsdynamiken und Kapitalstruktur, ist anfällig für bilanzpolitische Gestaltungen und kann bei Verlustunternehmen nicht berechnet werden.
Einmalige Buchgewinne oder -verluste – etwa durch den Verkauf einer Tochtergesellschaft oder durch Restrukturierungskosten – können den Jahresgewinn stark verzerren, ohne dass sich an der eigentlichen Ertragskraft des Unternehmens etwas geändert hat.
Beispiel Bayer AG – Sondereffektverzerrung:
KGV vor Sondereffekt = 40 € / 4 € = 10
Einmaliger Rechtsstreit-Vergleich (z.B. Glyphosat-Klagen) macht KGV negativ/undefiniert, obwohl sich die operative Ertragskraft nicht fundamental verändert hat. Lösung: Bereinigung um Sondereffekte (Adjusted EPS).
Negative Gewinne machen das KGV schlicht undefiniert. Analysten weichen dann auf EV/EBITDA, EV/Sales oder EV/Free Cash Flow aus. Bei stark zyklischen Unternehmen gilt: Das KGV am Konjunkturtiefpunkt erscheint hoch, obwohl die Aktie fundamental günstig sein kann – und am Höhepunkt umgekehrt.
Der Wirecard-Bilanzskandal (2020) exemplifiziert die Extreme: Systematisch überhöhte Gewinne führten zu artifiziell niedrigen KGVs, die eine fundamental nicht existente Unterbewertung suggerierten.
Eine fundierte Aktienanalyse braucht mehr als eine Kennzahl. Neben dem KGV spielen Umsatzwachstum, Eigenkapitalrendite, Verschuldungsgrad, Free Cash Flow, operative Marge und Wettbewerbsposition eine entscheidende Rolle. Das KGV ist der Startpunkt der Analyse – niemals ihr Endpunkt.
Redaktionelle Einschätzung — RoboAdvisor-Portal.com
Das KGV ist das zentrale Werkzeug der Einzelaktienanalyse. Robo-Advisor hingegen investieren nahezu ausnahmslos in breit diversifizierte ETFs – und bewerten damit explizit keine einzelnen Aktien nach KGV-Kriterien. Das ist kein Mangel, sondern eine bewusste Designentscheidung: Die Kapitalmarktforschung zeigt konsistent, dass aktives Stock-Picking auf Basis von Bewertungskennzahlen nach Kosten selten den Marktdurchschnitt schlägt.
Wer das KGV nutzt und Einzelaktien analysiert, betreibt fundamentales Investieren – eine legitime Strategie mit erhöhtem Zeitaufwand und Risiko. Wer diesen Aufwand scheut, findet in einem Robo-Advisor die kosteneffiziente Alternative mit automatischer Marktbreite.
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist ein bewährtes, aber interpretationsbedürftiges Analyseinstrument. Seine Aussagekraft entfaltet sich erst, wenn man es richtig einbettet: im Branchenvergleich, mit Blick auf die Gewinnqualität und ergänzt durch PEG Ratio und Peer-Group-Analyse.
Die entscheidende Erkenntnis: Der absolute KGV-Wert allein sagt nichts – der Kontext entscheidet alles. Aus der Einleitung bekannt: Ein KGV von 5 kann teuer sein, wenn es strukturelle Transformationsrisiken widerspiegelt. Ein KGV von 45 kann günstig sein, wenn eine KI-Marktführerschaft mit 30 % jährlichem Gewinnwachstum dahintersteht.
Hinzu kommt der Zinseffekt: In Hochzinsphasen komprimieren sich KGVs, weil zukünftige Gewinne höher abdiskontiert werden. Das KGV dient als primäres Screening-Kriterium – die finale Investitionsentscheidung erfordert stets eine umfassende Fundamentalanalyse.
Dieser Ratgeber basiert auf aktuellen Studien zu Aktienbewertung und Fundamentalanalyse. Alle Quellenangaben wurden mit Stand Q2 2026 verifiziert.
[1] Masterarbeit: Price-Cash Flow vs. Price-Earnings Ratio (Universität Bern) – https://www.ifm.unibe.ch
[2] Shiller’s CAPE-Ratio: Empirische Untersuchung – https://books.google.com
[3] Benjamin Graham & David Dodd (1934): „Security Analysis“ – Grundlagenwerk des Value Investing
Dieser Ratgeber dient ausschließlich der Information und Bildung. Die Ausführungen stellen keine Anlageberatung dar. Beispielhafte Bewertungen illustrieren methodische Konzepte ohne Investitionsempfehlung.
KGV = Aktienkurs / Gewinn pro Aktie. Beispiel: Kurs 100 Euro, EPS 5 Euro → KGV 20. Auf Englisch heißt das KGV P/E Ratio. Die vollständige Schritt-für-Schritt-Berechnung mit zwei Unternehmensbeispielen finden Sie im Abschnitt Wie berechnet man das KGV weiter oben.
Das KGV gibt an, mit dem wieviel-fachen des Jahresgewinns ein Unternehmen am Markt bewertet wird. Ein KGV von 15 bedeutet: Der Markt zahlt das 15-fache des Jahresgewinns. Es dient als Indikator für die relative Bewertung – ein niedriges KGV kann auf Unterbewertung hindeuten, ein hohes auf Überbewertung oder hohe Wachstumserwartungen.
Pauschal lässt sich dies nicht beantworten. Die Interpretation muss stets branchenspezifisch und wachstumsadjustiert erfolgen. Das klassische Missverständnis: Volkswagen (KGV ~5) sieht günstiger aus als NVIDIA (KGV ~45) – doch das niedrige KGV von VW reflektiert Transformationsrisiken, während das hohe NVIDIA-KGV durch nachgewiesene KI-Marktführerschaft gerechtfertigt sein kann.
Das Trailing KGV basiert auf historischen, realisierten Gewinnen (letzten 12 Monate) – objektiv und testiert. Das Forward KGV verwendet Gewinnprognosen für das nächste Geschäftsjahr – zukunftsorientiert, aber mit Prognoseunsicherheit. In Yahoo Finance als „Trailing P/E“ und „Forward P/E“ abrufbar.
Entscheidend ist der Branchenvergleich, nicht ein absoluter Wert. Orientierung: DAX ≈ 14, S&P 500 ≈ 20, NASDAQ 100 ≈ 28. Branchenspannen: Technologie 25–45, Automobilwerte 4–8, Finanzwerte 8–12. Vollständige Richtwerte mit Unternehmensbeispielen im Abschnitt Was ist ein gutes KGV.
Das Shiller-KGV (CAPE Ratio) verwendet den inflationsbereinigten Durchschnittsgewinn der letzten 10 Jahre, glattet zyklische Schwankungen und eignet sich zur Bewertung von Marktindizes (S&P 500, DAX). Historischer S&P 500-Durchschnitt: ca. 17.
Das PEG Ratio (Price/Earnings to Growth) normalisiert das KGV um die Wachstumsrate: PEG = KGV / Gewinnwachstumsrate (%). PEG unter 1 attraktiv, unter 2 moderat, über 2 potenziell überbewertet. Anwendungsbeispiele finden Sie im Abschnitt Wachstumsadjustierte Bewertung: PEG Ratio.
Steigende Zinsen führen zu sinkenden KGV-Niveaus: Zukünftige Gewinne werden höher abdiskontiert, ihr Barwert sinkt. Als Vergleichsmaßstab dient die Earnings Yield (1/KGV): Liegt sie nahe der aktuellen Anleiherendite, sind Aktien relativ zu Anleihen weniger attraktiv. Das 2022-Beispiel (NASDAQ −33 % trotz stabiler Gewinne) zeigt diesen Mechanismus anschaulich.
Nein. Bei Verlustunternehmen (negativer Gewinn) ist das KGV undefiniert. Alternativen: EV/EBITDA, EV/Sales oder EV/Free Cash Flow. Bei zyklischen Unternehmen gilt: Am Konjunkturtiefpunkt erscheint das KGV hoch, obwohl die Aktie fundamental günstig sein kann – und umgekehrt am Höhepunkt.
Nein. Das KGV dient als Screening-Instrument, muss aber durch ergänzende Kennzahlen validiert werden: Umsatzwachstum, Eigenkapitalrendite, Free Cash Flow, Verschuldungsgrad, operative Marge. Zudem sind qualitative Faktoren wie Wettbewerbsposition, Managementqualität, Branchendynamik und das aktuelle Zinsniveau entscheidend. Das KGV ist der Startpunkt – niemals der Endpunkt der Analyse.
Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Unternehmen und KGV-Kennzahlen dienen ausschließlich zur Illustration und stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar.
Berechnen Sie das Kurs-Gewinn-Verhältnis und bewerten Sie Aktien im Branchenkontext
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) – englisch Price-Earnings Ratio (P/E) – ist die meistgenutzte Kennzahl zur Aktienbewertung. Es zeigt, wie viele Jahre ein Unternehmen bei konstantem Gewinn braucht, um seinen Börsenwert zu erwirtschaften.
Formel: KGV = Aktienkurs ÷ Gewinn je Aktie (EPS)
So nutzen Sie den Rechner:
Interpretation: Ein KGV unter 15 gilt oft als günstig, 15–25 als fair, über 25 als ambitioniert. Die Bewertung hängt stark von Branche, Wachstum und Zinsniveau ab.
Risikohinweis: Das KGV ist eine vereinfachte Kennzahl und sollte nie isoliert betrachtet werden. Branchenspezifische Durchschnittswerte basieren auf historischen Daten und können sich ändern. Diese Berechnung stellt keine Anlageberatung dar. Investitionen in Aktien sind mit Verlustrisiken verbunden.
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Zuletzt aktualisiert am 28. Juni 2026 by Redaktion
1 Kommentar
Ein sehr hilfreicher Artikel mit gut verständlichen Erklärungen und den ganzen Formeln und Berechnungs-Beispielen. Die wichtigsten Punkte zum Kurs-Gewinn-Verhältnis wurden klar auf den Punkt gebracht. Danke für die Mühe!