Investmentwissen - die Total Expense Ratio (TER)

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Markus G

26. Mai 2020

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Inhaltsverzeichnis

Schon mal etwas von der TER (Total Expense Ratio = Gesamtkostenquote) gehört? Vielleicht im Zusammenhang mit Fonds? Richtig! Was es mit dieser TER auf sich hat, erklärt der folgende Artikel.

Fondsmanager nehmen Anlegern viele Entscheidungen ab. Sie gelten als Investmentprofis, die den Markt täglich beobachten und deshalb Kauf- und Verkaufs-Entscheidungen unter anderen Gesichtspunkten treffen als ein Privatanleger. Von ihnen wird erwartet, dass sie das aufgrund ihrer Expertise mit größerem Erfolg tun, deshalb vertrauen Anleger ihnen ja auch ihr Geld an.

Expertise und professionelles Kapitalmanagement sind natürlich nicht umsonst zu haben, auch der Vertrieb von Fonds kostet Geld, die Fondsprospekte müssen verfasst und gedruckt werden, und so weiter. So kommen einige Prozente an Gebühren zusammen. Damit Anleger die Chance haben, diese Kosten von Fonds miteinander vergleichen zu können, wurde vor einigen Jahren die Kennzahl TER (Total Expense Ratio – Gesamtkostenquote) entwickelt.

Der Ursprung der Total Expense Ratio (TER)

Die Total Expense Ratio oder auch Gesamtkostenquote als Kennziffer von Fondskosten lässt sich auf das britische Fonds-Research-Unternehmen Fitzrovia International PLC zurückführen. Dieses Unternehmen (später aufgegangen in Thomson Reuters Lipper) hatte sich seit dem Jahr 1993 darauf konzentriert, die Kosten von weltweit mehr als 40.000 Fonds zu untersuchen. Weil keine einheitliche Gesamtkostenquote vorhanden war, anhand der die Investoren einzelne Fonds transparent hätten vergleichen können, wurde die TER entwickelt.

In Deutschland ist die Gesamtkostenquote laut Investmentgesetz seit dem Jahr 2004 bei allen Investmentfonds zu beziffern, die hierzulande vertrieben werden dürfen. Seitdem ist sie im Fondsprospekt oder auf einem Extra-Factsheet zu finden.

Wofür steht die Total Expense Ratio?

Die TER (Gesamtkostenquote) ist eine Kennzahl, mit welcher sich bei einem Investmentfonds die dauerhaft anfallenden Fondskosten darstellen lassen. Sie dient somit vor allem Anlegern einen Anhaltspunkt dahingehend liefern wie hoch die Kosten bei Erwerb eines Investmentfonds beziehungsweise eines Fondsanteils tatsächlich sind.

Dabei berücksichtigt diese Kennziffer in der Regel alle anfallenden Fondskosten – ausnehmend jedoch folgende Kosten-Elemente >>

• Transaktionskosten (Ausgabeaufschlag für Investoren / Gebühren bei Investitionen innerhalb des Fonds durch das Fondsmanagement)

• eventuelle Performance Fees.

Die Total Expense Ratio – so wird sie berechnet

Die rechnerische Ermittlung der Kennziffer basiert auf 2 Grundwerten >>

• die entstehenden Fondskosten innerhalb eines Jahres
• das gemittelte Fondsvolumen

Diese 2 Basiswerte werden dann ins Verhältnis zueinander gesetzt d.h. das die Kosten durch das Fondsvolumen geteilt werden. Das Ergebnis dieser Teilung ergibt die Gesamtkostenquote in Prozent und liefert so einen ersten Anhaltspunkt, wie teuer ein Fonds ist.

Dementsprechend lautet die mathematische Formel wie folgt >>

 

Total Expense Ratio Berechnung
Grafik: So wird die Total Expense Ratio (Gesamtkostenquote) eines Fonds berechnet – Quelle: www.RoboAdvisor-Portal.com

>>        Fondskosten / Fondsvolumen = TER (Gesamtkostenquote)

Jedoch gilt es bereits an diesem Punkt Folgendes zu beachten:

Ein entscheidender Punkt dahingehend, wie hoch die TER / Gesamtkostenquote ist, hängt auch von der Art des Fonds ab. Bedeutet, dass beispielsweise die Kosten-Kennziffer bei einem Aktienfonds in der Regel deutlich höher ist als bei einem Geldmarktfonds.

Vergleicht man die TERs verschiedenster Fondsarten so lässt sich zur Höhe der individuellen Kostenquote je Fondsart Folgendes als Richtwert erkennen >>

• Aktienfonds / auch Dividendenfonds = 1,6 % TER / Gesamtkostenquote im Durchschnitt

• Mischfonds = zwischen 1 bis 1,4 % TER / Gesamtkostenquote im Durchschnitt

• Rentenfonds = 0,9 % TER / Gesamtkostenquote im Durchschnitt

• Offene Immobilienfonds = 0,7 % TER / Gesamtkostenquote im Durchschnitt

• Geldmarktfonds = 0,5 % / Gesamtkostenquote  im Durchschnitt

Sonderfall: Total Expense Ratio bei ETFs

Einen Sonderfall bei der Höhe der Gesamtkostenquote (TER) stellen die sogenannten Indexfonds (ETFs) dar. ETFs sind bekannt dafür, dass sie im Vergleich zu klassischen, aktiv gemanagten Investmentfonds einen erheblichen Kostenvorteil haben, denn sie werden eben nicht durch einen kostenintensiven Fondsmanager betreut und kosten zudem keine Ausgabeaufschläge.

Insofern liegt die Kostenkennziffer bei ETFs oftmals deutlich unter einem Wert von 0,5 %.

Welche Einzelkosten fließen in die Berechnung der Total Expense Ratio ein?

Die Basis-Formel zur Berechnung der Kostenquote weist zwar lediglich die Elemente Fondsvolumen und Fondskosten aus, jedoch ist zu beachten, dass sich die Fondskosten selbst wiederum aus mehreren Einzelkosten zusammensetzen. Diese Einzelkosten sind >>

 

Total Expense Ratio / Gesamtkostenquote - Kosten inkludiert
Grafik: Die Kostenelemente, welche in der Regel in die Berechnung der Total Expense Ratio mit einfließen – Quelle: RoboAdvisor-Portal.com

1.) Management-Gebühren und anfallende Verwaltungsgebühren

Aktiv gemanagte Fonds verursachen Personalkosten in Form des Fondsmanagers, der für das Portfolio-Management verantwortlich zeichnet. Der Lohn des Managers findet sich in den sogenannten Management-Gebühren eines Investmentfonds wieder. Ebenfalls in den Management-gebühren inkludiert sind die Gewinnmargen der auflegenden Fondsgesellschaft.

Wissenswert: Bei aktiv gemanagten Investmentfonds beträgt die, gemessen am Fondsvermögen, durchschnittliche Management-Gebühr zwischen 1,5 % und 2,5 % pro Jahr. Bei passiv gemanagten Fonds beträgt die durchschnittliche Management-Gebühr oftmals deutlich unter der 1 % Marke.

2.) Anfallende Gebühren bei der Depotbank

Wertpapierdepots dürfen aus aufsichtsrechtlichen Gründen nicht vom Fondsmanagement selbst angelegt und verwaltet werden. Woraus sich ergibt, dass hierzu entsprechende Banken von der Fondsgesellschaft beauftragt werden, die Depots zu schaffen und zu verwalten. Hieraus ergibt sich ein Kostenfaktor, die Fondskäufern in der Regel mit einem Wert zwischen 0,1 % bis 0,3 % des Fondsvermögens in Rechnung gestellt werden.

Gemeint sind damit also die Depotgebühren, die direkt auf Fonds-Ebene beglichen werden.

Wissenswert: Die Total Expense Ratio umfasst nicht die von einzelnen Anlegern zu zahlenden Bankgebühren.

3.) Kosten des Rechenschaftsberichts

Per Gesetz sind in Deutschland zugelassene Fondsgesellschaften verpflichtet, einen sogenannten Rechenschaftsbericht auf Jahresbasis erstellen zu lassen. Die Kosten des damit beauftragten Wirtschaftsprüfers fließen ebenfalls in die Gesamtkostenquote eines Fonds ein.

4.) Marketing-, Vertriebs- und Veröffentlichungskosten

Wer einen Fonds auflegt, muss in der Regel auch für den Vertrieb der Fondsanteile Sorge tragen. Hieraus entstehen Kosten, die aus jenem Fondsvertrieb hervorgehen. Diese Kosten umfassen in der Regel Druckkosten für die Herstellung von Prospekten und Broschüren sowie Werbemittel wie etwa Fernsehspots, Anzeigen, ein produkt-spezifischer Web-Auftritt oder Sponsorings. Auch diese Werbekosten werden generell von den Fondsanlegern getragen.

Wissenswert: Hohe Vertriebskosten resultieren in einer höheren Gesamtkostenquote und können so die mögliche Rendite eines Fonds deutlich senken.

5.) Sonstige anfallende Betriebskosten

Nicht selten fließen weitere Kostenfaktoren in Form sogenannter Betriebskosten in die Gesamtkostenquote von Investmentfonds ein. Darunter fallen unter anderem Anwaltskosten oder allgemeine „Dienstleistungskosten“.

Wissenswert: Per Gesetz sind in Deutschland agierende und zugelassene Fondsgesellschaften verpflichtet, die in dem Verkaufsprospekt eines Fonds angegebene Gesamtkostenquote im Detail aufzuschlüsseln.

Welche Einzelkosten fließen in die Berechnung der Total Expense Ratio NICHT ein?

Einer der meistgenannten Kritikpunkte an der Kennziffer ist, dass sie trotz der Nennung als „Gesamtkostenquote“ eben NICHT alle real anfallenden Kosten beinhaltet. 

Bedeutet, dass neben der Nennung einer TER weitere Kosten mit dem Erwerb eines Fonds auf potenzielle Anleger zukommen können.

Der Begriff der Gesamtkostenquote ist somit leider nicht im wörtlichen Sinne zu verstehen – denn für Anleger fallen weitaus mehr Kosten beim Erwerb eines Fonds beziehungsweise Fondsanteils an, als bei der Berechnung der Quote berücksichtigt werden.

 

Total Expense Ratio / Gesamtkostenquote - Kosten NICHT inkludiert
Grafik: Die Kostenelemente, welche in der Regel NICHT in die Berechnung der Total Expense Ratio (TER) / Gesamtkostenquote mit einfließen – Quelle: RoboAdvisor-Portal.com

1.) Kosten für anfallende Transaktionen

Kein Bestandteil der Kennziffer zu den Gesamtkosten sind die Transaktionskosten auf Fondsebene. Womit jene Kosten gemeint sind, die anfallen, wenn Wertpapiere für den Fonds gekauft oder eben auch verkauft werden. Diese beinhalten in der Regel die >>

• Maklergebühren (Courtage)
• Ordergebühren
• Börsenumsatzsteuern

Sie stellen also Kosten dar, die mit jeder Aktivität im Interesse des „Fonds“ an den Börsenplätzen anfallen. Was im Klartext bedeutet, das je “aktiver” ein Fonds am Markt agiert, umso höher können diese Kosten ausfallen und dementsprechend negative Auswirkungen auf die Rendite des Fonds haben.

Zur Orientierung: Die Gesamtkosten für Transaktionen bei Aktienfonds liegen im Durchschnitt zwischen 0,5 % und 3 % gemessen am Wert des Fondsdepots.

Wissenswert: Die Einbeziehung der Transaktionsgebühren in die TER ist gesetzlich NICHT vorgeschrieben. Denn laut dem deutschen Investmentgesetz sind Fonds lediglich dazu verpflichtet, die Transaktionsgebühren gesondert im Verkaufsprospekt zu erläutern und darauf hinzuweisen, dass diese nicht durch die Gesamtkostenquote erfasst werden.

2.) Performance-bezogene Vergütung

Stichwort „Performance Fees“ – also Gebühren, die bei Erreichung eines Anlageziels (Erfolg) anfallen. Hiermit sind Bonuszahlungen an die Fondsmanager gemeint, die fällig werden, wenn dererseits gemanagte Investmentfonds definierte Anlageziele erreichen – zumeist in Form einer erzielten Rendite x % pro Anlagejahr.

Auch diese Performance Fees sind NICHT in der Kosten-Kennziffer enthalten. Diese „erfolgsabhängigen Gebühren“ zeigen sich jedoch immer häufiger als Kostenfaktor bei Investmentfonds.

3.) Agio

Agio oder auch all gemeinhin als Vertriebs-Provision bekannt. Zumeist als Einmalkostenbetrag mit dem Erwerb eines Fonds beziehungsweise Fondsanteils fällig. Die Höhe des Agios beträgt zumeist 1 % bis maximal 7 %.

Wissenswert: Werden Fondsanteil direkt über einen Börsenhandelsplatz geordert, entfällt die Zahlung eines Ausgabeaufschlags. Jedoch muss in einem solchen Fall berücksichtigt werden, dass Ordergebühren anfallen. Dennoch kann hier Geld gespart werden, denn immer wieder bieten Onlinebroker Sonderaktionen an, in denen jene Ordergebühren komplett wegfallen!

4.) Disagio

Der Rückgabeabschlag, auch Disagio genannt, wird bei manchen Fondsgesellschaften dann fällig, wenn Fondsanteile an die ausgebende Gesellschaft vom Fondsanteilseigner zurückgenommen werden sollen. Hier kann es bisweilen richtig teuer werden, denn manche Fondsgesellschaften veranschlagen hier oftmals mehrere Prozentpunkte für die Rücknahme von Fondsanteilen.

5.) Besonderheit: Zusätzliche Gebühren für ETFs

Ein Punkt der gerade bei ETFs / Indexfonds berücksichtigt werden muss, ist der Umstand, dass für die Nachbildung von Indizes Lizenzgebühren anfallen. Auch diese spezielle Gebühr wird NICHT durch die TER abgebildet.

Die Kritikpunkte der Total Expense Ratio / Gesamtkosten-Quote

Schaut man sich all die Kostenblöcke oder auch Kostenfaktoren an, die nicht in die Total Expense Ratio einfließen, darf die Frage dahingehend, ob die Kennziffer die Vergleichbarkeit der mittlerweile immensen Anzahl an Fonds verbessert hat, durchaus kritisch gestellt werden.

Feststellung: Sie hat demnach bestenfalls eine Art Richtlinien-Charakter. 

Vereinfacht ausgedrückt: Sie ist nicht mehr als eine erste Orientierungshilfe, da sie schlicht nicht transparent genug ist. Unterstützt auch vor allem dadurch, dass die Gesetzgebung es bis heute nicht geschafft hat, die Branche zur Veröffentlichung ALLER Kosten im Prospekt zu verpflichten.

Was – basierend auf dem durchaus harten Wettbewerb innerhalb der Branche – dazu geführt hat und auch in Zukunft führen wird, die TER stets so niedrig wie möglich zu halten. 

Denn „Günstig“ ist und bleibt eins der besten Verkaufsargumente nebst eines guten Renditeversprechens.

Die gängigen Alternativen zur Total Expense Ratio (TER)

Wer dieses Spiel als Anleger durchschaut und somit sein Augenmerk auf die vollständige Erfassung aller Kosten bei einem Fonds legt, bedient sich weiterer Kennzahlen. Und die sind durchaus existent. Zu diesen weiteren Kennzahlen gehören >>

1.) Real Total Expense Ratio (RTER)

Die „RTER /Real Total Expense Ratio“ merzt im Grunde, die Schwächen der herkömmlichen TER aus, denn diese Kennzahl bezieht neben den herkömmlichen Kostenelementen auch folgende Werte mit ein >>

• Transaktionsgebühren

• performanceabhängige Vergütungen

• auf Fondsebene entstehende Kosten

Womit deutlich wird, dass diese Kennziffer hinsichtlich ihrer Aussagekraft deutlich näher an der “Realität” dran ist.

2.) Total Cost of Ownership (TCO)

Die „Total Cost of Ownership / TCO“ soll gemäss „Beschreibung“ jegliche Kosten im Rahmen des Erwerbs und folgenden Besitzes vollumfänglich berücksichtigen. Bedeutet auch auf Ebene des Anlegers selbst. 

Doch hieraus ergibt sich der Fehler im Anspruch jener Kennzahl: Die Kosten auf Anlegerebene können sehr stark variieren, was eine einheitlichen Definition derer im Grunde ad absurdum führt.

3.) Key Investor Information Document (KIID)

Diese Kostenquote “KIID/Key Investor Information Document” beinhaltet neben den Kennzahlen aus der klassischen Total Expense Ratio (TER) zusätzlich noch die Performancegebühr eines Fonds. Jedoch fehlen auch in der KIID beispielsweise die Kosten für Transaktionen etc., was auch die KIID Kennzahl im Grunde nur geringfügig aussagefähiger als die TER macht.

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Markus G

Markus ist der “Kopf” des Teams. Ideengeber, Vermarkter, Redakteur und irgendwie an allem auf diesem Portal beteiligt. Ohne ihn würde es dieses Portal so nicht geben. Eine Idee – entstanden aus dem persönlichen Interesse an FinTech und nun langjähriger Erfahrungen in der Finanz-Szene. Zudem ist Markus Kolumnist auf zahlreichen Investment-Plattformen – vor allem im englischsprachigen Raum, aber u.a. auch auf Focus.de
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