ETF's - wirklich so gut wie ihr Ruf?

Die überwiegende Mehrheit aller am Markt tätigen Robo-Advisor setzt ihre Handelsstrategien mittels Exchange Traded Funds (ETF) um. Somit besteht ein Großteil aller angebotenen Portfolios eben aus diesen Indexfonds, die sich durch ein passives Management und die Handelbarkeit der Anteile an der Börse auszeichnen. Insbesondere im direkten Vergleich mit klassischen Investmentfonds wird in den Medien häufiger darüber berichtet, dass ein ETF mit mehr Vorteilen ausgestattet sei.

Doch stimmt das wirklich oder ist die Sichtweise zu eingeschränkt, sodass es zumindest teilweise zu Fehlinterpretationen kommt und dass das Anlageinstrument ETF vielleicht doch nicht so gut ist wie sein Ruf? Zeit diesem Anlageinstrument mal etwas “auf den Zahn” zu fühlen.

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Oliver S.

16. Mai 2018

ETF - wie gut sind sie wirklich?

16. Mai 2018

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ETF sind zweifelsohne das derzeit wohl meist “gehypte” Anlage-Instrument. Geht es um den einfachen und schnellen Vermögensaufbau, dann wird aktuell wohl so ziemlich jeder Experte oder Solche, die sich für Experten halten, den klaren Tipp äußern, sich doch mit den sogenannten Exchange Traded Funds auseinanderzusetzen. Und ja: Solche Tipps sind generell nicht von der Hand zu weisen, aber es gilt eben auch nicht alles blindwegs zu glauben.

Die Vorteile der Exchange Traded Funds (ETF) im Überblick

Um beurteilen zu können, ob ETFs tatsächlich so gut wie ihr Ruf sind, möchten wir uns gerne zunächst einmal mit deren (vermeintlichen) Vorteilen beschäftigen. Ein Vorteil, der fast immer in einem Vergleich zwischen ETF und klassischen Investmentfonds genannt wird, ist die deutlich geringere Kostenquote der Indexfonds. Dieser Vorteil ist nicht von der Hand zu weisen, denn während bei manchen klassischen Investmentfonds eine Gesamtkostenquote (TER) von jährlich mehr als 1,5 Prozent keine Seltenheit ist, überzeugen ETFs mit deutlich geringeren Kosten, die nicht selten unterhalb von 0,5 Prozent liegen.

Ein weiterer Vorteil, der insbesondere in den letzten Jahren ebenfalls häufig angeführt wird, ist die angeblich im Durchschnitt bessere Performance, die Indexfonds am Kapitalmarkt erzielen. Zudem gelten Indexfonds als sehr flexibel, das Kapital ist durch den Verkauf der Anteile an der Börse jederzeit verfügbar und mittlerweile sind zahlreiche ETFs sparplanfähig. Zudem ist die Auswahl an Indexfonds bereits sehr groß, wenn nicht gar kaum noch überschaubar. Sollten sich zudem noch die seit nun geraumer Zeit diskutierten Krypto-ETF dazugesellen, wird so ein noch breiterer ETF Markt entstehen.

In der Übersicht sind es demzufolge die folgenden Vorteile, die einen Indexfonds charakterisieren:

  • Geringe Kostenquote (TER)
  • (Angeblich) durchschnittlich bessere Performance als aktiv gemanagte Fonds
  • Sehr flexibel
  • Kapital jederzeit durch Verkauf der Anteile verfügbar
  • Große Auswahl
  • Zahlreiche ETF sind sparplanfähig

Die angeblich bessere Performance der ETFs unter der Lupe

Die meisten der zuvor genannten Vorteile existieren tatsächlich und sind nicht von der Hand zu weisen, wie zum Beispiel die geringe Kostenquote, die Flexibilität und dass das investierte Kapital bei ETFs jederzeit verfügbar ist. Für Anleger ist allerdings insbesondere ein Merkmal von sehr großer Bedeutung, nämlich die Rendite bzw. Performance. Daher stellt sich die interessante Frage, ob es tatsächlich richtig ist, dass ETFs im Durchschnitt betrachtet häufiger die bessere Performance als klassische Investmentfonds erzielen.

Wenn man sich die aktuellen Zahlen betrachtet, ist es anscheinend wirklich so, dass die Mehrheit der Indexfonds gleich gut oder besser als aktiv gemanagte Fonds abschneidet. Allerdings muss an dieser Stelle betont werden, dass es sich dabei natürlich nur um den Marktdurchschnitt handelt.

 Wenn wir einmal davon ausgehen, dass beispielsweise in 70 Prozent aller Fälle ETFs in einem direkten Vergleich mit aktiv gemanagten Fonds (soweit ein Vergleich aufgrund des jeweiligen Fondsportfolios möglich ist) besser als aktiv gemanagte Fonds abschneiden, heißt dies im Umkehrschluss auch, dass immerhin rund 30 Prozent der aktiv gemanagten Fonds besser als der Vergleichsindex respektive ETFs abschneiden. 

Es kommt demzufolge für den Anleger darauf an, einen klassischen Fonds zu finden, der zu diesen 30 Prozent gehört.

Es liegt in der Natur der Sache bzw. an der Struktur aktiv gemanagten Investmentfonds, dass natürlich nicht jeder Fonds besser als der Marktdurchschnitt abschneiden kann. Denn die Erfahrungen, Fähigkeiten und Möglichkeiten der zahlreichen Fondsmanager sind zum Teil ganz unterschiedlich. Wer als Anleger demzufolge mit dem Durchschnitt zufrieden ist, für den können ETFs tatsächlich die bessere Variante darstellen. 

Wer allerdings besser als der Markt abschneiden möchte, was die eigene Rendite angeht, dem bleibt fast nur die Anlage in aktiv gemanagte Fonds.

Ein großer Nachteil der ETFs besteht nämlich darin, dass diese keine Möglichkeit haben, einen Vergleichsindex zu schlagen bzw. besser als der Marktdurchschnitt abzuschneiden. Wenn wir uns ein DAX-ETF anschauen, dann sind im Portfolio exakt die 30 DAX-Aktien in der Gewichtung enthalten, wie sie auch im Deutschen Aktienindex vertreten sind.

Dies bedeutet, dass dieser passiv gemanagte Indexfonds niemals besser als der Deutsche Aktienindex und somit die 30 enthaltenen DAX-Aktien abschneiden kann. Im Vergleich dazu haben Sie mit einem Investment in aktiv gemanagte Fonds, die sich beispielsweise ebenfalls vor allem auf DAX-Werte konzentrieren, aufgrund der möglichen Selektion und Entscheidungsfreiheit durch den Fondsmanager durchaus die Chance, eine höhere Rendite als der DAX zu erzielen.

Höhere Volatilität bedeutet höheres Risiko

Ein weiterer Nachteil der ETFs, der oftmals gar nicht bekannt ist, ist die nicht geringe Volatilität. Nehmen wir wiederum einen DAX-ETF als Beispiel. Wenn wir uns die Entwicklung des DAX in den letzten Jahren betrachten, dann liegt die Schwankungsbreite zum Teil über 15 Prozent. Somit ist auch die Volatilität einzelner Indexfonds keineswegs gering. Höhere Volatilität heißt aber auch: höheres Risiko. Gute Fondsmanager hingegen können die Volatilität durch gezielte Umschichtungen zum Teil deutlich verringern, also auch das Risiko reduzieren.

Entscheidung der Robo-Advisor: ETFs oder aktiv gemanagte Fonds als Basis

Wenn wir das zuvor Beschriebene nun auf Robo-Advisors übertragen, so könnten sich Anleger an dieser Stelle die Frage stellen, ob sie sich lieber für einen Online-Vermögensverwalter entscheiden sollen, der ausschließlich mit ETFs arbeitet oder doch für einen Mitbewerber, der zumindest zum Teil auch aktiv gemanagte Fonds zum Umsetzen seiner Anlagestrategie und Portfolios nutzt.

Letztendlich ist es tatsächlich eine Sache der Einstellung, nämlich ob Ihnen eine durchschnittliche Rendite, die den Marktdurchschnitt oder einen Index repräsentiert, ausreicht oder Sie die Chance auf eine höhere Rendite haben möchten. Dabei geht es natürlich auch um die eigene Risikobereitschaft, die fast immer im Gegensatz zum Sicherheitsbedürfnis steht.

Aktuell lässt sich keine pauschale Aussage dazu treffen, ob bezüglich der Rendite jene Robo-Advisor die Nase vorn haben, die ausschließlich mit ETFs arbeiten oder doch solche Online-Vermögensverwalter, bei denen zumindest ein Teil des Portfolios aus aktiv gemanagten Fonds besteht. Ein Grund ist sicherlich auch, dass die meisten Robos noch nicht länger als zwei Jahre am Markt sind. Daher wird es in Zukunft interessant zu sehen sein, welche Gruppe von Robo-Advisorn sich bezüglich der Rendite durchsetzen wird.

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Oliver S.

Oliver S.

Oliver ist der Journalist im Team. Ausgebildeter Banker (Hypo Vereinsbank), hat hohes Maß an spezifischem Finanzwissen und ist einer der bekanntesten Schreiberlinge in der Finanz-Szene. Er das Thema Finanzen in einer Leichtigkeit, die seinesgleichen sucht. Nicht ohne Grund hat Oliver unter anderem auch für die Huffington Post geschrieben. Zudem ist er bis heute auch als Redakteur für FTD.de (ex Financial Times Deutschland) als auch auf Unternehmerhandbuch.de tätig. Kümmert sich hier um alles, was mit dem Thema Finanzwissen, Interviews und News zu tun hat.

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