Es klingt fast zu gut, um wahr zu sein: Robo-Advisor-Portfolios haben in den vergangenen zwölf Monaten Werte erzielt, die noch vor kurzem nach Ausnahmejahr geklungen hätten — während der DAX im Vergleich fast stehen blieb. Wer genauer hinschaut, findet keine geheime Anlagestrategie dahinter, sondern eine ziemlich nüchterne Erklärung: Portfolio-Struktur schlägt Momentum. Und genau diese Struktur entscheidet aktuell darüber, ob ein Depot bei 5 Prozent oder bei fast 30 Prozent Plus steht. Dieser Artikel zeigt, welcher Baustein den Unterschied macht, wie sich das in unseren eigenen Echtgeld-Tests niederschlägt — und warum die aktuelle Stärke kein Freifahrtschein für blindes Risiko ist.
Markus G
Zuletzt aktualisiert am: 30. Juli 2026
30. Juli 2026
Die Zahlen im Detail bestätigen den ersten Eindruck: Offensive Robo-Advisor-Strategien liegen auf Zwölf-Monats-Sicht bei bis zu rund 30 Prozent im Plus — deutlich vor dem DAX (rund 5 Prozent) und teils sogar vor dem MSCI World. Der Grund ist kein Geheimnis, sondern eine Frage der Portfolio-Struktur: Wer Schwellenländer beimischt, wurde in den vergangenen zwölf Monaten überdurchschnittlich belohnt.
Der Unterschied zum DAX erklärt sich einfach:
Der Index bildet nur 40 deutsche Unternehmen ab und ist damit weder global noch besonders breit aufgestellt. Robo-Advisor-Portfolios sind dagegen in aller Regel über mehrere Regionen und Anlageklassen gestreut — und genau diese Streuung war zuletzt der entscheidende Renditetreiber.
| Kennzahl | Entwicklung (12 Monate, Stand Sommer 2026) |
|---|---|
| DAX | rund 5 % |
| MSCI World | solide, aber unter den Top-Robo-Strategien |
| MSCI Emerging Markets | rund 51 % |
| Offensive Robo-Advisor-Strategien | bis zu rund 30 % |
Der wichtigste Grund für die starke Performance bei der Robo-Advisor Rendite liegt im Anteil an Schwellenländer-ETFs („Emerging Markets“) innerhalb der offensiven Strategien. Der MSCI Emerging Markets Index legte im betrachteten Zeitraum um rund 51 Prozent zu und damit deutlich stärker als die etablierten Industrieländer-Indizes. Finanzexperten empfehlen üblicherweise, einem breit diversifizierten Aktien-Portfolio rund 10 bis 20 Prozent Schwellenländer beizumischen — als strukturelles Element über volle Marktzyklen, nicht als kurzfristige Rendite-Wette.
Wie stark ein Anbieter von dieser Entwicklung profitiert, hängt direkt von der Portfolio-Zusammensetzung ab:
| Anbieter | Offensive Strategie — Zusammensetzung |
|---|---|
| Quirion | ca. 77 % Industrieländer-ETFs, ca. 13 % Schwellenländer-ETFs, ca. 9,6 % Anleihen, ca. 0,4 % Cash |
| Growney | Schwellenländer-Anteil von rund 25 % im offensiven Portfolio (grow70/green70) |
Growney kommt mit dem höheren Schwellenländer-Anteil entsprechend gut weg, während stärker Industrieländer-gewichtete Anbieter wie Quirion tendenziell etwas hinter den Spitzenreitern liegen — in ruhigeren Marktphasen dafür oft die risikoärmere Wahl.
Wichtig für Anleger: Ein hoher Schwellenländer-Anteil ist keine Qualitätseigenschaft an sich, sondern eine bewusste Risikoentscheidung, die sich aktuell auszahlt.
Die aktuelle Stärke ist kein Einzelereignis, sondern reiht sich in eine solide Mehrjahres-Bilanz ein. Für das komplette Jahr 2025 erzielten die besten Anbieter in der ausgewogenen Strategie (Aktienanteil bis 60 %) ein Plus von über zehn Prozent, angeführt von ING mit 12,27 Prozent. In der offensiven Kategorie (bis 100 % Aktienanteil) lag Whitebox mit 14,56 Prozent an der Spitze.
| Zeitraum | Ergebnis |
|---|---|
| 2025 (Gesamtjahr), ausgewogen | Spitzenreiter ING: 12,27 % |
| 2025 (Gesamtjahr), offensiv | Spitzenreiter Whitebox: 14,56 % |
| 3 Jahre, offensiv (Zeedin) | rund 55 % kumuliert, ca. 15,65 % p. a. |
| 3 Jahre, MSCI World (Vergleich) | über 17 % p. a. |
Bemerkenswert: Selbst der Top-Anbieter über drei Jahre blieb im Schnitt leicht hinter einer reinen MSCI-World-Anlage zurück. Robo-Advisor sind in erster Linie ein bequemer, breit diversifizierter Zugang zum Kapitalmarkt — keine grundsätzliche Outperformance-Garantie gegenüber einem einfachen Welt-ETF.
Auch die seit geraumer Zeit laufenden Echtgeld-Tests von uns bestätigen das Bild einer insgesamt starken, je nach Anbieter und Strategie aber unterschiedlichen Entwicklung:
| Testdepot | Zeitraum | Ergebnis |
|---|---|---|
| Whitebox (kombiniertes Testdepot, Value & Global) | 26 Monate (Mai 2024 – Juni 2026) | +24,6 %, annualisiert ca. 11,3 % p. a. |
| Quirion (kombiniertes Testdepot, Global & Nachhaltig 70/30) | 24 Monate (Mai 2024 – April 2026) | +24,4 %, annualisiert ca. 11,5 % p. a. |
| Growney grow70 (70 % Aktien) | 24 Monate (bis April 2026) | +20,9 %, annualisiert ca. 9,9 % p. a. |
| Growney grow50 (50 % Aktien) | 24 Monate (bis April 2026) | +18,0 %, annualisiert ca. 8,6 % p. a. |
Der Vergleich zeigt genau das Muster, das sich auch marktweit beobachten lässt: Whitebox und Quirion — beide mit höherem Aktienanteil und global breiterer Streuung — liegen deutlich vor growney grow50, dessen Strategie mit 50 Prozent Aktienanteil naturgemäß defensiver ausgerichtet ist. Alle vier Testdepots liegen in einer ähnlichen Größenordnung wie die im Markt beobachteten Durchschnittswerte — ein weiteres Indiz dafür, dass die aktuelle Stärke keine Einzelerscheinung ist, sondern eine breitere Marktbewegung widerspiegelt.
Redaktionelle Einschätzung · RoboAdvisor-Portal.com · Seit 2016
Wir testen und begleiten diese Anbieter seit Jahren mit eigenem Kapital auf diesem Portal. Beim Blick auf die aktuelle Rally sind uns dabei einige Details aufgefallen, die in einer reinen Zahlenübersicht untergehen.
In unseren Testberichten für Whitebox profitiert die Value- und Global-Strategie aktuell besonders stark von der Kombination aus hoher Aktienquote und global breiter ETF-Auswahl. Das zeigt sich an einer der höheren annualisierten Renditen im gesamten Anbietervergleich — allerdings auch an einem historisch spürbaren maximalen Drawdown in schwächeren Marktphasen. Wer bei Whitebox eine offensive Strategie wählt, sollte diese Schwankungsbreite kennen und akzeptieren können.
Quirion liegt mit seiner Industrieländer-lastigen Ausrichtung (rund 77 % Industrieländer, nur 13 % Schwellenländer) leicht hinter Anbietern mit höherer Emerging-Markets-Quote — erzielt aber dennoch eines der besten Ergebnisse in unserem Testfeld. Das spricht für eine solide Basis-Allokation, die auch ohne aggressive Schwellenländer-Wette überzeugt.
Growney zeigt in unserem Test sehr genau den Unterschied zwischen den eigenen Strategiestufen: grow70 liegt spürbar vor grow50, exakt entsprechend der höheren Aktienquote. Das unterstreicht, wie wichtig bei growney die bewusste Wahl der passenden Strategienummer ist — ein Anleger, der „growney“ bucht, ohne die Aktienquote aktiv zu wählen, kann sehr unterschiedliche Ergebnisse erzielen.
Redaktionsfazit: Die aktuelle Stärke aller drei Anbieter in unserem Testfeld bestätigt den Markttrend, ändert aber nichts an unserer grundsätzlichen Einschätzung: Wer eine offensive, Schwellenländer-lastige Strategie wählt, kauft sich damit auch mehr Schwankung ein. Für sicherheitsorientierte Anleger bleiben ausgewogene Strategien mit geringerem Emerging-Markets-Anteil die nachvollziehbarere Wahl — auch wenn sie an der aktuellen Rally etwas weniger stark partizipieren.
So erfreulich die aktuellen Zahlen sind — sie sollten nicht darüber hinwegtäuschen, wie groß die Unterschiede zwischen den Anbietern tatsächlich sind. Unabhängige Auswertungen mit mehrjähriger Historie zeigen eine Spreizung von über 30 Prozentpunkten zwischen dem besten und dem schwächsten getesteten Portfolio. Wer in schwächeren Marktphasen ein konservatives Profil mit hohem Anleihenanteil gewählt hatte, verlor teils sogar mehr als reine Aktienanleger — ein Hinweis darauf, dass „defensiv“ nicht automatisch „risikoärmer“ bedeutet.
Die laufenden Gebühren der Anbieter beeinflussen die Nettorendite spürbar, verändern aber in den meisten Fällen nicht die Rangfolge, die sich bereits aus der Bruttoperformance ergibt. Wer vor Kosten vorne liegt, liegt in aller Regel auch nach Abzug der Servicegebühr vorne. Für Anleger heißt das: Die Wahl der Strategie — und damit die Aktien- bzw. Schwellenländer-Quote — hat einen deutlich größeren Einfluss auf das Endergebnis als ein paar Zehntelprozentpunkte Unterschied bei den Gebühren.
1. Die eigene Strategie nicht an der aktuellen Rally ausrichten: Wer jetzt aus Angst, etwas zu verpassen, in eine offensive Schwellenländer-Strategie wechselt, kauft tendenziell zu einem Zeitpunkt, an dem bereits viel Kurspotenzial realisiert wurde. Die Strategiewahl sollte sich weiterhin am eigenen Risikoprofil orientieren.
2. Mehrjährige Daten statt Zwölf-Monats-Schnappschüsse prüfen: Wie das Beispiel Whitebox/Quirion/growney zeigt, liefert ein Blick auf 24 bis 26 Monate ein deutlich robusteres Bild als eine reine Jahresbetrachtung. Bevor ein Anbieterwechsel erwogen wird, lohnt sich der Blick auf mehrjährige Echtgeld-Tests.
3. Schwellenländer-Anteil bewusst wählen, nicht zufällig übernehmen: Ob 13 Prozent (Quirion) oder 25 Prozent (growney offensiv) — der Emerging-Markets-Anteil sollte eine bewusste Entscheidung sein, keine Nebenwirkung der gewählten Risikostufe.
Die aktuelle Robo-Advisor-Rally zeigt vor allem eines: Breite globale Streuung inklusive Schwellenländern zahlt sich in bestimmten Marktphasen deutlich aus. Gleichzeitig gilt weiterhin, dass ein starkes Zwölf-Monats-Ergebnis wenig über die langfristige Eignung einer Strategie aussagt. Anleger sollten sich weniger von aktuellen Spitzenwerten leiten lassen als davon, ob Aktienquote und Schwellenländer-Anteil zum eigenen Risikoprofil und Anlagehorizont passen. Ein Blick auf mehrjährige Echtgeld-Daten — statt auf reine Zwölf-Monats-Schnappschüsse — hilft dabei, Anbieter realistisch einzuordnen.
Hinweis: Die genannten Performance-Zahlen entsprechen dem jeweils angegebenen Datenstand und können sich seither verändert haben. Es handelt sich nicht um eine Anlageberatung. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.
Wie hat dir der Artikel gefallen? Lass uns doch einfach ein „Daumen Hoch“ oder „Daumen runter“ da! Danke!
Markus G
Website Design by Felicis Design
Zuletzt aktualisiert am 30. Juli 2026 by Redaktion