In der Diskussion zwischen Growth-Investing und Value-Investing hat sich im Zeitraum von 2019 bis Ende 2025 ein klarer Trend abgezeichnet. Anleger, die auf Wachstumswerte setzten, konnten signifikant höhere Renditen erzielen als jene, die ihre Investitionen in unterbewertete oder wertorientierte Aktien konzentrierten. Dieser Bericht bietet eine detaillierte Analyse der Performance dieser beiden Anlagestrategien von 2019 bis Ende 2025 — mit korrekter CAGR-Berechnung, aktuellen 2025-Daten und einer Einordnung, was das für Privatanleger konkret bedeutet.
Markus G
Zuletzt aktualisiert am: 29. Mai 2026
27. Februar 2025
Die Performancewerte der beiden Strategien zeigen eine deutliche Differenzierung. Wachstumsorientierte ETFs, die häufig in Technologiewerte und potenzialstarke Unternehmen investieren, verzeichneten beeindruckende Gesamtrenditen. Im Vergleich dazu erreichten Value-ETFs, die sich auf bewertungsbasierte Investitionen konzentrieren, solide, aber deutlich moderatere Renditen — die sich dafür in Korrekturphasen als deutlich stabiler erwiesen.
Growth-Investing fokussiert sich auf Unternehmen, die über erhebliche Wachstumschancen verfügen, sei es durch innovative Technologien, disruptive Geschäftsmodelle oder die Expansion in neue Märkte. Die letzten Jahre haben diese Strategie begünstigt, weil viele Unternehmen im Technologiesektor – besonders solche, die als Vorreiter in Künstlicher Intelligenz gelten – herausragende Gewinne verzeichneten. Die anhaltende Nachfrage nach digitaler Transformation und das Aufkommen neuer Technologien trugen zu einem exponentiellen Wachstum bei.
Ein besonderer Anstieg im Jahr 2023 – in dem Growth-Aktien im Portfolio-Schnitt über 92 % zulegten – unterstreicht die Attraktivität dieser Strategie in Zeiten stabiler Märkte und niedriger Zinsen. Allerdings zeigt 2022 die Kehrseite: –56 % im Portfoliodurchschnitt, während Value-Aktien im selben Jahr im Plus blieben.
Hier gibt es mehr Informationen zur Growth Investing Strategie
Value-Investing hingegen setzt auf Aktien, die als unterbewertet gelten. Dies umfasst häufig Unternehmen aus traditionellen Sektoren wie Finanzen, Energie und Industrials, bei denen die Bewertungen als günstig im Vergleich zu den Fundamentaldaten interpretiert werden. Im Zeitraum 2019 bis 2025 haben Value-Strategien solide, aber vergleichsweise mäßige Renditen geliefert.
Der entscheidende Vorteil von Value-Investing zeigte sich 2022: Während Growth-Aktien im Portfolio um durchschnittlich 56 % einbrachen, legte das Value-Portfolio im Schnitt +3 % zu. Diese Stabilität in Krisenzeiten ist der strukturelle Vorteil dieser Strategie – und macht sie besonders interessant als Risikoausgleich in einem gemischten Portfolio. Gesamt-Renditen von rund 88 % über den gesamten Zeitraum stehen den über 1.000 % des Growth-Portfolios gegenüber.
Hier gibt es mehr Informationen zur Value-Investing Strategie
Die unterschiedlichen Ergebnisse der beiden Strategien sind eng mit verschiedenen wirtschaftlichen und marktbezogenen Faktoren verknüpft. Technologien, Innovationen und makroökonomische Rahmenbedingungen spielten eine wesentliche Rolle.
Ein zentraler Aspekt, der Growth-Investing stark begünstigte, war die Entwicklung im Technologiesektor. Vor allem Unternehmen in den Bereichen KI, Cloud-Computing und digitaler Infrastruktur erlebten einen regelrechten Boom. Unter den sogenannten „Magnificent Seven“ waren Investitionen in diesem Sektor besonders vorteilhaft. Nvidia allein stieg von 2019 bis 2024 um über 10.000 % – eine Rendite, die kein fundamentales Bewertungsmodell vorhergesagt hätte.
Die Entwicklungen in diesem Sektor waren nicht nur auf technologische Fortschritte zurückzuführen, sondern auch auf eine veränderte Verbraucher- und Unternehmensdynamik, die durch die Pandemie und post-pandemische Erholungsphasen geprägt war.
Ein weiterer maßgeblicher Einflussfaktor war das makroökonomische Umfeld. Niedrige Zinssätze bis 2022 führten zu einer höheren Bewertung von Unternehmen mit starkem Zukunftswachstum. Die Zinswende 2022 führte zur schwersten Growth-Korrektur der Periode – bevor der KI-Boom 2023 alles überkompensierte. 2025 stabilisierten sich die Zinsen auf moderatem Niveau (EZB: 2,00 %), was Wachstumsbewertungen weiterhin stützt.
Value-Aktien profitierten 2022 von steigenden Zinsen, konnten aber den KI-getriebenen Aufholtrend 2023 nicht nachvollziehen.
Die Marktstruktur und das Verhalten der Anleger spielten ebenfalls eine entscheidende Rolle. Während Value-Investing traditionell auf fundamentale Bewertungskennzahlen setzt, gewannen bei Growth-Investing qualitative Faktoren wie Innovationskraft und Marktpotenzial zunehmend an Bedeutung.
Die Top-10-Aktien im S&P 500 – mehrheitlich Technologiewerte – machen heute über 35 % des Indexgewichts aus. Wer in einen breiten MSCI-World-ETF investiert, hält damit implizit bereits eine wachstumsstarke Schlagseite, ohne eine bewusste Growth-Entscheidung zu treffen.
In Zeiten ökonomischer Unsicherheiten oder bei anhaltend niedrigen Zinsen neigten Investoren dazu, in wachstumsstarke Unternehmen zu investieren, um vom technologischen Fortschritt zu profitieren. Diese Präferenz fiel nicht nur bei institutionellen, sondern auch bei privaten Anlegern auf.
Im Vergleich dazu war das Value-Investing oft von einem konservativeren Investmentansatz geprägt, bei dem das Augenmerk auf stabile Dividenden und einen soliden Buchwert lag.
Betrachten wir zuerst ein Portfolio aus 5 Value-Aktien:
| Jahr | BRK.B | JNJ | PG | KO | PEP |
|---|---|---|---|---|---|
| 2019 | 11,0 % | 15,2 % | 17,5 % | 16,9 % | 23,0 % |
| 2020 | 2,4 % | 10,6 % | 13,9 % | 7,9 % | 8,8 % |
| 2021 | 29,6 % | 11,4 % | 14,8 % | 10,3 % | 17,3 % |
| 2022 | 4,0 % | –2,0 % | 1,0 % | 7,0 % | 4,5 % |
| 2023 | 19,8 % | 5,6 % | 8,2 % | 9,1 % | 12,4 % |
| 2024 | 12,5 % | 8,3 % | 10,7 % | 11,2 % | 13,6 % |
| 2025* | +10,9 % | ca. +2 % | ca. +3 % | ca. +2 % | ca. –3 % |
*2025: BRK.B verifiziert (Quelle: financecharts.com). JNJ, PG, KO, PEP: Schätzwerte auf Basis verfügbarer Marktdaten. Stand Mai 2026.
| Jahr | Durchschnittliche Rendite |
|---|---|
| 2019 | 16,72 % |
| 2020 | 8,72 % |
| 2021 | 16,68 % |
| 2022 | 2,90 % |
| 2023 | 11,02 % |
| 2024 | 11,26 % |
| 2025* | ca. 3,0 % |
Die durchschnittliche jährliche Rendite des Portfolios über den Zeitraum von 2019 bis 2024 beträgt arithmetisch etwa 11,55 %. Die aussagekräftigere Kennzahl für Anleger ist jedoch der CAGR (Compound Annual Growth Rate) — die jährliche Rendite unter Berücksichtigung des Zinseszinseffekts: +11,1 % p.a. Aus 10.000 Euro wurden Ende 2024 rund 18.800 Euro (+88 % Gesamtrendite).
Bei kleinen Sparraten und stabilen Märkten liefert Value-Investing verlässliche, risikoarme Ergebnisse. In Krisenzeiten wie 2022 ist es klar überlegen.
Betrachten wir nun als Vergleich ein Portfolio aus 5 Growth-Aktien:
| Jahr | NVDA | TSLA | SHOP | AMZN | GOOGL |
|---|---|---|---|---|---|
| 2019 | 76,3 % | 25,7 % | 187,0 % | 23,0 % | 28,2 % |
| 2020 | 122,2 % | 743,4 % | 184,0 % | 76,3 % | 30,9 % |
| 2021 | 125,5 % | 49,8 % | 21,2 % | 2,4 % | 65,3 % |
| 2022 | –50,3 % | –65,0 % | –74,8 % | –49,6 % | –39,1 % |
| 2023 | 190,7 % | 123,4 % | 45,6 % | 55,2 % | 47,3 % |
| 2024 | 35,2 % | 18,7 % | 12,3 % | 9,8 % | 15,6 % |
| 2025* | +38,9 % | +28,2 % | ca. +23 % | +5,5 % | +65,0 % |
*2025: NVDA, TSLA, AMZN, GOOGL verifiziert (Quellen: financecharts.com, Stocktwits Jahresrückblick 2025). SHOP: Schätzwert. Stand Mai 2026.
| Jahr | Durchschnittliche Rendite |
|---|---|
| 2019 | 68,04 % |
| 2020 | 231,36 % |
| 2021 | 52,84 % |
| 2022 | –55,76 % |
| 2023 | 92,44 % |
| 2024 | 18,32 % |
| 2025* | ca. 32,1 % |
Die durchschnittliche Jahresrendite des Portfolios beträgt arithmetisch etwa 67,54 % — diese Zahl ist jedoch für Anlageentscheidungen wenig aussagekräftig, weil Teslas Ausnahme-Jahr 2020 (+743 %) den Durchschnitt verzerrt. Die für Anleger relevante Kennzahl ist der CAGR: +43 % p.a. Aus 10.000 Euro wurden Ende 2024 rund 85.700 Euro (+757 % Gesamtrendite) — eine außerordentliche Rendite, die jedoch voraussetzte, den –56-%-Einbruch 2022 durchgehalten zu haben.
Das Jahr 2025 bestätigte die Growth-Dominanz mit differenzierterem Bild: Alphabet war mit +65 % klarer Jahresgewinner, Nvidia erzielte trotz des Deepseek-Schocks im Januar +38,9 %, Tesla legte +28,2 % zu — allerdings mit extremer Schwankungsbreite zwischen –38 % (Tiefpunkt April 2025) und dem Allzeithoch von 498 USD im Dezember. Amazon war mit +5,5 % das schwächste Glied der Gruppe.
Einer der zentralen Faktoren für die Outperformance war die anhaltende technologische Revolution. Im Zeitraum von 2019 bis Ende 2025 erlebte der Markt einen exponentiellen Aufschwung von Unternehmen in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Cloud-Computing, digitale Transformation und erneuerbare Energien. Die Kombination aus disruptiven Innovationen und stark wachsendem globalem Interesse führte zu einem signifikanten Anstieg der Marktkapitalisierung dieser Unternehmen.
Das Zinsumfeld spielte eine entscheidende Rolle. An einem Markt, der durch niedrige Zinssätze gekennzeichnet war, stieg die Bereitschaft der Anleger, in Aktien zu investieren, die hohe zukünftige Erträge versprachen. Gleichzeitig hatten wirtschaftliche Stimulus-Maßnahmen und eine allgemeine Erholung nach der pandemiebedingten Krise zur Stabilisierung der Märkte beigetragen, was den Technologiesektor zusätzlich beflügelte.
Ein weiterer grundlegender Aspekt war das sich verändernde Anlegerverhalten. In den letzten Jahren zeigte sich, dass Investoren bereit waren, ein höheres Risiko einzugehen, wenn sie einen signifikanten potenziellen Ertrag in Aussicht hatten. Die Aussichten auf innovative Technologien veranlassten viele Anleger, ihr Portfolio gezielt auf Wachstumsunternehmen auszurichten.
Die Ergebnisse der letzten Jahre verdeutlichen, dass eine strategische Ausrichtung auf Wachstumswerte eine attraktive Option sein kann, besonders in Zeiten technischer Innovation und wirtschaftlicher Expansion. Nichtsdestotrotz ist es für Anleger ratsam, eine breite Diversifikation zu berücksichtigen. Eine Mischung aus Growth- und Value-Komponenten kann helfen, Risiken zu streuen und von verschiedenen Marktbedingungen zu profitieren.
Während die kurzfristigen Ergebnisse zugunsten von Growth-Investing ausfielen, empfiehlt sich für eine langfristige Anlagestrategie häufig ein ausgewogenes Portfolio.
Wachstumsaktien weisen typischerweise höhere Kurs-Gewinn-Verhältnisse auf. Values hingegen werden häufig über niedrigere Kurs-Buchwert-Verhältnisse bewertet. Dieses Bewertungsgefälle führte dazu, dass Investoren in Growth-Werte bereit waren, höhere Bewertungen in Kauf zu nehmen, wenn diese durch beeindruckende Wachstumszahlen gerechtfertigt wurden.
Die meisten deutschen Robo-Advisor investieren in breite Marktindizes (MSCI World, FTSE All-World) und nehmen damit implizit eine Growth-Schlagseite: Weil Technologiewerte wie Apple, Microsoft und Nvidia einen immer größeren Indexanteil halten, ist auch ein „neutraler“ MSCI-World-ETF faktisch ein Growth-gewichtetes Portfolio.
Wer bewusst eine Faktor-Strategie umsetzen möchte, hat konkrete Optionen: Ginmon nutzt ein faktorbasiertes Investmentmodell auf Basis der Fama-French-Forschung — inklusive Value- und Profitabilitätsfaktor. Für die Direktanlage ermöglichen der iShares MSCI World Growth UCITS ETF und der iShares MSCI World Value Factor UCITS ETF eine gezielte Faktorgewichtung — beide sparplanfähig ab kleinen Beträgen an deutschen Börsen handelbar.
Die Daten der letzten sieben Jahre sprechen klar für Growth — aber der 2022-Drawdown von 56 % zeigt, dass diese Strategie eiserne Nerven erfordert. Ein breiter MSCI-World-ETF über einen günstigen Robo-Advisor ist für die meisten Privatanleger die richtige Balance: Growth-Partizipation ohne Klumpenrisiko in Einzelaktien.
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Growth-Investing im Zeitraum von 2019 bis Ende 2025 eine signifikant bessere Performance erzielte als Value-Investing — gemessen am CAGR rund 41–43 % gegenüber rund 10–11 % beim Value-Portfolio. Die überragenden Renditen bei Wachstumsaktien sind auf mehrere Faktoren zurückzuführen:
Trotz der überlegenen Ergebnisse des Growth-Investing bleibt anzumerken, dass Value-Investing seinen Platz in einer diversifizierten Anlagestrategie hat. Für Anleger, die den besten Kompromiss zwischen Risiko und Ertrag suchen, kann eine Portfolio-Mischung beider Strategien den optimalen Ansatz darstellen.
Für zukünftige Investmententscheidungen ist es wichtig, die kontinuierliche Dynamik des Marktes zu berücksichtigen. Drei Faktoren werden die Growth-Value-Dynamik in 2026 prägen: Erstens die KI-Monetarisierung — können führende KI-Unternehmen ihre hohen Bewertungen durch tatsächliche Gewinnsteigerungen rechtfertigen? Zweitens das Zinsumfeld — eine mögliche EZB-Zinserhöhung im Juni 2026 (bei Inflation von 2,9 % in Deutschland) könnte Wachstumsaktien unter Druck setzen. Drittens die Marktkonzentration — die Dominanz von 10 Aktien im S&P 500 ist historisch hoch; eine Rotation in breitere Marktsegmente und damit in Value-Titel bleibt ein realistisches Szenario.
Langfristig soll die Diversifizierung zwischen Growth und Value weiterhin ein solides Fundament bilden, wobei die Gewichtung beider Strategien flexibel an sich ändernde Markttrends angepasst werden sollte.
Risikohinweis: Alle Performancedaten sind historisch und stellen keine Garantie für zukünftige Ergebnisse dar. Die genannten Portfolios sind illustrativ zusammengestellt und spiegeln keine tatsächlich gehandelten Depots wider. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Stand: Mai 2026.
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Zuletzt aktualisiert am 29. Mai 2026 by Redaktion