Wenn die FinMarie mit dem Growney … Frauen-FinTech meets RoboAdvisor

Geht es um das Thema Geldanlage so wird dies zumeist mit einer männlichen Klientel assoziiert. Was aber nicht bedeutet, dass Frauen als Zielgruppe für Investmentprodukte nebst entsprechender Beratungskompetenz uninteressant sind oder wären. Ganz im Gegenteil: Vielmehr handelt es sich bei den Frauen, die sich für das Thema Geldanlage interessieren, um eine eher “unentdeckte” Zielgruppe und die wird nun von FinTechs gezielt angesprochen, wie eine neue Kooperation deutlich macht.

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Julia F.

26. Oktober 2018

FinMarie kooperiert mit Robo-Advisor growney

26. Oktober 2018

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Dass das weibliche Geschlecht hinsichtlich Finanz-Erziehung und daraus resultierendem, möglichen Kundenpotential ein hochinteressante Klientel für Unternehmen aus dem Finanzsektor darstellt ist hinlänglich bekannt. Dass sich hieraus ein durchaus ein sehr erfolgreiches Business-Konzept entwickeln lässt, beweist vor allem ein von Frauen geführtes Start-Up namens FinMarie. Ein Start-Up, das sich zum Ziel gesetzt hat, Frauen das Thema Geldanlage aus Sicht den Augen und Federführung von Frauen nahe zubringen.

Finmarie - das Finanznetzwerk für Geldanlage speziell für FrauenUnd was liegt da näher, als sich auch nach möglichen Partnerschaften im Bereich Geldanlage umzuschauen beziehungsweise sich als potentieller Kooperationspartner zu präsentieren? Unter diesem Aspekt ist die vor ein paar Tagen erfolgte Bekanntgabe einer neuen Kooperation seitens FinMarie nicht wirklich überraschend: So gab das Finanz-Netzwerk für Frauen, bekannt, künftig mit der Robo-Advisor Plattform Growney zu kooperieren. Davon sollen vor allem Frauen profitieren, die sich hilfesuchend an FinMarie wenden, um sich bei der Geldanlage und finanziellen Vorsorge unterstützen zu lassen. Noch größer dürfte aber der Benefit ausfallen, den vor allem Growney aus dieser Kooperation zieht. Schließlich sagt CEO Gerald Klein selbst, dass die zukünftige Zusammenarbeit mit FinMarie dem RoboAdvisor eine komplett neue Kundengruppe einbringt.

Inwieweit bleibt FinMaries Service nach dieser Kooperation neutral?

Was nicht ganz von der Hand zu weisen ist, denn FinMarie ist ein preisgekröntes Frauen-Start-Up. Gegründet und geführt von zwei Expertinnen aus der Finanzwelt. Die Anbieterinnen schreiben sich auf die Fahne, Frauen individuell und neutral über ihre Anlagemöglichkeiten zu beraten. Bisher hatten Kundinnen relativ wenig Einblick in die tatsächliche Investmentstrategie, die FinMarie für sie tätigt. Dank der Kooperation mit Growney wissen sie nun zumindest, über welchen „Dienstleister“ ihr Geld angelegt wird. Doch gereicht das zum „neuen“ Vorteil für Kundinnen von FinMarie?

Persönliche Meinung? Die neue Kooperation schränkt Kundinnen von FinMarie in gewisser Weise auch ein. Statt, wie bei anderen RoboAdvisorn, bei denen sie aus Portfolios im zweistelligen Bereich auswählen können, sind FinMarie-Kundinnen nun augenscheinlich auf fünf Anlagestrategien des neuen Partners Growney reduziert. FinMarie selbst macht sich damit in gewisser Weise abhängig von Growneys vorgegebenen Portfolios.

Wie individuell lassen sich derart limitierte Anlagemöglichkeiten gestalten?

Einmal angenommen, Frauen, die sich für die Zukunft absichern möchten, legen nicht nur auf die Rendite wert. Sondern sie finden es auch wichtig, ihr Geld nachhaltig zu investieren. Klar, sind da ETFs das Mittel der Wahl. In dieser Hinsicht sind Kundinnen bei FinMarie gut beraten. Andererseits können Frauen, die sich ihr Portfolio unabhängig von einem Dienstleister zusammenstellen, gezielt auswählen, in welche Weltmärkte sie investieren möchten. 

Das ist besonders dann interessant, wenn sie mit ihrem Geld nicht die Waffenindustrie oder Atomkraft unterstützen möchten. Wenn sie also wirklich nachhaltig anlegen möchten. An dem Punkt ist aktuell ein Partner wie Growney nicht die beste Wahl. Da bieten sich eher RoboAdvisor mit VisualVest mit seinen Green Folios oder aber auch der neue “grüne” RoboAdvisor Vividam an.

Der Fokus auf Individualität liegt für das Anlageteam von FinMarie eher darauf, zur Lebenssituation ihrer Kundinnen passende Investmentformen zu finden. Dabei geht es also vor allen Dingen darum, mit der Anlageform der finanziellen Situation der Frauen gerecht zu werden und flexibel zu bleiben. Der Aspekt der Individualität bei der Geldanlage bewegt sich also im Spektrum zwischen langfristiger, fixer Einmaleinlage und monatlich flexibel bedienbaren Sparplänen.

Sollten Frauen sich auf Anbieter wie FinMarie einlassen?

Finanzratgeber von Frauen für Frauen sind grundsätzlich nicht verkehrt. Denn keiner kennt die Lebenswelt und die damit verbundenen finanziellen Einschränkungen von Frauen besser, als eben Frauen selbst. Kundinnen solcher Special-Interest-Services tendieren dazu, ihren Geschlechtsgenossinnen bei gleichem Hintergrund mehr zu vertrauen, als Männern. Dafür sind sie aber auch für eventuelle Nachteile solcher Dienstleistungen blind. Beispiele:

Kosten für die Kundinnen: Die Beratung zur weiblichen Geldanlage kostet bei Dienstleistern Geld. Bei FinMarie belaufen sich die Gebühren für Investment interessierte Frauen auf ein Minimum von 0,39 Prozent der Anlageziele plus die Fondskosten von mindestens 0,17 Prozent pro Jahr. Doch wie sähen die Kosten in Kombination mit  anderen Robo-Advisor Anbietern aus?

Bieten Finanzdienstleister echte Unabhängigkeit? Sich als Laie in eine unbekannte Materie einzulesen, kostet Überwindung und Zeit. Doch es gibt so viele Communities, bei denen sich Frauen in ähnlichen Situationen gegenseitig bei den ersten Schritten in die finanzielle Unabhängigkeit und darüber hinaus unterstützen. Es gibt Lektüre von Frauen für Frauen, die einem die Welt des Investments Schritt für Schritt näher bringen. Ganz zu schweigen von wirklich unabhängigen, weiblichen Honorar-Beraterinnen. 

Das sind Ansätze, die den Frauen sehr viel mehr Unabhängigkeit gewährleisten, als die Inanspruchnahme eines Finanzservices. Herangehensweisen, die Frauen nicht das selbstständige Denken abnehmen, stattdessen ihr Wissen und ihre Fähigkeiten mehren und die volle Kontrolle über ihre Finanzen anvertrauen. Nutzen Frauen Finanzdienstleister – ganz gleich, ob speziell auf Frauen gemünzt oder generelle – begeben sie sich und ihr Geld im Grunde genommen in neuerliche Abhängigkeit.

Je nachdem, worauf eine Frau bei der Geldanlage und dem Aufbau eigenen Vermögens besonders viel Wert legt, kann eine Beratungsstelle eine Alternative darstellen. Sie müssen aber damit rechnen, dass ihr viele Entscheidungen abgenommen werden und für die Dienstleistung natürlich auch bezahlen müssen. Auf den ersten Blick sind Anbieterinnen wie FinMarie ideal geeignet für Frauen, die wenig Zeit und wenig Branchenkenntnis haben. Zu echter, finanzieller Unabhängigkeit gelangen sie so allerdings nicht.

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Julia F.

Julia F.

Julia ist unsere Spezialistin im Bereich “Frauen und Geldanlage”. Selbst als Quereinsteigerin in die Finanz-Szene gestartet, setzt sie sich bei uns mit den typischen Fragen und Unsicherheiten von Frauen beim Thema Geldanlage und Vermögensaufbau auseinander. Und sie spricht aus Erfahrung, denn sie ist mittlerweile selbst erfolgreiche Anlegerin. Julia gewährt uns mit ihren Beiträgen einen Einblick in die weibliche Welt der Geldanlage und des Vermögensaufbaus.

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