Kapitalanlage: Kann man den Markt schlagen? (Teil 3)

Im Dezember 2017 haben wir uns erstmals mit der Frage, beschäftigt, ob es überhaupt möglich ist, mit einer “gewieften” Strategie bei der Kapitalanlage den sogenannten “Markt” zu schlagen. Also eben einen Markt “outzuperformen” und dadurch eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen. Eine Frage, die bei Finanzexperten ein Dauerthema ist und zugegebenermaßen auch bei uns. Warum also nicht einfach mal einen Experten fragen, welcher sich tagtäglich mit den Themen Kapitalanlage und Vermögensaufbau beschäftigt?

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Markus G

7. März 2018

Kapitalanlage - den Markt schlagen 3

7. März 2018

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Mit Herrn Dr. Jörg Richter konnten wir einen renommierten Anlage-Experten gewinnen und freuen uns seine Auffassung und Meinung zum Thema jetzt veröffentlichen zu können. Hier also nun Teil 3 unserer Artikelserie “Kann man den Markt schlagen?”

Wer kann den Markt schlagen?

„Robo-Advisor schlagen den Markt“ – solche Nachrichten waren im letzten Jahr mehrfach zu lesen.

Hier darf eine grundsätzliche Frage gestellt werden: Was bedeutet „der Markt“? Die einen bezeichnen damit den weltweiten Aktienmarkt, andere nehmen noch die Rentenmärkte hinzu, wieder andere meinen die durchschnittlichen Leistungen von aktiv tätigen Fondsmanagern. Und dann wird dieser konfuse Begriff zusätzlich in Beziehung zu den Robo-Advisor-Angeboten gesetzt.

Einige Klarstellungen dazu:

Robo-Advisor sind keine schlauen Maschinen, sondern machen ihren Job nicht anders als jeder „lebende“ Vermögensverwalter: Die Anbieter stellen ein oder mehrere Portfolios zusammen und verändern es nach (selbst)bestimmten Regeln. Von Algorithmen und künstlicher Intelligenz sind die Angebote derzeit weit entfernt. Auch Werbeaussagen wie z. B. einen „Value-at-risk“-Ansatz zu nutzen, verkünden nicht wirklich eine Innovation. Dies tun etliche Banken und Vermögensverwalter bereits seit Jahren. Robo-Advisor sind daher – banal ausgedrückt – der bequeme und schöner gemachte Zugangsweg zu standardisierten Vermögensverwaltungslösungen – nur ohne Beratung und (daher?) günstiger.

Daher ist auch der direkte Vergleich der digitalen Lösungen mit der „alten Welt“ legitim. Anders formuliert: Es wird sich zeigen, wer´s besser kann.

Meine Hypothese: So wie etablierte Anbieter in den jeweiligen Marktphasen gut oder schlecht performen, werden dies auch die neuen Lösungen tun.

Performancevorteile nur durch Kostenvorteile

Die neue Konkurrenz der Robo-Advisor hat (nur) einen Vorteil: Die Kosten sind (häufig) geringer, daher gibt es wohl einen Performancevorteil. Das gilt aber nur solange, bis der Anleger auf die naheliegende Idee kommt, sich das Portfolio mit ETFs selbst zusammenzustellen – und auf den „Robo-Advisor“ zu verzichten.

Hinzu kommt: Der Kostenvorteil der digitalen Lösungen zu etablierten Fondsangeboten wird maginal, wenn zum Vergleich nicht mehr die teuren „Retail-Tranchen“ sondern die institutionellen Fondstranchen von Vermögensverwaltern gewählt werden. Denn diese enthalten die Beratungskosten ( „Vertriebskosten“) nicht. Wer diese nicht kaufen kann, wählt eine Fondsplattform, die die Bestandspflegezahlungen zurückerstattet. So landet das „Beratungsgeld“ wieder beim Anleger. Erst dieser Vergleich würde eine faire Bewertung nach Kosten zulassen.

Nun können wir uns der Frage widmen, ob durch Robo-Advisor (oder andere Vermögensverwalter) der Kapitalmarkt zu schlagen ist. Die Antwort: „Jein“.  Die Marktteilnehmer am weltweiten Wertpapiermarkt treten als Käufer und Verkäufer auf, sonst gäbe es keinen Handel. Diese bestimmen über die Börse den Kurs eines Wertpapiers im Spiel mit Angebot und Nachfrage. In der Summe aller Anleger kann daher niemand besser sein als der Markt aller Wertpapiere, denn im Durchschnitt bilden folglich alle „den Markt“ ab. Das spricht für ein klares „Nein“ auf die gestellte Frage.

Wo bestehen dennoch die Steuerungsmöglichkeiten, gut (besser) zu performen?

Zuallererst im Gesamtdepot über die Quote der risikobehafteten Wertpapiere (also in der Hauptsache Aktien). Wenn´s nach oben geht, sollte man investiert sein, wenn´s runter geht, besser nicht. Doch dieses Timing ist wiederum Glücksache. Aber theoretisch besteht die Möglichkeit, dass Profis über mehrere Jahre ein gutes Geschick dafür entwickeln und insbesondere in turbulenten Zeiten das Portfoliorisiko rechtzeitig reduzieren.

Können Vermögensverwalter zusätzlich über „Stock Picking“-Ansätze, also die gezielte Auswahl von einzelnen Aktien, besser als der Referenzmarkt sein? Hier ist die Wissenschaft eindeutig: In großen, entwickelten liquiden Märkten ist dies auf Dauer nicht möglich. Denkbar ist es in kleinen Aktienmärkten wie Kenia und anderen „Frontier Markets“ oder auch in intransparenten Anleihemärkten.

Nun gibt es Stimmen, die behaupten: „Mein Fondsmanager bringt z. B. im Bereich Europa eine deutlich bessere Leistung, also ein „Alpha“, gegenüber dem Vergleichsindex MSCI Europa!“ Es lohnt sich genau hinzusehen: Meist ist es ein „Fake-Alpha“. Der Fondsmanager hat sich z. B. auf kleine Unternehmen konzentriert. Daher müsste der Vergleichsindex z. B. der MSCI Europa Smaller Companies sein. 

Dann wird wieder sichtbar, dass der Mehrwert nach Kosten nicht vorhanden ist. Jetzt könnte man einwerfen, dass es doch genau dieser Mehrwert ist, dass der Fondsmanager Aktien kleiner Unternehmen auswählt. Doch die Wissenschaft hat längst bewiesen, dass kleinkapitalisierte Aktien langfristig mehr Rendite bringen als „Large Caps“ – bei mehr Risiko. Die Wissenschaft nennt diesen Effekt „Size-Factor“. Es ist also kein Verdienst des Fondsmanagers.

Das Fazit: der Markt ist nicht zu schlagen

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Der globale Aktienmarkt ist nicht zu schlagen. Sehr wohl aber können bessere risikobereinigte Performancezahlen (Messgröße z. B. Sharpe Ratio) erreicht werden, wenn ein stringenter, kostengünstiger Strategieansatz in der Zusammenstellung des Portfolios gewählt wird. Erfolgsfaktor ist also, dass der Vermögensverwalter – egal, ob „old school“ oder Robo-Advisor – einen klugen Investmentprozess aufgesetzt hat und diesen konsequent durchhält. 

Er wird gute und schlechte Zeiten erleben, denn kein Ansatz profitiert in jeder Marktphase. Deshalb führen auch Kurzzeitvergleiche genauso in die Irre wie die Nicht-Berücksichtigung des „Anlegerstresses“, das der Anbieter aufgrund der Risikoausrichtung des Depots fährt.

Die kluge Strategie ist eine Quelle des Erfolgs, die andere ist die Kostenquote. Je günstiger, desto mehr Performance. Das ist aber keine wirkliche Neuigkeit, spricht aber derzeit für einige Robo-Advisor. Profitieren können besonders Besitzer kleiner Vermögen. Vermögende mit Anlagevolumina von 500.000 € und mehr erhalten bei qualifizierten Anbietern solche Leistungen zu vergleichbaren Kosten – aber inklusive Beratung und persönlicher Betreuung.

Über Dr. Jörg Richter (CFP, CFEP, CEP)

Jörg Richter gilt als einer der führenden Experten in der Beratung Vermögender und ist seit über 25 Jahren in der Branche tätig. Die von ihm gegründete Dr. Richter | Unternehmensgruppe (www.dr-richter.de) besteht aus dem Institut Dr. Richter | IQF, der Dr. Richter | Beratungsgesellschaft mit Schwerpunkt „Digital Finance“ und der Dr. Richter | Kanzlei für Vermögen GmbH. Gemeinsam mit dem Verlag Fuchsbriefe untersucht er seit 15 Jahren systematisch den Markt des Private Banking und des Portfoliomanagements. (www.pruefinstanz.de). Dr. Richter ist zudem assoziiertes Mitglied am Zentrum für Asset- und Wealth Management an der WHU Otto Beisheim School, Vallendar.

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Markus G

Markus ist der “Kopf” des Teams. Ideengeber, Vermarkter, Redakteur und irgendwie an allem auf diesem Portal beteiligt. Ohne ihn würde es dieses Portal so nicht geben. Eine Idee – entstanden aus dem persönlichen Interesse an FinTech und nun langjähriger Erfahrungen in der Finanz-Szene. Zudem ist Markus Kolumnist auf zahlreichen Investment-Plattformen – vor allem im englischsprachigen Raum, aber u.a. auch auf Focus.de
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