Interview mit Inno Invest

Im Gespräch mit Herbert Schmitt / Geschäftsführer Inno Invest

Inno Invest - ein interessantes Robo-Advisor Angebot, das trotz seiner mehrjährigen Existenz am Markt, kaum bekannt ist. Warum eigentlich? Eine Frage, die wir Herbert Schmitt neben 9 weiteren Fragen in einem Interview stellen konnten.

28. Juni 2021 | Markus G.

Inno Invest – ein Roboadvisor Angebot, dass bereits in seiner Bezeichnung erkennen lässt, was im Zentrum des digitalen kapitalanlage-Angbeotes steht, nämlich innovativ zu sein. Und in der tat, Inno Invest ist innovativ und vor allem “anders”. Denn so manches Merkmal, von dem man als Anleger glauben könnte, das es von einem Roboadvisor Angebot zu erwarten sei, existiert bei Inno Invest nicht oder wird schlicht “anders” interpretiert. Das fängt beim Thema Kosten an, die erst ab einem bestimmten Depotvolumen erhoben wird, einem etwas anderen “Onboarding-Prozess” bis hin zu dem Punkt, dass Anleger im Grunde selbst entscheiden können, in welche Strategien sie investieren wollen. 

Und exakt jene Punkte neben weiteren haben unser Interesse geweckt und uns dazu bewogen, den Geschäftsführer Herbert Schmitt um ein Interview gebeten, dem er auch umgehend zustimmte. Somit große Freude unsererseits, womit wir nun ein weiteres spannendes Interview mit einem Robo-Advisor Anbieter präsentieren können. Und zwar wie immer in Form von “….10 Fragen an.” 

Das Inno Invest Interview: Herr Herbert Schmitt, Geschäftsführer Innovative Investment Solutions GmbH 

1.) Herr Schmitt, erstmal vielen Dank für die Möglichkeit des Interviews mit Ihnen. Lassen sie uns mit folgender Frage beginnen: Obwohl sie Ihr Angebot einer Online-Vermögensverwaltung bereits im Oktober 2018 gestartet haben, sind sie im Vergleich zu ihren zahlreichen Mitbewerbern eher weniger bekannt. Mögen sie uns ihr Robo-Advisor Angebot etwas näher vorstellen?

Das ist richtig. Die Inno-Invest wurde sogar bereits 2014 als traditionelle Vermögensverwaltung gegründet und hat sich erst später zum Fintech bzw. Robo Advisor weiterentwickelt. Die Inno-Invest ist ein Wertpapierunternehmen nach dem WpIG und hält selbst die Zulassungen für die Finanzportfolioverwaltung. Darüber hinaus bieten wir anderen Mitbewerbern sogar ein Haftungsdach an. Wir haben keinen strategischen Investor an Bord, der teure Marketingkampagnen finanziert hat und dem wir uns verpflichtet fühlen.

Wir entwickeln selbstständig und wachsen aus dem Bestand sowie durch persönliche Empfehlungen. Dabei bleiben wir 100% unabhängig. Die Inno-Invest offeriert Privatkunden dabei eigens entwickelte und differenzierte ETF-Strategien sowie Aktien-Einzeltitelstrategien an. Ich denke, dass ist es auch, was uns von den meisten Mitwettbewerbern unterscheidet. Die Mindestanlagesumme beträgt 5.000€. Exklusivere Strategien beginnen bei 50.000€ oder sogar 150.000€ Anlagevolumen.

2.) Sie bieten Anlegern die Möglichkeit sowohl in Einzelwerte- basierte Strategien als auch in ETF-basierte Strategien zu investieren. Was war der Beweggrund diese beiden Varianten anzubieten?

Die ETF-Strategien werden von unserem Portfoliomanagement ebenso aktiv gemanagt wie die Aktien-Strategien mit Einzelwerten. Jeder Kunde bevorzugt jedoch eine unterschiedliche Dynamik und einen unterschiedlichen Zielmarkt für seine Kapitalanlage. Aus diesem Grund haben wir, im Rahmen unserer Möglichkeiten, Angebote für unterschiedliche Kundentypen entwickelt. ETF-Strategien sind im Gegensatz zu den Aktien-Strategien eher ruhig und langfristig ausgerichtet. Aktienbestände werden hingegen öfters angesehen und gehandelt. Insgesamt können wir so auch auf die unterschiedlichen Risikoprofile und individuelle Präferenzen unserer Kunden eingehen.

3.) Mit einem Blick auf ihr Angebot fällt vor allem ein Punkt sofort auf: gebührenfreie Geldanlage bis zu einer Anlage-Summe von 50.000 €. Das klingt sehr anleger-freundlich, wirft aber die durchaus berechtigte Frage auf, wie sie mit ihrem Angebot tatsächlich Geld verdienen? Allein darauf zu setzen, dass Anleger mehr als 50.000 € anlegen und / oder dass ihre Strategien so gut performen, dass sie die Performance-Fee berechnen können, erscheint als Geschäftsmodell recht gewagt. Erläutern sie uns bitte die „Idee“ hinter der Gebührenbefreiung?

Das ist richtig. Bis zu einer Anlagesumme in Höhe von 50.000€ berechnen wir keine Vermögensverwaltungsgebühr. Transaktionskosten und Performancegebühren entstehen dennoch. Von daher ist das Angebot sehr anleger-freundlich, aber nicht vollkommen kostenfrei für den Kunden.

Die Inno-Invest betreibt neben dem Robo Advisor weitere Geschäftsbereiche, wie bspw. das Haftungsdach oder die traditionelle Vermögensverwaltung. Daher verstehen wir unser Angebot nicht als Wagnis, sondern eher als ein kalkuliertes Angebot, auch speziell für jüngere Kunden. Ich vermute, die Inno-Invest könnte damit sogar der günstigste ETF-Strategie-Anbieter in Deutschland sein.

4.) Beim Thema Onboarding und der damit bei anderen Robo-Advisorn stattfindenden Risikoklassifizierung gehen sie einen völlig anderen Weg – sie bieten dies im Grunde nicht wirklich an. Zwar gibt es den Anlagefinder, der aber letztendlich nur aus 3 Fragen besteht an dessen Ende eine Auflistung aller zur Verfügung stehenden Anlagestrategien steht – das war es. Provokante Frage: Halten sie die Onboarding – Prozesse grundsätzlich für unnötig? Wenn ja: warum?

Wir gehen keinen anderen Weg. Das, was der Interessent auf der Website sieht, hilft ihm bei der grundsätzlichen Entscheidungsfindung und beim Verständnis über unser Angebot. Wenn ein Interessent sich dazu entschließt Kunde zu werden, muss er die Online-Antragsstrecke für die Depoteröffnung und den Vermögensverwaltungsvertrag durchlaufen. Dort erfüllen wir alle aufsichtsrechtlichen Vergaben und alle elementaren Abfragen.

Wir halten die Zielmarktbestimmung und das Risiko-Profiling hingegen als äußerst wichtig und haben im Onboardingprozess sogar Algorithmen installiert, die verhindern, dass Kunden ohne entsprechende Erfahrung etc. eine für sie ungeeignete Strategie abschließen können. Von daher möchte ich nochmals betonen, dass der Anlage-Finder ausschließlich dabei hilft, eine erste Einschätzung zu erhalten, er aber das echte Onboarding nicht ersetzt. 

5.) Ihre vorherige Antwort aufgreifend, dass es den Onboarding-Prozess mit entsprechender Risikoklassifizierung im Rahmen der “Depot-Eröffnung” doch gibt, dennoch die Frage dahingehend, warum man sich mit der Angabe von E-Mail Daten zuerst anmelden muss? Zumal mit dem Begriff der “Depot-Eröffnung” durchaus der Eindruck einer gewissen Verbindlichkeit entstehen kann.

Warum wird hier nicht explizit eine Begrifflichkeit “Jetzt Anlagevorschlag erstellen” oder ähnliches verwendet, was eben diesen Eindruck einer Verbindlichkeit vermittelt? Und zwar ohne, dass man sich vorab mit E-Mail Adresse und persönlichen Daten anmelden muss? Wir wissen aufgrund von Kunden E-Mails, das Anleger bei Anbietern, die E-Mail Adressen angeben müssen, eher kritisch sind. Mögen sie unseren Lesern ihre Vorgehensweise und Absicht etwas genauer erläutern?

Das ist in der Tat eine Frage, die wir in dieser Form bisher noch nicht gestellt bekommen haben. Grundsätzlich nutzen wir die persönlichen E-Mail-Adressen unserer Kunden für keine anderen Zwecke als für die Depoteröffnung. Darüber hinaus finden wir zum einen, dass mit dem Hinweis „Depoteröffnung jetzt starten“ klar definiert ist, was auf einen Interessenten zukommt, wenn er seine Daten in diesem Abschnitt eingibt.

Wir möchten ja gerade eine gewissen Verbindlichkeit haben, wenn sich Interessenten für unser Angebot entscheiden. Alles was die der Inno-Invest anbietet, kann der Interessent zuvor auf der Website ausführlich nachlesen bzw. bei uns persönlich erfragen. Und wenn er sich dazu entscheidet, sein Kapital in eine der angebotenen Strategien anzulegen, dann findet er relativ schnell den Weg zur Kontoeröffnung. Außer den Anlage-Finder bieten wir keine Spielerein auf der Website an, die dem Kunden einen Eindruck vermitteln, sein Kapital wäre gänzlich ohne Risiko oder spielerisch leicht angelegt. Darauf verzichten wir bewusst.

Zum anderen finden wir den von uns konzipierten Weg als sehr sicher, für den Umgang mit seinen Daten aber auch zum höchstmöglichen Schutz vor Zugriff von außen.

Unser Depoteröffnungsprozess ist so entwickelt, dass ein Kunde in weniger als 10 Minuten ein fertiges Depot eröffnen und Kapital darauf einzahlen kann. Daher wollen wir in diesem Antragsprozess nur Interessenten, die tatsächlich ein Konto eröffnen möchten.

Der Aufwand, jedes Mal die “Testkonten“ bei unverbindlichen Kontoeröffnungen bei der depotführenden Stelle wieder schließen zu lassen, ist zum einen teuer und darüber hinaus auch sehr zeitaufwändig. Wir werden Ihre Frage jedoch dahin gehend mitnehmen, dass wir Ihre Anregungen bei einem nächsten Facelift der Website mit einbeziehen und den Ihren Vorschlag prüfen.

6.) Anlegern bieten sie die Möglichkeit risikoreichere Einzeltitel-basierte Strategien mit ETF-basierten Strategien abzusichern. Klingt theoretisch gut, aber auch hier die Frage dahingehend, ob hier dem Anleger nicht zu viel Eigenverantwortung übertragen wird. Zumal jede Strategie mit einer neuerlichen Mindestanlagesumme von 10.000 € (ETF-basiert) verbunden ist. Würden sie uns erläutern, wo sie hier den etwaigen Vorteil für Anleger sehen? Was macht sie gegenüber anderen Robo-Advisorn unter diesem Aspekt attraktiver?

Wir bieten an, dass Anleger jede Strategie für sich selbst oder miteinander kombiniert anlegen können. Dabei unterstützen wir innerhalb der Antragsstrecke mit unseren Algorithmen, die dabei helfen, die optimale Strategie zu finden. Probieren Sie es doch einmal aus, dann sehen Sie selbst.

Neben dem Preismodell können wir für kapitalmarktinteressierte Kunden attraktiver sein, da wir nicht nur ausschließliches Rebalancing-Modell anwenden. Jede Strategie wird für sich individuell gemanagt und geführt. Darüber hinaus gibt es nur ganz wenige Robo Advisor, die aktuell Einzelwert-Strategien anbieten.

7.) Wer mit Inno-Invest das Thema Kapitalanlage in Angriff nehmen möchte muss hierzu mindestens 10.000 € in die Hand nehmen. Für viele eine stattliche Summe, die oftmals zu der Frage führt, was denn dafür unter Berücksichtigung des Punktes Rendite zu erwarten sei. In diesem Punkt finden sich auf ihrer Webseite keinerlei Informationen. Warum nicht? Liegt es daran, dass die Strategien erst seit 2019 (ETF) bzw. 2020 (Einzeltitel) existieren? Wird sich das Informationsangebot unter diesem Aspekt auf ihrer Webseite noch ändern?

Wir werden die Mindestanlagesumme bei einer ETF-Strategie testweise auf 5.000€ absenken. Aber, wir werben bewusst nicht mit Renditen oder einer Performance, die in der Vergangenheit erzielt wurde. Dies ist für Kunden kein Garant für die zukünftige Wertentwicklung.

Bestandskunden erhalten innerhalb der Online-Kundenwelt täglich die aktuelle Performance ausgewiesen. Evtl. werden wir in den kommenden Geschäftsjahren daran arbeiten, ähnlich wie es andere Mitwettbewerber tun, die Wertentwicklung der Strategien auch auf der Website ausweisen.

8.) Themenwechsel: Die EU-weite Offenlegungsverordnung hat in der Investment-Branche für echt viel Wirbel gesorgt. Auf der einen Seite wird diese neue Verordnung begrüßt, jedoch an deren Umsetzung massiv Kritik geäußert. Wie ist ihre Position als Investment-Experte dazu?  Wurde hier seitens der Gesetzgebung allzu vorschnell etwas beschlossen, was in der Praxis nicht wie geplant umgesetzt werden kann?

Wir stehen ausdrücklich hinter dieser Entwicklung. Gleichwohl bedeutet es für kleine und mittlere Vermögensverwalter sehr viel Arbeit, diese Vorgaben zu managen. Wir werden in den kommenden Monaten und Jahren viel Veränderung diesbezüglich sehen und es wird weitere Anpassungen sowie Weiterentwicklungen geben. In der Praxis werden sich adäquate und zukunftsorientierte Modelle entwickeln. Wir sehen uns hier für die Zukunft gut gerüstet, die Zeichen stehen auf grün.

9.) Mit einem Blick auf den deutschen Robo-Advisor Markt: Mittlerweile sind mehr als 40 Anbieter auf dem Markt aktiv und mit Vanguard als auch der UBS stehen zwei weitere Schwergewichte der Investment-Branche mit einem eigenen Robo-Advisor Angebot in den Startlöchern. Bietet der deutsche Markt aus ihrer Sicht überhaupt noch Platz für weitere Anbieter? Wo sehen sie sich selbst in den nächsten 2 Jahren und was muss ein Robo-Advisor aus ihrer Sicht bieten, um für Anleger dauerhaft attraktiv zu erscheinen?

Wie auch in anderen Geschäftsbereichen und Branchen hinkt der deutsche Markt dem weltweiten Wettbewerb hinterher. Dafür wird die Entwicklung, nachhaltiger erfolgen. Der Markt in Deutschland gehört zu den größten in Europa, wenn nicht sogar in der Welt. Also haben wir hierzulande eine riesige Spielwiese für viele Anbieter. Wir gehen davon aus, dass einige auch wieder am Markt verschwinden werden.

Insbesondere ausländische Anbieter stehen einer starken Anlegermentalität gegenüber, die aktuell nicht unbedingt zu 100 Prozent onlineaffine ist. Hybride Ansätze werden sich wahrscheinlich schneller durchsetzen als Volldigitale. Dennoch hat jeder Anbieter erst einmal seine Berechtigung. Die Inno-Invest selbst bietet über die Haftungsdachlösung anderen die Möglichkeit, in den Robo Advisor-Markt einzusteigen. Anleger werden durch hybride Ansätze immer mehr an den Vollrobo herangeführt.

Jüngere Generationen werden wahrscheinlich keine Berater im klassischen Sinn mehr benötigen. Ein guter Finanzcoach, dass könnte ein Ad-on eines Robo Advisors sein. Hier testen wir gerade mehrere Varianten.

10.) Zu guter Letzt und wie immer an dieser Stelle; Was wollten sie schon immer als Kommentar zum deutschen Robo-Advisor Markt beziehungsweise die deutsche Anleger-Kultur / Mentalität loswerden, sind hierzu aber noch nie mit einer entsprechenden Frage „konfrontiert“ worden?

Die deutsche Anlegermentalität hat es zu einem großen Vermögen gebracht. Die Altersvorsorge ist dabei ein wichtiger Baustein. Allerdings sehen wir hier wenig Bereitschaft, die Aktienquote langfristig zu erhöhen. Wir denken, dass dies sehr wichtig ist und wird, um ein nachhaltig hohes Niveau aufrechterhalten zu können. Wir denken auch, dass irgendwann der Immobilienhype nachlassen wird und sich dann die gleichen Investoren weiter auf den Aktienmarkt konzentrieren werden.

Zu guter Letzt

Herr Schmitt, recht herzlichen Dank für dieses sehr aufschlussreiche Interview.  

Zur Person Herbert Schmitt

Herbert Schmitt ist seit 46 Jahren als Private Banker berufstätig und hat die einst traditionelle Vermögensverwaltung Innovative Investment Solutions GmbH (Inno-Invest) 2014 in Frankfurt am Main gegründet. Seither entwickelt Schmitt die Inno-Invest stetig weiter. Bevor er den heutigen Robo Advisor gründete, war Schmitt langjähriger Mitarbeiter bei renommierten Privatbankhäusern in Frankfurt. Privat lebt er in Darmstadt, ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on pocket
Pocket
Share on reddit
Reddit
Share on xing
XING
Inno Invest Interview » RoboAdvisor-Portal.com - das Infoportal

Markus G.

Markus ist der “Kopf” des Teams. Ideengeber, Vermarkter, Redakteur und irgendwie an allem auf diesem Portal beteiligt. Ohne ihn würde es dieses Portal so nicht geben. Eine Idee – entstanden aus dem persönlichen Interesse an FinTech und nun langjähriger Erfahrungen in der Finanz-Szene. Zudem ist Markus Kolumnist auf zahlreichen Investment-Plattformen – vor allem im englischsprachigen Raum, aber u.a. auch auf Focus.de