Interview mit truevest / Patriarch Multimanager

Im Gespräch mit Dirk Fischer/ Geschäftsführer truevest

truevest - so lautet das digitale Kapitalanlage-Angebot der Patriarch Multimanager Gmbh. Der Robo-Advisor unterscheidet sich nicht nur bei der geforderten Mindestanlagesumme, sondern auch in seinem gesamten Investment-Angebot. Warum das gut so ist, erläutert Dirk Fischer neben anderen Punkten iin unserem truevest Interview.

14. März 2018 | Oliver S

Als wir uns das erste Mal mit dem bis dato eher weniger bekannten Robo-Advisor Angebot von truevest beschäftigt haben, war relativ schnell klar, das es sich hier um ein nicht alltägliches digitales Kapitalanlage Angebot handelt. Denn truevest vereinigt verschiedenste Elemente moderner Geldanlage in einem hochattraktiven Gesamtangebot. Es besteht keine Fokussierung auf eine bestimmte Anlageform noch wird auf die Komponente einer menschlichen Beratung verzichtet. Das Ganze kombiniert mit mehrjähriger Erfahrung im Investmentgeschäft. Ist truevest also das derzeit kompletteste Robo-Advisor Angebot? Eine von vielen Fragen ,welche wir dem Geschäftsführer von Patriarch Multimanagement (dem Initiator von truevest), Herrn Dirk Fischer in unserem truevest Interview gestellt haben.

Truevest  Interview:  Herr Dirk Fischer, Geschäftsführer Patriarch Multimanagement / truevest

1.) Herr Fischer, würden Sie unseren Lesern zu Beginn einen kurzen Einblick geben, worum es sich bei truevest handelt und warum sich Anleger für die Online-Vermögensverwaltung entscheiden sollten?

Bei truevest handelt es sich um ein vollelektronisches automatisches und internetgesteuertes Selbstberatungstool im Fondsvermögensverwaltungs-, und somit Kapitalanlagesegment. Damit also um einen sogenannten Robo-Advisor. Der Charme einer solch schlanken Online-Vermögensverwaltung liegt generell in der enorm günstigen Kostenstruktur und in der äußerst bequemen und zeitsparenden Abwicklung. Bei truevest im Speziellen kommt noch ein langjährig bewährter Anbieter, erprobte Strategien mit seit 6,5 Jahren belegbaren Ergebnissen hinzu, sowie der „menschlichen Komponente“ auf der Vermögensverwalterseite und der wahlweise Einsatz von ETFs oder aktiven Fonds, je nach Gusto des Investors, hinzu.

2.) Vier „Trend 200 Fondsvermögensverwaltungs-Strategien“ setzt truevest sowohl mit aktiv gemanagten Fonds (bei aktuell drei Strategien) als auch mit ETFs (bei einer Strategie) um. Warum haben Sie sich dafür entschieden, sowohl den klassischen Fondsansatz als auch den Anlageansatz mittels Exchange Traded Funds abzudecken, während zahlreiche Mitbewerber ausschließlich mit ETFs arbeiten?

Die Antwort liegt auf der Hand. Wir wollen unseren Kunden nicht bevormunden und im aktuellen „Glaubenskrieg“ zwischen aktivem (Zielfonds) und passivem (ETFs) Fondsmanagement nicht über seinen Kopf hinweg selbst entscheiden. Vertraut er aktiven Fonds ist er bei unserem mandatierten Manager, der DJE Kapital AG, mit Sicherheit in absoluten Top-Händen. Glaubt er eher an passive Ansätze, freut sich Deutschlands „Mr. ETF“ Markus Kaiser auf ihn.

Der passive Weg ist dabei leicht günstiger, hat dafür aber normalerweise keine Chance auf Outperformance zu den mit den Ziel-ETFs abgebildeten Indizes. Mit unserem System der temporären Desinvestition in Marktkrisenzeiten ist allerdings sogar das über durch die integrierte Absicherung vermiedene Verluste möglich.

3.) In unsicheren Zeiten investieren Sie das Geld Ihrer Kunden teilweise am Geldmarkt und tragen somit zu einer Kapitalabsicherung bei. Diese Vorgehensweise ist bisher ein Alleinstellungsmerkmal unter den Robo-Advisors. Kapitalabsicherungen haben zwar einerseits den positiven Effekt, dass Kapitalverluste reduziert bzw. verhindert werden können. Andererseits geht eine derartige Absicherung über den Geldmarkt natürlich auf Kosten einer möglichen höheren Rendite. Wie schätzen Sie diesen Vorteil der Kapitalabsicherung (höhere Sicherheit) gegenüber dem Nachteil (mögliche Renditeeinbußen) von der Gewichtung her ein?

Wir sind uns sicher mit dem integrierten Absicherungskonzept einen elementaren Mehrwert für einen potentiellen Robo-Advisor-Kunden zu bieten. Denn schließlich reden wir von einem „Selbstentscheider“. Wer weiß also wirklich, wie firm dieser Kunde im Kapitalanlagebereich tatsächlich ist? Schließlich fand ja keine Beratung statt. Eine integrierte Absicherung kann da sicherlich beim nächsten Börsenrückschlag definitiv nur von Vorteil sein. Und ganz ehrlich, die Kosten dafür sind absolut überschaubar. Sind wir in der Desinvestitionsphase im Geldmarkt engagiert, erwirtschaftet unser Produkt aktuell keine Verzinsung, die Strategiekosten laufen aber weiter. Die monatlichen Kosten liegen hier lediglich zwischen 0,11% – 0,14%.

Doch vielleicht macht es ein Beispiel klarer. Nehmen wir den Zeitraum vom 1.8.11 – 31.12.11. Eine Periode in welcher der DAX gute 17,5% verlor, oder alternativ der EuroStoxx 50 immerhin 13,25% (übrigens mit Volatilitäten von 27 – 36!!). Unsere Trend 200-Strategien waren bereits zuvor via verlässlichem Verkaufssignal in den Geldmarkt gewandert, verursachten aber laufende Kosten. Gesamtergebnis für die betroffenen Kunden über denselben Zeitraum -0,3% NACH Spesen bei einer Volatilität von NULL (siehe untenstehende Grafik). Keiner unserer damaligen Investoren hat bis heute jemals die Absicherungskosten auch nur in Frage gestellt. Ich denke die Zahlen sprechen für sich.

Patriarch Performance_1_Truevest

truevest Interview » RoboAdvisor-Portal.com - das Infoportal

4.) Truevest zählt zu den Robo-Advisor Anbietern, die nicht nur auf digitale Entscheidungsprozesse per Algorithmen setzen, sondern bei denen menschliches Fachwissen ebenfalls eine große Rolle spielt. Daher spricht man häufig auch von einem hybriden Robo-Advisor, der Zielfonds-Management durch Berater mit digitalen Verwaltungsentscheidungen kombiniert. Worin sehen Sie die Vorteile einer derart gemischten Basis für die Anlageentscheidung im Vergleich zur Vorgehensweise diverser Mitbewerber, die ausschließlich mit finanzmathematischen Algorithmen arbeiten?

Bezogen auf die rein digitalen Systeme vieler Wettbewerber kann ich lediglich sagen, dass uns von Kundenseite immer wieder gespiegelt wird, dass ihnen das Thema „Algorithmen“ dort einfach zu sehr eine „intransparente Blackbox“ ist. Kunden wollen eben verstehen, warum Zielinvestmententscheidungen getroffen wurden. Wir dagegen wollen einfach die Stärken zweier Systeme vereinen. Bei der Entscheidung WANN ge- oder verkauft wird, lassen wir die reine Technik entscheiden, da uns hier die Emotionen des Menschen (Behavioral Finance) hinderlich erscheinen.

Bei der Entscheidung WAS gekauft wird, vertrauen wir aber mehr dem Erfahrungsschatz von exzellenten Fondsmanagern. Die aktuelle Praxis bestätigt immer wieder unseren Ansatz darüber, dass der Mensch oft das falsche Timing gewählt hätte, während die künstliche Intelligenz annähernd nie die besten Titel erwischt hätte. Somit sehen wir in dieser Kombination mehr denn je das derzeitige Optimum für den Investor.

5.) Nach der Befragung erhält jeder neue Kunde von truevest einen Anlagevorschlag, der unter anderem die Aufteilung des Portfolios nach Assets beinhaltet. Bieten Sie Ihren Kunden anschließend die Möglichkeit, beispielsweise nach einigen Monaten, die Anlagestrategie und somit das Portfolio zu wechseln? Falls ja, weisen Sie Ihre Kunden auf mögliche Nachteile der Strategieänderung hin?

Der Kunde kann im Rahmen seiner beim Erstinvestment hinterlegten Risikoneigung jederzeit in eine andere Strategie wechseln, wenn er eine mit einer NIEDRIGEREN Risikoneigung wählt. Dieser Switch kostet nichts, wird aber von uns nicht aktiv empfohlen, da wir nicht beratend tätig sind. Will er in eine Strategie mit höherer Risikoneigung wechseln, muss er dazu die Depotbank und haftenden Vermögensverwalter, die Augsburger Aktienbank AG, aktiv kontaktieren und eine nun höhere persönliche Risikoneigung neu hinterlegen. Ohne diesen Schritt wäre ein solch risikoerhöhender Switch nicht möglich. Auch hierzu würden wir nicht aktiv zuraten, wie schon vorstehend begründet.

6.) Jede Ihrer vier Anlagestrategien beinhaltet, dass das entsprechende Portfolio – abhängig von der Risikoneigung des Kunden – aus unterschiedlich gewichteten aktiv gemanagten Fonds bzw. ETFs mit unterschiedlichen Basiswerten besteht. In welchen Abständen überprüft truevest, ob die aktuelle Zusammensetzung des Portfolios noch optimal ist? Auf Grundlage welcher Veränderungen am Markt werden bei Bedarf Änderungen in der Zusammensetzung vorgenommen?

Die Strategieinhalte sind täglich in der Beobachtung der mandatierten Berater, DJE Kapital AG und StarCapital AG. Anpassungen erfolgen somit entweder aufgrund aktueller Marktveränderungen oder wegen angestrebter Optimierungen bei einzelnen Zielinvestments. Die optionalen Regeltermine dazu sind stets der 9. Und 26. eines Monats. Sollten elementare Marktverwerfungen eintreten oder Signale über die 200-Tage-Linien-Absicherung erforderlich werden, kann aber natürlich an jedem Werktag reagiert werden.

Aufgrund der seit Jahren bewährten Allokation der Strategieberater kommt es aber im Schnitt nur zu ca. 3-4 Veränderungen in einem normalen Börsenjahr. Die gravierendsten Veränderungen werden durch Signale der 200-Tage-Linie hervor gerufen, da dann eine 100%ige Strategieumgestaltung an einem Tag erfolgt, oder wenn sich die Zusammensetzung des weltweiten GDP (Bruttoinlandsprodukt der Länder) verändert, da dies die Grundbasis der Asset Allocation unserer PatriarchSelect ETF Trend 200 Vermögensverwaltung ist. Dann muss ebenfalls sofort reagiert werden.

7.) Die vier Anlagestrategien, auf deren Grundlage truevest aktiv ist, tragen alle die Bezeichnung „Trend 200“ im Namen. Können Sie unseren Lesern bitte in einfachen Worten erläutern, was es mit der 200-Tage-Linie, auf welche die Namensgebung zurückzuführen ist, auf sich hat und warum diese für Ihre Strategie besonders wichtig ist?

Die 200-Tage-Linie ist ein sogenannter „gleitender Durchschnitt“, welcher mathematisch für jeden Wert der von Interesse ist über dessen letzte 200 Börsenkurse errechnet werden kann. Ein gleitender Durchschnitt ist ein Frühindikator in Bezug auf eine längerfristige Trendumkehr eines Börsentrends. Das Ganze ist keine neue Erfindung, sondern funktioniert bereits über 100 Jahre mit einer sehr hohen Trefferquote. Im Prinzip vergleicht man den Tageskurs eines Wertes mit seiner Vergangenheit über das letzte Börsenjahr anhand eines Chartverlaufes. Solange dabei der aktuelle Kurs über dem historischen Durchschnittskurs liegt, ist die aktuelle Situation attraktiv, der Investor will am Markt dabei sein und man bleibt investiert.

Kippt das Szenario und der Vergangenheitskurs steigt höher als der Gegenwartskurs, ist der Zug schon abgefahren und die Fantasie aus dem Wert bereits verschwunden. Daher nichts wie weg damit, also Verkauf und Desinvestition. Und wir führen diesen 200-Tag-Linien-Vergleich halt nicht auf Einzelwerte oder Indizes, sondern genau auf unsere Strategieinhalte und richten uns nach deren Aussage, ob es für unsere Kunden gut ist, investiert zu sein oder besser nicht. So, wie es ein Robo-Advisor-Kunde eigentlich will. In diesem Punkt kühl, mathematisch und emotionslos – ABER seit Jahrzehnten verlässlich und erprobt — UND täglich transparent und daher einfach verständlich und nachvollziehbar.

8.) Würden Sie uns zum Abschluss einen Ausblick geben, welche Ziele sich truevest für die nächsten Jahre gesetzt hat, um auch weiterhin zu den führenden Robo-Advisors zu gehören? Wie schätzen Sie die Weiterentwicklung der Online-Vermögensverwaltungen generell ein, wie sehen Sie deren langfristigen Erfolgsaussichten, insbesondere im Vergleich zu klassischen Vermögensverwaltungen?

Ich bin mir sicher, dass der Erfolg von Online-Vermögensverwaltern über die nächsten Jahre nicht mehr aufzuhalten ist. Die Wachstumsraten in diesem Teilmarkt sind jetzt bereits enorm. Und wenn sich die Tendenzen der immer stärkeren Regulierungen und gleichzeitiger Kostentransparenz fortsetzen, treibt das viele weitere Anleger in Richtung Robo-Advisor. Und noch mehr, falls wir irgendwann einmal ein generelles Provisionsverbot bekommen sollten.

Zur Bestätigung meiner Thesen reicht ein kurzer Blick nach England oder in die USA, wo die Robos bereits den Markt dominieren. Die klassische Vermögensverwaltung sehe ich nach wie vor ebenso mit hoher Existenzberechtigung und guten Zukunftsaussichten, da es auch weiterhin immer eine große Gruppe von Anlegern geben wird, die persönliche Beratung schätzen und auch gerne dafür bezahlen. Und in diesem Teilsegment ist zumindest noch wirtschaftliches Wertpapiervermittlungsgeschäft möglich. Düstere Zeiten sehe ich eher für die individuelle Wertpapierberatung mit Stockpicking von Einzelfonds (egal ob aktive Fonds oder ETFs). Das dürfte nach der FinVermV nur noch den wenigsten Anbietern wirtschaftlich gelingen.

Für truevest im speziellen sehen wir die Aussichten sehr gut, da wir über unsere sehr spezielle Strategie ziemlich konkurrenzlos im Segment der Robos als Exote positioniert sind. Viele Investoren möchten aber gerade in diesem neuen Segment keine Experimente, sondern eben einen verlässlichen Anbieter, wie uns. Da werden wir auch weiterhin relativ konkurrenzlos punkten.

Außerdem haben uns die Berater mittlerweile entdeckt, die uns über den Weg als „Tippgeber“ zunehmend Interessenten für die vier truevest-Strategien zuführen. Mit den zahlreichen Auszeichnungen für truevest insbesondere in 2018 (ich sage nur Finanz Business Preisträger für besonders innovative Robo-Advisor-Lösung etc.) wird für viele Externe der Qualitätsunterschied zur Masse der anderen Anbieter nun auch noch besser ersichtlich.

Wir wollen uns in diesem „Verdrängungswettbewerb“ als der „Qualitätsführer unter den Robos“ durchsetzen und so vielen Kunden, wie möglich, über diesen kostengünstigen Weg endlich einmal eine langfristig erheblich bessere Alternative zum Sparbuch oder Festgeld bieten. Sie wissen ja wieviel Geld hier in Deutschland schlummert und täglich an Wert verliert. Da ist genug für uns zu tun. Sicherlich ein sehr ehrgeiziges, aber durchaus attraktives Ziel.

Zu guter Letzt

Herr Fischer, vielen Dank für das sehr interessante Interview und weiterhin viel Erfolg mit truevest!

Zur Person Dirk Fischer

Der Dipl.-Bankbetriebswirt begann seine berufliche Karriere im Private Banking der Deutschen Bank AG. Danach war er sechs Jahre als Vertriebsleiter und Prokurist beim Maklerpool Jung, DMS & Cie. AG für die Betreuung von unabhängigen Finanzdienstleistern verantwortlich. Seit 2007 agiert er als Geschäftsführe der Patriarch Multimanager GmbH.

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Oliver S.

Oliver ist der Journalist im Team. Ausgebildeter Banker (Hypo Vereinsbank), hat hohes Maß an spezifischem Finanzwissen und ist einer der bekanntesten Schreiberlinge in der Finanz-Szene. Oliver hat so unter anderem auch für die Huffington Post geschrieben. Zudem ist er bis heute auch als Redakteur für FTD.de (ex Financial Times Deutschland) tätig. Also eine echte Bereicherung für das Team. Kümmert sich hier um alles, was mit dem Thema Finanzwissen, Interviews und News zu tun hat. Oliver ist verheiratet, hat Kinder und lebt in Nordrhein-Westfalen.
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