Markus G
Zuletzt aktualisiert am: 2. Juni 2026
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Volatilität (auch Schwankungsbreite) bezeichnet das statistische Maß für die Intensität von Kursschwankungen eines Wertpapiers oder Index in einem bestimmten Zeitraum. Sie wird als Standardabweichung (σ) der Renditen berechnet und in Prozent pro Jahr angegeben. Hohe Volatilität bedeutet starke Kursschwankungen und erhöhtes Risiko – niedrige Volatilität signalisiert relative Kursstabilität.
Am 16. März 2020 verlor der DAX innerhalb eines einzigen Handelstages 12,2 % seines Wertes – der größte Tagesverlust seit dem Schwarzen Montag 1987. Wer sein Depot an diesem Morgen öffnete, sah innerhalb von Stunden einen fünfstelligen Verlust. Die Ursache: die Corona-Pandemie traf auf völlig unvorbereitete Märkte. Was danach folgte, war ein Lehrbuchbeispiel extremer Volatilität: In den nächsten Wochen schwankte der DAX täglich um 5–10 % – mal nach oben, mal nach unten. Gleichzeitig schoss der VDAX – das deutsche Äquivalent zum amerikanischen VIX – auf einen historischen Rekordwert von 93 Punkten.
Genau diese Schwankungsbreite – also wie stark und schnell sich Kurse auf und ab bewegen – beschreibt der Begriff Volatilität. Für Anleger ist sie das wichtigste Risikomaß überhaupt: Wer versteht, was Volatilität ist, wie sie gemessen wird und wie man mit ihr umgeht, trifft bessere Anlageentscheidungen und vermeidet die häufigste Anlegerfalle – Panic Selling in der Krise.
Dabei ist Schwankungsbreite kein Feind, den man besiegen muss – sie ist eine normale, unvermeidliche Eigenschaft jedes Kapitalmarkts. Wer das verinnerlicht, kann Volatilitätsphasen nicht nur aushalten, sondern strategisch nutzen. Robo-Advisor wie Scalable Capital, Quirion oder Whitebox messen und steuern die Volatilität ihrer Kundenportfolios automatisiert – genau nach den Prinzipien, die dieser Ratgeber erklärt.
Dieser Ratgeber (Stand Februar 2026) erklärt: Was Volatilität und Schwankungsbreite bedeuten, wie sie berechnet werden, was VIX und VDAX aussagen, welche Faktoren Kursschwankungen beeinflussen – und wie Sie als Anleger rational damit umgehen.
Volatilität bezeichnet in der Finanzmarktanalyse das statistische Maß für die Schwankungsintensität von Wertpapier- oder Indexkursen innerhalb eines definierten Zeitraums. Der Begriff leitet sich vom lateinischen „volatilis” (fliegend, flüchtig) ab. Im deutschen Sprachgebrauch werden Volatilität und Schwankungsbreite synonym verwendet – beide beschreiben dasselbe Konzept.
Als statistische Kennzahl quantifiziert die Volatilität die Streuung von Renditen um deren Mittelwert und wird üblicherweise als Standardabweichung (σ, Sigma) der logarithmierten Renditen berechnet und in Prozent pro Jahr ausgedrückt.

Niedrige vs. hohe Volatilität / Schwankungsbreite im Zeitverlauf: ruhige Marktphasen (links) vs. turbulente Phasen mit starken Kursschwankungen (rechts)
Die Volatilität als zentrales Risikomaß hat ihre theoretische Verankerung in der modernen Portfoliotheorie von Harry Markowitz (1952), der die Standardabweichung als primäres Risikomaß im Rahmen der Mean-Variance-Optimierung etablierte. Sie bildet die Grundlage für risikoadjustierte Performancekennzahlen wie die Sharpe Ratio (Rendite geteilt durch Volatilität).
Ein wichtiger Befund der Forschung: Volatilität ist keine konstante Größe, sondern zeitvariabel. Phasen hoher Schwankungsbreite folgen typischerweise auf weitere Phasen hoher Schwankungsbreite – man spricht von Volatility Clustering. Umgekehrt gilt: Ruhige Marktphasen persistieren ebenfalls. Dies erklärt, warum Krisen selten von einem einzigen Crash-Tag abgelöst werden, sondern eine anhaltend turbulente Phase erzeugen.
Weitere empirisch nachgewiesene Muster der Schwankungsbreite: eine systematisch negative Korrelation zwischen Aktienrenditen und Volatilitätsänderungen (Leverage-Effekt – Kursverluste erzeugen mehr Angst als gleich große Gewinne), sowie Mean Reversion: Nach Extremphasen kehrt die Volatilität langfristig zu ihrem historischen Durchschnitt zurück.
Aktienindizes (annualisierte Schwankungsbreite):
Anleihen (deutlich niedrigere Volatilität):
Einzelaktien (höher als Indizes durch fehlende Diversifikation):
In der Finanzanalyse werden zwei grundlegende Arten der Volatilität unterschieden, die sich in Datenbasis, Berechnungsmethodik und Anwendungszweck unterscheiden. Die Wahl des geeigneten Maßes hängt davon ab, ob man das vergangene Risiko messen oder das zukünftige Risiko abschätzen will.
Die historische Volatilität (HV) quantifiziert die tatsächlich realisierten Kursschwankungen der Vergangenheit. Sie wird als Standardabweichung der logarithmierten Renditen über einen definierten Zeitraum berechnet – typischerweise 30, 60, 90 oder 252 Handelstage. Die historische Schwankungsbreite ist der Blick in den Rückspiegel: sie zeigt, wie stark ein Wertpapier in der Vergangenheit geschwankt hat.
Die implizite Volatilität (IV) ist zukunftsgerichtet: Sie extrahiert die vom Markt erwartete zukünftige Schwankungsbreite aus den aktuellen Preisen von Optionen. Steigt die implizite Volatilität, bedeutet das: Marktteilnehmer rechnen mit stärkeren Kursschwankungen in der Zukunft – und zahlen entsprechend mehr für Absicherung (Optionen). Empirische Studien zeigen, dass die implizite Schwankungsbreite ein besserer Prädiktor für zukünftige Volatilität ist als die historische – allerdings überschätzt sie diese systematisch (Volatility Risk Premium).
Der CBOE Volatility Index (VIX) ist das weltweit bekannteste Maß für implizite Volatilität. Er misst die erwartete 30-Tage-Schwankungsbreite des S&P 500 basierend auf einem Portfolio von SPX-Optionen und wird deshalb auch als „Angstbarometer” oder „Angstindex” der Märkte bezeichnet. Ein hoher VIX signalisiert: Anleger fürchten starke Kurseinbrüche. Ein niedriger VIX zeigt Sorglosigkeit oder Stabilität.
| VIX-Level | Interpretation | Typische Marktlage |
|---|---|---|
| VIX < 12 | Extrem niedrig | Starker Bullenmarkt, kaum Risikowahrnehmung |
| VIX 12–20 | Normal | Normaler Markt, moderates Risikoniveau |
| VIX 20–30 | Erhöht | Erhöhte Unsicherheit, moderate Korrektur |
| VIX 30–40 | Hoch | Deutliche Angst, Bärenmarkt-Phase |
| VIX > 40 | Extrem hoch | Schwere Krise, Panik (Finanzkrise 2008: 89,53 / COVID 2020: 82,69) |
Für deutsche und europäische Anleger sind neben dem VIX zwei weitere Volatilitätsindizes besonders relevant: der VDAX und der VSTOXX.
Der VDAX-NEW (WKN: A0DMX9) misst die implizite 30-Tage-Schwankungsbreite des DAX, berechnet auf Basis der an der Terminbörse Eurex gehandelten DAX-Optionen. Er wird von der Deutsche Börse AG veröffentlicht und ist das direkte deutsche Pendant zum amerikanischen VIX.
Historische VDAX-Extremwerte:
Der VSTOXX misst die implizite Schwankungsbreite des EURO STOXX 50 und bildet damit die Risikowahrnehmung für den gesamteuropäischen Markt ab. Er wird ebenfalls auf Basis von Eurex-Optionen berechnet und ist für Anleger relevant, die breiter in europäische Aktien investiert sind. Normalniveau: 18–25 Punkte.
Praktischer Hinweis: VDAX und VSTOXX sind typischerweise etwas höher als der VIX – europäische Märkte gelten als strukturell volatiler als der US-Markt, da der DAX stärker von zyklischen Industrie- und Exportwerten geprägt ist.
Die Schwankungsbreite kann auf verschiedenen Zeitebenen gemessen werden. Die tägliche Volatilität ist für kurzfristige Handelsstrategien relevant; die wöchentliche reduziert kurzfristiges Rauschen; die monatliche bietet eine geglättete Perspektive auf längere Schwankungsmuster. Die Umrechnung zwischen Zeiträumen erfolgt mittels Skalierungsfaktoren: Tagesvolatilität × √252 = Jahresvolatilität; Monatsvolatilität × √12 = Jahresvolatilität.
Die gängigste Methode zur Berechnung der historischen Schwankungsbreite ist die Standardabweichung der logarithmierten Renditen. Das klingt komplizierter als es ist – die folgende Schritt-für-Schritt-Erklärung macht den Rechenweg nachvollziehbar.
σ = √[Σ(rᵢ – μ)² / (n–1)] × √252
wobei: rᵢ = ln(Pᵢ / Pᵢ₋₁) | μ = Mittelwert der Log-Returns | n = Anzahl Beobachtungen | √252 = Annualisierungsfaktor

Berechnung der historischen Volatilität / Schwankungsbreite anhand eines Beispiels mit Tagespreisen und Schritt-für-Schritt-Rechnung
Der Beta-Koeffizient (β) misst die relative Schwankungsbreite eines Wertpapiers im Verhältnis zu einem Referenzindex (z.B. DAX oder S&P 500). Er quantifiziert damit das systematische Risiko: Wie stark bewegt sich eine Aktie, wenn der Gesamtmarkt um 1 % schwankt?
Formel: β = Cov(Rᵢ, Rₘ) / Var(Rₘ)
Die Schwankungsbreite von Wertpapieren unterliegt dem Einfluss verschiedener Faktoren. Für Anleger ist es wichtig zu verstehen, wann und warum Volatilität ansteigt – um nicht überrascht zu werden und rational zu reagieren.
Wahlen, geopolitische Spannungen, Handelskonflikte oder unerwartete politische Entscheidungen erhöhen die Unsicherheit über zukünftige Rahmenbedingungen und treiben typischerweise die Schwankungsbreite nach oben. Beispiele: Brexit-Abstimmung 2016 (FTSE 100: –8 % an einem Tag), Ukraine-Krieg Februar 2022 (DAX: –4 % am ersten Handelstag).
Überraschende Veröffentlichungen von Inflationsdaten, Arbeitsmarktzahlen oder BIP-Zahlen erzeugen kurzfristige Volatilitätsspitzen. Besonders wirkungsstark sind Leitzinsentscheidungen der EZB oder Fed: Weicht die Entscheidung von den Markterwartungen ab, reagieren Aktien- und Anleihemärkte mit sofortiger erhöhter Schwankungsbreite.
Quartalsergebnisse, Gewinnwarnungen, Fusionen, Übernahmen oder Managementwechsel beeinflussen die idiosynkratische Schwankungsbreite einzelner Aktien stark. Enttäuschende Quartalsergebnisse großer Technologieunternehmen können kurzfristig zu Schwankungen von 15–25 % an einem einzigen Handelstag führen.
Die aggregierte Risikobereitschaft der Marktteilnehmer beeinflusst das Volatilitätsniveau systematisch. In Risk-Off-Phasen (Kapitalflucht in sichere Anlagen) steigt die Schwankungsbreite aller Risikoanlagen. In Risk-On-Phasen sinkt sie. Diese Muster sind messbar – etwa im VIX oder VDAX oder im Spread zwischen High-Yield und Investment-Grade-Anleihen.
Hohe Marktliquidität dämpft die Schwankungsbreite: Große Transaktionsvolumina können ohne signifikante Kursbewegungen ausgeführt werden. Liquiditätsengpässe – typisch in Krisen oder bei Nebenwerten – amplifizieren Kursbewegungen und erhöhen die gemessene Volatilität erheblich. Dies erklärt, warum Small-Cap-Aktien strukturell höhere Schwankungsbreiten aufweisen als Large Caps.
Ein oft übersehener Zusammenhang: Hohe Schwankungsbreite schadet langfristig der Rendite – auch wenn die durchschnittliche jährliche Rendite identisch aussieht. Der Grund liegt in der Mathematik des Zinseszinseffekts.
Ein Verlust von 50 % erfordert einen anschließenden Gewinn von 100 %, um wieder auf Null zu kommen. Das nennt man Volatility Drag oder Variance Drain. Die geometrische Langfristrendite (was wirklich im Depot ankommt) ist immer niedriger als die arithmetische Durchschnittsrendite – und zwar umso stärker, je höher die Schwankungsbreite ist.
Beispiel Portfolio A (niedrige Schwankungsbreite): 8 % Ø-Rendite, 10 % Volatilität → 7,5 % geometrisch → 100.000 € wachsen in 30 Jahren auf 818.000 €
Beispiel Portfolio B (hohe Schwankungsbreite): 10 % Ø-Rendite, 25 % Volatilität → 6,875 % geometrisch → 100.000 € wachsen in 30 Jahren auf 713.000 €
Ergebnis: Portfolio A endet mit 105.000 € mehr – obwohl es 2 Prozentpunkte niedrigere Durchschnittsrendite hatte. Das ist der konkrete Preis hoher Schwankungsbreite über 30 Jahre.
Das Konzept des Volatility Drag erklärt, warum Diversifikation langfristig so wirkungsvoll ist: Wer die Schwankungsbreite seines Portfolios durch breite Streuung reduziert, verbessert die tatsächlich realisierte Langfristrendite – auch ohne die Durchschnittsrendite zu erhöhen.
Die klassische Finanztheorie besagt: Mehr Risiko (= höhere Volatilität) wird mit mehr Rendite entlohnt. Doch die empirische Kapitalmarktforschung hat eine überraschende Ausnahme entdeckt – die sogenannte Low-Volatility-Anomalie.
Definition: Aktien mit niedrigerer Schwankungsbreite erzielen langfristig ähnliche oder sogar höhere risikoadjustierte Renditen als Aktien mit hoher Volatilität. Das widerspricht dem klassischen Capital Asset Pricing Model (CAPM), das einen linearen Zusammenhang zwischen Beta und erwarteter Rendite postuliert.
Die Low-Volatility-Anomalie wurde erstmals systematisch von Ang, Hodrick, Xing und Zhang (2006) im Journal of Finance dokumentiert: Aktien mit hoher idiosynkratischer Schwankungsbreite erzielten über Jahrzehnte niedrigere Renditen als Aktien mit niedriger Volatilität – das genaue Gegenteil der CAPM-Vorhersage.
Baker, Bradley und Wurgler (2011) bestätigten die Anomalie global: Im Zeitraum 1968–2008 erzielten die schwankungsärmsten US-Aktien kumuliert deutlich mehr als die schwankungsreichsten – bei deutlich niedrigerem Risiko.
Mehrere verhaltensökonomische und strukturelle Faktoren erklären das Fortbestehen der Anomalie:
Die Low-Volatility-Anomalie lässt sich durch Minimum-Volatility-ETFs oder Low-Volatility-ETFs systematisch nutzen. Diese investieren in Aktien und Portfoliokombinationen mit der geringsten historischen Schwankungsbreite innerhalb eines Index:
Low-Volatility-Strategien underperformen in starken Bullenmärkten typischerweise erheblich. Wer 2019–2021 auf Minimum-Volatility-ETFs setzte, blieb deutlich hinter dem MSCI World zurück. Die Stärke dieser Strategie liegt im Bärenmarkt-Schutz und der langfristigen geometrischen Rendite – nicht in der Kurz- oder Mittelfristperformance.
Hohe Schwankungsbreite ist keine Fehlfunktion des Marktes – sie ist sein normaler Betriebszustand. Wer das versteht und die richtigen Strategien anwendet, kann Volatilitätsphasen nicht nur aushalten, sondern für sich nutzen.
DALBAR-Studien zeigen konsistent: Der durchschnittliche Privatanleger erzielt deutlich schlechtere Renditen als der Index – weil er in Hochphasen kauft und in Crashphasen verkauft. Wer beim Corona-Crash im März 2020 verkaufte, verpasste die vollständige Erholung bis August 2020. Volatilität schadet nur dann dauerhaft, wenn man ihr durch Verkäufe nachgibt.
VIX-ETFs und VIX-ETNs sind für Privatanleger nicht geeignet. Sie erleiden in normalen Marktphasen kontinuierliche Werterosion durch Roll-Yield-Verluste (sog. Contango-Problem) und verlieren typischerweise 30–50 % p.a. im Normalmarkt. Diese Produkte sind ausschließlich für sehr kurzfristige, institutionelle Taktik-Trades gedacht. Für Privatanleger gilt: Finger weg.
Volatilität und Schwankungsbreite sind kein Feind – sie sind das Fundament, auf dem Anlagerenditen entstehen. Wer kein Risiko eingeht, erzielt langfristig keine Rendite. Wer aber zu viel Schwankungsbreite eingeht, ohne sie aushalten zu können, verkauft in der Krise und vernichtet damit dauerhaft Kapital.
Die wichtigste Erkenntnis: Volatilität ist zeitlich begrenzt – Verluste durch Panic Selling sind es nicht. Ein DAX-Investor, der beim Corona-Crash im März 2020 die Nerven behielt (VDAX bei 93), stand bereits fünf Monate später wieder im Plus. Ein Investor, der in der Panik verkaufte, realisierte den Verlust dauerhaft.
Das richtige Werkzeug gegen übermäßige Schwankungsbreite ist konsequente Diversifikation – kombiniert mit einem langen Anlagehorizont, regelmäßigem Rebalancing und der Disziplin, die eigene Anlagestrategie auch in turbulenten Phasen beizubehalten. Für Anleger mit explizitem Wunsch nach niedrigerer Portfolioschwankung können Low-Volatility-ETFs eine sinnvolle Ergänzung sein. Genau das setzen moderne Robo-Advisor für ihre Kunden automatisiert um.
Dieser Ratgeber basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der Finanzmarktforschung. Alle Quellenangaben wurden mit Stand Q4 2025 / Q1 2026 verifiziert.
[1] Engle, Robert F. (1982): „Autoregressive Conditional Heteroscedasticity with Estimates of the Variance of United Kingdom Inflation”, Econometrica, Vol. 50, No. 4, S. 987–1007
https://doi.org/10.2307/1912773
[2] French, Kenneth R.; Schwert, G. William; Stambaugh, Robert F. (1987): „Expected Stock Returns and Volatility”, Journal of Financial Economics, Vol. 19, No. 1, S. 3–29
https://doi.org/10.1016/0304-405X(87)90026-2
[3] Black, Fischer; Scholes, Myron (1973): „The Pricing of Options and Corporate Liabilities”, Journal of Political Economy, Vol. 81, No. 3, S. 637–654
https://doi.org/10.1086/260062
[4] Markowitz, Harry M. (1952): „Portfolio Selection”, The Journal of Finance, 7(1), 77–91
https://www.jstor.org/stable/2975974
[5] Ang, A.; Hodrick, R. J.; Xing, Y.; Zhang, X. (2006): „The Cross-Section of Volatility and Expected Returns”, The Journal of Finance, 61(1), 259–299
https://doi.org/10.1111/j.1540-6261.2006.00836.x
Alle Quellenangaben verweisen auf peer-reviewed wissenschaftliche Publikationen. Dieser Ratgeber dient ausschließlich der Information und Bildung und stellt keine Anlageberatung dar.
Volatilität und Schwankungsbreite bezeichnen dasselbe: das Ausmaß, in dem ein Aktienkurs innerhalb eines bestimmten Zeitraums nach oben und unten schwankt. Sie wird als Standardabweichung der Renditen berechnet und in Prozent pro Jahr angegeben. Praxisbeispiel: Eine Aktie mit 30 % Volatilität schwankt in etwa zwei Dritteln aller Jahre innerhalb einer Bandbreite von ±30 % um ihre erwartete Rendite.
Die historische Volatilität misst die tatsächliche Schwankungsbreite der Vergangenheit anhand echter Kursdaten. Die implizite Volatilität wird aus aktuellen Optionspreisen abgeleitet und reflektiert die vom Markt erwartete zukünftige Schwankungsbreite. Implizite Volatilität ist zukunftsorientiert und gilt als besserer Prädiktor – überschätzt die zukünftige Schwankungsbreite aber systematisch (Volatility Risk Premium).
Der VIX (CBOE Volatility Index) misst die implizite 30-Tage-Schwankungsbreite des S&P 500 und gilt als „Angstbarometer” der Märkte: Ein hoher VIX-Wert bedeutet, dass Anleger mit starken Kursschwankungen rechnen. VIX unter 12 = extrem niedrige Risikowahrnehmung; VIX 12–20 = normale Schwankungsbreite; VIX über 30 = erhöhte Angst; VIX über 40 = Krisenmodus (Finanzkrise 2008: 89,53 / COVID-Crash 2020: 82,69).
Der VDAX-NEW (WKN: A0DMX9) ist das deutsche Äquivalent zum amerikanischen VIX. Er misst die implizite 30-Tage-Schwankungsbreite des DAX auf Basis von Eurex-DAX-Optionen und wird von der Deutsche Börse AG veröffentlicht. Typisches Normalniveau: 15–25 Punkte. Historischer Rekord: ~93 Punkte im März 2020 (COVID-Crash). Der VDAX ist für deutsche Anleger relevanter als der VIX, da er die Risikostimmung am heimischen Markt direkt abbildet. Abrufbar über finanzen.net oder onvista.de.
Weder noch – Schwankungsbreite ist ein neutrales Maß für Risiko. Für langfristige Anleger mit ausreichendem Zeithorizont ist hohe Volatilität weniger problematisch, da kurzfristige Schwankungen über mehrere Marktzyklen ausgeglichen werden. Problematisch wird sie, wenn Anleger in Panik verkaufen und aus temporären Buchverlusten dauerhafte Verluste machen. Für erfahrene Anleger bieten Phasen hoher Schwankungsbreite sogar günstige Einstiegschancen.
Die wirkungsvollsten Methoden: (1) Diversifikation über Anlageklassen, Sektoren und Regionen – ein 60/40-Portfolio (Aktien/Anleihen) hat historisch rund 40 % niedrigere Schwankungsbreite als ein reines Aktienportfolio. (2) Beimischung schwankungsarmer Assets wie Anleihen, Gold oder Geldmarktfonds. (3) Low-Volatility-ETFs als strukturellen Baustein einsetzen. (4) Langen Anlagehorizont einhalten – über 15+ Jahre hat die annualisierte Schwankungsbreite historisch kaum noch Bedeutung für den langfristigen Anlageerfolg.
Höhere Schwankungsbreite wird an den Kapitalmärkten langfristig mit höheren erwarteten Renditen entlohnt – das ist die Equity Risk Premium. Jedoch schadet hohe Volatilität der tatsächlich realisierten Langfristrendite durch den Volatility Drag: Die geometrische Rendite (was im Depot ankommt) ist immer geringer als die arithmetische Durchschnittsrendite, und der Unterschied wächst mit der Volatilität. Ein Portfolio mit niedrigerer Schwankungsbreite kann deshalb nach 30 Jahren trotz niedrigerer Durchschnittsrendite mehr Endvermögen erzielen.
Die Low-Volatility-Anomalie bezeichnet den empirisch belegten Befund, dass Aktien mit niedrigerer Schwankungsbreite langfristig ähnliche oder sogar bessere risikoadjustierte Renditen erzielen als hochvolatile Aktien – entgegen der Vorhersage des klassischen CAPM. Sie lässt sich durch verhaltensökonomische Faktoren (Lotterie-Effekt, Benchmark-Zwang) erklären und kann durch Minimum-Volatility-ETFs wie den iShares Edge MSCI World Minimum Volatility systematisch genutzt werden.
Moderne Robo-Advisor wie Scalable Capital, Whitebox oder Quirion messen die Portfoliovolatilität kontinuierlich und passen die Asset-Allokation automatisch an ein definiertes Risikobudget an. Scalable Capital beispielsweise nutzt ein Value-at-Risk-Modell (VaR): Überschreitet die erwartete Volatilität eine bestimmte Schwelle, wird der Aktienanteil automatisch reduziert. So wird die Schwankungsbreite des Portfolios dauerhaft innerhalb eines für den Anleger akzeptablen Bereichs gehalten – ohne manuelle Eingriffe.
Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Rechtsberatung dar. Kapitalanlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des Totalverlusts des eingesetzten Kapitals. Volatilität und Schwankungsbreite sind statistische Risikomaße – vergangene Schwankungsmuster sind keine Garantie für zukünftige Entwicklungen. Anlageentscheidungen sollten auf Basis der individuellen finanziellen Situation und nach Konsultation eines qualifizierten Finanzberaters getroffen werden.
Berechnen Sie die Standardabweichung und Volatilität Ihrer Anlagen
Volatilität ist ein Maß für die Schwankungsintensität eines Vermögenswertes. Sie wird durch die Standardabweichung der Renditen ausgedrückt und hilft Anlegern, das Risiko ihrer Investments zu beurteilen. Eine hohe Volatilität bedeutet starke Kursschwankungen – sowohl nach oben als auch nach unten.
So benutzen Sie den Rechner:
Hinweis: Die historische Volatilität ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Schwankungen, gibt aber wichtige Orientierungswerte für das Risikomanagement.
Einen Renditewert pro Zeile eingeben (Dezimaltrenner: Punkt oder Komma)
Risikohinweis: Alle Berechnungen dienen ausschließlich der Information und stellen keine Anlageberatung dar. Historische Volatilität ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Kursschwankungen. Für Anlageentscheidungen konsultieren Sie bitte einen zugelassenen Finanzberater.
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Zuletzt aktualisiert am 2. Juni 2026 by Redaktion
1 Kommentar
Der Ratgeber erklärt komplexe Zusammenhänge der Volatilität an den Finanzmärkten auf eine verständliche und praxisnahe Art, die mir als Privatanleger wirklich weitergeholfen hat. Besonders wertvoll fand ich die konkreten Beispiele und Handlungsempfehlungen, wie man Volatilität für seine Anlagestrategie nutzen kann.