Altersvorsorge 2025: Digitale Vermögensverwaltung im Kontext der Rentenplanung

Die private Altersvorsorge in Deutschland steht vor einem Wendepunkt. Demografische Veränderungen, die fortschreitende Digitalisierung und die wachsende Erkenntnis über strukturelle Defizite der gesetzlichen Rentenversicherung erfordern neue Lösungsansätze. Das Altersvorsorgedepot, eine steuerlich geförderte Anlageform nach dem Vorbild der amerikanischen 401(k)-Pläne, wurde von der ehemaligen Bundesregierung als zukunftsweisendes Modell konzipiert, bislang jedoch nicht umgesetzt. Die neue Regierung hat im Oktober 2025 angekündigt, die Reform der privaten Altersvorsorge noch im laufenden Jahr im Kabinett zu beschließen. Dieser Fachartikel analysiert die aktuelle Situation der Altersvorsorge in Deutschland, untersucht das Konzept des Altersvorsorgedepots und bewertet dessen Potenzial für eine nachhaltige Rentenplanung.

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Markus G

Zuletzt aktualisiert am: 30. November 2025

Altersvorsorge mit Robo-Advisor: Expertenleitfaden zur digitalen Rentenplanung 2025

20. Januar 2025

Gesetzliche Altersvorsorge: Fundament unter Druck

Die gesetzliche Rentenversicherung bildet nach wie vor das Fundament der Alterssicherung für über 21 Millionen Rentner in Deutschland. Das Rentenniveau liegt 2025 bei 48 Prozent und wird durch eine gesetzliche Haltelinie bis Ende 2025 auf diesem Niveau gehalten. Die zum 1. Juli 2025 um 3,74 Prozent angehobenen Bezüge stabilisierten diese Marke. Die Standardrente eines Versicherten mit 45 Beitragsjahren zum durchschnittlichen Entgelt beträgt aktuell 1.835 Euro brutto monatlich. Nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen sowie Steuern verbleiben davon je nach individueller Situation zwischen 1.500 und 1.600 Euro netto.

Die tatsächliche Durchschnittsrente liegt jedoch deutlich unter dieser Modellrechnung. Aktuelle Zahlen der Deutschen Rentenversicherung aus dem Jahr 2023 zeigen, dass männliche Rentner in den alten Bundesländern durchschnittlich 1.309 Euro erhielten, während Frauen im Schnitt lediglich auf 888 Euro kamen. In den neuen Bundesländern lag die durchschnittliche Rente der Männer bei 1.385 Euro, die der Frauen bei 1.168 Euro. Der Gender Pension Gap beträgt damit 25,8 Prozent.

Daten des Statistischen Bundesamtes zur Einkommensverteilung im Ruhestand verdeutlichen die Versorgungsrealität: 2024 verfügten etwa 20 Prozent der Personen ab 65 Jahren über maximal 1.400 Euro netto monatlich. Weitere 20 Prozent mussten mit 1.400 bis 1.790 Euro auskommen. Bei Rentnerhaushalten stammten durchschnittlich 92 Prozent des Einkommens aus Renten oder Pensionen, lediglich 5 Prozent aus Vermögenserträgen und 2 Prozent aus Erwerbstätigkeit.

Die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung erfolgt nach dem Umlageverfahren. 2024 verzeichnete die Rentenversicherung Einnahmen von rund 402 Milliarden Euro, wovon 306 Milliarden aus Beiträgen stammten. Die verbleibenden 92 Milliarden Euro mussten durch Bundeszuschüsse aus Steuermitteln gedeckt werden. Dieser Zuschussanteil von fast einem Viertel verdeutlicht die angespannte finanzielle Situation. Der demografische Wandel verschärft die Problematik kontinuierlich: Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer-Generation erreichen sukzessive das Rentenalter, während gleichzeitig weniger junge Menschen ins Erwerbsleben eintreten.

Infografik Gesetzliche Rentenversicherung Deutschland 2024/2025: Rentenniveau, Durchschnittsrenten, Finanzierung
Gesetzliche Rentenversicherung Deutschland 2024/2025 – Alle Zahlen und Fakten

Private Altersvorsorge: Defizite bestehender Modelle

Die private Altersvorsorge sollte die Versorgungslücke schließen, die durch das sinkende Rentenniveau in der gesetzlichen Rentenversicherung entsteht. Seit der Rentenreform 2001 basiert das deutsche System auf einem Mehrsäulenmodell: gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge und private Vorsorge. Die Umsetzung dieses Konzepts hat jedoch die gesteckten Ziele nur teilweise erreicht.

Die Riester-Rente, seit 2002 als zentrale Säule der privaten Altersvorsorge etabliert, gilt mittlerweile als weitgehend gescheitert. Mit rund 15 Millionen Verträgen Ende 2024 ist sie formal weit verbreitet, die Neuabschlüsse sind jedoch dramatisch eingebrochen. 2023 wurden nur noch 41.000 neue Verträge abgeschlossen, ein Rückgang von über 60 Prozent gegenüber den Spitzenjahren. Gleichzeitig wurden seit Einführung mehr als fünf Millionen Verträge vorzeitig gekündigt. Allein von Januar bis August 2025 erfolgten weitere 220.000 Kündigungen.

Die Gründe für das Scheitern der Riester-Rente sind vielschichtig. Die Komplexität des Zulagenverfahrens überfordert viele Sparer. Fehler oder Änderungen in der Lebenssituation führten in der Vergangenheit häufig zu Rückforderungen. Zwar wurde das Verfahren mit dem Jahressteuergesetz 2022 vereinfacht, sodass ab dem Beitragsjahr 2024 eine maschinelle Prüfung durch die Zentrale Zulagenstelle vor Auszahlung erfolgt. Dennoch bleibt das System für viele Anleger undurchschaubar.

Ein strukturelles Problem stellt die Renditeschwäche dar. Die gesetzlich vorgeschriebene Beitragsgarantie zwingt Anbieter zu defensiven Anlagestrategien. Der gesetzliche Garantiezins für Lebensversicherungen lag 2025 bei nur einem Prozent, nachdem er von ursprünglich 3,25 Prozent bei Einführung der Riester-Rente kontinuierlich abgesenkt worden war. Nach Abzug von Inflation, hohen Verwaltungskosten und Steuern in der Auszahlphase bleibt für viele Sparer wenig übrig.

Aktuelle Erhebungen zeigen, dass etwa ein Sechstel der Beschäftigten ausschließlich auf die gesetzliche Rente vertraut. Die Beteiligung an der Zusatzvorsorge ist zudem rückläufig: Während 2015 noch 70 Prozent der Beschäftigten zusätzlich vorgesorgt hatten, sank dieser Anteil 2019 auf 66 Prozent und liegt aktuellen Daten zufolge noch niedriger.

Das Altersvorsorgedepot: Konzept und Ausgestaltung

Das Altersvorsorgedepot war das zentrale Reformprojekt der ehemaligen Ampel-Regierung zur Neuausrichtung der privaten Altersvorsorge. Der damalige Bundesfinanzminister Christian Lindner hatte 2024 einen umfassenden Referentenentwurf vorgelegt. Das Konzept orientierte sich an den 401(k)-Plänen in den USA und sollte Bürgern ermöglichen, staatlich gefördert in ein Wertpapierdepot zu investieren. Anders als bei der Riester-Rente war keine Beitragsgarantie vorgesehen. Sparer sollten ihr Kapital breit gestreut in ETFs, Aktien und andere zugelassene Wertpapiere anlegen können.

Die staatliche Förderung sollte über ein transparentes Zulagensystem erfolgen: Für jeden eingezahlten Euro waren 20 Cent Grundzulage vom Staat geplant, bis zu maximal 600 Euro jährlich. Bei einer maximalen jährlichen Einzahlung von 3.000 Euro hätte dies eine Gesamtförderquote von 20 Prozent bedeutet. Für Familien war eine zusätzliche Kinderzulage vorgesehen. Pro kindergeldberechtigtem Kind sollte es weitere 25 Cent je eingezahltem Euro geben, maximal 300 Euro pro Kind und Jahr.

Junge Menschen, die vor dem 25. Geburtstag mit dem Altersvorsorgedepot starteten, sollten drei Jahre lang jeweils 200 Euro zusätzlich erhalten, insgesamt also einen Bonus von 600 Euro. Für Geringverdiener mit einem Bruttojahreseinkommen bis 26.250 Euro war eine zusätzliche Zulage von 175 Euro jährlich geplant. In der Ansparphase sollte das Depot steuerlich gefördert werden, die Besteuerung erfolgt nachgelagert in der Auszahlphase.

Nach dem Bruch der Ampel-Koalition und der Bildung einer neuen Regierung aus CDU, CSU und SPD blieb das ambitionierte Projekt zunächst in der Schublade. Die neue Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag vom April 2025 eine abgespeckte Variante beschlossen: die sogenannte Frühstart-Rente. Ab 2026 zahlt der Staat für jedes Kind vom sechsten bis zum 18. Lebensjahr, das eine Bildungseinrichtung besucht, monatlich zehn Euro in ein individuelles Altersvorsorgedepot ein. Der in dieser Zeit angesparte Betrag kann ab dem 18. Lebensjahr durch private Einzahlungen weiter bespart werden. Die Erträge sollen bis zum Renteneintritt steuerfrei bleiben.

Diese eingeschränkte Lösung stößt auf Kritik von Finanzexperten und Verbraucherschützern. Henriette Peucker vom Deutschen Aktieninstitut fordert eine umfassendere Reform und betont, dass Deutschland trotz der vorgesehenen Maßnahmen deutlich hinter dem internationalen Standard zurückbleibe. Auch Finanztip hatte in einem Positionspapier ein staatlich gefördertes Vorsorgedepot für alle Verbraucher gefordert, unabhängig vom Alter beim Start und ohne komplizierten Antrag oder Einkommensprüfung.

Kapitalmarktorientierte Altersvorsorge: Chancen und Risiken

Das Kernprinzip des Altersvorsorgedepots basiert auf der Partizipation am Kapitalmarkt. Historische Daten belegen, dass breit diversifizierte Aktienportfolios über lange Zeiträume deutlich höhere Renditen erzielen als festverzinsliche Anlagen oder Versicherungsprodukte mit Garantien. Über Zeiträume von 15 Jahren und mehr erzielten global diversifizierte Aktieninvestments bislang stets positive reale Renditen, auch wenn kurzfristige Schwankungen erheblich sein können.

Der Zinseszinseffekt spielt bei langfristigen Anlagen eine entscheidende Rolle. Bei einer monatlichen Sparrate von 200 Euro und einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von sechs Prozent ergibt sich nach 20 Jahren ein Vermögen von etwa 147.000 Euro. Nach 30 Jahren wären es bereits 251.000 Euro und nach 40 Jahren nahezu 400.000 Euro. Die letzten zehn Jahre der Ansparphase tragen dabei mehr zum Endvermögen bei als die ersten 20 Jahre zusammen. Diese mathematische Realität unterstreicht die Bedeutung eines frühen Beginns.

Die Kostenstruktur kapitalmarktorientierter Anlagen unterscheidet sich fundamental von traditionellen Versicherungsprodukten. Während bei Riester-Rentenversicherungen häufig Abschluss- und Verwaltungskosten von zwei bis drei Prozent pro Jahr anfallen, liegen die Gesamtkosten bei ETF-basierten Portfolios typischerweise zwischen 0,3 und 0,6 Prozent jährlich. Über einen Anlagezeitraum von 30 oder 40 Jahren macht dieser Kostenunterschied eine erhebliche Differenz im Endvermögen aus.

Allerdings birgt die kapitalmarktorientierte Altersvorsorge auch Risiken. Anders als bei versicherungsförmigen Produkten existiert keine Beitragsgarantie. Aktienmärkte unterliegen Schwankungen, die insbesondere bei kürzeren Anlagezeiträumen zu Verlusten führen können. Die Finanzkrise 2008/2009 oder der Corona-Crash 2020 zeigten, dass auch breit gestreute Portfolios zeitweise deutliche Wertverluste erleiden können. Für die langfristige Altersvorsorge mit einem Anlagehorizont von 30 oder 40 Jahren relativiert sich dieses Risiko jedoch erheblich.

Eine zentrale Herausforderung besteht in der lebenszyklusorientierten Anpassung der Anlagestrategie. In jungen Jahren mit einem langen Anlagehorizont können Anleger ein höheres Risiko eingehen und einen größeren Anteil in Aktien investieren. Mit zunehmendem Alter und abnehmendem Anlagehorizont sollte das Risiko schrittweise reduziert werden. Sogenannte Gleitpfad-Modelle passen die Asset-Allokation automatisch an, sodass der Anteil festverzinslicher Anlagen im Laufe der Zeit erhöht wird.

Umsetzungsmöglichkeiten und digitale Infrastruktur

Für die praktische Umsetzung einer kapitalmarktorientierten Altersvorsorge stehen verschiedene Wege zur Verfügung. Anleger können eigenverantwortlich ETF-Sparpläne bei Direktbanken oder Online-Brokern einrichten und verwalten. Dies erfordert jedoch ein gewisses Maß an Finanzwissen und die Bereitschaft, sich kontinuierlich mit der Portfolioverwaltung auseinanderzusetzen.

Eine Alternative bieten digitale Vermögensverwalter, sogenannte Robo-Advisor, die auf Basis algorithmischer Modelle individuelle Portfolios erstellen und automatisiert verwalten. Nach Erfassung des Anlegerprofils durch einen digitalen Fragebogen wird ein diversifiziertes Portfolio aus ETFs erstellt, das kontinuierlich überwacht und bei Bedarf automatisch angepasst wird. Diese Automatisierung nimmt Anlegern zeitaufwendige Aufgaben ab und minimiert emotionale Fehlentscheidungen in volatilen Marktphasen. Die Kosten digitaler Vermögensverwalter liegen typischerweise zwischen 0,35 und 0,85 Prozent pro Jahr und damit deutlich unter traditionellen Vermögensverwaltern.

Am deutschen Markt haben sich verschiedene Anbieter etabliert, die sich hinsichtlich Gebührenstruktur, Anlagestrategien und Zusatzleistungen unterscheiden. Einige fokussieren sich auf reine ETF-Portfolios mit maximaler Kosteneffizienz, andere bieten hybride Lösungen an, die ETF-Investments mit steueroptimierten Rentenversicherungsprodukten kombinieren. Wieder andere legen den Schwerpunkt auf nachhaltige Investments und bieten ESG-konforme Portfolios an. Die folgende Übersicht zeigt eine Auswahl etablierter Anbieter mit Fokus auf Altersvorsorge:

AnbieterProdukttyp / DepotBesonderheitenMindestanlage
growneyFonds-/ETF-Depots; spezielles Altersvorsorgeprodukt “growLife”Fondsgebundene Rentenversicherung, steueroptimierte VarianteSparplan ab kleinen Monatsbeträgen
Scalable CapitalETF-Depots; Renten-/Altersvorsorge-SparpläneGroße ETF-Auswahl, robo-gestütztes RisikomanagementSehr niedrige Sparplan-Minima
quirionETF-Depots; Altersvorsorge-SparpläneAngebot über Quirion-App mit standardisierten PortfoliosSparpläne ab kleinen Beträgen
GinmonETF-Portfolios mit Langfrist-FokusDynamisches Rebalancing, Risiko-ManagementSparplan ab niedrigen Beträgen
WhiteboxETF-/Fondsdepots; Depotstrategien für langfristige ZieleVerschiedene Strategie- und VorsorgeprofileJe nach Strategie variabel
LIQIDDigital Wealth Management; Varianten für langfristige AltersvorsorgeVermögensverwaltende Strategien, auch für vermögendere KundenHöhere Mindestbeträge

Quelle: Anbieterdaten, Stand Oktober 2025. Die Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Im Kontext eines zukünftigen Altersvorsorgedepots könnten solche digitalen Plattformen eine wichtige Infrastrukturfunktion übernehmen. Sie würden es auch Anlegern ohne Fachkenntnisse ermöglichen, von staatlichen Förderungen und Kapitalmarktchancen zu profitieren. Die Kombination aus Zulagen, Steuerstundung und automatisierter Portfolioverwaltung könnte die Attraktivität der privaten Altersvorsorge deutlich steigern.

Betriebliche Altersvorsorge als ergänzende Säule

Neben gesetzlicher Rente und privater Vorsorge bildet die betriebliche Altersvorsorge die zweite Säule der Alterssicherung in Deutschland. Ende 2023 verfügten laut Alterssicherungsbericht der Bundesregierung gut 18 Millionen Arbeitnehmer über eine betriebliche Altersversorgung. Die steuerlichen Rahmenbedingungen wurden 2025 durch die Angleichung der Beitragsbemessungsgrenzen in Ost- und Westdeutschland vereinheitlicht. Auf Basis der einheitlichen Beitragsbemessungsgrenze von 96.600 Euro jährlich ergibt sich ein steuerfreier Höchstbetrag von 7.728 Euro pro Jahr. Bis zu 3.864 Euro jährlich bleiben zudem sozialabgabenfrei.

Die betriebliche Altersvorsorge lohnt sich insbesondere dann, wenn der Arbeitgeber einen substanziellen Zuschuss zahlt. Seit 2019 sind Arbeitgeber verpflichtet, bei Entgeltumwandlung einen Zuschuss von mindestens 15 Prozent zu zahlen, sofern sie durch die Umwandlung Sozialversicherungsbeiträge einsparen. In der Auszahlphase unterliegen Betriebsrenten jedoch der vollen nachgelagerten Besteuerung und es fallen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung an. Für gesetzlich krankenversicherte Rentner gilt seit 2025 ein Freibetrag von 187,25 Euro monatlich.

Internationale Vorbilder und Vergleiche

Ein Blick über die Grenzen zeigt alternative Ansätze der kapitalgedeckten Altersvorsorge. Schweden führte in den 1990er Jahren ein gemischtes System ein, das eine umlagefinanzierte Rente mit einer kapitalgedeckten Prämienrente kombiniert. Jeder Versicherte kann dabei aus verschiedenen Fonds wählen oder den staatlichen Standardfonds nutzen. Die Verwaltungskosten sind durch zentrale staatliche Strukturen gering. Das System bietet Sicherheit durch eine Grundversorgung bei gleichzeitiger Partizipation an Kapitalmarktchancen.

In den Niederlanden existiert ein verpflichtendes System der betrieblichen Altersvorsorge mit kapitalgedeckten Pensionsfonds. Nahezu alle Arbeitnehmer sind automatisch über ihren Arbeitgeber versichert. Die niederländischen Pensionsfonds investieren professionell und langfristig am Kapitalmarkt und erzielen historisch deutlich höhere Renditen als deutsche Versicherungsprodukte. Nach Daten von Eurostat liegt die durchschnittliche monatliche Bruttorente in den Niederlanden bei 1.931 Euro, in Deutschland hingegen bei 1.440 Euro.

Die 401(k)-Pläne in den USA, die als Vorbild für das deutsche Altersvorsorgedepot dienten, ermöglichen Arbeitnehmern steuerlich begünstigte Investitionen in verschiedene Fonds. Diese internationalen Beispiele zeigen, dass kapitalgedeckte Vorsorgesysteme erfolgreich implementiert werden können und zu besseren Versorgungsniveaus führen, ohne die Sicherheit grundsätzlich zu gefährden.

Ausblick und politische Weichenstellungen

Die Bundesregierung hat im Oktober 2025 angekündigt, die Reform der privaten Altersvorsorge noch im laufenden Jahr im Kabinett zu beschließen. Im Koalitionsbeschluss heißt es: “Als zusätzlicher Teil der Rentenreform wird die Reform der privaten Altersvorsorge (Nachfolge-Riester) noch in 2025 im Kabinett beschlossen.” Ob das ursprüngliche Konzept des Altersvorsorgedepots wieder aufgegriffen wird oder ein modifiziertes Modell zum Einsatz kommt, bleibt abzuwarten.

Experten aus der Finanzbranche begrüßen die Reformankündigung. Thomas Richter vom Bundesverband Investment und Asset Management sieht darin eine Chance, die Rentenlücke von 50 Millionen Menschen zwischen 18 und 66 Jahren zu verkleinern. Verbraucherschützer fordern, aus den Fehlern der Riester-Rente zu lernen: Einfachheit statt Komplexität, niedrige Kosten statt hoher Verwaltungsgebühren, Renditeorientierung statt übertriebener Garantien.

Die Haltelinie beim Rentenniveau von 48 Prozent ist zunächst bis Ende 2025 festgeschrieben. Was danach kommt, ist politisch umstritten. Eine weitere Absenkung des Rentenniveaus würde die Versorgungslücke vergrößern und den Druck auf die Zusatzvorsorge erhöhen. Eine Stabilisierung oder gar Anhebung des Rentenniveaus würde hingegen höhere Beiträge oder Steuerzuschüsse erfordern. Der demografische Wandel ist unumkehrbar. Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer werden in den kommenden 15 Jahren in Rente gehen. Ohne grundlegende Reformen droht eine Abwärtsspirale aus sinkendem Rentenniveau, steigenden Beiträgen und wachsender Altersarmut.

Handlungsempfehlungen für die individuelle Vorsorgeplanung

Unabhängig von politischen Reformen sollte jeder Einzelne seine Altersvorsorge proaktiv gestalten. Der erste Schritt ist die realistische Einschätzung der Versorgungslücke. Die Deutsche Rentenversicherung verschickt jährlich Renteninformationen an alle Versicherten ab 27 Jahren mit mindestens fünf Beitragsjahren. Diese sollten kritisch geprüft und um Inflation sowie Steuern und Abgaben bereinigt werden.

Die Rentenlücke ergibt sich aus der Differenz zwischen dem gewünschten Lebensstandard und den zu erwartenden Alterseinkünften. Finanzexperten empfehlen, für den Ruhestand etwa 70 bis 80 Prozent des letzten Nettogehalts anzustreben. Um eine monatliche Versorgungslücke von beispielsweise 1.000 Euro über einen Zeitraum von 25 Jahren im Ruhestand zu schließen, wäre bei einer konservativen Entnahmestrategie ein Kapital von etwa 300.000 Euro erforderlich.

Der Aufbau eines solchen Vermögens erfordert Disziplin und einen langen Atem. Als Faustregel gilt, dass zehn bis 15 Prozent des Bruttoeinkommens für die Altersvorsorge zurückgelegt werden sollten. Diese Beträge sollten über alle drei Säulen verteilt werden: lückenlose Beitragszahlung in die gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge bei attraktivem Arbeitgeberzuschuss und private Vorsorge durch kapitalmarktorientierte Anlagen.

Eine breite Diversifikation über verschiedene Anlageformen und Säulen reduziert Risiken und erhöht die Chance auf eine auskömmliche Versorgung im Alter. Die Anlagestrategie sollte sich im Lebensverlauf anpassen, wobei in jungen Jahren ein höherer Aktienanteil vertretbar ist, der mit zunehmendem Alter schrittweise reduziert wird. Regelmäßige Überprüfungen sind notwendig, um auf Veränderungen in der Lebenssituation zu reagieren.

Fazit

Die Altersvorsorge in Deutschland steht vor grundlegenden Herausforderungen. Das Rentenniveau von 48 Prozent verdeutlicht die Notwendigkeit zusätzlicher Vorsorge. Die bisherigen Modelle der privaten Altersvorsorge, insbesondere die Riester-Rente, haben ihre Ziele nicht erreicht. Das Altersvorsorgedepot könnte als kapitalmarktorientiertes, staatlich gefördertes Instrument eine zukunftsfähige Alternative darstellen.

Die Kombination aus transparenter Förderung durch Zulagen, Verzicht auf kostenintensive Garantien, breiter Diversifikation über ETFs und Nutzung digitaler Infrastruktur adressiert zentrale Schwachstellen bestehender Systeme. Internationale Vorbilder aus Schweden, den Niederlanden und den USA zeigen, dass kapitalgedeckte Vorsorge erfolgreich funktionieren kann. Ob und in welcher Form ein umfassendes Altersvorsorgedepot in Deutschland eingeführt wird, hängt von den politischen Entscheidungen der kommenden Monate ab.

Bis dahin bleibt die eigenverantwortliche Vorsorge essentiell. Wer frühzeitig beginnt, kontinuierlich spart, eine ausgewogene Strategie über alle drei Säulen verfolgt und die Vorteile kapitalmarktorientierter Anlagen nutzt, hat gute Chancen, die Versorgungslücke zu schließen und einen finanziell abgesicherten Ruhestand zu erreichen.


Quellen

Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Stand: Oktober 2025.

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Markus G

Markus ist der “Kopf” des Teams. Ideengeber, Vermarkter, Redakteur und irgendwie an allem auf diesem Portal beteiligt. Ohne ihn würde es dieses Portal so nicht geben. Eine Idee – entstanden aus dem persönlichen Interesse an FinTech und nun langjähriger Erfahrungen in der Finanz-Szene. Zudem ist Markus Kolumnist auf zahlreichen Online-Plattformen – im englischsprachigen Raum unter anderem aufTalkmarkets, aber auch auf im deutschsprachigen Raum u. a. auf Focus.de
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