Nachhaltigkeit – was ist das eigentlich?

Nachhaltigkeit - Definition, politisches und wirtschaftliches Verständnis
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Markus G

1. April 2021

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Inhaltsverzeichnis

Nachhaltigkeit – kaum ein Begriff, der in den letzten Jahren so dermaßen in den Mittelpunkt des sozialen als auch politischen Interesses gerückt ist. Und mit der „FridaysforFuture –Bewegung“ auch ein Sprachrohr zukünftiger Generationen gefunden hat, das sich vehement für ein generellen Wandel hin zu mehr Umweltbewusstsein einsetzt.

Und wer heute gefragt wird, was Nachhaltigkeit eigentlich bedeutet, dann wird eben hierauf oftmals mit den Begriffen

• Klimaschutz
• Umweltschutz
• Ressourcenschonung

Geantwortet. Was im Kern auch völlig richtig ist, doch Nachhaltigkeit an sich als Oberbegriff bedeutet erheblich mehr. Denn Nachhaltigkeit betrifft nicht nur den wirtschaftlichen, sondern vor allem auch den alltäglichen, politischen als auch finanziellen Bereich einer Gesellschaft.

Wagen wir also einen Blick auf diese einzelnen Bereiche.

Nachhaltigkeit – was bedeutet das eigentlich konkret?

Begibt man sich auf die Suche nach einer gültigen Definition von „Nachhaltigkeit“ so erhält man Folgendes:

„Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung durch die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme (vor allem von Lebewesen und Ökosystemen) gewährleistet werden soll.“ – Quelle Wikipedia

Woraus sich die Frage ergibt, wie ein solches Handlungs-Prinzip in der Praxis aussieht, wer so etwas initiiert und letztendlich hier eine Standard schafft, an dem man sich orientieren kann. 

Das “Dreieck der Nachhaltigkeit”

In Deutschland existiert ein sogenannter Nachhaltigkeitsrat, der vor 20 Jahren gegründet wurde, nachhaltige Projekte zu initiieren und auf verschiedensten Eben zu fördern. Dieser Rat hat als Zusatz zu der zuvor genannten Definition von Nachhaltigkeit das sogenannte „Dreieck der Nachhaltigkeit“ entworfen.

Das Dreieck der Nachhaltigkeit

Dieses Dreieck basiert auf der Zusammenführung

– ökologischer
– ökonomischer
– sozialer Elemente

und diese im Grunde gleichsetzt.

  1. So soll bei der ökologischen Nachhaltigkeit die Vielfalt der Schöpfung mit den natürlichen Lebensgrundlagen für die aktuelle als auch kommenden Generationen gesichert werden >> Ressourcenkontrolle!
  2. Ökonomische Nachhaltigkeit bezieht sich auf die Schaffung einer leistungsfähigen, jedoch nicht nachfolgende Generationen belastende Wirtschaft
  3. Soziale Nachhaltigkeit zielt auf gleiche Chancen, Wohlstand, Bildung und Kultur für alle

Kritisieren muss sich das Dreieck jedoch dahingehend, dass es alle 3 Elemente gleichstellt, wobei die ökologische Verantwortung und der daraus abzuleitende Wandel eigentlich Vorrang genießen muss.

Der Ursprung des Begriffs „Nachhaltigkeit“

Doch bevor wir uns mit Nachhaltigkeit in der Praxis beschäftigen, ein Blick darauf, wo der Begriff seinen Ursprung hat. Ein erster Hinweis hierauf lässt sich im englischen Wortschatz finden und zwar in Form des Wortes „Sustainable“, was etwas freier übersetzt für „aushalten / ertragen“ steht. Woraus sich letztendlich auch etwas weiter gefasst, die Definition des Begriffs: Sustainable / Nachhaltig“ ableiten lässt – und zwar wie folgt:

Jede Ressource kann nur so viel an Nutzung dauerhaft „aushalten / ertragen“, wie sie selbst reproduzieren kann ohne dauerhaften, irreversiblen Schaden zu nehmen!

Eine erstmalige Verwendung der Bezeichnung Nachhaltigkeit in deutscher Sprache im Sinne eines langfristig angelegten verantwortungsbewussten Umgangs mit einer Ressource ist im Schriftwerk „Silvicultura oeconomica“ aus dem Jahr 1713, verfasst vom Deutschen Freiberger Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz, belegt.

Er verwendete den Begriff in Verbindung mit der, ihm vertrauten Forstwirtschaft, in dem er feststellte, dass dem Wald nur so viel Holz entnommen werden dürfe, wie innerhalb eines bestimmten Zeitraums nachwachse. Er war also im Grunde genommen, der Erste, der sich in seinem Schriftwerk für die Schaffung eines ökologischen Gleichgewichts einsetzte.

Interessant: Bis in die 1980er Jahre bezog sich die Nutzung des Wortes „Nachhaltigkeit beziehungsweise nachhaltig“ vielmehr auf die Beschreibung einer „Dauerhaftigkeit beziehungsweise Langfristigkeit.“

Eine Verwendung in dieser Interpretation findet in der Generation der 70er / 80er Geburtsjahrgänge bis heute statt und kann mitunter in generations-übergreifenden Gesprächen zu gewissen „Missverständnissen“ führen.

Mit dem „Aufkommen“ eines immer stärker werdenden Umweltbewusstseins und der verstärkten Nutzung des Wortes „Nachhaltigkeit“ im politischen Sinn und Interesse, dürfte die Verwendung als Begriff für Dauerhaftigkeit jedoch kaum Bestand haben können.

Erste Nutzung des Begriffs „Nachhaltigkeit“ im politischen Sinne

Den Grundstein für das heutige Verständnis von Nachhaltigkeit legte der Abschluss Bericht der sogenannten Brundtland Kommission, benannt nach der Leiterin jener „Weltkommission“, der ehemaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland. Das Ziel, dieser seitens der Vereinten Nationen (UN) eingesetzten Kommission war es, umweltschonende langfristige Perspektiven und Lösungsansätze für eine Entwicklungspolitik zu erarbeiten.

Als Ergebnis dieser gestellten Aufgabe entstand der Abschlussbericht mit dem Titel „Unsere gemeinsame Zukunft“, der im Detail ein mögliches Konzept einer nachhaltigen Entwicklung beschrieb. In diesem Bericht findet sich letztendlich auch jener berühmte Satz, der von vielen Verantwortlichen in Wirtschaft und Politik bis heute als gültige Definition für eine nachhaltige Entwicklung verstanden wird:

“Die Menschheit hat die Fähigkeit, Entwicklung nachhaltig zu gestalten – um sicherzustellen, dass sie die Bedürfnisse der Gegenwart erfüllt, ohne die Fähigkeit zukünftiger Generationen zu gefährden, um ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen.”

Nachhaltigkeit im aktuellen politischen und gesellschaftlichen Verständnis

Kern einer jeden politischen als auch gesellschaftlichen Diskussion ist der Verweis darauf, dass mit der Festlegung der sogenannten 17 Nachhaltigskeitsziele der UN im Jahr 2015 im Rahmen der „Agenda 2030 für eine nachhaltige Entwicklung“ eine Art Grundstein für den Wandel geschaffen worden sei.

Diese Agenda beschreibt als Ziel, dass innerhalb von 15 Jahren verschiedene Maßnahmen initiiert werden sollten, die als Resultat die Verbesserung der Lebensverhältnisse auf dem gesamten Planeten als auch ein Schutz der Erde für das Fortbestehen zukünftiger Generationen hervorbringen sollen.
Voraussetzung hierzu sei, dass die internationale Staatengemeinschaft zusammenarbeitet. Diese Agenda 2030 sollte als Verpflichtung für alle Länder gelten, einen entsprechenden Beitrag zur Zukunft des Planeten zu leisten.

Aber: Wer sich bis heute allein die alljährlichen Diskussionen allein beim Klimagipfel und anderen globalen Treffen politischer und wirtschaftlicher „Größen“ und den Resultaten vor Augen führt, stellt relativ schnell fest, dass es eins bis heute nicht gibt: ein global geltendes einheitliches Verständnis darüber, was Nachhaltigkeit in seinem Wesen als auch Nutzen tatsächlich ist.

Und das trotz Agenda 2030, 17 UN – Nachhaltigkeitszielen etc..

Und genau daran scheitern bis heute immer wieder globale Nachhaltigkeits-Initiativen, denn ohne ein solch grundlegendes, gemeinsames, also global geltendes Verständnis von Nachhaltigkeit und daraus resultierenden Konzepten ist der geforderte und erforderliche Wandel kaum in die Praxis umzusetzen.

Dennoch: Nachhaltigkeit an sich muss als komplexes System verstanden werden, in dem viele Bausteine an sich miteinander agieren und an denen ein jeder Bürger aktiv mitwirken kann. Womit wir bei dem Punkt wären, was Nachhaltigkeit im alltäglichen Leben bedeutet.

Nachhaltigkeit im Alltag

Nachhaltigkeit beziehungsweise der Wandel hin zu dieser, beginnt damit, dass man etwas an den zahlreichen Elementen des Systems „Nachhaltigkeit“ verändert und das fängt tatsächlich im persönlichen Alltag an und zwar beim, was man Allgemein hin als „Konsumverhalten“ bezeichnet

Nachhaltig konsumieren und leben

Wer bereits im „Kleinen“ einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit leisten möchte, fängt damit am besten beim Einkauf an, denn bereits hiermit macht man deutlich, verantwortungsvoll zu handeln und darauf zu achten, dass ökologisch und sozial unbedenkliche Produkte beim Einkauf berücksichtigt werden. Dazu gehört der Konsum lokaler, biologisch angebauter Produkte und wenn es denn schon exotische Früchte etc. sein müssen, dann wenigstens unter dem Aspekt Fair-Trade.

Und ganz ehrlich: Müssen es im Winter Erdbeeren aus Chile sein? Oder Spargel aus China?

Weitere Möglichkeiten etwas zu einer nachhaltigeren Zukunft beizutragen:

 

  • Umverpackungen, unnötiges Plastik etc. weitestgehend vermeiden
  • Müll trennen und wenn Möglichkeit gegeben, Lebensmittelabfälle selbst kompostieren oder zum Kompostieren wegbringen
  • Reinigungsmittel aller Art durch umweltfreundliche Produkte ersetzen
  • Bei Möbel, Textilien, Elektrogeräte etc. auf umwelt- und sozialgerechte Produktion achten (Aber Vorsicht: Hier wird am stärksten das sogenannte „Greenwashing“ praktiziert!)
  • Energie-sparend, Energie schonend leben
  • Kontrollierter Wasserverbrauch (Klassiker? Duschen statt baden), Wassersparventile nutzen

Nachhaltigkeit beim Thema Finanzen

Ein weitere Möglichkeit Einfluss auf eine nachhaltigere Zukunft zu nehmen, liegt im Bereich der Finanzen und um es zu spezifizieren: beim Thema Geldanlage und Investments. Klar, wer sich mit dem Thema Vermögensaufbau auseinandersetzt möchte in allererster Linie eins und zwar eine gute bis sehr gute Rendite für seine Investition generieren.

 

  • Warum also auch ein dieser Stelle ein wenig mehr Nachhaltigkeit ins Spiel bringen?
  • Warum in Aktien von Unternehmen investieren, die sich dem Thema ökologisch nachhaltig verschließen oder sich selbst und / oder ihre Produkte als „grün“ verkaufen?
  • Warum mittels Anleihen in Länder investieren, die den Raubbau an der Natur, Kinderarbeit, generell soziale Ungerechtigkeit etc. fördern oder zumindest dulden?
  • Warum generell Länder unterstützen, die sich dem Klima- und Umweltschutz verweigern oder aus bestehenden Abkommen aussteigen?

All dies sind Gedanken, die man sich als Anleger durch den Kopf gehen lassen sollte, wenn man bedenkt, dass an dem Spruch „Geld regiert die Welt“ durchaus etwas dran ist. Denn wenn kritische Branchen, Unternehmen, Regierungen etc. sukzessive vom Geldzufluss über die Kapitalmärkte abgeschnitten und deren Produkte / Services im alltäglichen boykottiert werden, so kann dies ebenfalls einen mehr als wertigen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit bedeuten.

Und um dies mal mit einer Zahl zu verdeutlichen: Allein im Jahr 2019 stieg das verwaltete Vermögen von Nachhaltigkeitsfonds in Deutschland in nur einem Jahr um knapp die Hälfte: von 44,7 auf 63,2 Milliarden Euro.

Das entsprach einem Anstieg von 18,5 Milliarden Euro innerhalb von 12 Monaten. Allein daraus lässt sich erkennen, dass nachhaltige Geldanlagen immer mehr ins Interesse der Anleger rücken.

Die Mär, das nachhaltige Geldanlagen zwar ein gutes Gewissen erzeugen, aber keine Rendite bringen, lässt sich ebenfalls widerlegen. Denn zahlreiche Marktanalysen zeigen, dass nachhaltige Geldanlagen m Vergleich zu klassischen Investments bei der Performance auf mittelfristige Sicht keinesfalls schlechter abschneiden. Auf lange Sicht dürfte hier die Performance „grüner“ Geldanlagen sogar besser sein als klassische Investments – allein aufgrund weiterer gesetzlicher Regelungen etc.

Schönes Beispiel für eine hervorragende Rendite auf Basis einer nachhaltigen Geldanlage stellt beispielweise Vividam dar. Dieser “grüne” RoboAdvisor hat auf Jahressicht eine deutliche bessere Rendite im Echtgeldtest von Brokervergleich erzielt als alle anderen Robo-Advisor, die größtenteils in klassisch , also nicht nachhaltig in ETFs investierten.

Übrigens: 5 Gründe, warum sich eine nachhaltige Geldanlage lohnt finden sie >> Hier <<

Weitere Anbieter, die sich unter dem Begriff einer Online-Vermögensverwaltung / Robo-Advisor dem Thema “Nachhaltige Investments” / Ímpact Investing” verschrieben haben, sind:

 

Auch andere Anbieter wie

 

etc. bieten mittlerweile nachhaltige Anlagestrategien an – jedoch nicht ausschließlich, sondern als Ergänzung zu herkömmlichen Anlagestrategien.

Das Fazit zum Thema Nachhaltigkeit

Was also bleibt abschließend zum Thema Nachhaltigkeit zu sagen? Zumindest mal soviel als das nun klar sein sollte, dass Nachhaltigkeit am besten mit einer Art Prisma vergleichbar ist – es gibt ziemlich viele Facetten. Aber vielleicht lässt sich Nachhaltigkeit auch eher mit einem notwendigen Verhalten beschreiben und zwar jenem, dass ein jeder durch ein ökologisch verantwortliches Handeln auf vielerlei Ebenen des Lebens einen wertigen Beitrag leisten kann.

Und wie es bei so vielen Entwicklungen der menschlichen Geschichte bewiesen wurde: Der Einzelne bewegt vielleicht wenig, er kann aber die Inspiration für viele andere sein, die es Ihm / ihr nachtun. Und genau darum geht es…..

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Markus G

Markus ist der “Kopf” des Teams. Ideengeber, Vermarkter, Redakteur und irgendwie an allem auf diesem Portal beteiligt. Ohne ihn würde es dieses Portal so nicht geben. Eine Idee – entstanden aus dem persönlichen Interesse an FinTech und nun langjähriger Erfahrungen in der Finanz-Szene. Zudem ist Markus Kolumnist auf zahlreichen Investment-Plattformen – vor allem im englischsprachigen Raum, aber u.a. auch auf Focus.de
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