Impact Investing – Definition und Anwendung

Impact Investing
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Julian L.

3. Juli 2020

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Inhaltsverzeichnis

Impact Investing: Ein Begriff der insbesondere im Rahmen der aktuellen Diskussion um mehr Nachhaltigkeit in unserer Welt, Verwendung findet. Doch wohl die wenigsten Menschen können mit diesem Begriff aus der Investmentwelt etwas im Detail anfangen. Was also bedeutet es, ein Impact Investment zu tätigen? Woher kommt dieser Begriff und was beschreibt er? Es gilt aufzuklären.

Impact Investments sollen die Welt besser machen

Beim Impact Investing geht es Investoren nicht nur um Rendite. Es geht darum, die Welt besser zu machen. Impact Investing stammt aus der Vorstellungswelt der Philanthropen. Der Begriff (in etwa „wirkungsvolles investieren“) geht verschiedenen Quellen zufolge auf die Rockefeller Stiftung zurück. 

Bei dieser Form eines Investments geht es um Investitionen, die bestimmte soziale, ökologische oder anderweitig gewünschte Kriterien erfüllen.

Mit den Investitionen soll – und dies ist der Unterschied zu einer Spende – jedoch auch eine Rendite erwirtschaftet werden.Die politische Grundlage für Impact Investing geht auf die Sustainable Development Goals (SDGs) zurück. 

Auf diese Richtlinie hat sich die UNO im Jahr 2015 geeinigt. 183 Staaten definierten 17 globale Ziele.

Impact Investing - 17 UN Nachhaltigkeitsziele
Impact Investing – Grundlage des nachhaltigen investierens mit “Wirkung” sind die 17 Nachhaltigkeitsziele der UN

Dabei handelt es sich vorwiegend um soziale und ökologische Zielsetzungen.

Impact Investing wird durch verschiedene Akteure betrieben. Zum einen handelt es sich um Family Offices – die privaten Finanzverwaltungen vermögender Anleger. Auch Stiftungen sind in diesem Bereich aktiv. Nicht zuletzt gibt es verschiedene Investmentfonds, die nach den Kriterien des Impact Investing verfügbares Kapital anlegen bzw. dies vorgeben.

Beispiel für Impact Investing >> das Projekt “Discovering Hands”

Venture Capital Investoren können Geld in ein Startup investieren, das zum Beispiel ein neues Produkt für die Spielebranche entwickelt. Geht die Investition auf, verdient das Startup mit dem Produkt irgendwann Geld, sodass die Venture Capital Investoren ihren Einsatz nebst einer attraktiven Rendite zurückerhalten. So funktioniert Venture Capital in der konventionellen Variante.

Beim Impact Investing werden dagegen Unternehmen finanziert, die bestimmte soziale oder ökologische Aufgabenstellungen lösen bzw. solche Lösungen anstreben. Ein Beispiel dafür ist das Unternehmen Discovering Hands.

Impact Investing Beispiel - Discovering Hands

Discovering Hands setzt die Tastfähigkeiten erblindeter Frauen bei der Früherkennung von Brustkrebs sein. Das Prinzip des Unternehmens ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Durch eine verbesserte Früherkennung werden Heilungs- und Überlebenschancen erkrankter Frauen verbessert.

Die Kosten im Gesundheitssystem sinken, weil Erkrankungen früher und mit geringem Aufwand erkannt werden. Erblindete Frauen können ihre Fähigkeiten in einem regulären Arbeitsverhältnis sinnvoll einsetzen.

Discovering Hands wurde durch einen Impact Investing Fonds finanziert. Ähnlich wie ein Venture Capitalist hält der Fonds eine Beteiligung. Die Anlage wird mit einem gewinnabhängigen Zinssatz vergütet. Das Unternehmen hat die Möglichkeit, das Darlehen zu tilgen und damit den Investor auszuzahlen.

Ein Beispiel aus dem Sozialbereich startete im September 2013 in Augsburg. Ein Investor finanzierte über einen sogenannten Social Impact Bond (SIB) Investitionen in benachteiligte Jugendliche. Über das Projekt sollten diese Ausbildung oder Arbeit erhalten und mindestens neun Monate darin verbleiben.

In Auftrag gegeben wurde das Projekt durch das bayerische Staatsministerium für Arbeit, Soziales, Familie und Integration. Als Vermittler zwischen Auftraggeber und Investor fungierte eine Stiftung. Wird das Ziel erreicht, zahlt der Auftraggeber (also die öffentliche Hand) den Investoren Geld.

Abgrenzung zum ESG Konzept

Die Beispiele verdeutlichen, dass es Investoren um eine direkte Beteiligung an der Lösung bestimmter ökologischer, sozialer oder ähnlicher Probleme geht. Die Lösung des Problems soll messbar sein. In den Beispielen sind dies der Einsatz der Fähigkeit der erblindeten Frauen bzw. die Erwerbstätigkeit der Jugendlichen.

Investmentansätze mit sozialer Komponente gibt es nicht erst seit Impact Investing. Schon seit Jahrzehnten gibt es sogenannte Nachhaltigkeits-Indices. Diese definieren bestimmte Kriterien, die ein Unternehmen erfüllen muss. Nur wenn das Unternehmen diese Kriterien erfüllt, wird es in den Aktienindex aufgenommen. Der bekannteste Nachhaltigkeitsindex ist der Dow Jones Sustainability Index.

Diese Ansätze unterscheiden sich jedoch vom Impact Investment. Ein sehr weit verbreiteter Nachhaltigkeitsansatz ist ESG (Environmental, Social and Governance). Dabei sollen bei der Entscheidung über Investitionen die Faktoren Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung (Governance) einbezogen werden. Diese Faktoren ergänzen dabei die beiden traditionellen Größen “Risiko” und “Rendite”.

Sehr häufig beschränken sich diese Ansätze allerdings auf Filter. Dann werden Unternehmen aus bestimmten Branchen bzw. bestimmten Merkmalen ausgeschlossen. Dies gilt sehr häufig für Unternehmen aus den Bereichen Glücksspiel, Tabak oder Waffenproduktion. Andere Ansätze sehen vor, bei vergleichbarem Risiko-Rendite-Profil diejenigen Unternehmen mit den besten ESG Werten aufzunehmen.

Bei Einsätzen wie ESG geht es also darum, nicht in bestimmte Bereiche zu investieren und/oder die reguläre Geschäftstätigkeit unter möglichst guter Berücksichtigung der Kriterien durchzuführen. Ein Autohersteller etwa kann die ESG Kriterien durchaus erfüllen, ohne sozialen, ökologischen oder ethischen Einfluss auszuüben.

Beim Impact Investing verhält es sich anders. Hier wird in Unternehmen, Projekte etc. investiert, die eine konkrete soziale/ökologische/ethische Wirkung erzielen möchten. Investiert wird zum Beispiel in Bildung, Biolandbau, medizinische Versorgung, erneuerbare Energien etc.

Die Investoren ähneln häufig eher Venture Kapitalisten als Fondsmanagern. Das bedeutet konkret, dass neben der monetären Investition auch Beratungs- und Vernetzungsangebote unterbreitet werden. Im Unterschied zu Spenden oder Maßnahmen der Entwicklungshilfe verlangt Impact Investing jedoch auch Mittelrückflüsse und eine adäquate Rendite.

Wo wird Geld bei Impact Investing investiert?

Impact Investing Investoren investieren in sehr unterschiedliche Bereiche. Auch im Hinblick auf Anlageklassen, Regionen und Sektoren unterscheiden sich die Investments deutlich. Die Bandbreite reicht von Krediten für Kleinunternehmer in Entwicklungsländern über Projekte im Bereich des Ausbaus der erneuerbaren Energien bis hin zu

• Investitionen in Umweltschutz
• Daseinsvorsorge
• Bildung
• Gesundheit und mehr.

Venture Capital, Mikrokredite, Private Equity, Investitionen in Aktien und Anleihen und weitere Instrumente kommen dabei in Betracht.

Vor allem Publikumsfonds und Zertifikate investieren von allem in Aktien börsennotierter Unternehmen. Diese Anlage-Vehikel erinnern eher an Nachhaltigkeitsfonds mit negativen Filtern oder einer positiv formulierten Ausrichtung (zum Beispiel im Bereich erneuerbare Energien).

Wie wird die Wirkung von Impact Investing gemessen?

Es gibt keine einheitliche Vorgehensweise bei der Messung der Resultate von Impact Investing. Wer immer ein Produkt mit diesem Label anbietet muss wieder das Label zertifizieren noch bestimmte Standards bei der Wirkungsmessung einhalten. Die Anbieter können selbst entscheiden, ob qualitative oder quantitative Messungen oder eine Kombination aus beidem zur Anwendung kommen.

Wie genau gemessen wird, hängt naturgemäß vom jeweiligen Projekt ab. Dient ein Impact Investing dazu, Menschen mit Behinderungen in einen Arbeitsplatz zu bringen, lässt sich das Resultat an der Anzahl der Erfolgsfälle ermitteln. Aber auch die durch erneuerbare Energien produzierte Strommenge oder die nach biologischen Grundsätzen bewirtschaftete Ackerlandfläche können als Messgrößen herangezogen werden.

Generell besteht beim Impact Investing aus Sicht von Branchenkennern das Risiko für Greenwashing. Fondsgesellschaften und andere Produktanbieter erkennen in Impact Investing einen gesellschaftlichen Trend und antizipieren das Interesse der Kunden. Da es keinen wirklich klar definierten Kriterienkatalog gibt, könnten in Zukunft sehr viele Produkte mit unterschiedlichen Eigenschaften auf den Markt kommen. Es ist gut möglich, dass darunter viele Produkte sind, die außer dem Label wenig mit Impact Investing gemein haben.

Wie groß ist der Markt für Impact Investing?

Der Market für Impact Investing ist klein, wächst aber. In Deutschland belief sich das Marktvolumen im letzten Jahr auf 13 Milliarden EUR. Das Marktvolumen wird dabei durch verschiedene Organisationen anhand von Fonds und Verträgen gemessen. Bei den Fonds handelt es sich zumeist um geschlossene Fonds institutioneller Anleger.

Zum Vergleich: Der Markt für nachhaltige Investments in Deutschland erreichte im letzten Jahr rund 219 Milliarden EUR und damit zehnmal so viel. Die Wachstumsrate lag bei Impact Investing mit 149 % allerdings höher als in anderen Bereichen der nachhaltigen Investments.

Weltweit entfällt auf das Impact Investment Segment ein Gesamtvolumen von ca. 500 Milliarden USD. Dies schätzt jedenfalls das Global Impact Investing Network (GIIN). Mitglied im Netzwerk sind unter anderem Stiftungen, Banken und Vermögensverwaltungen. Eine Studie von OECD und Bertelsmann-Stiftung ermittelte ein Marktvolumen von 228 Milliarden USD.

Die Branche befindet sich noch im Entwicklungsstadium. In Zukunft könnten neben Anleihen, Venture Capital, Mikrokrediten etc. auch weitere Instrumente zum Einsatz kommen. Getestet werden sogenannte Social Impact Incentives. Diese sollen Unternehmen mit Prämien vergüten, wenn bestimmte Ziele erreicht worden sind.

Wie können Privatanleger in den Bereich investieren?

Für Privatanleger sind Investitionsmöglichkeiten noch überschaubar. Es gibt mittlerweile eine ganze Reihe von Fonds und Zertifikaten, die sich dem Thema „Impact Investing“ verschrieben haben. Zumeist handelt es sich jedoch mehr oder weniger um Fonds, die auch schon vorher unter dem Label der Nachhaltigkeit erhältlich waren.

Hier gilt es, genau hinzusehen. Ein starkes Indiz für wenig neue Einflüsse ist eine hohe Korrelation der Produkte mit den Aktienmärkten. Dies deutet darauf hin, dass sich in den Fonds im Wesentlichen die Unternehmen befinden, die auch in den großen Indices vertreten sind.

Um es zu veranschaulichen:

 

  • der RobecoSAM Gender Equality – in Ihm sind die Unternehmen Mastercard, American Express und Visa enthalten. Welchen Blick diese Unternehmen zum Thema Frauenrechte beitragen erklärt sich aus dem Fondsprospekt jedoch nicht!

Dies soll nur ein einziges Beispiel dafür sein, wie schwierig es mitunter sein kann, einen Fonds zu finden, der nicht nur unter dem Aspekt “Nachhaltigkeit” und “Impact” gelabelt ist, sondern auch strikt hier nach agiert. 

Für Anleger kann von daher ein Blick in Nachhaltigkeitsindizes wie dem Dow Jones Sustainability Index (DJSI), FTSE4Good oder dem deutlich kleineren Natur‐Aktien‐Index (NAI) eine erste gute Orientierung bieten.

Welche Renditen sind mit Impact Investing realistisch?

Impact Investing versteht sich nicht als Spende, sondern als Investment. Allerdings wird dem Zielkonflikt zwischen Rendite und Risiko mit den definierten Kriterien ein weiterer Aspekt hinzugefügt. 

Das GIIN befragte Anfang 2019 Investoren nach ihrer Rendite-Erwartung. Die Fondsmanager gingen überwiegend (84 %) von marktüblichen Renditen aus. Nur 16 % rechneten mit niedrigeren Renditen.

Dies spricht recht stark dafür, dass Impact Investing bei den meisten Fonds nur eine untergeordnete Rolle spielt. Ein Beleg dafür ist nicht zuletzt durch das Umfrageergebnis unter Stiftungen. Hier wollten lediglich 29 % Renditen auf Marktniveau erzielen, während 71 % mit geringeren Erträgen rechnen.

Robo-Advisor und Impact Investing

Auch bei den Anbietern digitaler Kapitalanlagen, den sogenannten Robo-Advisorn ist das Thema mittlerweile “angekommen”. So haben sich die folgenden Anbieter dem Thema “Impact Investing” verschrieben:

Abschließendes zum Thema „Impact Investing“

Kurzum: Echtes Impact Investing (und nicht nur entsprechend gelabelte Produkte) sollten mit einer Rendite unter Marktniveau einhergehen. Ziel könnte etwa ein Kapitalerhalt nach Abzug der Inflation sein. Dies ist bei vielen Stiftungen das anvisierte Ziel. Der Verzicht auf Rendite ist der Preis für den zusätzlichen Ertrag: Das Wissen darum, etwas für soziale oder ökologische Entwicklungen getan zu haben.

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Julian L.

Julian ist Trader und Schreiberling in Einem. Ein echter Nachtmensch, denn er ist am Markt, wenn andere schlafen. Nichts, was er im Anlagebereich nicht schon für sich genutzt hätte oder aktuell nutzt. Er kennt die meisten Broker-Plattformen, weiss Signale und Markt-Trends zu erkennen und zu bewerten. Sieht er an den weltweiten Börsen die Chance “Geld zu machen”, dann ist er in seinem Element. Er führt unter anderem unsere Anbieter-Tests durch und wird in regelmässigen Abständen seine Meinung zum Finanzmarkt kundtun.
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