Cominvest - ein Robo-Advisor Angebot, das bereits im Jahr 2017 gestartet ist und damit zu den etabliertesten Anbietern am deutschen Markt gehört. Doch wie ist es dem Roboadvisor seitdem ergangen? Diese und 9 weitere Fragen haben wir Produkt Manager Dr. Frank Silber gestellt. Im Folgenden das Cominvest Interview
09. September 2021 | Markus G.
Zuletzt aktualisiert am: 9. Oktober 2025
Interview mit Dr. Frank Silber, Produkt Manager / Product Owner Cominvest
Mit über acht Jahren Markterfahrung gehört das Roboadvisor-Angebot Cominvest der Comdirect Bank zu den Veteranen im deutschen Markt für digitale Vermögensverwaltung. Als einer der ersten bankgestützten Robo-Advisor profitierte Cominvest bereits seit 2017 von der etablierten Kundenbase und dem Vertrauen einer traditionellen Großbank – ein Startvorteil, der in der inzwischen hochkompetitiven Robo-Advisor-Landschaft von unschätzbarem Wert war.
Doch gerade die strategischen Anpassungen der letzten Jahre – von ursprünglich drei auf heute nur noch eine Angebotsvariante – werfen spannende Fragen zur Marktentwicklung und Kundenpräferenzen auf. In einer Zeit, in der neue Player mit KI-gesteuerten Ansätzen den Markt herausfordern und traditionelle Anbieter ihre Positionierung überdenken, haben wir Dr. Frank Silber zu einem Einblick hinter die Kulissen eingeladen.
Dr. Frank Silber, 49 Jahre, ist als Produktmanager in der Rolle des Product Owner für die digitale Vermögensverwaltung cominvest bei der comdirect Bank AG beschäftigt. In den letzten 18 Jahren beschäftigte sich der promovierte Volkswirt mit Fragen der Asset Allokation, dem quantitativen Management von Kapitalmarktrisiken und der Umsetzung von digitalen Angeboten in agil arbeitenden Unternehmen.
Herr Dr. Silber, das Robo-Advisor Angebot cominvest ist eines jener digitalen Kapitalanlage-Angebote, das mit am längsten am deutschen Roboadvisor Markt aktiv ist. Doch im Vergleich zu einigen ihrer Mitbewerber ist cominvest, was das Thema Marktkommunikation angeht, eher ein stiller Anbieter. Zeigt sich hier eine gewisse Behäbigkeit was die „Informationspolitik” angeht? Und wie zufrieden sind sie Stand heute mit der Entwicklung ihres Roboadvisor Angebotes?
Wir sind 2017 mit cominvest gestartet, haben das Angebot stetig weiterentwickelt und gehören heute zu den größten Anbietern am Markt. Das zeigt uns doch, dass wir Kunden, die bequem, günstig und professionell ihr Geld verwalten lassen möchten, eine attraktive Lösung bieten.
Unsere Kunden erhalten unmittelbar alle Informationen, die für ihre Geldanlage wichtig sind: sei es über den regelmäßigen Newsletter, den Strategiebrief oder auch bei Themen, die die Kunden ad-hoc bewegen. Und natürlich stehen wir mit zahlreichen Online-Plattformen und den Medien im Austausch. Eine „Behäbigkeit” kann ich hier überhaupt nicht erkennen.
Ursprünglich startete cominvest mit 3 verschiedenen Angebotsvarianten. Dann wurde hiervon recht schnell 1 Modul wieder eingestellt, womit 2 Module übrigblieben. Nun wurde auch das Modul mit der Beratungs-Option eingestellt. Was waren die Beweggründe hierfür?
Die Entscheidungen zu Anpassungen unseres cominvest Angebots orientieren sich allesamt an den Kundenbedürfnissen. Wir waren, wie gesagt, einer der ersten Anbieter von digitalen Anlagemodellen und Vermögensverwaltungen. Im Laufe der Jahre konnten wir hier viele Erfahrungen sammeln und das Angebot entsprechend an die Kundenbedürfnisse anpassen.
Die Variante, hinter der eine kostenlose Auswahlhilfe für ein eigenes Portfolio steht, entsprach nicht dem, was Kunden sich unter einem Robo-Advisor-Angebot vorstellten. Der Großteil der Kunden gibt am liebsten alles aus der Hand, um sich dann gar nicht mehr selbst drum kümmern zu müssen.
Zur Performance von cominvest: Sie haben den Corona-Crash Mitte bis Ende März 2020 gut überstanden. Am Ende des Jahres war die beliebteste Strategie „Wachstum” dann aber nur noch leicht im Plus. Was ist da passiert?
Hintergrund für diese Entwicklung war ein jeweils ungewöhnlich starker marktübergreifender Einbruch und dann ein starker Ausbruch an den Aktienmärkten. Im Jahr 2019 hat cominvest mehrfach die Spitzenplätze belegt und war zudem Rendite-/Risiko-Sieger.
Das aktive Risikomanagement stellte das Portfolio nach dem Einbruch vorsichtig auf. cominvest vergaß das Ausmaß des vorangegangenen Einbruchs nicht so schnell wie andere, sondern blieb mit der Aktienquote zurückhaltender. Der Algorithmus wird die Ereignisse des Jahres 2020 künftig berücksichtigen.
ETF-basierte Anlagestrategien werden oft von Anbietern geschlagen, die Direktinvestments in Aktien oder aktiv gemanagte Fonds einsetzen. Sind ETFs also doch nicht so toll? Was spricht aus Ihrer Expertensicht für den Einsatz von ETFs?
ETFs sind kostengünstig und strategietreu im Sinne des Index-Trackings. Zudem ermöglichen sie die direkte Umsetzung einer strategischen Allokation zum Beispiel über Märkte und Regionen sowie die Umsetzung einer dynamischen Portfolio- und Risikosteuerung. Diese Produkte sind nicht mehr wegzudenken und mittlerweile in einer Breite und Liquidität vertreten, die fast alle gängigen Assetklassen zugänglich macht.
Sie nutzen aktiv gemanagte Fonds, sofern sie die höheren Kosten in Form einer Überrendite kompensieren. Wann beziehungsweise in welchen Börsenphasen kommen bei Ihnen aktiv gemanagte Fonds zum Einsatz?
Der Einsatz von aktiven Fonds oder von ETFs richtet sich bei cominvest nicht nach Börsenphasen. Beide Produkte stehen bei uns in einem gegenseitigen Wettbewerb, so dass höhere Kosten immer im Vergleich zur Rendite berücksichtigt werden. Hier sind wir stets in der Optimierung und scheuen uns auch nicht, nach neuen Erkenntnissen die Anteile der ETFs oder aktiven Fonds zu verschieben.
Nachhaltigkeit ist ein Trendthema. Zahlreiche Mitbewerber haben mit entsprechend ausgerichteten Anlagestrategien reagiert. Cominvest hat bis dato keine rein nachhaltigen Anlagestrategien im Angebot. Warum nicht? Und ist in naher Zukunft etwas zu erwarten?
Das Thema Nachhaltigkeit in der Geldanlage ist ganz klar gesetzt – sowohl vonseiten der Kunden als auch vom Gesetzgeber. Ein Angebot für eine digitale Vermögensverwaltung bereitzustellen, liegt auch für uns auf der Hand. Allerdings haben wir bewusst die regulatorischen Veröffentlichungen abgewartet und Themen vorgezogen, die unseren Kunden noch wichtiger waren. Insofern warten Sie bitte einfach noch ab.
Ein heiß diskutiertes Thema ist die Offenlegungsverordnung. Wie stehen Sie generell zur Offenlegungsverordnung und wie stark wird die Umsetzung Ihre internen Abläufe beeinflussen?
Die Offenlegungspflicht zum 10.03.2021 hat uns im ersten Quartal dieses Jahres intensiv beschäftigt. Am Ende sind wir einen großen Schritt zu mehr Transparenz im nachhaltigen Investieren vorangekommen, und zwar im Sinne des Gesetzgebers und für den Anleger.
Die komplexen, zum Teil sehr abstrakten und sehr spezifischen regulatorischen Anforderungen müssen für den Kunden so umgesetzt werden, dass dieser sie selbst einordnen und verstehen kann. So sinnvoll diese im Einzelnen auch sind, so schwer sind sie auch in ihrer Gesamtheit umzusetzen und verständlich zu machen.
Mittlerweile tummeln sich mehr als 40 Anbieter am Markt. Auf der anderen Seite hat sich mit Moneyfarm einer der größten Anbieter aus dem deutschen Markt verabschiedet. Wie sehen Sie den deutschen Markt? Muss nicht zwangsläufig eine Marktkonsolidierung erfolgen?
Die Attraktivität des Angebots einer digitalen Vermögensverwaltung als eine bequeme, professionelle und kostengünstige Anlage ist nach wie vor da. Das Jahr 2020 war mit seiner hohen Marktvolatilität von anderen Anlagethemen dominiert. Mit Blick auf die nächsten Jahre bin ich aber nach wie vor zuversichtlich.
Insgesamt erwarte ich, dass rund 5 bis max. 10 Anbieter den Großteil der Robo-Assets verwalten werden, so dass der Robo-Markt ausreichend breit und bunt bleibt – was dem Kunden zu Gute kommt.
Wo sehen Sie sich mit dem Angebot Cominvest in den nächsten 2-3 Jahren? Was ist aus Ihrer Sicht notwendig, um dauerhaft bestehen zu können?
Ich glaube, dass wir in den nächsten 3 Jahren auf der Anbieterseite einige technologische Disruptionen erleben werden, die den einen oder anderen Anbieter abhängen werden. Ich denke hier zum Beispiel an Cloud-Technologien, an die Integration neuer Märkte und Produkte, aber auch an die Blockchain, an Tokens und Wallets.
Eines wird hier ganz entscheidend sein: Selbst bei tech-affinen Anlegern müssen technologische Innovationen so kommuniziert werden, dass ihr Nutzen sofort erkannt wird. Das heißt vor allem bequem, einfach, renditestark und – im technologischen Sinne – sicher.
Was wollten Sie schon immer über den deutschen Roboadvisor Markt „loswerden”, sind aber noch nie mit einer entsprechenden Frage „konfrontiert” worden?
Das Interesse am Robo-Markt ist so groß, dass eigentlich schon jede Frage gestellt wurde. Aber eines würde ich doch gerne noch sagen: Viele Verbraucher schauen sich vor der Entscheidung zu einem Robo-Advisor Vergleiche und Tests an, was auch richtig ist.
cominvest beispielsweise verfolgt den Ansatz der dynamischen Portfoliosteuerung, der für die aktive Steuerung der Volatilität entsprechend des gewünschten Risikos des Kunden sorgt. Dieser Ansatz kann nicht eins zu eins mit einem statischen Portfolio-Ansatz verglichen werden.
Anleger sollten bei Tests und Vergleichen grundsätzlich auch genau darauf achten, welches die Kriterien sind, die besonders stark ins Gewicht fallen und so das Testergebnis bestimmen. Sie sollten prüfen, ob der Test das seriös bewertet, was ihnen selbst am wichtigsten ist.
Herr Dr. Silber, wir danken Ihnen vielmals für das aufschlussreiche Interview.
Interview geführt im Rahmen der Serie „10 Fragen an…” zur digitalen Vermögensverwaltung in Deutschland. Alle Angaben entsprechen dem Stand zum Zeitpunkt des Interviews und ohne Gewähr.
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