Börsencrash wegen Coronavirus – berechtigt oder übertrieben?

Seit mindestens zwei Wochen gibt es auch in den deutschen Medien kaum noch ein anderes Thema als das Coronavirus. Dieses Virus aus China stammend hat zwei Komponenten. Zum einen gefährdet es die Gesundheit von Millionen Menschen. Mindestens genauso groß ist jedoch die Gefahr für die globale Wirtschaft. Dies zeigen bereits erhebliche Kurseinbrüche an den Börsen, die es insbesondere in den letzten zehn bis zwölf Tagen gab.

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Oliver S.

16. März 2020

Börsencrash Coronavirus Berechtigt oder nicht

16. März 2020

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Und daraus resultierende globale Versorgungsschwierigkeiten können hinsichtlich ihre möglichen Ausmaße nur schwerlich prognostiziert werden. Nur in einem sind sich alle Wirtschaftsexperten einig. Zahlreiche Länder werden mit einer schweren Rezession rechnen müssen.

Und viele Anleger fragen sich, ob der Situation, was sie mit ihrer Geldanlage tun sollen. Darüber hinaus wird darüber diskutiert, ob der aktuelle Börsencrash weltweit berechtigt oder übertrieben ist. Eine Frage, die durchaus erlaubt sein muss und nach Antworten sucht.

Die aktuelle Situation bei der Corona Pandemie

Aktuell stellt sich die Situation rund um das Coronavirus so dar, dass es sich weiter dramatisch rund um den Globus ausbreitet. In Deutschland gibt es aktuell über 6.000 Infizierte und leider ebenso einige Tote. Noch viel dramatischer ist die Situation in Italien, wo bereits über 1.800 Menschen an dem neuartigen Virus gestorben sind. Nicht anders in Spanien und Frankreich – auch dort wachsen die Fallzahlen im 10 % Bereich pro Tag!

Noch ist nicht bekannt, wie schnell sich das Coronavirus weiter ausbreiten wird. Zur gewünschten Verlangsamung hat die Bundesregierung und auch die einzelnen Bundesländer mittlerweile drastische Maßnahmen ergriffen. Diese bestehen insbesondere darin:

  • Schließung der Schulen und Kindertagesstätten
  • Schließung von zahlreichen öffentlichen Einrichtungen
  • Verbot von Veranstaltungen & Versammlungen
  • Bundesweit werden Freizeitbereiche, wie zum Beispiel Kneipen, Bars, Diskotheken, Spielplätze etc. geschlossen
  • Sportveranstaltungen sind nicht mehr existent
  • Reiseverkehr innerhalb Deutschlands untersagt
  • Grenzschließungen

Ob diese Maßnahmen greifen, wird sich vermutlich erst in einigen Wochen mit höherer Wahrscheinlichkeit sagen lassen. Mindestens so lange gibt es auch an den Börsen weiterhin eine große Unsicherheit und hält das Schreckgespenst “Börsencrash” zweifelsohne am Leben. Es wird also davon abhängen, ob sich durch die Maßnahmen, in Deutschland und weltweit, tatsächlich eine Verlangsamung der Corona Ausbreitung erkennen lässt. Zudem ist es ebenso wichtig, wie schnell es gelingen kann, ein Medikament oder einen Impfstoff zu entwickeln.

Coronavirus und die Auswirkungen auf die Wirtschaft

Dass die Börsen in den letzten Tagen dermaßen gecrasht sind, ist vor allem darauf zurückzuführen, dass eine globale Rezession oder sogar Depression befürchtet wird. Schon jetzt gibt es in einigen Bereichen der Wirtschaft erhebliche Umsatzeinbrüche, wobei Experten der Auffassung sind, dass dies gerade erst der Anfang ist. Die dramatischen Einbrüche an den Börsen sind also vor allem damit zu begründen, dass erhebliche Schäden in der Wirtschaft durch das Coronavirus und dessen Auswirkung erwartet werden. In China ist dies bereits in den letzten Tagen mit der Veröffentlichung der Wirtschaftsdaten für das Q1 / 2020 (über 20 % Rückgang bei der Wirtschaftsleistung) deutlich geworden.

DAX bricht um über 5.000 Punkte ein

Wie sich die Börsen aktuell nahezu weltweit verhalten, lässt sich am Beispiel des Deutschen Aktienindex (DAX) veranschaulichen. Der DAX notierte noch vor knapp einem Monat, nämlich am 19. Februar auf einem Allzeit-Hoch von rund 13.789 Punkten. Insbesondere seit dem 20. Februar geht es jedoch steil bergab. Derzeit notiert der deutsche Leitindex nur noch bei rund 8.500 Punkten und hat damit in nur knapp drei Wochen über 5.000 Punkte und somit mehr als 35 Prozent verloren. Einen so dramatischen Börsencrash gab es zuletzt im Rahmen der globalen Finanzkrise 2008. Mit ebenfalls historischen Tagesverlusten von über 12 Prozent und aktuell 15 Prozent geht die aktuelle Entwicklung des DAX ebenfalls in die Geschichte ein.

Weltweit gehen die Börsen in die „Knie“

Der DAX ist jedoch nur ein Beispiel von vielen, wie sich die Aktienmärkte aktuell rund um den Globus verhalten. Ebenfalls dramatische Kurseinbrüche gab es zum Beispiel beim weltweit bekanntesten Index, dem Dow Jones Index. Dieser fiel von Mitte Februar mit rund 29.300 auf aktuell nur noch etwas mehr als 21.000 Punkte. Ein ähnliches Bild beim Nikkei Index: Dieser lag Mitte Februar noch bei etwa 23.500 Punkten und notiert jetzt nur noch minimal über 17.000 Punkten. Man kann also zweifelsohne von einem globalen Börsencrash reden und genau das lässt Anleger momentan sicherlich am Sinn ihrer Geldanlage zweifeln.

Denn Fakt ist, dass im globalen Durchschnitt  die Börsen weltweit nach jetzigen Stand durchgängig zwischen 25 und mindestens 30 Prozent innerhalb weniger Tage verloren. Davon betroffen sind – mit ganz wenigen Ausnahmen – im Prinzip sämtliche Wertpapiere, die an den Börsen gehandelt werden. Aber auch die Rohstoffmärkte haben zum Teil dramatische Einbrüche zu verzeichnen. Somit also auch Börsencrash über zahlreichen Anlageklassen hinweg. Was ein Blick auf den Öl-Markt bestätigt.

Ölpreis fällt dramatisch, Gold jetzt auch

Noch dramatischer als an den Aktienmärkten waren zum Teil die Einbrüche an den Rohstoffmärkten. Ganz besonders betroffen ist das Rohöl. Die US-Marke WTI notierte vor gut zwei Wochen noch bei etwa 53 Dollar pro Barrel. Zwischenzeitlich knallte der Ölpreis allerdings auf 27 Dollar herunter, verlor also fast 50 Prozent seines Wertes. Aktuell hat sich der Preis etwa bei 30 Dollar eingependelt, was noch immer ein enormer Verlust ist.

Und dann das: Selbst der vermeintliche „sichere Hafen“ Gold wurde massiv in Mitleidenschaft gezogen. Zunächst konnte sich das Gold in der Krise zwar einigermaßen stabil halten, was durchaus eine nachvollziehbare Entwicklung ist. Immerhin gilt das Edelmetall seit jeher als Krisen-Währung. Jetzt allerdings hat auch der Goldpreis Einbußen hinnehmen müssen, nämlich von über 1.650 auf knapp über 1.500 Dollar. Experten gehen allerdings beim Gold davon aus, dass es sich dabei um Gewinnmitnahmen handelt und manche Anleger einfach Liquidität benötigen, um die vielleicht drohenden wirtschaftlichen Einbußen zu kompensieren. Dennoch können die Einbrüche beim vermeintlichen “sicheren Hafen” Gold auch als Warnzeichen verstanden werden.

Übertrieben oder nicht: Was spricht dafür und dagegen?

Die interessante Frage ist aktuell, ob die Reaktionen an den Börsen – sowohl an den Aktien- als auch Rohstoffmärkten – eigentlich berechtigt oder übertrieben sind. Tatsache ist, dass es bei der Wirtschaft zum Teil drastische Einbrüche geben wird. Dies steht bereits heute fest, selbst wenn sich die Neuinfektionen beim Coronavirus in den nächsten Monaten deutlich reduzieren sollten oder berechtigte Hoffnung auf einen Impfstoff besteht. Der Schaden ist bereits eingetreten und lässt sich nicht mehr abwenden.

Ein wichtiger Punkt ist zudem die Psychologie, also in diesem Fall die Emotionen der Anleger. Vor allem die folgenden drei Gefühle an den Märkten sind es, die immer eine äußerst negative Stimmung verbreiten und dann auch zu so dramatischen Kurseinbrüchen führen können.

• Angst
• Panik
• Unsicherheit

Die Unsicherheit ist aktuell sicherlich das größte Problem neben der Panik. Noch steht völlig in den Sternen, wie schnell sich das Virus in welchem Umfang ausbreiten und damit weiterhin der Wirtschaft enormen Schaden zufügen wird. Eine echte Gegentendenz zu den nach wie vor fallenden Kursen kann es nur dann geben, wenn es wieder positive Meldungen gibt. Diese könnten darin bestehen, dass die Anzahl der Neuinfektionen weltweit deutlich zurückgeht, die getroffenen Maßnahmen also fruchten. Oder aber die Wissenschaftler erste Tests von möglichen Impfstoffen an Menschen ankündigen.

Da allerdings niemand weiß, ob und wann diese Ereignisse eintreten, wird es weiterhin große Unsicherheit an den Märkten geben. Von dieser Warte aus betrachtet ist der Börsencrash auf jeden Fall nachvollziehbar, wenn auch – in den Augen mancher – nicht unbedingt in der Form berechtigt.

Börsenverluste im Verhältnis zu erwarteten Umsatzeinbuße betrachten

Dass die Märkte aktuell vielleicht übertreiben, ist vor allem aus fundamentaler Sicht zu sehen. Zwar gibt es bereits jetzt große Schäden in der Wirtschaft und diese werden sich voraussichtlich in den nächsten Wochen und Monaten weiter ausweiten. Dennoch gehen die meisten Experten nicht davon aus, dass Unternehmen im globalen oder zumindest im europäischen Durchschnitt langfristig hohe Umsatzeinbußen erleben werden. Zwar werden die Rückgänge in zahlreichen Branchen ducrhaus massiv und spürbar sein, aber andererseits muss hier tatsächlich der Durchschnitt betrachtet werden.

Zudem muss hier auch in Betracht gezogen werden, das insbesondere in Europa sowohl die EU als auch die betroffenen Länder bereist jetzt wirtschaftliche Hilfen über alle Wirtschaftssektoren hin angekündigt als auch zugesagt haben. Inwieweit diese finanziellen Leistungen der EU und nationalen Regierungen Verluste der einzelnen Wirtschaftsbereich werden kompensieren können (oder in welchen Prozentsatz) ,bleibt jedoch vorerst mal abzuwarten.

Setzt man dies nun in ein Verhältnis zu den bisherigen Verlusten an den Börsen, die zum Beispiel beim DAX deutlich mehr als 30 Prozent betragen, so spricht einiges dafür, dass der Markt aktuell übertrieben reagiert. Die meisten Analysten sind sich relativ sicher, dass bei positiven Meldungen schnell eine starke – zumindest vorübergehende – Gegenbewegung einsetzen wird. Der Tenor lautet derzeit demnach eher, dass der Börsencrash zwar nachvollziehbar, aber in seinem Ausmaß übertrieben ist.

Wie sollten Anleger sich in der jetzigen Krise verhalten?

Die Frage ist derzeit, wie sich Anleger in eben jener Situation eines gerade stattfindenden Börsencrash verhalten sollten. Es geht dabei vor allem darum, sich als Investor für die folgenden Optionen zu entscheiden:

• Aktien behalten und aussitzen
• Aktien verkaufen
• Umschichtungen vornehmen
• Aktien kaufen und Chance nutzen

Insbesondere langfristig orientierte Anleger haben aktuell – trotz des Börsencrash – nicht unbedingt einen Grund, ihre Positionen zu veräußern. Wer zum Beispiel seit zehn Jahren in DAX-Aktien investiert ist, der hat nach wie vor einen guten Gewinn erzielt, selbst nach dem erfolgten Crash. Allerdings ist es natürlich verständlich, wenn man (noch) größere Verluste vermeiden möchte. Hier bietet sich das Stellen einer Stop-Loss Order an. Diese verhindert, dass bis zu einem gewissen Punkt weitere Verluste größeren Ausmaßes entstehen.

Interessant ist auch die Frage, ob es sich aktuell vielleicht schon um günstige Einstiegskurse handeln könnte. Immerhin sind die meisten Börsenindizes um über 25 Prozent gefallen und somit auch die enthaltenen Aktien. Allerdings ist ein Einstieg zum jetzigen Zeitpunkt natürlich mit einem hohen Risiko verbunden. Kein Experte möchte derzeit ausschließen, dass zum Beispiel der Deutsche Aktienindex in den nächsten Wochen und Monaten weitere 10, 20 oder vielleicht sogar 30 Prozent seines Wertes verlieren könnte. Dennoch: Real betrachtet bietet ein solcher Börsencrash bereits jetzt eigentlich eine gute Einstiegschance.

Umschichtung des Kapitals in sichere Anlageformen

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die in Aktien investierten Gelder oder das Kapital, welches bereits durch den Verkauf von Aktien zugeflossen ist, vermeintlich „sicherer“ zu investieren. Diesbezüglich kommen vor allem die folgenden Anlageformen infrage:

• Staatsanleihen
• Tages- und Festgelder
• Sachwerte wie Immobilien oder Edelmetalle

Aber: Sicherheit ist selbst bei diesen Anlagen relativ zu sehen. Pessimisten befürchten, dass sogar bei einem weiteren Fortschreiten der Krise Banken in Schieflage geraten könnten. Zwar würde der Staat mit der Einlagen-Sicherung eintreten, aber auch Staaten können irgendwann an ihre Leistungsgrenze kommen. Wirklich sichere Anlageformen scheint es derzeit also nicht zu geben, aber natürlich ist die Wahrscheinlichkeit eines Verlustes auf dem Festgeldkonto nach wie vor deutlich geringer als an den Aktienmärkten.

Fazit: Börsencrash berechtigt, aber (momentan noch?) übertrieben

Als Fazit lässt sich festhalten, dass der aktuelle Börsencrash auf der einen Seite berechtigt ist. Auf der anderen Seite ist er vom Ausmaß allerdings nach Meinung nicht weniger Experten übertrieben. Einbrüche von 30 Prozent und mehr sind zwar in einigen Branchen zu erwarten, aber dabei dürfte es sich nicht um den globalen oder nationalen Durchschnitt handeln. So sind beispielsweise die Umsätze im Konsumbereich, insbesondere bei Nahrungsmitteln, auf einem aktuell hohen Niveau.

Zwar gibt es gerade im Freizeitbereich, also zum Beispiel im Rahmen von touristischen Aktivitäten (Reisen eingeschlossen), Sportveranstaltungen, Restaurants oder Kneipen schon heftige Einbrüche. Allerdings sind in anderen Branchen sogar leichte Umsatzanstiege zu verzeichnen, sodass das Gesamtausmaß sich nicht auf 20 oder 30 Prozent Rückgang im Durchschnitt belaufen dürfte. Trotzdem bedeutet dies nicht, dass es nicht in den nächsten Wochen und Monaten zu weiteren starken Kursrückgängen an den Märkten kommen kann.

*Anmerkung der Redaktion*: Wir haben uns lange überlegt, ob wir diesen Artikel veröffentlichen oder nicht. Wir sind uns bewusst darüber, dass die Sorgen momentan sicherlich darauf fokussiert sind und auch sein sollten, die schwierige Situation mit oder ohne Infektion zu überstehen. Gesundheit und die Sorgen hat zweifelsohne Vorrang und wir möchten an unsere Leser mit aller Eindringlichkeit appellieren, den Anweisungen der Behörden unbedingte Folge zu leisten. Wir haben selbst 2 Redakteure, die im Ausland (Italien) leben! Dennoch spielen auch nachwievor andere Dingen durchaus eine Rolle, so eben auch für Anleger, und deren Informationsbedarf möchten wir diesem Artikel in kleinem Rahmen nachkommen!

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Oliver S.

Oliver S.

Oliver ist der Journalist im Team. Ausgebildeter Banker (Hypo Vereinsbank), hat hohes Maß an spezifischem Finanzwissen und ist einer der bekanntesten Schreiberlinge in der Finanz-Szene. Er das Thema Finanzen in einer Leichtigkeit, die seinesgleichen sucht. Nicht ohne Grund hat Oliver unter anderem auch für die Huffington Post geschrieben. Zudem ist er bis heute auch als Redakteur für FTD.de (ex Financial Times Deutschland) als auch auf Unternehmerhandbuch.de tätig. Kümmert sich hier um alles, was mit dem Thema Finanzwissen, Interviews und News zu tun hat.

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