Interview mit VisualVest

Im Gespräch mit Dr. Olaf Zeitnitz / CEO VisualVest

VisualVest - der Robo-Advisor der Union Investment ist eines der bekanntesten digitalen Kapitalanlage-Angebote in Deutschland. Und bietet als Einziger neben klassischen Anlage-Portfolios auch nachhaltige Anlagestrategien an. Warum das Thema "Nachhaltiges Investment" beim Robo-Advisor Angebot von VisualVest eine wichtige Rolle spielt und weitere Fragen beantwortet uns Dr. Olaf Zeitnitz, aktueller CEO in unserem Visualvest Interview

05. Oktober 2017 | Oliver S

Robo-Advisor, also in erster Linie Online-Vermögensverwaltungen, sind in Deutschland unter den Anlegern bisher nicht besonders bekannt. Hierzulande stehen die interessanten Angebote der Robo-Advisor wie VisualVest noch am Anfang, auch wenn es mittlerweile über zehn Anbieter am Markt gibt. Unter den Finanzdienstleistern existieren teilweise gravierende Unterschiede, die sich auf das Gesamtangebot oder einzelnen Konditionen beziehen.

Manche Robo-Advisor haben aktuell noch ein Alleinstellungsmerkmal, wie zum Beispiel VisualVest mit seinen GreenFolios. So bietet das Unternehmen bisher als einziger Robo-Advisor die Möglichkeit einer nachhaltigen Geldanlage an. Um zu erfahren, wie lange dieses Alleinstellungsmerkmal nach Meinung von VisualVest noch vorhanden sein wird sowie Antworten auf weitere interessante Fragen zu erhalten, haben wir ein ausführliches Interview mit dem CEO von VisualVest, Dr. Olaf Zeitnitz, geführt.

VisualVest Interview: Herr Dr. Olaf Zeitnitz, CEO VisualVest

1.) Herr Dr. Zeitnitz, VisualVest bietet seine Standardportfolios in drei unterschiedlichen Ausführungen an, nämlich VestFolios mit ETFs, VestFolios mit aktiv verwalteten Fonds sowie GreenFolios. Für welchen Anlegertyp sind Ihrer Meinung nach welche dieser Portfolios am besten geeignet?

Wer auf eine nachhaltige Lebensweise Wert legt, ist mit unseren GreenFolios gut beraten, da nur in Unternehmen und Staaten investiert wird, die soziale, ökologische und ethische Kriterien erfüllen. Ob ein Portfolio aus ETFs oder eines aus aktiv verwalteten Fonds besser passt, kommt auf die Präferenz des Anlegers an. ETFs haben das Ziel, einen Index möglichst genau abzubilden. Ein aktives Eingreifen eines Fondsmanagers findet hier nicht statt. Dadurch sind ETFs günstiger, nehmen jedoch auch jede Bewegung des Index an der Börse ungebremst mit.

Aktiv verwaltete Fonds werden durch einen Fondsmanager aktiv gemanagt. Das führt zwar zu höheren Kosten als bei passiven ETFs, allerdings kann ein Fondsmanager auch jederzeit eingreifen und den Fonds bei Bedarf umschichten. Ein aktiver Fondsmanager versucht, besser abzuschneiden als der Index.

2.) VisualVest erwähnt auf seiner Webseite, dass sich das Unternehmen als hundertprozentige Tochter der Union Investment Gruppe von anderen Anbietern unterscheidet. Worin genau sehen Sie den Vorteil, der Anlegern aufgrund dieser Tatsache zugutekommt? Welche eventuellen Synergieeffekte gibt es, von denen Ihre Kunden direkt profitieren?

Wir kombinieren die jahrelange Erfahrung einer etablierten Fondsgesellschaft mit der Schnelligkeit, Einfachheit und Transparenz eines Start-ups. Dadurch bieten wir den Kunden ein großes Maß an Expertise und Sicherheit. In Finanzfragen ist dies sicher ein wesentliches Kriterium. 

Da wir durch die Union Investment auf das umfassende Angebot einer der größten Fondsplattformen zurückgreifen, sind wir in der Lage, Privatanlegern breit gestreute Portfolios aus einer im Online-Markt einzigartigen und breiten Auswahl an Fonds anzubieten.

Hierdurch können wir für unsere Portfolios genau solche Fonds auswählen, die unseren strengen Qualitätskriterien entsprechen. Auch können wir somit aus einem „Back up“ schöpfen, sollte ein Fonds aus irgendeinem Grund nicht mehr aufgelegt werden. VisualVest ist damit der einzige Anbieter, der Privatanlegern diese Vielfalt an Fonds bietet – und das anbieterunabhängig. 

Ein weiterer Vorteil ist, dass wir bei der Auswahl der Fonds, der Zusammensetzung der Portfolios und dem Monitoring der Performance eng mit den Experten des Portfoliomanagements der Union Investment zusammenarbeiten. Dadurch konnten wir ein großes Expertenteam mit fundiertem Wissen und jahrzehntelanger Erfahrung in diesem Bereich zusammenstellen.

Zudem ist unsere depotführende Bank die Union Investment Servicebank AG (USB), die die Depots und somit auch alle Wertpapiertransaktionen verwaltet.

Der Wissenstransfer findet dabei beidseitig statt: Bereits während des Aufbaus der VisualVest-Plattform flossen wertvolle Informationen aus unserer Marktforschung und Produktentwicklung zu den Banken der Genossenschaftlichen Finanzgruppe. Es geht dabei um eine zeitgemäße Art der Kundenansprache, komplett digitale Kundenreisen oder Prozesse einer agilen Vorgehensweise.

Seit Mitte des Jahres wird unsere Technologie als Whitelabel-Plattform ergänzend zur persönlichen Beratung in Volks- und Raiffeisen-Banken eingesetzt. Durch eine solche Hybrid-Lösung, also die Kombination von Vor-Ort-Beratung und Online-Technologie in Form von Robo Advice, erwarten wir einen zusätzlichen Aufschwung.

3.) Bei den Musterportfolios von VisualVest fällt auf, dass Rohstofffonds – insbesondere im Vergleich zu den Portfolios zahlreiche Mitbewerber – relativ stark gewichtet sind. Selbst im „defensiven Musterportfolio“ haben diese Rohstofffonds einen Anteil von immerhin 4,5 Prozent. Im „ausgewogenen Musterportfolio“ beträgt der Anteil sogar 20 Prozent, obwohl die Chance auf eine überdurchschnittliche Rendite bei dieser Portfolio-Variante nicht im Vordergrund steht. Was entgegnen Sie Anlegern, die einen vergleichsweise hohen Anteil an Rohstofffonds als zu riskant betrachten?

Aus unserer Sicht ist die Investition in Rohstoffe als eine von mehreren Anlageklassen im Rahmen unseres Multi-Asset-Ansatzes, der auf gut diversifizierten Risiko-Eigenschaften basiert, sinnvoll. Da die verschiedenen Anlageklassen auf externe Einflüsse unterschiedlich reagieren, können negative Entwicklungen einer Klasse mit positiven einer anderen ausgeglichen werden. 

Aus diesem Grund ist eine breite Diversifikation der Anlage wichtig: Je breiter eine Investition gestreut ist, desto geringer ist das Risiko von Wertverlusten. Rohstoffe entwickeln sich häufig unabhängig von anderen Anlageklassen.

Unsere Portfoliomanagement-Experten und die der Union Investment überprüfen kontinuierlich die Zusammensetzung unserer Portfolios und die Auswahl der enthaltenen Fonds. Falls sich die Bedingungen auf einem Markt verändern, passen unsere Experten die Allokation an und tauschen bei Bedarf einen Fonds aus. 

Derzeit legen wir dabei ein besonderes Augenmerk auf die Rohstofffonds. In der Vergangenheit war eine hohe Rohstoffquote durchaus sinnvoll – da wir nun veränderte Bedingungen an den Finanzmärkten vorfinden, haben wir kürzlich eine Re-Allokation durchgeführt. Den Rohstoffanteil in den VestFolios haben wir dabei reduziert und somit auf aktuelle Veränderungen im Markt reagiert.

4.) Mit seinen GreenFolios hat VisualVest aktuell im Bereich der digitalen Vermögensverwaltung noch ein Alleinstellungsmerkmal. Wie lange wird dies Ihrer Einschätzung nach noch so sein? Gehen Sie davon aus, dass in Kürze auch einige Mitbewerber „nachhaltiges Geld anlegen“ mittels der digitalen Vermögensverwaltung realisieren werden?

Das ist eine gute Frage. Auch, wenn nachhaltige Portfolios heute noch ein Alleinstellungsmerkmal von VisualVest sind, würden wir es begrüßen, wenn sich nachhaltige Geldanlagen weiter im Markt durchsetzen.

5.) Viele Sparer und Anleger können mit dem Begriff Robo-Advisor bisher nichts anfangen. Was tun sie im Bereich Marketing, um eine digitale Vermögensverwaltung wie VisualVest bei möglichst vielen Anlegern bekannter zu machen? Können Sie 2-3 konkrete Marketing-Maßnahmen nennen? Welche Rolle spielen dabei in Ihren Planungen externe Partner (beispielsweise Affiliates)?

Bei der digitalen Vermögensverwaltung handelt es sich um ein erklärungsbedürftiges Thema, das entsprechende Marketing-Maßnahmen bedarf. Unser Ziel ist es, komplexe Inhalte so zu vermitteln, dass sie jeder versteht und sich dabei nicht fühlt, als würde er in der Finanzwirtschafts-Vorlesung sitzen. Bevor Anleger eine Investitionsentscheidung treffen, beschäftigen sie sich in der Regel ausgiebig mit dem Thema.

Insbesondere die Bespielung von Portalen mit News-Charakter und die Zusammenarbeit mit Influencern wie Bloggern oder YouTubern haben sich für uns als erfolgreich erwiesen. Da wir eine online-affine Zielgruppe ansprechen, setzen wir für unsere Kommunikationsmaßnahmen auch vorwiegend auf Online-Kanäle.

6.) Welche Vorteile kann VisualVest seinen Kunden bieten, die in der Form nicht auch bei anderen digitalen Vermögensverwaltungen in Anspruch genommen werden können? Würden Sie uns bitte drei detaillierte Beispiele nennen?

Expertise und Unabhängigkeit: Durch unsere Zugehörigkeit zu Union Investment können wir auf jahrzehntelange Erfahrungen im Bereich Fondsinvestment zurückgreifen. Dieses Wissen steht Start-ups für gewöhnlich nicht zur Verfügung. Dadurch sind wir zudem unabhängig bei der Auswahl der Fonds, da wir über Union Investment auf eine der größten Fondsplattformen zugreifen können.

Wir beschränken uns somit nicht auf bestimmte Anbieter, sondern sind bei der Fonds-Auswahl komplett unabhängig und können somit solche Fonds für unsere Portfolios auswählen, die unsere strengen Qualitätskriterien erfüllen.

Nachhaltigkeit: Wir sind der einzige Anbieter, der Portfolios aus rein nachhaltigen Fonds im Angebot hat.

Transparenz: Die Wertentwicklung unserer Portfolios kann auf unserer Website jederzeit eingesehen werden. Zudem kann sich bei uns jeder ganz unverbindlich, kostenlos und ohne Eingabe persönlicher Daten eine zu seinen Anforderungen passende Anlagestrategie empfehlen lassen. Auch bieten wir Anlegern die Möglichkeit, ein Portfolio erst einmal zu speichern und dessen Entwicklung zu beobachten, bevor sie sich für eine Investition entscheiden.

7.) Haben Sie bereits Erfahrungen sammeln können, wie ein „typischer“ Kunde von VisualVest aussieht? Sind Ihre Kunden eher chancen- oder sicherheitsorientiert?

Einen typischen VisualVest Kunden gibt es so nicht. Wir haben Kunden aus allen Alters- und Risikoklassen. Was jedoch alle Kunden gemeinsam haben, ist die Online-Affinität und das Interesse an Investmentfonds. Außerdem erkennen wir, dass unsere Kunden regelmäßiges Sparen in monatlichen Raten in Form eines Fondssparplans bevorzugen.

8.) Nicht wenige Experten sind der Meinung, dass der Bereich digitale Vermögensverwaltung in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt und die Kosten im Vergleich zu den USA zu hoch sind. Wie wird sich der Markt der Robo-Advisor Ihrer Auffassung nach in den kommenden fünf Jahren entwickeln? Welche Ziele hat VisualVest in dem Zusammenhang?

Der Robo-Advisor-Markt steht in Deutschland noch am Anfang. Wir gehen davon aus, dass der Markt hinsichtlich Kunden und Anlagevolumen in den nächsten Jahren weiter wachsen wird, die Zahl der Robo Advisor jedoch nicht unbedingt ansteigen, sondern ggf. sogar fallen wird. Es werden neue Anbieter an den Start gehen, andere aus dem Markt austreten; M&As können sicher nicht ausgeschlossen werden. In den nächsten Jahren rechnen wir mit einem starken Wachstum an Kunden und Anlagevermögen.

Es ist allerdings nicht einfach, vorherzusagen, wie schnell das Anlagevolumen ansteigen wird, da dies auch von den Entwicklungen am Finanzmarkt und der Zinspolitik abhängt. In den USA haben Wealthfront und Betterment in einem größeren Markt einige Jahre gebraucht, um 4-5 Mrd. USD an Bestand zu erreichen. Unser Ziel ist es natürlich, in 5 Jahren in den Bereichen Anlagevermögen und Kunden zu den führenden Robo Advisors Deutschlands zu gehören.

9.) VisualVest bietet seinen Kunden ganz aktuell als erster Finanzdienstleister in Deutschland überhaupt mit dem Alexa Voice Service von Amazon die Möglichkeit an, per Sprachsteuerung Zugriff auf das eigene Depot zu erhalten. Worin sehen Sie darin im Detail den Vorteil gegenüber der „herkömmlichen“ Methode, die darin besteht, Depotbestand und Depotentwicklung per Smartphone oder am PC über Ihre Webseite abzufragen?

Mit der Bereitstellung des sprachgesteuerten Depot-Zugriffes haben unsere Kunden die Möglichkeit, ihre Geldanlage einfach in ihren Alltag zu integrieren. VisualVest Kunden können somit auf diejenige Weise auf ihre Daten zugreifen, die am bequemsten für sie ist: Über den Login-Bereich auf unserer Website, über die Smartphone-App oder jetzt auch einfach über Stimmabfrage mit Alexa.

Zu guter Letzt

Herr Dr. Zeitnitz, Vielen Dank für das interessante und aufschlussreiche Interview.

Zur Person Olaf Zeitnitz

Olaf Zeitnitz ist einer der Gründer von VisualVest. Er hat an den Unis Karlsruhe und Mainz studiert und 1995 an der Uni Mainz in Hochenergiephysik promoviert. Er hat zusätzlich einen BWL Abschluss an der FernUni Hagen erworben.

Seine berufliche Karriere begann er als Projektleiter bei der SGZ-Bank in verschiedenen Bereichen. Im Jahr 1999 wurde er Abteilungsleiter “Electronic Banking” und war in dieser Funktion unter anderem maßgeblich am europäischen VISA Pilotprojekt „SET“, zur sicheren Bezahlung mit Kreditkarten im Internet, beteiligt.  Von 2006-2016 war er einer der Geschäftsführer der Union IT Services GmbH – UIT.

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Oliver S.

Oliver ist der Journalist im Team. Ausgebildeter Banker (Hypo Vereinsbank), hat hohes Maß an spezifischem Finanzwissen und ist einer der bekanntesten Schreiberlinge in der Finanz-Szene. Oliver hat so unter anderem auch für die Huffington Post geschrieben. Zudem ist er bis heute auch als Redakteur für FTD.de (ex Financial Times Deutschland) tätig. Also eine echte Bereicherung für das Team. Kümmert sich hier um alles, was mit dem Thema Finanzwissen, Interviews und News zu tun hat. Oliver ist verheiratet, hat Kinder und lebt in Nordrhein-Westfalen.
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