So wichtig ist ein finanzielles Polster und so legt Frau es sich an

Wir leben in einer Konsumgesellschaft, in man förmlich animiert wird, Geld auszugeben. Und nur allzu gern spielt uns dabei auch unser Belohnungssystem einen Streich, indem es uns ein gutes Gefühl gibt, einen Kauf getätigt zu haben. Da kann man schnell mal vergessen, wie wichtig und mächtig Ersparnisse sind. Sparvermögen schafft Möglichkeiten, die Ausgaben nicht nur nicht schaffen, sondern potenziell eher verhindern. Ein Notgroschen ist nichts weiter als ein Sparkonto. Und befindet sich darauf eine angemessene Summe, kann es das Leben deutlich leichter machen.

Julia F.

Julia F.

19. Dezember 2019

Finanzielles Polster für Frauen - so geht es

19. Dezember 2019

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Wenn unerwartete Ausgaben anfallen, schützen Ersparnisse andere langfristige Investments. Statt von der Altersvorsorge Geld abzuknapsen oder gar Investmentfonds zu einem ungünstigen Zeitpunkt abzustoßen, kann man auf sein finanzielles Polster zugreifen. So verringert sich auch die Wahrscheinlichkeit, Schulden zu machen. Wenn es ums Geld geht, ist es immer besser, auf das Unerwartete vorbereitet sein. Jobverlust, Arbeitsunfähigkeit, teure Schäden an Haus und Auto. In all solchen Situationen ist ein verfügbares Sparvermögen extrem hilfreich.

Aber ein Notgroschen macht nicht nur unabhängig von Kreditkarten und Dispositionskrediten oder dem Rentenfonds. Liquide Mittel in Form von Ersparnissen ermöglichen es Anlegerinnen, die Gunst der Stunde zu nutzen und in Zeiten von Kursabfällen an den Börsen, wenn alle hektisch verkaufen, Anteile zu kaufen.

Die meisten Experten empfehlen ein Polster von 3 bis 6 Nettomonatsgehältern, um Engpässe zu überbrücken. Sobald die Spareinlage diese Summe übersteigt, können gewiefte Anlegerinnen auch ein zweites Sparkonto anlegen, auf dem sie Geld für Investmentgelegenheiten (etwa bei fallenden Kursen) hinterlegen.

Wie hoch sollte das finanzielle Polster sein, um weich zu fallen?

Die optimale Höhe des Notgroschens ist individuell verschieden und unter anderem abhängig davon, wie viele Mittel Frau zur Verfügung hat. Nicht zu leugnen allerdings ist, dass es ein finanzielles Instrument ist, das beinahe jede brauchen kann. Denn finanzielle Notfälle können in unterschiedlichsten Formen auftreten und kaum wer ist davor gefeit. Es gibt grobe Benchmarks, an denen Sparerinnen und Anlegerinnen sich orientieren können. So dass auch Frauen mit geringerem Einkommen sich ein kleines Polster ansparen können:

  • Das Minimum sollte 3 Monatsgehälter sein. Wer also mit Miete oder Baudarlehen, Nebenkosten und Lebensmitteln auf 1.000 Euro Fixkosten im Monat kommt, sollte mindestens 3.000 Euro ansparen.
  • Besser: Müssen im Haushalt Kinder mitversorgt oder der Partner finanziell unterstützt werden, sollte der Notgroschen besser mindestens 6 Monatsgehälter betragen. Wer in einer Branche mit hohem Verletzungsrisiko oder hoher Fluktuationsrate arbeitet, sollte in dieser Konstellation besser noch auf 12 Monatseinkommen setzen.
  • Die komfortabelste Lösung ist es, sich grundsätzlich ein Jahresgehalt auf die Seite zu legen. Gutverdienerinnen mögen sich verleitet sehen, ihr gesamtes Vermögen zu investieren. Doch auch für sie ist es besser, wenigstens ein Jahreseinkommen liquide und verfügbar zu halten.

Wo sollten die Ersparnisse "gelagert" werden?

Vorneweg: Finanzielles Polster mithilfe des klassischen Sparbuchs? Oh nein – Finger weg vom Sparbuch! Beim aktuellen Zinstief und den anhaltenden Inflation verliert jede noch so hohe Sparsumme auf dem Sparbuch an Wert. Besser ist es, sich ein paar möglichst sichere Finanzprodukte anzusehen, die das Geld nicht festschreiben.

Das bedeutet, den Notgroschen in Aktien / Wertpapiere zu investieren, ist ebenso wenig eine kluge Entscheidung, wie in Finanzprodukte, bei denen hohe Strafgebühren für vorzeitige Abhebung anfallen oder bei denen gar steuerliche Nachteile entstehen, wenn man das Ersparte frühzeitig entnimmt.

Kurzfristig verfügbar bleibt das Vermögen etwa auf Tagesgeld-Konten oder Sparbriefen. Dabei kann man natürlich keine hohen Renditen erwarten. Aber es soll beim Notgroschen beziehungsweise dem Plan “finanzielles Polster” auch nicht zwingend der Gewinn im Vordergrund stehen, sondern die Verfügbarkeit und ein so geringes Verlustrisiko wie irgend möglich.

9 Gründe, warum ein finanzielles Polster eine gute Idee ist

 

  1. Die Schuldentilgung wird damit leichter: Ein finanzielles Polster schützt davor, bei jeder finanziellen Unebenheit im Leben, (neue) Schulden in Kauf nehmen zu müssen oder bestehende zu vergrößern.
  2. Ein Notgroschen kann Löcher in der Finanzplanung schließen. Vor allem, wenn man grade noch am Anfang einer Einnahmen-Ausgaben-Aufstellung steht und unerwartete Engpässe nicht richtig kalkulieren kann.
  3. Der Haushalt verfügt nur über ein Haupteinkommen? Weil es sich um einen Single-Haushalt handelt oder aber nur eine Person aktuell Geld verdient? Dann kann ein Notgroschen in Höhe eines Jahresgehaltes bei Einkommensausfällen, beruflicher Veränderung oder im Krankheitsfall überlebenswichtig sein.
  4. Selbstständige oder freiberufliche Frauen haben eine weniger solide und stabile finanzielle Basis als Angestellte. Gerade sie brauchen die Sicherheit, die ein finanzielles Polster bieten kann. Weil sie private Krankenversicherungen bezahlen und viel Geld vorstrecken müssen. Und ebenso keinen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung haben, wenn das Business scheitert.
  5. Eigentum verpflichtet. Unter anderem dazu, selbst für Reparaturen und Restaurationen aufzukommen. Ein plötzlicher Rohrbruch oder ein leckendes Dach können mit einem Notgroschen entspannter angegangen werden, als im Zweifelsfall mit einem Kredit.
  6. Wer seinen Lebensmittelpunkt fern der Familie hat, kann ohne finanzielles Pölsterchen, das spontane Reisen ermöglicht, bei familiären Notfällen schnell in eine monetäre Schieflage geraten.
  7. Gesundheit ist ein teures Gut. Zwar sind Angestellte durch das Krankengeld im Härtefall abgesichert. Doch der Kampf um Bewilligung kann bei privaten Policen und der gesetzlichen Kasse gleichermaßen langwierig werden. Da kann sich ein Finanzpolster als sehr nützlich erweisen.
  8. Sparvorhaben werden greifbarer: Wer auf ein bestimmtes Ziel hin spart oder in die eigene Altersvorsorge investiert kann sich mit einem Notgroschen auch bei Engpässen darauf konzentrieren, Sparpläne und Co. weiter zu besparen.
  9. Ein Sparpolster macht finanziell unabhängig. Ganz gleich, ob es sich um eheliche Streitereien handelt oder eine Trennung im Raum steht. Eigene Ersparnisse können Frauen in Krisensituationen die Eigenständigkeit und Freiheit bewahren.

 

Wie spart man ein finanzielles Polster an?

Der Anfang ist immer der aufwändigste Part bei der Sparstrategie. Zu allererst sollte eine Aufstellung über die finanzielle Situation im Monat gemacht werden.

  • Welche Ausgaben im Durchschnitt?
  • Welche Einnahmen?
  • Wie viel Cash Flow?
  • Wie viel geht in eventuelle Verbindlichkeiten oder Investments?

Daraus ergibt sich am Ende die Summe, die pro Monat frei zur Verfügung steht. Hiervon sollte ein fester Teil für den Notgroschen vorgesehen werden. Das kann zunächst auch eine kleine Rate sein, 10 Euro pro Woche oder 50 Euro pro Monat. Wichtiger als große Zahlen oder fixe Beträge ist es aber, überhaupt anzufangen. Selbst, wenn man mit 5 Euro in der Woche oder nur 10 im Monat beginnt.

Hauptsache, ein Anfang ist gemacht. Denn nach einiger Zeit wird man die fehlenden 10 Euro im Wochenbudget nicht mehr merken. Dann kann man die Sparrate langsam anheben. Etwa in 5-Euro-Schritten. Am einfachsten und konsequentesten ist es, wenn man die errechnete oder ausgesuchte Rate per Dauerauftrag zu einem festen Zeitpunkt vom Konto abgehen lässt.

Im nächsten Schritt sollte man sich Etappenziele setzen. Das erste Sparziel könnte etwa eine niedrige vierstellige Summe sein. Das zweite Ziel könnte das Ansparen eines Monatsgehalts sein. Das alles dauert selbstverständlich ein bisschen. Aber schnell erreichbare, kleine Zwischenziele sind leichter und wahrscheinlicher zu erreichen, als das „große Ganze“.

Der Notgroschen ist ausschließlich für Notfälle!

Natürlich sollte man jederzeit schnell und unbürokratisch Zugang zu seinem Ersparten haben. Doch das verführt eventuell auch dazu, auf das Geld zurückzugreifen, wenn es sich nur um Lustkäufe und keine Muss-Ausgaben handelt. Sich selbst Regeln aufzuerlegen, wann und wie man dieses angesparte Geld ausgeben wird, kann helfen, solchen Versuchungen zu widerstehen:

Eine notwendige Reparatur am Auto ist ein Notfall. Ein tolles Finanzierungsangebot für einen Neuwagen nicht.

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Julia F.

Julia F.

Julia ist unsere Spezialistin im Bereich “Frauen und Geldanlage”. Selbst als Quereinsteigerin in die Finanz-Szene gestartet, setzt sie sich bei uns mit den typischen Fragen und Unsicherheiten von Frauen beim Thema Geldanlage und Vermögensaufbau auseinander. Und sie spricht aus Erfahrung, denn sie ist mittlerweile selbst erfolgreiche Anlegerin. Julia gewährt uns mit ihren Beiträgen einen Einblick in die weibliche Welt der Geldanlage und des Vermögensaufbaus.

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