Nachhaltig investieren war lange ein Nischenthema — heute ist es Mainstream. Und dieser Wandel hat eine treibende Kraft, die selten genug anerkannt wird: Frauen. Nicht allein wegen der weltweiten Klimabewegung, die Greta Thunberg 2018 mitinitiiert hat. Frauen sind für das wachsende Angebot an nachhaltigen Investmentprodukten mitverantwortlich, treiben es voran und verändern so nicht nur die Finanzmärkte — sie tragen erheblich dazu bei, dass auch börsennotierte Unternehmen ihre Strategie in Richtung Nachhaltigkeit ausrichten.
Die Zukunft sozialer und nachhaltiger Geldanlagen ist weiblich. Provokante Aussage? Sicherlich. Aber Frauen werden in der Debatte zu oft als Nutznießerinnen eines Wandels gesehen und zu selten als treibende Kraft dahinter. Viele haben diese Verschiebung und ihre neuen Einflussmöglichkeiten selbst noch nicht bemerkt. Aber Frauen werden zunehmend finanziell unabhängig — und ihre soziale Ader ändert sich dabei nicht. Was Impact Investing als Anlageform bedeutet und wie es konkret umgesetzt werden kann, erklärt unser Ratgeber.
Julia F.
Zuletzt aktualisiert am: 12. Juni 2026
2. August 2019
Im Durchschnitt sind Frauen laut globalen Vermögens-Demografieuntersuchungen reicher als jemals zuvor — und der Trend reißt nicht ab. In den kommenden Jahrzehnten werden Frauen den überwiegenden Teil des weltweiten Privatvermögens kontrollieren. In wiederholt durchgeführten Untersuchungen legen Investorinnen eine positivere Einstellung gegenüber sozialen Geldanlagen an den Tag als männliche Anleger.
Umfragen zeigen: Rund die Hälfte aller befragten Frauen bekundet Interesse an nachhaltigen, sozial verträglichen und umweltfreundlichen Investments — demgegenüber steht etwa ein Drittel männlicher Investoren (Schroders Global Investor Study). Frauen finden überdurchschnittlich häufig, dass soziale, politische und ökologische Effekte beim Investieren wichtig sind — wichtiger sogar als Renditen und Volatilität. Nachhaltig investieren hat für Frauen mit Anlageinteresse einen besonders hohen Stellenwert.
Gunnela Hahn, bei der Schwedischen Kirche für Nachhaltigkeit beim Investment zuständig, erklärt diese Überrepräsentation von Frauen mit traditionellen Rollenerwartungen: Von Männern werde erwartet, rein rational und lösungsorientiert zu handeln — ohne sich von Empathie leiten zu lassen. Diese Annahme strikter Rationalität, so Hahn, sei schlicht fehlerhaft. Jüngere Verhaltensstudien bestätigen das.
Was als von Frauen getriebene Nachfragebewegung begann, ist inzwischen durch ein umfassendes regulatorisches Rahmenwerk unterstützt, das die EU in den vergangenen Jahren aufgebaut hat. Die wichtigsten Meilensteine:
Die EU-Taxonomie-Verordnung (seit 2020) definiert, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als ökologisch nachhaltig gelten — und schafft damit einen einheitlichen Standard gegen Greenwashing. Die SFDR (Sustainable Finance Disclosure Regulation) verpflichtet Fondsanbieter seit 2021 zur Offenlegung, wie nachhaltig ihre Produkte tatsächlich sind. Und die CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) zwingt ab 2025 Tausende von Unternehmen zu einer deutlich detaillierteren Berichterstattung über Nachhaltigkeitsziele und -ergebnisse.
Für Anlegerinnen bedeutet das: Die Vergleichbarkeit nachhaltiger Produkte ist besser geworden. Gleichzeitig hat die Greenwashing-Debatte gezeigt, dass nicht jedes als „nachhaltig“ vermarktete Produkt hält, was es verspricht. Wer gezielt nach ESG-konformen Robo-Advisors sucht, findet unter anderem bei Vividam einen explizit werteorientierten Anbieter für den deutschen Markt.
Es ist noch immer ein streitbarer Punkt, ob Frauen eine eigene Finanzberatung brauchen.
Fakt ist: Viele klassische Anlageberatungen sind nicht auf die Nachfrage nach ökologisch verträglichen und nachhaltigen Geldanlagen vorbereitet, die vorrangig von Frauen kommt. Zwar sind noch immer nur etwa drei von zehn Anlageberatern Frauen — aber diese verstehen es, ihrer Zielgruppe die gewünschten Investments verfügbar zu machen.
Untersuchungen zeigen: Anlageberaterinnen vermitteln nicht nur überdurchschnittlich häufig ökologisch und sozial verträgliche Investments, sie kennen sich im Bereich alternativer Investitionsmöglichkeiten oft auch besser aus als ihre männlichen Kollegen. So treiben weibliche Finanzberaterinnen den Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit aktiv mit voran. Wie sich das konkret auf die Produktauswahl auswirkt, zeigt unser Ratgeber zu nachhaltigen und ethischen Investments.
Jenseits globaler Klimaabkommen: Nachhaltig investieren ist auch eine Folge der Finanzkrise 2008. Der Börsencrash war für viele Anleger — und besonders für die Frauen unter ihnen — ein Weckruf. Er zeigte die Kurzlebigkeit eines rein profitorientierten Finanzsystems und machte die Abhängigkeiten zwischen Bevölkerungen, Wirtschaftssystemen und Finanzmärkten schmerzlich sichtbar.
Im Zentrum dieser Erkenntnis stand die Rolle der Investoren. Während viele vor der Krise auf kurzfristigen Profit ausgerichtet waren, begann nach 2008 ein Umdenken hin zu langfristiger Vermögensverwaltung — teils getrieben durch neue politische Regulierungen, teils durch gesellschaftlichen Druck. Vor allem Millennials und Frauen verstehen Finanzen und Investment zunehmend als Instrument, das die Macht hat, die Welt zu verändern. Für diese Gruppe sind Umwelt, soziale Verträglichkeit und Verantwortung keine optionalen Kriterien, sondern zentrale Entscheidungsparameter. Der Zusammenhang zwischen weiblicher finanzieller Unabhängigkeit und dem Aufstieg des nachhaltigen Investierens erklärt unser Artikel zur Gender Gap beim Investieren.
Betrachtet man die wachsende Nachfrage nach nachhaltigen Investments durch Frauen als Folge zunehmender finanzieller Bildung und Kompetenz, ist die gesamte Entwicklung als durchweg positiv zu bewerten. Es gab bereits vor der Finanzkrise 2008 nachhaltige Anlageprodukte — aber der überwiegend männliche Teil der Anlageberater, Vermögensverwalter und institutionellen Investoren hatte schlicht kein Interesse daran, sie voranzutreiben.
Nachhaltigkeit wurde lange als „weiches“ Thema abgetan. Anna Jönsson vom norwegischen Finanzunternehmen Storebrand ASA brachte es auf den Punkt:
Nachhaltigkeit galt als etwas, das Frauen mehr am Herzen liege — und wurde entsprechend in Unternehmen oft mit Teilzeitkräften in weniger exponierten Positionen besetzt.
Zum Glück ändern sich die Zeiten. Der Wert von Nachhaltigkeit wird zum Alltagsgedanken in der Finanzwelt — regulatorisch verankert, institutionell akzeptiert und von einer wachsenden Anlegerinnengruppe aktiv eingefordert. Nachhaltig investieren wird sich zwangsläufig durchsetzen müssen. Wer die eigene Geldanlage nach Gender-Lens-Investing-Prinzipien ausrichten möchte, findet darin einen noch spezifischeren Ansatz.
Redaktionelle Einschätzung — RoboAdvisor-Portal.com
Die von Frauen getriebene Nachfrage nach nachhaltigen Investments hat den Markt verändert — und regulatorische Rahmenbedingungen wie EU-Taxonomie, SFDR und CSRD geben ihr Substanz. Gleichzeitig gilt: Die schiere Masse an ESG-Produkten macht sorgfältige Auswahl wichtiger denn je. Nicht jedes „grüne“ Label ist eines. Nach über zehn Jahren Testing empfehlen wir, gezielt nach Robo-Advisors mit transparenter ESG-Methodik zu suchen — und Greenwashing-Risiken nicht zu unterschätzen.
Den aktuellen Vergleich mit Nachhaltigkeitsbewertung finden Sie in unserem Robo-Advisor-Vergleich.
Der Wandel hin zu nachhaltigem Investieren ist nicht allein regulatorisch oder institutionell getrieben — er ist zu einem erheblichen Teil das Ergebnis bewusster Anlageentscheidungen von Frauen, die ihr Kapital als Werkzeug für positiven Wandel begreifen. Mit dem wachsenden Vermögen von Frauen weltweit und einem regulatorischen Umfeld, das Transparenz einfordert, wird dieser Einfluss in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Nachhaltig zu investieren ist keine Einschränkung — es ist eine Haltung.
Quellen:
Julia F.
Julia ist unsere Spezialistin im Bereich „Frauen und Geldanlage“. Selbst als Quereinsteigerin in die Finanz-Szene gestartet, setzt sie sich bei uns mit den typischen Fragen und Unsicherheiten von Frauen beim Thema Geldanlage und Vermögensaufbau auseinander. Und sie spricht aus Erfahrung, denn sie ist mittlerweile selbst erfolgreiche Anlegerin. Julia gewährt uns mit ihren Beiträgen einen Einblick in die weibliche Welt der Geldanlage und des Vermögensaufbaus.
Website Design by Felicis Design
Zuletzt aktualisiert am 12. Juni 2026 by Redaktion