Investmentwissen - das Rebalancing

Rebalancing - Definition, Bedeutung, Anwendung, Nutzen
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Marcus W.

5. Juni 2020

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Rebalancing – was heißt das eigentlich? Kurz gefast handelt es sich hierbei im Investment-Bereich um eine taktische “Anpassungs”-Maßnahme im Rahmen des Portfolio-Managements. Das Rebalancing ist dabei oft in Verbindung mit der sogenannten “Buy-and-Hold-Strategie” zu beobachten.

Doch wie sieht diese taktische Maßnahme im Details aus? Zu Beginn das grundsätzliche Verständnis hinsichtlich des Aufbaus eines Anlage-Portfolios. Dazu folgende Feststellung und Voraussetzung:

Anleger sollten ihre Gelder im Rahmen der Geldanlage auf verschiedene Anlage- bzw. Assetklassen streuen. In den meisten Fällen lässt sich nur dadurch im Gesamtportfolio ein, zum Anlageziel passendes Chance-Risiko-Verhältnis schaffen. Diese Streuung von Geldern bringt grundsätzlich eine Reduzierung der Anlagerisiken bei gegebener Ertragserwartung mit sich. Andersherum betrachtet, führt sie bei gegebener Risikokalkulation zu einer Ertragsoptimierung.

Das Verhältnis der einzelnen Anlageklassen zueinander ist dabei maßgeblich für das Risiko eines Portfolios. So bringt etwa ein höherer Aktienanteil innerhalb der Gesamt-Strukturierung im Regelfall größere Ertragschancen, aber auch Verlustrisiken für den Anleger mit sich.

Diese wiederum führen aufgrund ihrer Wertveränderungen zwangsläufig zu einer Verschiebung innerhalb der Anlageklassen des Anlageportfolios. Um die ursprüngliche Allocation der Kapitalanlage – also die Ausrichtung innerhalb der gewählten Anlageklassen – wiederherzustellen, existiert das sogenannte Rebalancing.

Rebalancing – per Definition

Der Begriff des “Rebalancing” beschreibt den Vorgang einer periodische Anpassung eines Investment (Anlage)-Portfolios, um die Zusammensetzung eines Solchen an bestimmte Zielvorgaben (beispielsweise dem gewünschten Risikoniveau) anzupassen.

Rebalancing – Hintergrund, Funktion, Effekt

Das “anpassen von Anlage-Portfolios” steht im Kontrast zur klassischen „Buy-and-hold“-Strategie („Kaufen und halten“), die sich ebenso wie das Rebalancing auf die Portfoliotheorie stützt. Dabei werden ausgewählte Anlageprodukte einmal gekauft, um sie dauerhaft zu halten. Es geht in diesem Zusammenhang also ausschließlich um die Verfolgung sehr langfristiger Anlageziele. Die „Buy-and-hold“-Strategie verzichtet dabei demonstrativ auf regelmäßige Umschichtungen bzw. Anpassungen innerhalb eines Anlageportfolios.

So äußerte sich Andre Kostolany einst zu dieser Strategie wie folgt:

„Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten, und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.“ 

Erkenntnis: Der Grundgedanke einer Buy-and-Hold-Strategie ist häufige Umschichtungen zu vermeiden. Diese Investment-Strategie steht damit konträr zu Strategien wie dem Markt-Timing. und Stock-Picking!

Das Rebalancing basiert jedoch auf der Beobachtung, dass eine dauerhaft unveränderte Struktur – wie eben bei jener “Buy-and-Hold-Strategie” – innerhalb eines Anlageportfolios zum Problem werden kann. Das deshalb, weil die üblicherweise unterschiedlich hohen Erträge der eingesetzten Anlageklassen zu einer Verschiebung innerhalb der Anlagestrukturierung führen.

Im Laufe der Zeit entspricht die Struktur also nicht mehr der anfänglich bewusst und sorgfältig gewählten Aufteilung.

In dieser Situation kann der Verkauf übergewichteter Positionen erfolgen, was als “Portfolio-Anpassung” bezeichnet wird. Das dadurch frei gewordene Kapital wird in der Praxis dann entsprechend der gewünschten Anlagestrukturierung – im Regelfall zugunsten der im Laufe der Zeit untergewichteten Positionen – neu investiert.

Hier ein einfaches Beispiel zur Veranschaulichung:

Ein Anleger entscheidet sich für ein Portfolio aus festverzinslichen Anleihen und Aktien zu gleichen Teilen. Sein Kapital wird also zu 50 Prozent in Aktien und zu 50 Prozent in Anleihen investiert. Nach Investition entwickeln sich beide Märkte positiv, wobei der Aktienanteil deutlich stärker zulegt. Dadurch verschiebt sich das Verhältnis innerhalb der Anlagestruktur und liegt plötzlich bei 60:40.

60 Prozent des Investitionskapitals entfällt auf den Aktienanteil, während die Anleihen nur noch 40 Prozent des Gesamtkapitals ausmachen.

Rebalancing eines Anlage-Portfolios
Beispiel eines Rebalancing: Um die ursprüngliche Vermögens-Allokation wiederherzustellen, werden in regelmäßigen Abständen die einzelnen Geldanlagen / Assetklassen hin zur Basis Portfoliosaufteilung umgeschichtet.

 

Klassisches Rebalancing führt nun zur Entnahme eines Teils des in Aktien investierten Kapitals. In diesem Beispiel werden 10 Prozent des Aktienvermögens veräußert und in Anleihen investiert, um die ursprüngliche Anlage-Allocation wieder herzustellen. Alternativ zur Entnahme von Aktienvermögen kann Rebalancing jedoch auch durch eine Einzahlung von Kapital erfolgen („Cash-Flow – Rebalancing“). Denn ein Zukauf im Anleihe-Bereich würde den Aktienanteil ebenfalls entsprechend reduzieren.

Rebalancing – wann?

Die Frage dahingehend, wann eine Anpassung eines Portfolios stattfinden sollte, lässt sich nicht mit der Nennung eines festen Zeitpunkts beantworten und stellt immer wieder eine Streitfrage unter Investment-Profis dar.  Dabei kristallisieren sich jedoch im Grundsatz 2 Standpunkte heraus:

>> Zeitgesteuertes Rebalancing  >> Hier findet in der Regel einmal im Jahr eine entsprechende Anpassung des Portfolios statt.

>> Wertabhängiges Rebalancing >> Hierbei erfolgt eine Orientierung am Markt: Beträgt die Abweichung des Portfolios von der ursprünglichen Asset Allokation weniger als 5 % kann das Rebalancing ausgelassen werden. Wo hingegen eine Abweichung von mehr als 10 % das Rebalancing vorgenommen werden sollte. Diese Empfehlung ist auch als Davis-Norman Modell bekannt.

> Exkurs >> Davis-Norman Modell: Die beiden Finanz-Experten Davis/Norman zeigten im Jahre 1990 in einer Ausarbeitung, der nachfolgende eine hohe Beachtung geschenkt wurde, dass unter Berücksichtigung der, generell bei einem Rebalancing anfallenden Transaktionskosten ein nur teilweise ausgeführtes Portfolio-Rebalancing optimal ist.

Die grundlegende Erkenntnis der beiden Finanz-Experten belegte Folgendes: Wenn sich Preise auch nur einigermaßen zufällig entwickeln – wofür vieles spricht, dann kann schon die nächste Preisänderung die Gewichtungen innerhalb des Portfolios in Richtung Ziel-Allokation verschieben. Somit würden, aufgrund des nicht stattfindenden direkten Einflusses eines Asset Managers, auch keine Transaktionskosten anfallen.

Um dies anhand eines konkreten Beispiels zu verdeutlichen:

Grundvoraussetzung ist hierbei die Festlegung eines sogenannten “inneren Bandes”: Steigt der Anteil um 10% (Prozentpunkte) beim “äußeren Band” an, wird der Anteil bis auf Zielgewicht + 3% (Prozentpunkte), dem “inneren Band” zurückgeführt. Transaktionskosten fallen so nur für 7% an, nicht für 10%.

Was fürs Rebalancing beim Robo-Advisor spricht

Die meisten Roboadvisor-Anbieter nutzen die Möglichkeit des Re-Balancings aktiv – aus gutem Grund. Denn objektiv betrachtet sprechen drei wichtige Fakten dafür, im Rahmen der Kapitalanlage in verschiedene Anlageklassen Gebrauch von dieser Möglichkeit zu machen.

1.) Kontrolle des Anlagerisikos

An den Kapitalmärkten geht es naturgemäß hoch her. Auf positive Phasen können zeitweise auch deutliche Kursrücksetzer folgen und umgekehrt. Kommt es in Hochphasen zu größeren Anteilen volatiler und somit risikoreicherer Anlageklassen, ist eine Anpassung wichtig, um das Anlagerisiko des Anlageportfolios insgesamt wieder auf das ursprünglich gewünschte Maß zu reduzieren.

2.) Ausschaltung psychologischer Risiken

Beobachtungen zeigen, dass Privatanleger häufig erst zu spät in positiv verlaufende Märkte investieren. Andersherum realisieren sie erwirtschaftete Gewinne häufig zu früh. Ein psychologisches Problem, das nicht selten zu schlechteren Anlageergebnissen führt. Die Portfolio-Anpassung auf Basis einer Rebalancing-Strategie schaltet dieses Risiko und damit dessen negative Auswirkungen praktisch aus, da es sich um einen voll automatisierten Prozess handelt.

3.) Automatisches Antizyklisches Handeln

Regelmäßiges Rebalancing führt nicht zuletzt dazu, dass Anleger automatisch antizyklisch handeln, da Anlageprodukte der Assetklassen mit größerem Umfang – also Anlageprodukte, die Gewinne erzielt haben – automatisch zu attraktiven Konditionen veräußert werden. Produkte kleinerer Anlageklassen werden in diesem Zuge im Rahmen des Rebalancings hingegen erworben. Aktien bzw. Aktienfonds beispielsweise werden auf diese Weise zu vermeintlich günstigeren Preisen gekauft und auf höheren Niveaus veräußert.

Was gegen das Rebalancing beim RoboAdvisor spricht

Aus den genannten Gründen gehört das Rebalancing zur Anlagestrategie fast aller RoboAdvisor-Anbieter. Dabei versuchen einige davon allerdings, möglichst maßvoll mit dieser Maßnahme umzugehen – so zum Beispiel Fintego. Der Grund dafür liegt darin, dass ein Rebalancing Geld in Form von Transaktionsgebühren kostet.

Wichtig ist, dass diese Kosten immer im angemessenen Verhältnis zu den gewünschten positiven Effekten stehen. Die Kosten für das Rebalancing sind aus Sicht des Anlegers im Normalfall jedoch bereits in den jährlichen Verwaltungskosten des Robo-Advisor enthalten.

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Marcus W.

Marcus ist, fachlich gesehen, sicherlich das Herz des Robo-Advisor-Portals, denn er ist gestandener Investment Banker im Dienst einer deutschen Großbank. Sein Hobby und Nebenjob ist das Schreiben, welches er sehr erfolgreich mit den Erfahrungen und Kenntnissen aus seinem täglichen Job kombiniert. Dass er auch das beherrscht, hat er mit Hunderten von Fachtexten unter Beweis gestellt. Seine Texte sind einfach gut – Punkt. Geht es um sehr spezifische Themen wie der digitalen Geldanlage, ist er UNSER Mann. Er zeichnet vor allem verantwortlich für den Ratgeber-Bereich als auch so manchen Robo-Advisor Test. Kurzum: Ein echter Gewinn für dieses Portal!
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