Robo-Advisor: Für welche Anleger sind sie NICHT geeignet?

Robo-Advisor: Sie sind angetreten, um die Investment-Welt zu revolutionieren. Angetreten, um der vermeintlich digital affinen Jugend, die doch von zahlreichen Krisen geschüttelte Investment Welt „neu“ zu eröffnen. Gut angedacht, nur leider gescheitert! Denn gerade diese Zielgruppe hat sich nicht als ein “passendes” Klientel für die Robo-Advisor erwiesen. Sie lässt sich doch nicht so leicht, wie erhofft, akquirieren.

Oliver S.

Oliver S.

4. Februar 2020

Robo-Advisor - für wen sie nicht geeignet sind

4. Februar 2020

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Und schon waren Sie da, die Kritiker, die daraus den Schluss zogen, das Robo-Advisor ein völlig unnötiges Kapitalanlage-Angebot darstellen. Oder zumindest behaupteten, dass eine wirklich passende Zielgruppe für die digitalen Anlage-Roboter erst noch gefunden werden müsse.

Somit also die Frage: Für wen und welchen Anleger-Typ sind Robo-Advisor denn nun geeignet?

Eine Frage, die zahlreiche Finanz-Experten dann wiederum zum Anlass nehmen, eine vermeintlich „passende Zielgruppe für Robo-Advisor“ definieren zu wollen. Das reicht dann von der Zielgruppe der kostenbewussten Anleger, dem generellen Kleinanleger über den finanzgebildeten Mittelständler bis hin zum „faulen“ Anleger, der sein Vermögen einfach nur anwachsen lassen möchte.

Ja – wer denn nun? Gibt es sie überhaupt? Die optimale Zielgruppe für das digitale Kapitalanlage-Angebot der mehr als 30 Robo-Advisor im deutschen Markt?
Gegenfrage: Wäre es einfacher zu definieren für welchen Investorentypus der breiten Anlegerschaft ein Robo-Advisor definitiv NICHT in Frage kommt?
Ein Versuch auf diese Weise, eine real existierende Zielgruppe zu definieren, erscheint allemal lohnenswert.

Zum Verständnis: Was beinhaltet das Angebot der Robo-Advisors?

Die Grundlage einer solchen Zielgruppen-„Ausgrenzung“ setzt erst einmal voraus, zu verstehen, womit die Robo-Advisor Anbieter hauptsächlich selbst ihre vermeintlichen Zielgruppen adressieren.

Und da stechen in der Regel immer wieder drei wesentliche Punkte hervor:

– Einfacher Einstieg in die Investment-Welt
– Kosten
– Einfachheit (also die Übernahme des sich „kümmern“ um die Geldanlage)

Ergo: Robo-Advisor sehen sich selbst als Investment-Manager für „faule und kostensensible“ Anleger, die mit wenig Startkapital in den Vermögensaufbau einsteigen und sich auch nicht zwingend im Detail darum kümmern wollen.

Erstes Zwischenfazit: Robo-Advisor bieten in erster Linie die kostengünstige Verwaltung eines bereits vorhandenen Vermögens, welches der Anleger gerne vermehren möchte. Dabei findet im Prinzip weder eine Beratung noch zwischenzeitliche Kommunikation zwischen Robo-Advisor und Anleger statt, sondern der Kunde vertraut sein Vermögen dem digitalen Vermögensverwalter an, der dieses in bestimmte Finanzprodukte angelegt.

Auszuschließende Zielgruppe: Kleinanleger?

Vielfach genannt: die sogenannten Sparer und Kleinanleger. Also eine Gruppe, die bereit ist Geld anzulegen, aber im Grunde auch noch nicht über einen vermeintlich passenden Kapitalstock verfügen. Damit sind Kunden gemeint, die kein bereits vorhandenes oder nur sehr geringes Vermögen anlegen möchten und können. Als auch Jene, die erst durch regelmäßige Sparen Kapital ansammeln wollen.

Grund für den weitestgehenden Ausschluss? Bisher sind es nur wenige Online-Vermögensverwalter, die sowohl eine geringe Mindesteinlage UND ein monatliches Sparplan-Angebot im Portfolio haben. Oder aber komplett auf die Mindest-Anlagesumme verzichten und monatlich Einzahlungen auf Minimalniveau (ab 25 €) anbieten.
Wer also erst Vermögen ansparen möchte, der muss sich entweder gezielt die wenigen Robo-Advisors aussuchen, die diesbezüglich ein Produkt anbieten oder anderweitig aktiv werden.

Das Gros der Robo-Advisor schließt sich also selbst durch ihre Angebote von dieser Zielgruppe aus!

Anleger mit sehr hohem Sicherheitsbedürfnis

Eine zweite Gruppe von Kunden, für die Robo-Advisors ebenfalls weniger geeignet erscheint, sind äußerst sicherheits-orientierte Anleger. Darunter werden in erster Linie Kunden verstanden, die absolut kein Risiko mit dem Investment eingehen möchten und sich daher für gewöhnlich für die folgenden Anlageprodukte entscheiden:

• Tagesgeld
• Spareinlagen
• Festgeld
• Geldmarktpapiere
• Bundeswertpapiere

Die meisten Robo-Advisor investieren das Kapital der Anleger nicht in die zuvor genannten Finanzprodukte, auch wenn natürlich meistens ein sogenanntes sicherheitsorientiertes Portfolio angeboten wird. Dieses garantiert allerdings selten eine hundertprozentige Sicherheit, wie es zum Beispiel bei Festgeldanlagen oder Spareinlagen der Fall ist.

Daher kommt das Angebot der digitalen Vermögensverwalter meistens für äußerst sicherheits-orientierte Anleger nicht infrage, zumal diese tatsächlich nur auf hohe Sicherheit und offensichtlich weniger auf eine gute Rendite Wert legen.

Do-it-yourself: Manche Anleger kümmern sich gerne selbst um ihr Vermögen

Es gibt eine dritte Gruppe von Anlegern, für die Robo-Advisors definitiv nicht die geeignete Wahl sind. Dabei handelt es sich um alle Akteure am Finanzmarkt, die sich gerne selbst um ihr Vermögen kümmern. Dies sind meistens Anleger, die zum Beispiel Spaß daran haben, an der Börse Aktien zu handeln und sich intensiv mit dem jeweiligen Wertpapier zu beschäftigen. Aber auch bei anderen Finanzprodukten, bei denen eine Auswahl interessant ist, kommen natürlich für solche aktiven Anleger infrage.

Da die Online-Vermögensverwaltung jedoch darauf beruht, dass der Robo-Advisor faktisch für den Kunden entscheidet, in welche Anlageformen das Geld fließt, wäre das Angebot sicherlich nicht für solche DIY-Anleger passend. Dies trifft natürlich ebenfalls für die klassische Vermögensverwaltung zu, denn auch diese würde nicht für Anleger geeignet sein, die Spaß daran haben, ihre Anlageprodukte selbst auszuwählen und anschließend weiter zu betreuen.

Kurzfristig orientierte und spekulativ eingestellte Anleger

Ebenfalls wenig geeignet sind Robo-Advisors für eine relativ große Gruppe von Anlegern, die allerdings eher als Spekulanten bezeichnet werden müssen. Es handelt sich dabei um sehr kurzfristig orientierte Kunden, die in der Regel einer der folgenden drei Gruppen zugeordnet werden können:

• Anleger mit sehr kurzem Anlagehorizont
• Trader
• Spekulanten

Diesen Kunden ist es in erster Linie wichtig, innerhalb kurzer Zeit möglichst hohe Gewinne zu erzielen. Die Strategien der Robo-Advisors sind prinzipiell allerdings eher langfristig ausgerichtet, sodass sich diese beiden Ziele und Vorhaben wenig miteinander vereinbaren lassen. Zudem nutzen Trader und Spekulanten in aller Regel ganz andere Finanzprodukte, wie zum Beispiel Optionen, Futures oder auch Zertifikate.

Bei den Robo-Advisors ist es bekanntermaßen hingegen so, dass diese das Kapital ihrer Kunden eher in die folgenden Anlageprodukte investieren:

• Aktiv gemanagte Fonds
• ETFs
• Aktien

Aus diesen Gründen ist es für spekulativ eingestellte Anleger, Trader und kurzfristig orientierte Kunden wenig sinnvoll, sich für einen Online-Vermögensverwalter zu entscheiden.

Anleger bevorzugen Sachwertanlagen

Für manche Anleger sind Robo-Advisors in erster Linie deshalb nicht gut geeignet, weil sie sehr genaue Vorstellungen davon haben, in welche Anlageformen ihr Kapital fließen soll. Ein Trend besteht aktuell darin, dass sich immer mehr Anleger bewusst für Sachwertanlagen entscheiden und daher zum Beispiel in die folgenden Finanzprodukte investieren möchten:

• Immobilien
• Edelmetalle
• Sonstige Sachwerte, beispielsweise Schmuck

Das Angebot der Robo-Advisors in diesem Bereich ist sehr wenig ausgeprägt, denn nicht einmal eine Hand voll Online-Vermögensverwalter investiert zumindest einen Teil des Vermögens seiner Kunden in solche Sachwerte. Daher sind digitale Vermögensverwalter zumindest für diesen Teil des Kapitals, welches der Anleger gerne in Sachwerte fließen lassen möchte, nicht die geeignete Wahl.

Manche Anleger wünschen intensive Beratung und Betreuung

Eine Gruppe von Anlegern, die sich bei Online- sowie Offline-Vermögensverwaltern sicherlich nicht gut aufgehoben fühlen, sind diejenigen Kunden, die einen sehr intensiven Beratungs- und Betreuungsbedarf haben. Hier ist das Geschäftsprinzip der Vermögensverwalter einfach zu konträr, denn diese setzen voraus, dass sie selbst entscheiden können, worin das Geld des Anlegers fließt.

Zudem richten sich Vermögensverwalter natürlich ohnehin ausschließlich an solche Kunden, die sich nicht zwingend selbst mit der Verwaltung und Vermehrung ihres Vermögens beschäftigen wollen. Wer als Anleger jedoch einen intensiven Beratungs- und Betreuungsbedarf hat, der sollte sich statt an einen Vermögensverwalter besser an einen Vermögensberater, an einen Anlageberater oben oder an den Bankberater wenden.

Fazit: mehrere Anlegergruppen finden bei Robo-Advisorn nicht das passende Angebot

Wie Sie an unserem Beitrag erkennen, gibt es durchaus eine Reihe von Anlegergruppen, für die Robo-Advisor nicht das passende Angebot unterbreiten können. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie sich zunächst selbst Gedanken darüber machen, was Sie eigentlich von der Verwaltung Ihres Vermögens erwarten und ob Sie nicht selbst Spaß daran haben, sich um Ihr Kapital zu kümmern.

Zudem sollten die zuvor genannten Punkte wie Anlagehorizont oder Beratungsintensität ebenfalls mit in Ihre Entscheidung einfließen, ob Sie Ihr Kapital einem Robo-Advisor anvertrauen möchten oder nicht.

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Oliver S.

Oliver S.

Oliver ist der Journalist im Team. Ausgebildeter Banker (Hypo Vereinsbank), hat hohes Maß an spezifischem Finanzwissen und ist einer der bekanntesten Schreiberlinge in der Finanz-Szene. Er das Thema Finanzen in einer Leichtigkeit, die seinesgleichen sucht. Nicht ohne Grund hat Oliver unter anderem auch für die Huffington Post geschrieben. Zudem ist er bis heute auch als Redakteur für FTD.de (ex Financial Times Deutschland) als auch auf Unternehmerhandbuch.de tätig. Kümmert sich hier um alles, was mit dem Thema Finanzwissen, Interviews und News zu tun hat.

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