Schulden tilgen oder in die Altersvorsorge investieren? Oder beides?

Sparen für die Altersvorsorge oder erst mal Schulden tilgen? Es gilt als unangefochtene Weisheit unter Anlegern und Anlageberatern, dass der beste Sparansatz der ist, seine Schulden abzuzahlen. Das klingt natürlich logisch. Natürlich ist es rentabler und weniger riskant, wenn man mit schwarzen Zahlen Geld investiert, statt mit roten Zahlen Renditen gegen Zinsen und Ratenzahlungen aufzurechnen.

Erst recht, wenn die Rückzahlungsraten so hoch sind, dass sie genau die Summe auffressen, die nach dem tilgen von Verbindlichkeiten gerade so möglich wäre, zu sparen oder zu investieren.

Julia F.

Julia F.

22. Januar 2020

Altersvorsorge oder Schuldenabbau

22. Januar 2020

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Gleichzeitig werden besonders wir Frauen oft von Schuld- und Verantwortungsgefühlen geplagt, wenn wir noch Verbindlichkeiten ausstehen haben. Und diese halten viele von uns ab, ein Investment-Portfolio überhaupt auch nur anzudenken, bevor unsere Schulden beglichen sind. Das aber könnte ein teurer Fehler sein.

Effektiver Jahreszins vs. zu erwartende Rendite

Selbst wenn wir Frauen uns für Altersvorsorge und Investments interessieren, lassen wir uns von vielen Umständen nur allzu gerne davon abhalten, den nächsten Schritt zu gehen. Das ist ärgerlich. Denn da haben wir bereits die scheinbar größte Hürde genommen, uns mit Fachtermini und dem Kapitalmarkt vertraut gemacht und sind eigentlich neugierig darauf, endlich etwas für unsere finanzielle Freiheit zu tun.

Aber: die Schulden hängen über unseren Häuptern wie ein Damoklesschwert. Ob Studienkredit, Immobilienfinanzierung oder Dispokredit – eine der schwierigsten Entscheidungen, die wir treffen müssen, wenn wir anfangen möchten zu investieren, ist die, ob wir zunächst unsere Schulden tilgen oder parallel zur Rückzahlung mit einem Investment beginnen sollten. Je nach Höhe der Ausstände schmälern diese Verbindlichkeiten die Investitionsmöglichkeiten erheblich.

Um herauszufinden, ob es sinnvoller ist, zunächst bestehende Schulden zu begleichen oder sich ein zeitgleiches Investment zur Altersvorsorge lohnt, ist vor allem abhängig von den Zinssätzen. Wer einen 2.500 Euro-Kredit mit einer 6-prozentigen Zinsrate bedient, kann parallel dazu ein Investment mit einer Rendite von 8 Prozent durchaus wagen.

Wer einen 10.000 Euro-Kfz-Finanzierung zu einem Zinssatz von 5 Prozent mit einer Laufzeit von 5 Jahren bedient, über den gleichen Zeitraum aber in ein Portfolio mit durchschnittlich 7,5 Prozent Rendite investiert, kommt am Ende mit einem Plus von über 1.500 Euro heraus.

Stellt sich also die folgende Frage: Warum würde man sich diesen Gewinn entgehen lassen wollen, nur um vor einem Investment die Schulden vom Autokredit zu tilgen?

Mit einem langfristigen, gut diversifizierten Portfolio können Privatanlegerinnen durchaus auf durchschnittlich 7,5 Prozent Rendite hoffen. Mit diesem Richtwert im Hinterkopf lässt sich als Faustregel festhalten: Übersteigt der effektive Jahreszins der zu bedienenden Kredite diese Marke, sollten Verbindlichkeiten getilgt werden, bevor man in eine Altersvorsorge investiert.

Schulden mit einem günstigeren Zinssatz können ein gleichzeitiges Investment sehr wohl vertragen. Vorausgesetzt, man hat im Vorfeld genau kalkuliert und hat ausreichend Mittel zur Verfügung, um sein Leben davon zu bestreiten.

Wann sollten zuerst die Schulden beglichen werden?

Je höher der Zinssatz eines Kredites, desto eher ist es ratsam, diese Verbindlichkeiten zunächst zu begleichen, bevor man an ein Investment denkt. In diese Kategorie fallen zum Beispiel Kreditkarten-Schulden und Dispositionskredite. Denn diese schlagen nicht selten mit zweistelligen Zinssätzen zu Buche.

Zweistellige Renditen auf der anderen Seite lassen sich nur mit Hochrisiko-Investments erreichen. Und wer bereits Schulden hat, wird wohl tunlichst vermeiden wollen, seine bestehende Liquidität in solchen Anlagegeschäften aufs Spiel zu setzen. Insofern ist ein sogenanntes Low-Risk Investment sicherlich die bessere Alternative.

Investment und Altersvorsorge oder Hypothekendarlehen zurückzahlen?

Ein Immobiliendarlehen wird landläufig zu den positiven oder guten Schulden gezählt. Trotzdem können Baufinanzierungen ein Hindernis darstellen, wenn es darum geht, zeitgleich ein Portfolio anzulegen. Und zwar dann, wenn man sein Eigenheim als Investment betrachtet und eine höhere Tilgungsrate auf sich nimmt, als notwendig wäre. Schnell steht man sich damit selbst im Weg. Denn damit verhindert man eine weitere Diversifikation.

Eine eigene Immobilie kann sehr wohl einen rentablen Teil eines Investments darstellen. Doch ein gesundes, diversifiziertes Portfolio muss notwendiger Weise aus weiteren Vermögenswerten bestehen. Die geplatzte Immobilienblase in den USA 2008 und die daraus resultierenden, nicht selten existenzbedrohenden, Konsequenzen für Privatanleger ist dafür noch heute der beste Beweis.

Andere Darlehen wie Kredite für den Autokauf oder Investitionskredite wie Studienkredite sind im allgemeinen kein Hindernisgrund für ein Investment in die Altersabsicherung oder die eigene finanzielle Unabhängigkeit. Weil die Zinsen für solche Kredite in der Regel niedriger sind, als die oben erwähnten, zu erwartenden Renditen bei gut diversifizierten Investments, besteht keine dringende Notwendigkeit, diese erst zu tilgen, bevor man sich an eine Geldanlage zur Altersvorsorge wagt.

Bei derlei Darlehen wird in aller Regel ein Tilgungsplan zugrunde gelegt. Das bedeutet, dass die Zahlungen leicht und langfristig zu kalkulieren sind. Häufig werden sie außerdem mit Festzinsen abgeschlossen, sodass die Raten keinen Zinsschwankungen ausgeliefert sind und entsprechend gleich bleiben. Bei Bildungskrediten können Zinszahlungen überdies sogar steuerlich geltend gemacht werden, was im ein oder anderen Fall sicher auch etwas finanzielle Erleichterung verschafft. Speziell wenn man darüber nachdenkt, parallel dazu ein Investitionsdepot anzulegen.

Vorsorge fürs Alter – Die richtige Entscheidung treffen

Die Basis für die Entscheidung, ob man zunächst bestehende Schulden tilgt oder während der Rückzahlung bereits ein Investment tätigt, bildet die einerseits Kreditzinsen-Investmentrendite-Relation.

Andererseits ist es durchaus sinnvoll, sich bereits einen Notgroschen (3 bis 6 Monatsgehälter) bei Seite gelegt zu haben, und über den nötigen Cashflow zu verfügen, um sowohl Verbindlichkeiten als auch das Investment bedienen zu können.

Welche Strategie man für die finanzielle Vorsorge im Alter wählt, ist also keine rein mathematische Frage, sondern immer auch eine ganz Individuelle. Denn in dieser Gleichung, ist die Anlegerin stets die wichtigste und entscheidende Variable. Sie ist es, die festlegt, wie viele Fix-Ausgaben zur Bedienung des Kredites und eines möglichen Investment-Sparplans sie sich leisten kann und möchte.

Sie ist es, die absehen kann, mit welcher Lösung sie bis zum Laufzeitende durchhalten wird. Und sie ist es, die wissen muss, welche Entscheidung sie nachts nicht um den Schlaf bringt – weder aus Schuldgefühlen noch aufgrund von Geldsorgen.

Am Ende sollte das Ziel so oder so sein, schuldenfrei zu sein und möglichst lukrative Investments sein eigen nennen zu können, die einen komfortablen Lebensstil gewährleisten. Mit ausreichend Geduld und Einsatzbereitschaft kann jede Frau dieses Ziel erreichen.

Ein Depot zu eröffnen ist ein wichtiger Schritt in die finanzielle Zukunft. Schulden sollten dabei nicht in den Mittelpunkt rücken. Selbst in Phasen, während derer man sich mit Schulden herumärgern muss, ist es nie verkehrt, einen Sparplan oder Depot mit kleinen, monatlichen Raten zu bedienen. Denn psychologisch kann es sich positiv auf die Anlegerin auswirken, wenn sie weiß, dass sie begonnen hat zu investieren.

Es kann ein Gefühl von Sicherheit vermitteln und ungemein beruhigen zu wissen, dass man zumindest einen Anfang gemacht hat in Richtung finanzielle Freiheit und Altersvorsorge.

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Julia F.

Julia F.

Julia ist unsere Spezialistin im Bereich “Frauen und Geldanlage”. Selbst als Quereinsteigerin in die Finanz-Szene gestartet, setzt sie sich bei uns mit den typischen Fragen und Unsicherheiten von Frauen beim Thema Geldanlage und Vermögensaufbau auseinander. Und sie spricht aus Erfahrung, denn sie ist mittlerweile selbst erfolgreiche Anlegerin. Julia gewährt uns mit ihren Beiträgen einen Einblick in die weibliche Welt der Geldanlage und des Vermögensaufbaus.

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