Fama-French 3-Faktoren-Modell: Value-Aktien & Small Caps

Roboter erklärt das French-Fama-3-Faktoren-Modell an einem Board mit grafischer Darstellung von Marktrendite, Größeneffekt und Bewertungsprämien
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Markus G

Zuletzt aktualisiert am: 16. Juni 2026

Inhaltsverzeichnis
🏆 Nobelpreis-gekrönte Finanztheorie

Fama-French 3 Faktoren Modell

Der ultimative Ratgeber für das legendäre 3-Faktoren-Modell zur Erklärung von Aktienrenditen

📊 Verstehen Sie wissenschaftlich fundierte Renditeprognosen

Was ist das Fama-French 3-Faktoren-Modell?

Das Fama-French-Drei-Faktoren-Modell erklärt, warum manche Aktien langfristig besser abschneiden als andere. Die beiden Ökonomen Eugene Fama (Nobelpreisträger 2013) und Kenneth French fanden heraus, dass drei Faktoren die Rendite von Aktien bestimmen: (1) das allgemeine Marktrisiko, (2) die Unternehmensgröße – kleine Unternehmen erzielen tendenziell höhere Renditen als große – und (3) der Buchwert im Verhältnis zum Marktwert – unterbewertete „Value“-Aktien schneiden besser ab als überbewertete „Growth“-Aktien. Dieses Modell erklärt bis zu 95 % der Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Aktienportfolios und gilt heute als eine der wichtigsten Grundlagen wissenschaftlich fundierter Anlagestrategien.

Die wissenschaftliche Grundlage des Modells

Die Grundlage für das Drei-Faktoren-Modell schuf eine bahnbrechende Studie, die Fama und French 1992 im renommierten Journal of Finance veröffentlichten[1]. Die beiden Forscher untersuchten alle US-Aktien über einen Zeitraum von fast 30 Jahren (1963–1990) und kamen zu einem überraschenden Ergebnis: Das traditionelle Risikomaiß „Beta“ allein kann nicht erklären, warum manche Aktien besser laufen als andere. Stattdessen entdeckten sie zwei weitere wichtige Faktoren.

Erstens: Kleine Unternehmen (Small Caps) erzielten im Schnitt 3,2 % mehr Rendite pro Jahr als große Unternehmen (Large Caps).

Zweitens: Sogenannte Value-Aktien – Unternehmen mit niedrigen Börsenbewertungen im Verhältnis zu ihrem tatsächlichen Buchwert – brachten sogar 6 % mehr Rendite pro Jahr als teure Wachstumsaktien (Growth-Aktien).

1993 entwickelten die beiden Forscher aus diesen Erkenntnissen ihr berühmtes Drei-Faktoren-Modell[2]. Mit den drei Bausteinen Marktrisiko, Unternehmensgröße und Bewertungsniveau konnte das Modell 93 % der Renditeunterschiede zwischen verschiedenen Aktienportfolios erklären – deutlich mehr als das CAPM mit zuvor rund 70 %. Diese Ergebnisse wurden weltweit in Dutzenden von Studien bestätigt: Das Modell funktioniert nicht nur in den USA, sondern auch in Europa, Asien und allen anderen entwickelten Märkten.

Warum funktioniert das Modell überhaupt? Die Erklärung ist unter Wissenschaftlern umstritten[1][2]. Fama und French selbst argumentieren mit dem Risiko-Rendite-Prinzip: Kleine Unternehmen sind schwieriger zu handeln, haben weniger Analysten-Coverage und können schneller in finanzielle Schwierigkeiten geraten – dafür verlangen Anleger einen Risikoaufschlag. Bei Value-Aktien gilt ähnliches: Oft handelt es sich um Unternehmen mit Problemen, die riskanter sind und deshalb höhere Renditen bieten müssen. Andere Forscher sehen eine psychologische Erklärung: Anleger überbewerten trendige Wachstumsaktien und ignorieren solide, aber „langweilige“ Value-Unternehmen – mit der Zeit korrigiert der Markt diese Fehler.

2015 erweiterten Fama und French ihre Theorie auf fünf Faktoren[3]. Zu den ursprünglichen drei fügten sie Profitabilität (profitable Unternehmen mit hohen Gewinnen schneiden besser ab) und Investitionsverhalten (vorsichtig investierende Unternehmen erzielen höhere Renditen als aggressiv expandierende) hinzu. Mit fünf Faktoren erklärt das Modell nun 95 % der Renditeunterschiede. Kritiker bemmängeln, dass wichtige Phänomene fehlen – vor allem der Momentum-Effekt, bei dem Aktien, die in den letzten Monaten gestiegen sind, tendenziell weiter steigen[4].

Praktische Relevanz für Anleger

Anhand der gewonnenen Erkenntnisse lässt sich begründen, weshalb Strategien mit einem klaren Fokus auf Small und Mid Caps sowie der Anwendung des Value-Prinzips an der Börse überdurchschnittliche Profite versprechen[2]. Davon können auch Kleinanleger profitieren: Inzwischen existieren ETFs, die das generierte Wissen im Rahmen ihrer Anlagepolitik umsetzen – etwa Factor-ETFs oder Smart-Beta-Produkte, die gezielt Small-Cap- und Value-Titel übergewichten.

„Wie erzielt man an der Börse die höchsten Gewinne – möglichst langfristig und stabil?“

Das Fama-French-Modell gibt eine wissenschaftlich fundierte Antwort auf diese Kernfrage des Investierens.

Die Entwicklung: Vom CAPM zum Drei-Faktoren-Modell

Der Ausgangspunkt: Das Capital Asset Pricing Model (CAPM)

Das Dreifaktorenmodell ist keine isolierte Erfindung – es stellt eine Weiterentwicklung des CAPM (Capital Asset Pricing Model) dar. Letzteres soll die Preisbildung auf den Kapitalmärkten in Abhängigkeit vom Risiko erklären und baut auf der von Harry Markowitz veröffentlichten Portfoliotheorie auf.

Das CAPM misst die Rendite eines Wertpapiers anhand dreier Parameter:

  1. Der Marktpreis des Risikos beziehungsweise die Risikoprämie
  2. Der Zinssatz für risikofreie Anlagen (heute maßgeblich der EZB-Einlagenzins bzw. kurzfristige Staatsanleiherenditen – der LIBOR wurde 2023 durch €STR und SOFR ersetzt)
  3. Der Beta-Faktor als Maizahl der Abhängigkeit eines Wertpapiers vom Marktrisiko

Die Popularität des CAPM liegt in seiner Simplizität: Erstmals konnten börsengehandelte Titel mit einem marktorientierten und konstanten Modell bewertet werden. Mit risikofreiem Zinssatz, durchschnittlicher Aktienrendite und Schwankungsbreite der jeweiligen Aktie relativ zum Gesamtmarkt ließen sich Renditeerwartungen berechnen – ein echter Fortschritt der Finanztheorie.

Die Schwächen des CAPM

Es dauerte nicht lange, bis das CAPM auf den Prüfstand gestellt wurde. Unter anderem fiel auf, dass es die Renditen von risikobehafteten Wertpapieren in der Praxis oft nicht zutreffend einschätzte[1].

Mehrere Studien belegten eine tendenzielle Überschätzung der Profite bei besonders riskanten Wertpapieren und zugleich eine signifikante Unterschätzung der Renditen bei weniger volatilen Titeln. Der Zusammenhang zwischen Risiko und Rendite erwies sich als weniger stark als ursprünglich angenommen.

Damit war klar, dass eine Weiterentwicklung notwendig war – die Geburtsstunde des Fama-French-Dreifaktorenmodells[1]. Wichtig: Die Grundaussagen des CAPM wurden dadurch nicht widerlegt. Vielmehr war davon auszugehen, dass noch weitere erklärende Faktoren existierten.

Die Lösung: Das Drei-Faktoren-Modell

Eugene Fama und Kenneth French führten neben dem Marktrisiko zwei zusätzliche Variablen ein: die Marktkapitalisierung und das Verhältnis von Buchwert zu Marktwert[1][2].

Das 3 Faktoren Modell nach Fama-French

Das 3-Faktoren-Modell nach French und Fama – drei Variablen erklären 93 % der Renditeunterschiede

Hauptergebnis: Sogenannte Small oder Mid Caps bieten bessere Rendite-Perspektiven als Large Caps. Unternehmen, deren Marktwert nur geringfügig über dem Buchwert liegt (Value- oder Substanztitel), performen besser als teure Wachstumsaktien.

Begründung für den Small-Cap-Effekt: Investoren sind bei niedrigerer Marktkapitalisierung höheren Transaktionskosten und Liquiditätsrisiken ausgesetzt – dafür verlangen sie eine Risikoprämie. Beim Value-Effekt gilt: Da Börsen zu Übertreibungen neigen, sind wachstumsstarke Titel nicht selten überbewertet und wachstumsschwache unterbewertet. Mit der Zeit korrigiert der Markt diese Fehler, was Value-Aktien eine Überrendite beschert.

Das Marktrisiko, die Marktkapitalisierung und das Buchwert-Marktwert-Verhältnis bilden unverändert das Grundgerüst des Dreifaktorenmodells[1][2].

Die Weiterentwicklung zum Fünf-Faktorenmodell

2015 ergänzten Eugene Fama und Kenneth French ihre ursprüngliche Theorie um zwei weitere Aspekte[3]: Ertragskraft (eine hohe operative Ertragskraft fördert bessere Performance) und den Investitionsfaktor (unterdurchschnittliche Renditen tauchen vor allem bei Unternehmen mit stark wachsenden Bilanzsummen auf).

Fama-French Fünf-Faktorenmodell zur Erklärung von Aktienrenditen

Das Fama-French Fünf-Faktorenmodell: drei ursprüngliche Faktoren ergänzt um Profitabilität und Investitionsverhalten

Die Weiterentwicklung stieß nicht überall auf Verständnis. Manche Experten hätten den Momentum-Effekt gerne integriert gesehen – dieser ist in akademischen Kreisen seit Jahren auf breiter Basis akzeptiert[4].

Auch der Low-Volatility-Factor hat keine Beachtung gefunden – aus einem praktischen Grund: Er wäre nicht ohne Weiteres mit dem Marktrisikofaktor aus dem Dreifaktorenmodell vereinbar gewesen.

Durch die Einführung des Fünffaktorenmodells könnten Fama und French sich in gewisser Weise von ihrem bisherigen Glauben an effiziente Märkte distanziert haben.

Ein abschließendes Fazit

Große Vermögensverwalter weltweit nutzen die Erkenntnisse des Fama-French-Modells für ihre Strategien. Die praktische Bedeutung zeigt sich besonders bei Investmentfonds und ETFs, die gezielt auf kleine Unternehmen und Value-Aktien setzen[3]. Durch die Weiterentwicklung zum Fünf-Faktoren-Modell wurde das Modell noch präziser, auch wenn nicht alle Experten mit der Auswahl der neuen Faktoren einverstanden sind.

Die Anerkennung durch den Nobelpreis 2013 unterstreicht die Bedeutung dieser Forschung für die gesamte Finanzwelt. Fama und French haben nicht nur erklärt, warum bestimmte Aktien besser abschneiden als andere, sondern auch eine praktische Anleitung für Anleger geschaffen. Ihre Arbeit zeigt, dass langfristiger Anlageerfolg nicht auf Glück beruhen muss, sondern auf wissenschaftlich fundierten Prinzipien basieren kann.

Praktische Anwendung: Davon können auch Kleinanleger profitieren – durch den Kauf kostengünstiger ETFs, die nach der theoretischen Grundlage des Fama-French-Dreifaktorenmodells investieren. Den aktuellen Vergleich passender Anbieter finden Sie in unserem Robo-Advisor-Vergleich[4].

📚 Quellenverzeichnis

Dieser Ratgeber basiert auf den grundlegenden peer-reviewed Forschungsarbeiten von Eugene Fama und Kenneth French. Alle Quellenangaben wurden mit Stand Q2 2026 verifiziert.

[1] Fama, Eugene F.; French, Kenneth R. (1992): “The Cross-Section of Expected Stock Returns”, Journal of Finance, Vol. 47, No. 2, S. 427–465 – https://doi.org

[2] Fama, Eugene F.; French, Kenneth R. (1993): “Common Risk Factors in the Returns on Stocks and Bonds”, Journal of Financial Economics, Vol. 33, No. 1, S. 3–56 – https://doi.org

[3] Fama, Eugene F.; French, Kenneth R. (2015): “A Five-Factor Asset Pricing Model”, Journal of Financial Economics, Vol. 116, No. 1, S. 1–22 – https://doi.org

[4] Carhart, Mark M. (1997): “On Persistence in Mutual Fund Performance”, Journal of Finance, Vol. 52, No. 1, S. 57–82 – https://doi.org

Transparenzhinweis

Alle Quellenangaben verweisen auf peer-reviewed wissenschaftliche Publikationen von Eugene Fama und Kenneth French in führenden Finance Journals (Stand Q2 2026). Dieser Ratgeber dient ausschließlich der Information und Bildung – keine Anlageberatung.

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Markus G

Markus ist der “Kopf” des Teams. Ideengeber, Vermarkter, Redakteur und irgendwie an allem auf diesem Portal beteiligt. Ohne ihn würde es dieses Portal so nicht geben. Eine Idee – entstanden aus dem persönlichen Interesse an FinTech und nun langjähriger Erfahrungen in der Finanz-Szene. Zudem ist Markus Kolumnist auf zahlreichen Online-Plattformen – im englischsprachigen Raum unter anderem aufTalkmarkets, Stocktwits, Publish0X.com, aber auch auf im deutschsprachigen Raum u. a. auf Focus.de und Sharewise.com.
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