Interview mit easyfolio

Im Gespräch mit Julian Winter/ Geschäftsführer easyfolio

easyfolio - ein Kapitalanlage Angebot, das sich neben einer bewegten Historie auch in vielen Punkten vom Wettbewerb unterscheidet. Was zu einigen Fragen unsererseits geführt hat. Das Ergebnis? Das easyfolio Interview

02. Oktober 2021 | Markus G.

Easyfolio ist eines, der am längsten im deutschen Robo-Advisor Markt aktiven Kapitalanlage-Angebote. Wobei man sich bei dem Anbieter von ETF-Portfolios durchaus fragen muss, ob es sich hier um einen Robo-Advisor handelt oder nicht? Vielleicht würde zu dem Unternehmen aus Hamburg eine andere Bezeichnung deutlich besser passen. Aber das ist nicht das alleinige Merkmal, was easyfolio von seinen Mitbewerbern abhebt, denn als einziger Anbieter können die „Anlagestrategien“ auch bei anderen Online-Brokern erworben werden. Welche Idee dahinter steckt? Gute Frage und für uns Anlaß genug, uns um ein Interview zu bemühen. Und es hat uns gefreut, dass Julian Winter seines Zeichens Geschäftsführer der easyfolio GmbH diesem Interview zugestimmt hat. Im Folgenden also das easyfolio Interview gemäss unserer Interview-Reihe „10 Fragen an….“.

Das easyfolio Interview: Herr Julian Winter, Geschäftsführer easyfolio

1.) Herr Winter, Easyfolio hat als Anbieter von ETF Portfolios seit seiner Gründung im Jahr 2014 eine durchaus bewegte Geschichte hinter sich. Erst kürzlich sind sie mit der easyfolio GmbH unter das „Dach“ der netfonds AG geschlüpft. Was hat zu dieser Entscheidung geführt? Welche Vorteile haben sich hieraus für sie als Unternehmen ergeben?

Die easyfolio GmbH ist seit rund einem Jahr Teil der Netfonds AG. Wir haben damals nach einem strategischen Partner gesucht um den Zugang zum Beratergeschäft zu erhalten. Die Entwicklung des Robo Advisor Marktes in den vergangenen Jahren zeigt, dass sich doch deutlich weniger Anleger als ursprünglich vermutet eigenständig darum kümmern ihr Geld zu investieren. Finanzprodukte sind nun einmal für einen großen Teil der Bevölkerung erklärungsbedürftige Produkte. Viele Anleger legen daher weiterhin großen Wert auf eine gute persönliche Beratung und Wissen um den Mehrwert eines persönlichen Ansprechpartners. 

Wir haben mit der Netfonds Gruppe aus unser Sicht den idealen Partner gefunden. Netfonds sitzt genau wie wir in Hamburg, betreibt die größte B2B Finanzplattform in Deutschland und verfügt über ein Netzwerk von 5.500 angebunden Investment- und Versicherungsberater. Dank dieser geballten Beratungsexpertise können wir unsere ETF-Portfolios nun Deutschlandweit gemeinsam mit einer persönlichen Beratung vor Ort anbieten. Diesen Mehrwert bietet bisher keiner unser Konkurrenten.

2.) Aufgrund ihrer Historie: Warum sollten sich Anleger für eine Investition mit easyfolio entscheiden? Was bieten sie, was nicht auch andere Anbieter offerieren?

Unsere vergleichsweise lange Firmenhistorie (seit 2014) ist ein großer Vorteil für alle unsere Kunden und jeden Interessenten. Da wir seit Beginn vollkommen transparent die Wertentwicklung und Zusammenstellung unser Portfolios zeigen, können sich Kunden vor dem Abschluss ganz einfach davon überzeugen, dass unser Modell der global investierenden ETF-Portfolios funktioniert. 

Im Gegensatz zu vielen anderen Robo Advisors, die sich hinter Musterportfolios verstecken, zeigen wir unsere Kursentwicklung für jeden einsehbar auf unser Website. Und die Performance der letzten Jahre spricht für uns.

3.) Die easyfolio ETF Strategien können zum einen über ein bereits bestehendes Depot bei einer deutschen Depotbank sowie Volksbanken und Sparkassen erworben werden. Ebenso besteht die Möglichkeit, ein Depot direkt online über die Webseite zu eröffnen. Warum gehen sie diesen, im Vergleich zu ihren Mitbewerbern, „zweigleisigen“ Weg? Welche Vorteile ergeben sich hieraus insbesondere für sie als easyfolio?

Unser mehrgleisiger Weg hat vor allem Vorteile für unsere Kunden. Wir bieten unseren Anlegern die größtmögliche Flexibilität bei der Wahl Ihrer Depotbank. Viele Kunden haben bereits Depotbankverbindungen und sind bei allen anderen Anbietern gezwungen ein neues Depot zu eröffnen. Wir sind hingegen der einzige Anbieter, der die Freiheit bietet bestehende Depots weiter zu nutzen. 

Bei der Gründung easyfolios wurde bewusst entschieden die ETF-Strategien als handelbare ETF-Portfolios aufzusetzen. Kunden können daher schnell und unkompliziert in unsere ETF-Portfolios investieren und mit wenigen Klicks zwischen Portfolios wechseln oder diese verkaufen.

4.) Mit lediglich drei verfügbaren Anlagestrategien sind sie im Vergleich zum Gros ihrer Mitbewerber relativ „schmal“ aufgestellt. Was entgegnen sie Kritikern, die davon überzeugt sind, dass man, um die Risikoneigung von Anlegern bestmöglich bedienen zu können, deutlich mehr als 3 Strategien anbieten sollte?

Entscheidend ist doch nicht die Anzahl der Strategien, sondern die Qualität der angebotenen Strategien. Unsere Portfolios haben sich in den letzten 7 Jahren bewiesen und auch in der jüngsten Corona-Krise gezeigt, dass unser Ansatz die globale Wirtschaft abzudecken, in allen drei Risikoklassen funktioniert. Mit unseren drei Portfolios bieten wir für defensive, ausgewogene und risikofreudige Anleger eine Option und in alle drei Portfolios wird häufig investiert.

5.) Easyfolio hat 2020 ein Angebot namens „Advice“ eingeführt, dass Anlegern die Option einer persönlichen Beratung bot. Schaut man sich nun ihre Webseite an, scheint dieses Angebot wieder verschwunden zu sein? Wurde „Advice“ offensichtlich wieder eingestellt und wenn ja: Warum?

Im Juli dieses Jahres haben wir unsere neue Website gelauncht – ein lang geplantes Projekt, dass es uns ermöglicht hat das Kundenfeedback der letzten Jahre umzusetzen. In diesem Zuge haben wir auch unser Beratungsangebot überarbeitet und uns dabei entschieden uns vom englischen Produktnamen zu verabschieden. 

Bei easyfolio Advice haben wir Anlegern die Möglichkeit gegeben eine persönliche Beratung zu erhalten. Jetzt nennen wir das Kind direkt beim Namen: Beratung. Wer bei uns auf die Website kommt findet direkt im Startbildschirm den Button „Beratung“ und kommt dann zum Angebot. Das erspart uns die Erklärung wofür „easyfolio Advice“ genau steht.

6.) Lassen sie uns einen Blick auf die bisherige Performance der easyfolio Strategien werfen. In der Jahresbetrachtung 2019 hat easyfolio über alle 3 Strategien hinweg, vor allem jedoch bei der defensiven Ausrichtung, im Gesamtvergleich aller Robo-Advisor durchaus beeindruckende Zahlen hingelegt. Doch seit der Corona-Krise beziehungsweise dem „Crash“ hinken sie ein wenig hinterher. Hat ihr Risikomanagement nicht effizient genug „funktioniert“? Liefern sie uns einen Einblick.

Mit dem globalen BIP setzen wir auf ein Modell, dass die Weltwirtschaft abbildet. Wir haben uns für das BIP entschieden, weil es aus unser Sicht die langfristigen wirtschaftlichen Entwicklungen am besten erfasst. Viele Wettbewerber setzen auf einen marktkapitalisierungsbasierten Ansatz, bei dem die USA einen gewichtigen Teil des Portfolios einnimmt. In der Corona-Krise hat unser Modell gut funktioniert, dass von einigen Wettbewerbern aber noch ein Stück besser. Mit Risikomanagement hat dies nicht soviel zu tun. 

Unser Modell hat genau wie erwartet funktioniert und direkt den Rebound des Marktes mitgenommen. Da die US-Börsen viele andere Märkte gerade in der zweiten Hälfte des Jahres 2021 deutlich outperformt haben, haben Anbieter mit höherer US-Gewichtung in Ihren Strategien natürlich eine etwas bessere Performance erzielt. Wir müssen uns mit unser Rendite jedoch nicht verstecken und sind langfristig im Wettbewerb immer noch in der Spitzengruppe. 

Und die meisten unserer Kunden haben einen sehr langfristigen Anlagezeitraum bei dem 6-12 Monate Performance nicht entscheidend sind.

7.) Stichwort Nachhaltigkeit. Nachhaltige Geldanlagen sind wohl unbestritten auf dem Vormarsch und wurde vor allem in den letzten 18 Monaten von zahlreichen Robo-Advisorn dementsprechend aufgegriffen. Bei easyfolio hingegen ist bis dato das Thema Nachhaltigkeit nicht existent. Woran liegt das? Oder kommt auch von Ihnen hierzu in naher Zukunft ein entsprechendes Angebot? Von Seiten ihrer Produktpartner sollte dies doch im Grunde kein Thema sein.

Wir haben mit easyfolio Green bereits seit einem Jahr ein nachhaltiges Angebot am Markt. Allerdings haben wir uns zunächst bewusst entschieden dies nur in Kombination mit unserem Beratungsangebot zu vermitteln. NTV hat uns im Dezember sogar dafür ausgezeichnet. Nachhaltigkeit ist sicher eines der Zukunftsthemen in der Finanzindustrie, viele Kunden wissen aber noch gar nicht welche Vor- und Nachteile dies im Detail bedeuten. Daher haben wir uns entschieden die Portfolios nur in Kombination mit einem persönlichen Beratungsgespräch anzubieten. Und mit Erfolg. 

Keine unserer ETF-Portfolios haben in den letzten 12 Monaten mehr Mittelzuflüsse generiert. Man muss allerdings auch sagen, dass nach einem sehr erfolgreichen Jahr 2020 gerade in diesem Jahr die klassischen Portfolios die nachhaltigen Portfolios outperformen. Und damit unsere Kunden bereits im Vorfeld verstehen welche Chancen aber auch Risiken mit nachhaltigen Anlagen verbunden sind ist eine gute Beratung sehr wichtig.

8.) Und um damit gleich beim Thema zu bleiben: Wie stehen sie als Anbieter zur Offenlegungs-Verordnung? Viele Anbieter loben zwar die Initiative als solches, bemängeln jedoch die Art und Weise der bisherigen Umsetzung. Teilen sie diese Auffassung?

Wir sind sicherlich auch nicht glücklich mit dem bisherigen Prozess der Offenlegungsverordnung. Die Europäische Union hat sich hier einmal mehr als langsames, bürokratisches Monster erwiesen, obwohl der Grundgedanke sicher nicht falsch ist. Gerade aufgrund unser Struktur der handelbaren ETF-Portfolios hätten wir gern schon vor mehreren Monaten Klarheit geschaffen und die Portfolios der Nomenklatur entsprechend kategorisiert. 

Wir sind hierzu in laufendem Austausch mit unser Kapitalverwaltungsgesellschaft, haben uns aber auf Anraten dieser entschieden vorerst abwarten, bis finale Entscheidungen und Vorgaben von der EU getroffen wurden.  

9.) Ein aktuelles Thema, welches an der ein oder anderen Stelle innerhalb der Robo-Advisor Szene durchaus kontrovers diskutiert wird, sind die in letzter Zeit zahlreich erschienenen Testberichte (Stiftung Warentest, Capital etc.), die in ihren Ergebnissen unterschiedlicher nicht sein könnten. Dabei fällt vor allem auf, dass die bisher erzielte Performance von Anbietern in den Testergebnissen nicht berücksichtigt wurde. Wie stehen sie als Anbieter zu solchen Testberichten? Sollte ihrer Meinung nach die erzielte Performance Einzug in die Bewertung finden? Wenn ja, warum?

Wir haben dies intern natürlich auch heiß diskutiert und in der Vergangenheit auch versucht mit den einzelnen Instituten vor der Veröffentlichung der Ergebnisse in Gespräche zu kommen. Bisher leider ohne Erfolg. Unserer Meinung nach sollte die Wertentwicklung eines der wichtigsten Kriterien eines Vergleichstests sein. 

Anleger vertrauen uns Anbietern ihr Geld mit dem Ziel an dieses zu vermehren. Am Ende bewerten die Kunden nicht wie schön die Abschlussstrecke oder wie toll der Kundenservice ist, sondern wie am Ende des Anlagezeitraums die Wertentwicklung aussieht.

Gerade in 2019 haben wir uns über das bisherige Vorgehen sehr geärgert, denn in vielen Testvergleichen hätten wir zur absoluten Spitzengruppe zählen müssen, wurden dann aber nur im Mittelfeld eingeordnet, weil wir z.B. im Anlegertest 10 statt 20 Fragen stellen und keinen Kundenchat anbieten.

Letztendlich darf man die Wichtigkeit dieser Testergebnisse nicht unterschätzen. Privatanleger haben inzwischen fast 50 Anbieter zur Auswahl und müssen für sich entscheiden wo sie ihr Geld anlegen wollen. Da kann eine Auszeichnung durch Stiftung Warentest, Capital oder Euro den Fokus der Kunden ganz leicht auf einen kleinen Kreis von Anbietern lenken und die anderen fallen aus der Betrachtung.

Umso mehr freuen wir uns daher, dass €uro jüngst erstmalig die Anbieter von ETF-Portfolios bewertet hat und wir hier den Testsieg erzielen konnten.

10.) Und somit wie immer an dieser Stelle, die abschließende Frage dahingehend, was sie schon immer einmal über den deutschen Kapitalmarkt / Robo-Advisor Markt loswerden wollten, aber noch nie gefragt wurden.

Die spannende Frage, die eigentlich nie gestellt wird, ist warum der Robo Advisor Markt nicht so fliegt wie alle Experten das prognostiziert haben? Liegt es vielleicht am falschen Angebot? Wir haben in Deutschland ja fast 50 Anbieter, die alle auf die Zielgruppe der Selbstentscheider abzielen. Trotzdem gibt es nur wenige richtig große Anbieter. Und im Vergleich zu den Direktbanken und klassischen Vermögensverwaltern sind die AuM gering. Zudem liegen Milliarden von Euros auf deutschen Sparbüchern. Das Potenzial wäre eigentlich da. 

Ich glaube, dass sich die Deutschen einfach schwer tun bei der Finanzanlage und durch gute Beratung von der Notwendigkeit einer Geldanlage am Kapitalmarkt überzeugt werden müssen. Ansonsten bleibt das Geld auf dem Festgeldkonto liegen. Nicht umsonst sind Anbieter wie Raisin und Depot Solution erfolgreich und tun sich jetzt ja sogar zusammen. Einer der Schlüssel liegt sicher in der fehlenden Finanzbildung und wir werden deshalb in den kommenden Monaten versuchen in diesem Bereich aktiv zu werden. 

Zum Glück gibt es immer mehr Education Startups, die sich ebenfalls zum Ziel gesetzt haben die Finanzbildung in Deutschland zu fördern.  Davon können nur alle profitieren. Man liest ja oft, dass die Bürger in Entwicklungsländern „underbanked“ sind. In Deutschland haben zwar die meisten Bürger ein Girokonto, sind aber trotzdem „underinvested“. Das wollen wir und ich glaube alle in unserer Branche ändern.

Zu guter Letzt

Herr Winter, wir danken Ihnen vielmals für das aufschlussreiche und in einigen Punkten aufklärendem Interview.

Zur Person – Julian Winter

Julian Winter hat in seiner jungen Laufbahn bereits für Banken, Unternehmensberatungen und Fintechs gearbeitet, bevor er 2018 Geschäftsführer der easyfolio GmbH wurde. Als Teil des Projektteams für die Entwicklung des Deutsche Bank Robo Advisors ROBIN kam er 2016 das erste Mal mit dem Robo Advisor Markt in Berührung und konnte dieses Wissen in seine jetzige Rolle mitnehmen. Begonnen hat Julian Winter seine Laufbahn klassisch im Banking als Equity Trader im Electronic Trading bei Berenberg.

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Markus G.

Markus ist der “Kopf” des Teams. Ideengeber, Vermarkter, Redakteur und irgendwie an allem auf diesem Portal beteiligt. Ohne ihn würde es dieses Portal so nicht geben. Eine Idee – entstanden aus dem persönlichen Interesse an FinTech und nun langjähriger Erfahrungen in der Finanz-Szene. Zudem ist Markus Kolumnist auf zahlreichen Investment-Plattformen – vor allem im englischsprachigen Raum, aber u.a. auch auf Focus.de
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