Investment: Frauen investieren, Männer bereichern sich!

Investment – nur etwas für Männer? Vermeintliche Weisheiten, wonach Männer vom Mars und Frauen von der Venus kommen sollen, treten die alltäglichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern breit – oder bauschen sie künstlich auf. Einige Differenzen sind zwar nicht von der Hand zu weisen. Andere? Sind Schubladendenken und manifestierten Vorurteilen geschuldet.

Julia F.

Julia F.

22. Oktober 2019

Investment - Unterschiede zwischen Mann und Frau

22. Oktober 2019

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So etwa die Annahme, dass Frauen seit jeher Geld vor allem dazu verwenden, es auszugeben, während Männer wahre Naturtalente in Geld-Angelegenheiten und Investment seien. Blankes Vorurteil oder doch verbunden mit, wenn vielleicht auch nur einem kleinen Funken Wahrheit?

Die wahren Unterschiede zwischen Mann und Frau in Sachen Geld und Investment

Wenn es darum geht, einzukaufen oder an die Ersparnisse zu gehen, zeigt sich, dass die beiden Geschlechter komplett unterschiedliche Beziehungen zu Geld haben. Einer Untersuchung der Financial Therapy Association zufolge, nehmen Frauen ihre finanzielle Situation anders wahr, als Männer. Das reicht von der Verwaltung der Ausgaben bis zur Herangehensweise ans Sparen.

Frauen lassen sich von Geld nicht beherrschen, sind ihm gegenüber aber insgesamt weniger optimistisch eingestellt. Männer hingegen, tendieren dazu, ihren Kontostand gerne mit dem anderer zu vergleichen und lassen sich leicht zu beinahe obsessivem Verhalten in Sachen Verdienst und Ersparnisse verleiten. Das Prinzip “dicke Hose” gilt vor allem als Verhaltensmuster der Männer.

Frauen “investieren” anders

Entgegen der vorherrschenden Meinung, Frauen würden mit Geld geradezu um sich werfen, sind sie es, die ihr Kapital häufig langfristig anlegen – etwa für den Hauskauf oder die Ausbildung ihrer Kinder vorsorgen. Anders die Männer, die laut den Untersuchungsergebnissen ihr Geld vor allem investieren, um ihren sozialen Status zu verbessern.

Außerdem interessieren sich Frauen über die eigene Rendite hinaus auch für einen positiven Impact ihrer Investments, den sie mit den ihnen zu Verfügung stehenden finanziellen Mitteln erreichen können.

Der Grund dafür, dass Frauen ein so falsches Image in Geldangelegenheiten anhängt, ist, dass sie öfter zugeben, Dinge auch dann zu kaufen, wenn sie sie gar nicht wirklich benötigen, um sich in psychologischer Hinsicht besser und zufriedener zu fühlen.

Obendrein bezahlen Frauen auch noch die sogenannte Pink Tax, die – nach Angaben des Department of Consumers Affairs in New York – das Leben einer Frau um knapp 20 Prozent teurer macht, als das von Männern. Frau sein ist in vielerlei Hinsicht nicht nur anstrengender, als Mann zu sein, sondern auch teurer.

Dass Frauen im Schnitt früher einen größeren Anteil ihres Gehalts anlegen und sich gleichzeitig mehr Sorgen um Gelddinge machen, als Männer, scheint dazu in krassem Kontrast zu stehen. Die Angst vor Verlusten finanzieller Natur wird bei Frauen durch verschiedene Quellen gespeist.

Einerseits weil sie bei Geldanlagen auch immer die Versorgung ihrer Familie und ihren eigenen Lebensstandard im Alter im Hinterkopf haben. Andererseits, weil sie im Regelfall von vornherein weniger finanzielle Mittel haben, als Männer. Ein Totalverlust ihres Investment würde sie also tendenziell härter treffen.

Dieser Umstand beeinflusst auch die Frauen oft bescheinigte Risikoscheue, wie eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt. Demnach sind Männer in Fragen des Investment gar nicht so viel risikofreudiger als Frauen: auf 45 Prozent Männer, die in potentiell riskantere Produkte wie Aktien investieren, kommen 38 Prozent Frauen.

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In einer Regressionsanalyse kam das DIW zu der Einsicht, dass Frauen durchaus bereit wären, ein höheres Risiko bei der Geldanlage einzugehen, wenn ihnen mehr Geld zur Verfügung stünde. Frauen besitzen im allgemeinen gerade einmal halb so viel Kapital, das sie investieren können, wie Männer, was unweigerlich dafür sorgt, dass sie vorsichtiger sein müssen.

Und vielleicht ist genau das der wahre Grund für die angebliche Risikoscheu von Frauen bei Investments.

Denn immer wieder ergeben Untersuchungen, dass die Unterschiede zwischen Mann und Frau bei der Gesamtperformance Ihres Investment oft gar nicht so groß sind – es sind eher ihre Investmentprodukte und Anlagestrategien, die dafür sorgen, dass Frauen im Schnitt als die erfolgreicheren – und nach neuesten Untersuchungen auch gelasseneren – Anleger gelten.

Finanzinstitute und Forscher kommen auffallend häufig und wiederholt zu dem Schluss, dass Männer zwar sehr viel selbstbewusster an das Thema Investment/ Geldanlage herangehen, Frauen aber weniger handeln und zielgerichteter agieren; obwohl sie sich selbst potenziell als schlechter informiert einschätzen.

5 wichtige Fazits für Frauen, um mehr am Kapitalmarkt zu investieren

Lassen wir das alles einmal sacken und halten folgendes fest:

  1. Dass Frauen die oft erfolgreicheren Anleger sind, haben wir in der Vergangenheit bereits häufiger erörtert. Darüber hinaus bleiben sie aber auch in turbulenten Börsenmomenten besonnener als Männer. Dadurch sinkt ihr langfristiges Verlustrisiko.
  2. Frauen sind nicht unbedingt wesentlich risikoscheuer oder risikobewusster als Männer. Sie können es sich nur oft einfach nicht leisten, risikobereiter zu investieren, weil ihnen weniger Mittel zur Verfügung stehen, um Verluste auszugleichen.
  3. Die meisten Frauen verfahren nach der sogenannten Buy-and-Hold-Strategie, wodurch sie sich nicht nur weniger emotionalem Anlagestress aussetzen, sondern im Schnitt auch bessere Renditen erhalten, als Männer, die deutlich häufiger Anteile kaufen und abstoßen.
  4. Obwohl Frauen sich in Sachen Börse, Kapitalmarkt und Geldanlage grundsätzlich als schlechter informiert betrachten, sind sie im Durchschnitt die besseren Anleger. Der männliche Hang zu Selbstüberschätzung und Wettbewerbs-Denken ist bei Investments eher hinderlich.
  5. Frauen haben zwar ein eher ambivalentes Verhältnis zu Geld. Sie lassen sich aber insgesamt nicht davon dirigieren. Die größere Sorge um die eigenen Finanzen macht sie hingegen besonnener und bodenständiger und damit letztlich erfolgreich.

Das bringt uns zurück zur Ausgangsfrage:

Wollen sich Männer im Vergleich zu Frauen vor allem an Investments bereichern?

Analysiert man die diversen Erkenntnisse aus der Investment bezogenen Genderforschung, so könnte man in der Tat zu dem Schluss kommen, dass es Männern vor allem um möglichst hohe Renditen geht. Sie lassen sich – aus oben geschilderten Gründen – leichter als Frauen zum Zocken, häufigem Kaufen und Verkaufen und oft aus Selbstüberschätzung und Wettbewerbsdenken heraus zu riskanteren Anlagemanövern verleiten.

Im Vergleich dazu investieren Frauen eher aus dem Wunsch und vielleicht aus der Notwendigkeit heraus, sich und die ihren langfristig abzusichern. Interessanter Weise tun sie das, verzeichnen im Mittelmaß aber immer noch die besseren Renditen.

Natürlich kann man aus diesen Erkenntnissen nicht verallgemeinernd ableiten, dass Männer vorrangig Geld anlegen, um reich zu werden (vulgo: ihren sozialen Status zu verbessern) und Frauen ausschließlich zur Selbstabsicherung oder um finanziell unabhängig zu werden.

Gewisse Tendenzen lassen sich aber – trotz der vermeintlich vor allem aus dem männlichen Lager zu erwartenden Proteste ob dieses Artikels – erkennen. Schließlich muss es ja einen Grund dafür geben, dass selbst der Börsenguru und drittreichste Mann der Welt, Warren Buffett, „wie ein Mädchen investiert“.

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Julia F.

Julia F.

Julia ist unsere Spezialistin im Bereich “Frauen und Geldanlage”. Selbst als Quereinsteigerin in die Finanz-Szene gestartet, setzt sie sich bei uns mit den typischen Fragen und Unsicherheiten von Frauen beim Thema Geldanlage und Vermögensaufbau auseinander. Und sie spricht aus Erfahrung, denn sie ist mittlerweile selbst erfolgreiche Anlegerin. Julia gewährt uns mit ihren Beiträgen einen Einblick in die weibliche Welt der Geldanlage und des Vermögensaufbaus.

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