Nachhaltige Geldanlagen: Private Anleger verdoppeln das Investitions-Volumen

Der Anteil privater Investments in nachhaltige Geldanlagen hat sich im Laufe des Jahres 2019 fast verdoppelt. Laut dem kürzlich veröffentlichten Marktbericht 2020 des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) haben deutsche Privatanleger im vergangenen Jahr 18,3 Milliarden Euro in nachhaltige Finanzprodukte investiert.

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Markus G

8. Juni 2020

Nachhaltige Geldanlagen - FNG Marktbericht 2020 - Investments

8. Juni 2020

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Im Vorjahr lag das Gesamtvolumen aus privaten Investments in sogenannte ESG-Produkte (Environment, Social, Governance) bei 9,4 Milliarden. Das entspricht einem Plus von 18 Prozent. Und damit haben die deutschen Anleger einen wesentlichen Anteil daran, dass der Markt nachhaltiger Geldanlagen innerhalb eines Jahres um satte 23 Prozent gewachsen ist. “Nachhaltig investieren” scheint also bei immer mehr Bürgern mit der Absicht Geld anzulegen, anzukommen.

Nachhaltige Geldanlagen - FNG Marktbericht 2020
Steht bei der Geldanlage mit Aktien der Kostenfaktor als Schwierigkeit im Vordergrund sollte ein ETF Sparplan ins Auge gefasst werden. Er lässt sich mit wenig Einsatz zu geringen Kosten umsetzen.

Was nachhaltige Investments für Privatanleger so attraktiv macht

Die Überlegung, mit dem eigenen Vermögen nicht nur Gewinne einzufahren, sondern gleichzeitig etwas Gutes zu tun, wird von Privatpersonen häufig als einer der Hauptbeweggründe für ein Investment in nachhaltige Finanzprodukte angegeben.

Und dabei handelt es sich immer weniger um ein reines Lippenbekenntnis zum nachhaltig investieren, sondern um ein echte und somit ernst zunehmende Absicht. Denn zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch der FNG-Marktbericht zum Thema nachhaltige Investments:

Eine erhöhte Berichterstattung über Themen wie Umweltschutz, Klimawandel und Menschenrechte scheint bei den deutschen Anlegern ein breiteres Bewusstsein für nachhaltige Geldanlagen beziehungsweise “grüne” Finanzprodukte geschaffen zu haben.

Trotz vielerorts lautstarker Kritik scheinen Initiativen wie die “Fridays-for-Future”-Bewegung, anhaltende Debatten über emissionsgebundene Abgaben für Unternehmen, sowie die Pläne der Bundesregierung, bis 2038 den Ausstieg aus der Braunkohle-Energiegewinnung zu schaffen, also eine Trendwende im Denken der Bevölkerung zu bewirken.

Was offensichtlich auch immer Menschen dahingehend zu motvieren scheint, über Öko-Investments nachzudenken. Was sich dann wiederum – so denn die Erkenntnis aus dem aktuellen FNG Marktbericht – in einer erhöhten Nachfrage an nachhaltigen Geldanlagen widerzuspiegeln scheint.

Doch nicht nur das gesteigerte Verantwortungsbewusstsein für klima- und umweltpolitische Themen schürt die Investitionsbereitschaft privater Anleger in nachhaltige Finanzprodukte. Auch an den privaten Investoren geht nicht vorbei, dass nachhaltige Geldanlagen besonders gefördert werden; sie profitieren also in mehrfacher Hinsicht.

Ein weiterer Beweggrund für die Zunahme an nachhaltigen Investments auf dem Kapitalanlage-Markt, dürfte außerdem sein, dass sich nachhaltige Geldanlagen in Krisenzeiten als weniger volatil erwiesen haben, als herkömmliche Finanzprodukte.

Die Rating-Agentur Scope Analysis hat über 2.000 Aktienfonds ausgewertet und kam etwa zu dem Ergebnis, dass Nachhaltigkeitsfonds selbst während der Corona-Krise im 1. Quartal 2020 weltweit weniger Wertverluste zu verzeichnen hatten, als konventionelle Aktienfonds.

Dem Planeten kann es egal sein, er profitiert in jedem Fall. Aber für die Privatanleger sind dies alles gute Argumente, ihr Geld in nachhaltige Produkte zu investieren.

Worin haben deutsche Anleger vor allem investiert?

Satte 96 Prozent mehr Privatvermögen wurde 2019 in Nachhaltigkeitsprodukte investiert, als noch im Vorjahr. Dabei setzten die Privatinvestoren mit rund der Hälfte ihrer insgesamt 18,3 Milliarden nachhaltig investierten Euro auf Anlagefonds.

Nachhaltige Geldanlagen - FNG Marktbericht 2020 - Investments
Steht bei der Geldanlage mit Aktien der Kostenfaktor als Schwierigkeit im Vordergrund sollte ein ETF Sparplan ins Auge gefasst werden. Er lässt sich mit wenig Einsatz zu geringen Kosten umsetzen.

Damit halten sie aktuell nicht nur 11 Prozent aller nachhaltigen Anlagen, sondern haben außerdem das Gesamtwachstum des Marktes intensiv vorangetrieben. Umwelt und Klima werden es ihnen danken.

Die Privatanleger haben bei der Wahl ihrer Investments beinahe einhellig auf Geldanlagen gesetzt, deren Nachhaltigkeit durch festgeschriebene Kriterien abgesichert ist. Solche Kriterien können etwa Verletzungen von Arbeits- und Menschenrechten sein, Umwelt- und Klimaschädigungen, Korruptions- oder Bestechungsbegünstigungen.

Konkret bedeutet das, dass 99 Prozent der vom FNG für den Marktbericht recherchierten Investmentprodukte strenge ESG-Richtlinien erfüllen. Emittenten, die nicht den ausgewiesenen Nachhaltigkeitskriterien entsprechen – oder dies nicht transparent genug darlegen können – werden aus solchen Fonds ausgeschlossen.

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass deutschen Anlegern ihr Mitspracherecht wichtiger zu werden scheint. Der Anteil von Stammaktien, die Anlegern ein Stimmrecht bei Unternehmens-Versammlungen zuteil werden lässt, ist bei den Privatinvestoren um 69 Prozent angestiegen.

Prognosen für den nachhaltigen Investment-Markt in Deutschland

Hat 2019 / 2020 eine Trendwende in der Investment-Welt eingeläutet? Wünschenswert wäre es. Und die bisherigen Entwicklungen und Rekordwerte aus 2019 nähren diesen Eindruck:

  • Das Gesamtvolumen nachhaltiger Investments liegt in Deutschland erstmals bei 269,3 Milliarden Euro.
  • Davon flossen etwas mehr als 120 Milliarden in nachhaltige Mandate,
  • und etwas über 63 Milliarden in Nachhaltigkeitsfonds.
  • Innerhalb eines Jahres sind nachhaltige Geldanlagen mit 23 Prozent um fast ein Viertel ihres Vorjahresvolumens angewachsen.
  • Institutionelle Investoren halten mit 269,3 Milliarden Euro 89 Prozent aller nachhaltigen Investments.
  • Privatanleger haben mit 18,3 Milliarden ihren finanziellen Einsatz in Nachhaltigkeitsfonds und -mandate beinah verdoppelt.
  • Allerdings sind darin auch 46,6 Milliarden Euro aus Eigenanlagen von Banken enthalten, bei deren Verwaltung Anleger kein Mitspracherecht haben – es ist also anzunehmen, dass manch Privatinvestor sich sein Engagement in nachhaltige Wertanlagen nicht aktiv ausgesucht hat.
  • Doch auch auf nachhaltige Investments spezialisierte Banken konnten ein Wachstum um 6 Prozent, immerhin fast 41 Milliarden Euro, für sich verbuchen.
  • Auch die Anzahl verantwortlicher Investments ist auf einem neuen Rekordhoch angekommen. Diese stiegen um 7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf ein Volumen von 1,64 Billionen Euro.Verantwortliche Investments unterliegen noch strengeren Richtlinien, weil dabei nicht nur die emittierten Anlageprodukte selbst auf Nachhaltigkeit geprüft werden, sondern die gesamte Unternehmensführung und Konzernpolitik.

FNG gibt in seinem Ausblick im Marktbericht also allen Grund zur Hoffnung. Demnach erwartet ein Gros der Experten nämlich, dass dieser Wachstumstrend des nachhaltigen Anlagemarktes erst einmal anhalten wird.

Rund 40 Prozent der befragten Experten erwarten ein anhaltendes Plus von mindestens 15 bis 30 Prozent. Vereinzelt prognostizieren sie sogar ein Wachstum um mehr als 30 Prozent.

Doch auch die aktuelle Entwicklung macht eines deutlich: Wem verantwortungsbewusstes, moralisches und nachhaltiges Verhalten wichtig sind, muss nicht auf eine gewinnbringende Geldanlage verzichten. Gutes tun und daran verdienen müssen nicht im Widerspruch stehen.

Zusätzliche Information – FNG Marktbericht

Der Marktbericht “Nachhaltige Geldanlagen – Deutschland, Österreich und die Schweiz” ist die zentrale Jahrespublikation des FNG. Er dient Brancheninsidern, Journalisten, Wissenschaftlern und Politikern gleichermaßen als Quelle, wenn es um aktuelle Daten zu Nachhaltigen Geldanlagen geht. Neben Volumenzahlen für Nachhaltige Geldanlagen, die bereits seit 2005 erhoben werden, werden ab 2018 auch die Volumina für den Markt verantwortlicher Investments erhoben.

Das FNG unterscheidet zwischen Nachhaltigen Geldanlagen: hier sind die ESG-Kriterien auf Produktebene formuliert; und verantwortlichen Investments: hier sind die ESG-Kriterien auf Ebene der Institutionen festgelegt. Damit wird auf den steigenden Trend reagiert, nachhaltige Anlagestrategien auch auf „Mainstream“-Produkte anzuwenden. Darüber hinaus bietet der Marktbericht eine Vielzahl weiterer Informationen, aus denen sich aktuelle Entwicklungen und Trends ableiten lassen – darunter auch Daten zu Spezialbanken mit Nachhaltigkeitsfokus

Den kompletten FNG Marktbericht 2020 gibt es >> Hier <<

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Markus G

Markus ist der “Kopf” des Teams. Ideengeber, Vermarkter, Redakteur und irgendwie an allem auf diesem Portal beteiligt. Ohne ihn würde es dieses Portal so nicht geben. Eine Idee – entstanden aus dem persönlichen Interesse an FinTech und nun langjähriger Erfahrungen in der Finanz-Szene. Zudem ist Markus Kolumnist auf zahlreichen Investment-Plattformen – vor allem im englischsprachigen Raum, aber u.a. auch auf Focus.de
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