Robo-Advisor: Passive oder aktive Anlagestrategie erfolgreicher?

Stand Ende 2017 gibt es mittlerweile rund 20 sogenannte Robo-Advisor, die ihre Dienste und Services am Markt anbieten. Bezüglich der gewählten Anlagestrategie lässt sich eine Zweiteilung der am Markt präsenten Online-Vermögensverwalter vornehmen. Auf der einen Seite gibt es Robo-Advisor, die einen aktiven Anlageansatz verfolgen. Auf der anderen Seite haben sich jedoch aktuell die meisten FinTech-Unternehmen aus der Sparte Online-Vermögensverwalter für eine passiver Investmentansatz entschieden.

Doch was beinhalten eigentlich passive bzw. aktive Anlagestrategie und welche dieser zwei Varianten ist auf Dauer erfolgreicher?

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Oliver S.

6. November 2017

RoboAdvisor - aktiver oder passiver Anlagestil

6. November 2017

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Die Antwort auf diese Frage ist durchaus auch für Anleger wichtig, denn so können diese sich gezielt für einen Robo-Advisor entscheiden, der den vom Grundsatz her erfolgreicheren Anlageansatz verfolgt.

Worin unterscheidet sich eine aktive von der passiven Anlagestrategie?

Bei einer aktiven Anlagestrategie, die von der Minderheit der am Markt präsenten Robo-Advisor verfolgt wird, findet in bestimmten Abständen eine Umschichtung zwischen den verschiedenen Anlagekategorien, also den Assets bzw. Asset-Klassen, statt. Meistens geschieht dies beim jeweiligen Robo-Advisor auf Grundlage eines finanzmathematischen Modells, sodass eine Art Programm die Entscheidung trifft, welche Anlageprodukte gekauft und welche verkauft werden.

Ein Nachteil dieses Anlageansatzes besteht darin, dass solche Umschichtungen fast immer mit Kosten verbunden sind, die wiederum die vom Anleger zu erzielende Rendite verringern.

Zudem ist dieser Anlageansatz relativ komplex und zeitaufwändig, denn die Umschichtungen müssen natürlich nicht nur vorgenommen, sondern erst einmal verstanden und analysiert werden. Welche Finanzprodukte bei einer aktiven Anlagestrategie genutzt werden, ist von Robo-Advisor zu Robo-Advisor unterschiedlich. In der Regel entscheiden sich die Unternehmen für mehrere der folgenden Anlageprodukte:

 

Das Gegenteil der aktiven Anlagestrategie ist der passive Anlageansatz, den aktuell die Mehrzahl aller am Markt tätigen Robo-Advisor verfolgt, wie zum Beispiel:

 

Zwar kommt auch in diesem Fall meistens eine Software zum Einsatz. Allerdings gibt diese lediglich beim Portfolio-Aufbau für den einzelnen Anleger die Empfehlung, auf welche Fonds das Kapital in welchem Umfang aufgeteilt wird. Typisch für den passiven Anlageansatz ist, dass die jeweiligen Robo-Advisor in aller Regel ausschließlich mit Exchange Traded Funds (ETFs) arbeiten.

Die einmal erfolgte Berechnung zur Aufteilung des Anlagevermögens auf die entsprechenden Indexfonds wird in regelmäßigen Abständen überprüft. Zudem findet in regelmäßigen Abständen ein Rücksetzen auf die originäre Aufteilung statt, was auch unter der Bezeichnung Rebalancing bekannt ist.

Nachdem nun die zwei grundsätzlichen Anlagemodelle bekannt sind, stellt sich die interessante Frage, welcher Anlageansatz auf Dauer erfolgreicher ist: das aktive Investment mit Umschichtungen oder die passive Anlagestrategie mittels ETF?

Vieles spricht für die passive Anlagestrategie

Um der Antwort auf die Frage, ob ein aktiver oder passiver Anlageansatz erfolgreicher sein kann, etwas näher zu kommen, lohnt zunächst ein Blick weg von Robo-Advisor hin zum Fondsmarkt im Allgemeinen. Schon seit geraumer Zeit ergeben Statistiken, Analysen und Untersuchungen häufig, dass ETF’s von der Rendite her besser als aktiv gemanagte Fonds abschneiden.

Dies mag auf den ersten Blick widersprüchlich klingen, denn gerade das aktive Fondsmanagement – also die gezielte und selektive Auswahl von Anlageprodukten – ist es eigentlich, welches für eine bessere Performance als der Marktdurchschnitt sorgen soll. Dafür zahlen Anleger immerhin teilweise hohe Gebühren von jährlich zum Teil mehr als zwei Prozent. Die Praxis sieht allerdings oftmals anders aus, denn den Marktdurchschnitt repräsentierende ETF-Fonds erzielen oft nicht nur eine aufgrund der geringeren Kosten bessere Rendite, sondern häufig ist die reine Performance ebenfalls positiver als bei aktiv gemanagten Fonds.

Allgemeines auf die Strategien der Robo-Advisor übertragen

Diese Erkenntnis lässt sich durchaus als Teilantwort auf die Frage einbringen, ob bei Robo-Advisor ein aktiver oder passiver Anlageansatz Erfolg versprechender ist. Schaut man sich aktuelle Forschungsergebnisse und Lehrmeinungen, beispielsweise der finanzwissenschaftlichen Fakultäten an, so geht die Tendenz relativ eindeutig in Richtung passives Investieren.

So wird beispielsweise empfohlen, möglichst breit zu diversifizieren und nicht daran zu glauben, dass zukünftige Kursverläufe tatsächlich sicher prognostiziert werden können. Dies würde gegen aktive Anlageansätze sprechen, denn bei diesen ist es ein Kern des geplanten Erfolges, dass möglichst korrekte Prognosen über zukünftige Entwicklungen getroffen werden. Der passive Anlageansatz zeichnet sich hingegen dadurch aus, dass der Markt durchschnittlich die Grundlage ist und es demzufolge nur eine untergeordnete Rolle spielt, wie beispielsweise die Zukunftsperspektiven für einzelne Aktien sind.

Zusammengefasst versuchen demnach aktive Anlagestrategien besser als der Markt zu performen, während passive Anlagestrategien darauf ausgerichtet sind, langfristig die Effizienz des Marktes bzw. des Marktdurchschnittes zu nutzen. Der passive Ansatz wird durch verschiedene Untersuchungen untermauert, nach denen es bei vielen aktiven Anlagestrategien nicht realisierbar ist, den Markt tatsächlich zu schlagen. Einen sehr interessanten Artikel zu diesem Thema gibt es >> Hier <<

Das Fazit: Vorteil für passive Anlagestrategie

Aus heutiger Sicht ist vermutlich der passive Anlage-Ansatz im Bereich Online-Vermögensverwaltung der Erfolg versprechendere Ansatzpunkt. Sicherlich kommt es nicht von ungefähr, dass sich aktuell die Mehrzahl der am Markt tätigen Robo-Advisor genau für diese passive Anlagestrategie entschieden hat.

Andererseits schließt dies natürlich nicht aus, dass es manchen Robo-Advisor dennoch gelingt, mit ihrem aktiven Anlage-Ansatz einige Mitbewerber, die sich für einen passiven Anlagestil entschieden haben, bezüglich der erzielbaren Rendite zu schlagen. Von der Grundtendenz her spricht jedoch mehr für den passiven Anlage-Ansatz, sodass man diesen Gesichtspunkt durchaus bei der Entscheidung für oder gegen einen bestimmten Robo-Advisor mit einfließen lassen kann.

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Oliver S.

Oliver S.

Oliver ist der Journalist im Team. Ausgebildeter Banker (Hypo Vereinsbank), hat hohes Maß an spezifischem Finanzwissen und ist einer der bekanntesten Schreiberlinge in der Finanz-Szene. Er das Thema Finanzen in einer Leichtigkeit, die seinesgleichen sucht. Nicht ohne Grund hat Oliver unter anderem auch für die Huffington Post geschrieben. Zudem ist er bis heute auch als Redakteur für FTD.de (ex Financial Times Deutschland) als auch auf Unternehmerhandbuch.de tätig. Kümmert sich hier um alles, was mit dem Thema Finanzwissen, Interviews und News zu tun hat.

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