Als Trade Republic im September 2025 sein Produkt „Private Markets” vorstellte – mit einem Rapper im Werbevideo, 12 Prozent Renditeversprechen und Einstieg ab 1 Euro – war die Reaktion gespalten. Die einen sahen endlich die lang überfällige Demokratisierung einer Assetklasse namens Private Equity, die bisher Pensionsfonds und Superreichen vorbehalten war. Die anderen fragten sich: Warum genau jetzt? Und wer profitiert hier eigentlich wirklich? Dieser Artikel beantwortet beide Fragen – ohne Marketingsprache. Was steckt wirklich hinter den Angeboten von Trade Republic, Scalable Capital und Robinhood? Für wen ist Private Equity sinnvoll, für wen nicht? Und welche Alternativen gibt es?
Markus G
Zuletzt aktualisiert am: 25. Februar 2026
22. Oktober 2025
Private Equity für Kleinanleger ist seit 2025 über Neobroker wie Trade Republic, Scalable Capital und Robinhood ab 1 Euro zugänglich – ermöglicht durch die EU-ELTIF-2.0-Reform von 2024. Die Angebote versprechen historische Renditen von bis zu 15 Prozent jährlich, bringen aber erhebliche Risiken mit: hohe Kosten von 2 bis 3 Prozent p.a., eingeschränkte Liquidität und begrenzte Transparenz. Für die meisten Privatanleger ist ein kostengünstiger Welt-ETF die bessere Wahl. Private Equity eignet sich allenfalls als Beimischung für erfahrene Anleger mit solidem Portfolio und einem Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren.
Bevor wir die einzelnen Anbieter unter die Lupe nehmen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Vergleichszahlen – denn die Unterschiede zwischen Trade Republic, Scalable Capital und Robinhood sind erheblicher als die gemeinsame Marketing-Botschaft vermuten lässt.
Die drei wichtigsten Anbieter von Private-Equity-Produkten für Privatanleger im direkten Vergleich – nach Einstiegshürde, Partnerschaft, Kosten und Liquidität.
| Anbieter | Mindestanlage | Partner / Fonds | Laufende Kosten p.a. | Liquidität | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|---|
| Trade Republic | 1 Euro | Apollo Global (LU3170240538), EQT Nexus (LU3176111881) | 2,35 %–2,80 % + Performance Fee | Monatlich über internen Marktplatz (kein Käufer garantiert) | „Marktzielrendite” 12 % p.a. – ohne veröffentlichte Methodik |
| Scalable Capital | 10.000 Euro | BlackRock Private Equity (LU2970811951) | 1,95 % + 0,35 % lfd. Kosten | Quartalsweise (max. 5 % des NAV); 2 Jahre Sperrfrist | Co-Investment-Strategie; OpenAI im Portfolio |
| Robinhood | Noch nicht bekannt (USA) | Robinhood Ventures Fund I (Ticker: RVI, NYSE) | Noch nicht veröffentlicht | Täglich (börsengehandelt) – NAV-Abweichungen von ≥ 20 % möglich | Fondsmanagement-Tochter erst August 2025 gegründet |
Um die Unterschiede zwischen den Anbietern wirklich einordnen zu können, muss man verstehen, was die Tür für all diese Produkte überhaupt geöffnet hat: eine EU-Regulierungsreform, die 2024 lange ignorierte Hürden beseitigt hat.
Ein ELTIF (European Long-Term Investment Fund) ist ein europäischer Fondstyp, der langfristiges Privatkapital in illiquide Anlagen wie nicht-börsennotierte Unternehmen, Infrastruktur oder erneuerbare Energien lenkt. Die ursprüngliche ELTIF-Verordnung von 2015 sollte eigentlich schon damals privates Kapital mobilisieren – scheiterte aber an zu hohen Hürden: Mindestanlage 10.000 Euro, Nachweis von 100.000 Euro Gesamtvermögen. Das schloss die allermeisten Privatanleger faktisch aus.
Die ELTIF-2.0-Reform der EU (2024) hat diese Hürden vollständig abgeschafft. Keine Mindestanlagesummen, keine Vermögensnachweise mehr – und flexibilisierte Liquiditätsregeln. Das Ziel der EU-Kommission: die Kapitalmarktunion stärken und brachliegendes Privatkapital aktivieren. In der Praxis löste die Reform eine Welle von Produkt-Launches aus, die es kritisch zu betrachten gilt.
Trade Republic war der erste und lauteste Akteur, der diese neue Regelung für ein Massenprodukt genutzt hat. Ob das im Interesse der Anleger war, lässt sich erst nach einem genauen Blick auf die Bedingungen beurteilen.
Trade Republic bietet seit September 2025 über zwei ELTIF-Fonds Zugang zu Private Equity ab 1 Euro. Partner sind Apollo Global Management (USA) und EQT (Schweden). EQT nennt konkrete Beteiligungen wie Flixbus, Vinted und das spanische Immobilienportal Idealista. Apollo hingegen gibt lediglich Branchen und Regionen bekannt – Transparenz sieht anders aus.
Das zentrale Verkaufsargument ist ein interner Marktplatz für monatliche Anteilsverkäufe. Doch hier liegt die entscheidende Einschränkung: Es gibt keine Garantie, dass ein Käufer gefunden wird. Die Stiftung Warentest stellt klar, dass beim gleichzeitigen Verkaufswunsch vieler Anleger keine Abnahme der Anteile gesichert ist.
Die Kostenstruktur bei Trade Republic im Überblick:
Die beworbene „Marktzielrendite” von 12 Prozent ist eine Prognose auf Basis historischer Daten – ohne veröffentlichte Methodik. Eine Garantie existiert nicht.
Scalable Capital hat einen anderen Ansatz gewählt: weniger Massenmarkt, dafür ein erfahrenerer Partner – und deutlich höhere Einstiegshürde.
Scalable Capital startete im Februar 2025 mit dem BlackRock Private Equity Fund (ISIN: LU2970811951). Mindestanlage: 10.000 Euro. Als Partner hat sich Scalable den weltgrößten Vermögensverwalter gesichert: BlackRock bringt 450 Milliarden US-Dollar Erfahrung in alternativen Investments mit. Die gewählte Co-Investment-Strategie bedeutet: BlackRock investiert gemeinsam mit führenden PE-Häusern in deren Deals und wählt die besten aus. OpenAI ist Teil des Portfolios – für viele Anleger ein reizvolles Argument.
Die Liquiditätsbeschränkungen bei Scalable Capital sind strikter als es auf den ersten Blick erscheint:
Ein echter Pluspunkt: Scalable bietet ein zweiwöchiges Widerrufsrecht für Kaufaufträge – bei klassischen Wertpapierkäufen nicht üblich und ein seltenes Zugeständnis an den Anlegerschutz.
Robinhood schließlich ist der dritte Akteur im Bunde – und der umstrittenste. Die amerikanische Trading-App hat eine bewegte Geschichte mit Private-Equity-ähnlichen Produkten, und der neue Ansatz wirft eigene Fragen auf.
Robinhood reichte im September 2025 bei der US-Börsenaufsicht SEC eine Registrierung für den Robinhood Ventures Fund I (Ticker: RVI, NYSE) ein. Der theoretische Vorteil: börsentäglich handelbar, volle Liquidität. In der Praxis birgt genau diese Struktur als Closed-End Fund ein bekanntes Problem – erhebliche Abweichungen zwischen Marktpreis und tatsächlichem Nettoinventarwert, häufig 20 Prozent oder mehr.
Morningstar-Analyst Bryan Armour nennt die zentralen Kritikpunkte:
Zur Vorgeschichte: Anfang 2025 bot Robinhood in der EU tokenisierte Anteile an OpenAI und SpaceX an. OpenAI stellte klar, dass diese Token keine echten Unternehmensanteile darstellten – lediglich preisgebundene Token. Das löste regulatorische Kritik aus und sollte beim neuen Angebot zumindest zur Vorsicht mahnen.
Unabhängig davon, welcher Anbieter besser oder schlechter abschneidet, bleibt eine grundsätzlichere Frage: Warum findet dieser Boom ausgerechnet jetzt statt? Die Antwort ist unbequemer als die Marketingbotschaften vermuten lassen.
Private Equity erzielte zwischen 2002 und 2022 laut Burgiss Private Equity Index durchschnittlich 14,9 % Nettorendite p.a. – gegenüber rund 7 % beim MSCI World. Diese beeindruckende Outperformance entstand jedoch unter außergewöhnlichen Bedingungen: Nullzinsen von 2009 bis 2021, billiges Fremdkapital für Unternehmenskäufe und historisch hohe Börsenbewertungen für Exits.
Das Umfeld hat sich seither fundamental verändert:
Und genau in dieser Phase öffnet sich die Branche für Kleinanleger. Die Stiftung Warentest formuliert es vorsichtig, aber klar: Die Öffnung werde von manchen Beobachtern als Hinweis gewertet, dass das Kapital aus institutionellen Quellen nicht mehr ausreichend fließt. Pensionsfonds und Versicherungen könnten ihre PE-Allokationen bereits reduzieren – und Privatanleger sollen diese Lücke füllen. Das wäre nicht das erste Mal in der Finanzgeschichte, dass Retailprodukte Zugang zu einer Assetklasse erhalten, wenn deren beste Zeiten vorbei sind.
Das Timing-Problem ist abstrakt. Die Liquiditätsfrage hingegen wird sehr konkret, sobald man sich vorstellt, was in einer echten Krisensituation passiert.
Stellen wir uns ein konkretes Szenario vor: Eine Rezession trifft die Märkte, Aktienkurse brechen ein – und tausende Trade-Republic-Kunden versuchen gleichzeitig, ihre PE-Anteile über den internen Marktplatz zu verkaufen. Wer soll auf der anderen Seite kaufen? Wenn alle gleichzeitig raus wollen, funktioniert kein Marktplatz der Welt.
Die strukturellen Konsequenzen je Anbieter:
Das ist keine Theorie. In der Finanzkrise 2008/09 setzten zahlreiche alternative Investmentfonds ihre Rücknahmen aus oder beschränkten sie drastisch. Anleger, die quartalsweise verkaufen wollten, saßen teilweise jahrelang fest. Auf Sekundärmärkten wurden Anteile mit Abschlägen von 20 bis 40 Prozent gehandelt – wenn überhaupt Käufer zu finden waren.
All das bedeutet nicht, dass Private Equity grundsätzlich für jeden Privatanleger ungeeignet ist. Es bedeutet, dass die Eignung von sehr spezifischen persönlichen Voraussetzungen abhängt – die sich einfacher als Gegenüberstellung darstellen lassen als in langen Erklärungstexten.
Private Equity kann als Beimischung sinnvoll sein – aber nur für eine sehr spezifische Anlegergruppe. Die folgende Übersicht zeigt, wann ein Investment passt und wann es besser vermieden werden sollte:
| Kriterium | ✅ Geeignet | ❌ Nicht geeignet |
|---|---|---|
| Liquides Vermögen | ≥ 50.000–100.000 € vorhanden | Unter 20.000 € liquides Vermögen |
| Portfolio-Basis | Solides ETF-Fundament bereits vorhanden | Kein diversifiziertes Basisportfolio |
| Anlagehorizont | Mindestens 10 Jahre ohne Kapitalbedarf | Möglicher Kapitalbedarf in unter 5 Jahren |
| Risikobereitschaft | Totalverlust des eingesetzten Betrags verkraftbar | Betrag dient der Altersvorsorge oder als Notfallreserve |
| Anteil am Gesamtportfolio | Max. 5–10 % als Beimischung | Hauptanlage oder Ersatz für den ETF-Sparplan |
Faustregel: Private Equity ist keine Portfoliobasis. Es ist eine Beimischung – ausschließlich für Anleger, die bereits ein diversifiziertes, liquides Fundament aufgebaut haben und deren Kapital wirklich zehn Jahre oder länger entbehrlich ist.
Wer an dieser Stelle das Gefühl hat, dass Private Equity über ELTIFs für die eigene Situation zu komplex oder zu riskant ist, muss nicht auf das Thema ganz verzichten. Es gibt bereits zugängliche Alternativen – mit deutlich mehr Liquidität und weniger Kosten.
Drei Wege, wie Privatanleger bereits heute Zugang zu nicht-börsennotierten Unternehmen oder PE-Renditen erhalten können – mit höherer Liquidität und niedrigeren Kosten als über ELTIFs.
Abschließend noch ein Blick darauf, was die rechtlichen Rahmenbedingungen tatsächlich schützen – und wo ihre Grenzen liegen.
Die ELTIF-Verordnung schreibt einige wichtige Schutzmaßnahmen vor, die Anleger kennen sollten:
Der entscheidende Vorbehalt: Diese Regularien können nicht verhindern, dass Anleger in ungünstigen Marktphasen investieren oder die langfristigen Konsequenzen unterschätzen. Regulierung schützt vor Betrug – nicht vor schlechten Entscheidungen.
Die Öffnung von Private Equity für Kleinanleger ist regulatorisch eine bedeutende Entwicklung – und für einen klar umrissenen Teil der Anleger auch sinnvoll nutzbar. Für die breite Masse jedoch überwiegen die Risiken deutlich die Chancen.
Die drei strukturellen Kernprobleme bleiben ungelöst: Die Kosten von 2,3 bis 3,0 Prozent p.a. plus Performance Fees fressen einen Großteil der Bruttorendite – realistisch bleiben 7 bis 8 Prozent statt der beworbenen 12. Die Liquidität ist trotz aller Versprechungen eingeschränkt und kann in Stresssituationen schnell zum echten Problem werden. Und das Timing gibt zu denken: Der Einstieg erfolgt nach 20 Jahren Niedrigzins-Rückenwind – in einem Umfeld mit höheren Zinsen und rückläufigen IPO-Aktivitäten.
Wer bereits ein solides Portfolio hat, einen wirklich langen Atem mitbringt und sich gründlich mit den Bedingungen auseinandergesetzt hat, kann eine kleine Beimischung von maximal 5 bis 10 Prozent erwägen – vorzugsweise über Scalable Capital mit BlackRock als erfahrenem Partner. Für alle anderen gilt: Ein kostengünstiger ETF auf den Weltaktienmarkt bleibt die überlegene Wahl. Manchmal ist die klügste Entscheidung, ein schick verpacktes Produkt einfach stehen zu lassen.
Private Equity lohnt sich erst ab einem liquiden Vermögen von mindestens 50.000 bis 100.000 Euro, einem bestehenden ETF-Fundament und einem Anlagehorizont von mindestens zehn Jahren. Als Beimischung sollten maximal 5 bis 10 Prozent des Portfolios eingesetzt werden.
Trade Republic ermöglicht den Einstieg ab 1 Euro über Apollo- und EQT-Fonds mit monatlichem Marktplatz – ohne Käufergarantie. Scalable Capital setzt mit 10.000 Euro Mindestanlage auf BlackRock als erfahreneren Partner, bietet aber erst nach zwei Jahren Sperrfrist quartalsweise Rückgabemöglichkeiten – mit strengen Mengengrenzen.
Die laufenden Kosten liegen je nach Fonds zwischen 1,95 und 2,80 Prozent p.a. – zuzüglich möglicher Performance Fees. Zum Vergleich: Ein Standard-Aktien-ETF kostet 0,1 bis 0,5 Prozent p.a. Bei einer Zielrendite von 12 Prozent brutto verbleiben nach Kosten realistisch 7 bis 8 Prozent netto.
Nein. Die Liquidität ist bei allen Anbietern stark eingeschränkt. Trade Republic bietet einen monatlichen Marktplatz ohne Käufergarantie. Scalable Capital erlaubt erst nach zwei Jahren Sperrfrist quartalsweise Rückgaben von maximal 5 Prozent des Fondsvolumens. In Krisenzeiten können Rücknahmen vollständig ausgesetzt werden.
Alternativen sind täglich handelbare Publikumsfonds mit PE-Anteilen (z. B. Fidelity Contrafund mit SpaceX-Beteiligung), ETFs auf börsennotierte PE-Gesellschaften (KKR, Blackstone, Carlyle) oder klassische Welt-ETFs. Alle bieten volle Liquidität bei deutlich niedrigeren Kosten als ELTIFs.
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