Interview mit evergreen

Im Gespräch mit Iven Kurz/ CEO evergreen

evergreen - das digitale Kapitalanlage-Angebot des Leipziger FinTechs gilt als eines der neueren Robo-Advisor Angebote am deutschen Markt. Und es unterscheidet sich deutlich von seinen Mitbewerbern, was Anlagestrategie und eingesetzte Anlageprodukte angeht. Also Zeit für ein Interview und CEO Iven Kurz stand bereitwillig Rede und Antwort.

22. April 2020 | Oliver S

Was passiert, wenn erfahrene Investmentbanker sich zusammensetzen und erörtern, wie man die Welt der Geldanlage im Interesse der Anleger “verbessern” kann? Genau – es entsteht ein Start-Up! Getrieben von Iven Kurz, seines Zeichens ein Investment-Manager mit jahrelanger Erfahrung ist so Ende des Jahres 2019 in Leipzig ein neues digitales Kapitalanlage-Angebot gestartet – Evergreen. Doch anstatt das vermeintlich bewährte Modell anderer Robo-Advisor zu nutzen, und zwar in Form der überwiegenden Nutzung von ETFs, hat Evergreen einen vollkommen anderen Weg beschritten: Einfach 2 eigene Fonds aufgelegt!

Doch das ist nicht der einzige Unterschied zu den vermeintlichen Mitbewerbern. Und aufgrund dieser Unterschiede für uns einmal mehr Triebfeder die Anfrage nach einem Interview zu stellen. Und freundlicherweise wurde dem seitens Iven Kurz sehr zeitnah entsprochen. Hier ist es also – das Evergreen Interview mit Iven Kurz.

Soviel vorab: Eins der aufschlussreichsten Interviews, die wir bisher führen durften.

Das evergreen Interview: Herr Iven Kurz, Gründer und CEO der evergreen GmbH

1.) Herr Kurz, Evergreen ist ein sehr junges Unternehmen, denn die Gründung fand im vergangenen Jahr (2019) statt. Uns würde interessieren, was die Idee und das Ziel von Evergreen ist? Wo lag/liegt ihre Motivation in den Robo-Advisor Markt einzusteigen?

Eigentlich sind wir Fondsmanager und kommen aus dem institutionellen Bereich des Asset Management. Deshalb besteht unsere Hauptmotivation im sogenannten „customer centric asset management“, also dem kundenorientierten Asset Management. Ich selbst habe über 11 Milliarden Euro als Leiter Quantitative Wertsicherungsstrategien bei Metzler Asset Management verantwortet.

Dieses professionelle Know-How wollen wir mit EVERGREEN für jeden zugänglich machen. Da man im Bereich Wertsicherung sehr schnell sein muss, ist EVERGREEN im Prinzip ein Robo auf Speed. Die Verteilung der Anlageinstrumente, die sogenannte Asset Allokation muss jeden Tag optimiert werden.

Deshalb verzichten wir auf ETFs und nutzen unsere eigenen EVERGREEN Fonds PDI Yin und PDI Yang, die preislich fast auf ETF-Niveau liegen. Der Einsatz der eigenen Fonds hat einen entscheidenden Vorteil für unsere Anleger: Wir verzichten komplett auf eine Servicegebühr und bieten die Depotführung sowie alle Transaktionen kostenlos an.

Und darin besteht letztlich unsere Motivation: Professionelle, sicherheitsorientierte Geldanlage, individuell auf jeden Anleger zugeschnitten, täglich optimiert, zu Kosten auf ETF-Niveau. Letztlich lässt es sich durchaus infrage stellen, ob wir noch ein Robo-Advisor sind oder vielmehr ein Asset Manager, der dynamische Asset Allokation individuell und direkt in den Kundenportfolios umsetzt.

2) Ein Alleinstellungsmerkmal von Evergreen besteht darin, dass Sie großen Wert auf die passende Geldanlage je nach Lebensphase legen. Dabei nennen sie vier unterschiedliche Lebensphasen, angefangen vom Sparen für Kinder bis hin zum Vermögen bewahren. Im Ergebnis erscheint im Grunde eine Vermögensvorschau nach Jahren, Sparsumme und Rendite-Erwartung.

Darauf basierend: Wie genau gehen Sie bei der Strukturierung Ihrer Portfolios auf die entsprechende Lebensphase bzw. damit auf das Alter Ihrer Kunden sowie deren finanziellen Planungselementen ein?

Beim Matching von individueller Risikostruktur und passgenauer Geldanlage gilt es, zwei Herausforderungen zu meistern:

  • Die korrekte Analyse des Anlegers mit seiner aktuellen und zukünftigen finanziellen Lebenswirklichkeit.
  • Die richtige Einschätzung von Risiko bei der Wahl der Kapitalanlage.

Für viele Menschen ist es schwierig, ihr eigenes Risikoempfinden korrekt einzuschätzen und erst recht, es in Relation zu setzen. Wir setzen deshalb neben den klassischen Fragen nach Alter, Einkommen und Anlegerzielen auch auf spieltheoretische Analyse-Ansätze, bei der Ermittlung des Risikoprofils unserer Nutzer. Spielerisch lässt sich so ermitteln, welche Risiken unsere Anleger tatsächlich bereit sind einzugehen und welche Erwartungen sie an den Ertrag stellen.

Das wohl schwierigste Element bei der Risiko-Analyse ist die Zeitkomponente. Einerseits wissen wir alle, dass sich Risiken, z.B. bei der Anlage in Aktien, langfristige in höheren Erträgen auszahlen. Andererseits ist den wenigsten bekannt, wie lange „langfristig“ ist.

Um auf Nummer Sicher zu gehen, müsste man schon einen Anlagehorizont von 20, besser 30 Jahren haben, um verlässlich von Aktien-Risiken profitieren zu können. Und genau das widerspricht der Lebenswirklichkeit der meisten Anleger. Niemand kann sagen, ob man sein Geld in 5, 10 oder 15 Jahren nicht doch benötigt.

Das Leben ist nicht so präzise planbar und deshalb existieren die meisten langfristigen Renditen nur in der Theorie und nicht in den Anlegerdepots. Das ist auch unser größter Kritikpunkt an den langfristig ausgelegten, statischen ETF-Portfolios. Sie berücksichtigen weder unvorhergesehene Schwankungen, noch die Lebenswirklichkeit der Anleger. Deshalb schaffen wir mit unserer täglichen, dynamischen Steuerung Abhilfe.

Bezogen auf das Risiko der Anlage ist anzumerken, dass die Bewertung bezogen auf die Anlageklassen, meist Aktien und Renten, aus unserer Sicht zu kurz greift. Ein durchschnittliches Portfolio aus vermeintlich sicheren Staatsanleihen kann bei einem Zinsanstieg von lediglich 2 %, ohne weiteres 16 % an Wert verlieren, bei einer Duration von 8 Jahren.

Hat man sein Vermögen im Ruhestand dann in den vermeintlich sicheren Hafen umgeschichtet, verliert man unter Umständen mehr als mit Aktien.
Deshalb ordnen wir unseren Anlegern individuelle Risikobudgets zu. Je risikoaverser, insbesondere je näher man dem wohlverdienten Ruhestand ist, desto weniger Risikobudget wird zugeordnet.

Damit stellen wir für jeden Anleger sicher, dass Verluste möglichst auf die definierten Budgets beschränkt bleiben oder diese zumindest nicht signifikant unterschreiten, selbst wenn die Aktien- und Rentenmärkte stark verlieren. Darin sieht man, wie wichtig die tägliche Risikoanalyse und Optimierung ist.

Wir passen die Portfolios bei Bedarf täglich an. Beispielsweise haben wir während der starken Verluste an den Aktienmärkten in den ersten Monaten des Jahres 2020, selbst für risikotolerante Anleger die Aktienquoten von 80 % schrittweise auf 19 % reduziert. Bei einer einsetzenden Markterholung werden die Quoten wieder schrittweise erhöht.

Übrigens haben wir zum Thema Anlagestruktur im Lebenszyklus ein interessantes Video auf unserem YouTube-Kanal veröffentlicht:

YouTube video

 

3) Sie haben sich bewusst dagegen entschieden, ETFs einzusetzen. Stattdessen investieren Sie das Geld Ihrer Kunden in zwei hauseigene Fonds, nämlich die Publikumsfonds Evergreen PDI Yin und Evergreen PDI Yang.

Erste Frage: Warum haben Sie sich als Namen für die bekannten chinesischen Symbole Yin und Yang entschieden?

Anders als man das von herkömmlichen Fonds kennt, ermöglichen uns Yin und Yang es, jedes Risikoprofil unserer Anleger passgenau darzustellen. Yin und Yang besitzen jeweils ihr eigenes Risikobudget. Yin kommt mit sehr wenig Budget und damit sehr niedrigem Verlustpotential aus. Yang ist deutlich risikotoleranter und besitzt ein hohes Budget. Durch die Mischung von Yin und Yang können wir jedes Budget unserer Anleger passgenau darstellen.

Mehr noch: den Kostenvorteil, den wir durch den Verzicht auf ETFs erzielen, geben wir an unsere Anleger weiter. Sie sehen, Yin und Yang gehören zusammen und sorgen für einen guten Ausgleich in unseren Kundenportfolios.

Zweite Frage: Denken Sie, dass eine Konzentration auf lediglich zwei Fonds die beste Lösung ist? Immerhin arbeiten zahlreiche Ihrer Mitbewerber im Rahmen der Portfolios mit teilweise 10 bis 20 unterschiedlichen aktiv und passiv gemanagten Fonds und haben so mehr Flexibilität.

Hinter dem Einsatz der beiden Fonds steht weit mehr, als man vermuten würde. Das macht die Risikobudgetierung deutlich. Durch die Kombination der beiden Fonds und deren Risikobudgets lassen sich letztlich nicht nur 10 oder 20, sondern prinzipiell unendlich viele unterschiedliche Risikoprofile darstellen. Ein enormer Vorteil bei der individuellen Anlagestrukturierung.

Die tägliche Optimierung durch die Anpassung der Asset Allokation innerhalb der Fonds schlägt unmittelbar auf die Risiko-Struktur der Anleger durch. Eine Änderung der Anlagestruktur im Yin und Yang bedeutet immer auch eine Änderung der Anlagestruktur im Portfolio unserer Anleger.

Die Durchschau in unserer Experten-Analyse, welche jedem Anleger und auch den Interessenten auf unserer Seite zur Verfügung steht, macht dies deutlich. Ergebnis ist eine hochdynamische und dennoch individuelle Anlagestruktur für jeden einzelnen Anleger.

4) Die Kosten für den Anleger belaufen sich bei Evergreen auf erfreulich niedrige 0,59 Prozent im Jahr. Sie bestehen ausschließlich aus den Fondskosten, während weder Gebühren für die Depot- und Kontoführung noch für Transaktionen anfallen. Für Kunden ist dies sicherlich positiv. Trotzdem muss Evergreen natürlich Erträge erzielen und bestenfalls Gewinne erwirtschaften. Sind die Fondskosten Ihrer Meinung nach vielleicht nicht sogar etwas niedrig angesetzt, um damit ausreichende Einnahmen zu erzielen?

Die Frage ist vielmehr, sind die Kosten für die anderen Fonds seit Jahrzehnten nicht viel zu hoch? Und warum sind sie das? Die simple Erklärung liegt im Zusammenspiel von Vertrieb und Produktion. Sowohl das Fondsmanagement mit den überdurchschnittlich hohen Gehältern, als auch der enorm teure Vertrieb – man denke nur an die vielen Filialen der Banken und Sparkassen und die imposanten Hochhäuser der Frankfurter Skyline – machen es den Anbietern quasi unmöglich, vernünftig gepreiste Fonds anzubieten.

Und hohe Gebühren bedeuten immer eine Schmälerung der Rendite, also dem wichtigsten Qualitätsmerkmal neben dem Risiko einer Anlage. Hält man sich vor Augen, dass die Marktrisikoprämie für Aktien bei durchschnittlich 4 % bis 6 % pro Jahr (also über dem „risikolosen Zins“, der aktuell sogar negativ ist) liegt, macht das deutlich, wie unsinnig ein Investment mit Ausgabeaufschlägen und jährlichen Gebühren von 2 % und mehr ist.

Als effizienter Fondsmanager kommt es also zunächst darauf an, die Kosten im Griff zu haben. Mit unserer Erfahrung konnten wir auf einem weißen Blatt Papier anfangen und die „Produktion“, also das Fondsmanagement, komplett digitalisieren.

Das gleiche gilt natürlich für die Kundenansprache und damit den Beratungsprozess. Fondsmanagement sowie Kundenansprache und -betreuung außer einer Hand verkürzen die gesamte Wertschöpfungskette derart, dass wir mit 0,59 % Fondsgebühren pro Jahr gut leben können und keine Service-, Depot- und Transaktionskosten verlangen, denn auch diese Gebühren würden den Anlageerfolg unserer Nutzer schmälern.

5) Anleger können den Service von Evergreen ohne Mindesteinlage bzw. ab einem Euro nutzen. Die meisten Mitbewerber legen hier jedoch in der Regel Summen im Tausend Euro fest. Begründet wird dies oft damit, dass sich der Service unterhalb einer bestimmten Anlagesumme nicht rentieren würde. Ist dies bei Ihnen anders? Warum haben Sie sich entschlossen, allen Anlegern ohne Mindesteinlage Ihren Service anzubieten?

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, allen Menschen eine flexible und faire Geldanlage zu ermöglichen. Für den einen sind 500 Euro ein kleiner Schatz, beim anderen fallen monatliche Kontobewegungen von mehreren tausend Euro nicht ins Gewicht. Deshalb helfen wir unseren Nutzern, sich auch mit geringen Beträgen, selbst zum Sparen zu disziplinieren.

Voraussetzung dafür ist die bereits erwähnte straffe Kostenstruktur. Wer günstig und professionell produziert, kann auch günstig anbieten. Die EVERGREEN Geldanlage soll sich in erster Linie für unsere Anleger rentieren. Wir sind Profis genug, um dafür zu sorgen, dass auch EVERGREEN davon leben kann.

Ein weiterer Punkt ist Fairness bei der Gebührengestaltung. In der Branche ist es seit jeher üblich, größere Anlagebeträge mit geringeren prozentualen Gebühren zu belasten. Kleinsparer werden dagegen regelrecht abgezockt. Aus Sicht des Anbieters mag sich das so rentieren.

Aber aus Sicht des Anlegers ist es einfach nur unfair. Die Anleger, die eh schon weniger haben, müssen auch noch mehr für ihre Geldanlage bezahlen. Wir haben deshalb die Gebühren so einfach und transparent gewählt, dass ein Sparanfänger mit 10 Euro Anlagebetrag von den gleichen niedrigen Konditionen profitiert, wie ein Anleger mit 1 Million Euro Anlagebetrag.

6) Sie sprechen auf Ihrer Webseite davon, dass Anleger mit Evergreen ihre Steuerlast optimieren können. Sie ziehen anschließend einen Vergleich zu einer Anlage, bei der der Gewinn am Ende der Laufzeit nach zehn Jahren ausgezahlt wird und somit der volle Ertrag mit 25 Prozent besteuert wird und daher den Freibetrag deutlich überschreitet.

Dann führen Sie an, dass Anleger mit Evergreen den Freibetrag jedes Jahr nutzen können. Können Sie unseren Lesern erläutern, wie das im Detail gemeint ist? Schütten Sie bei den Publikumsfonds Erträge aus, werden diese thesauriert oder in welcher Form lässt sich die Steuerlast optimieren?

Unsere Fonds sind thesaurierend d.h. die Erträge verbleiben in den Fonds und erhöhen das angelegte Vermögen. Beim Steuer-Thema beziehen wir uns auf den Sparerfreibetrag i.H.v. 801 Euro pro Person und Jahr. Lege ich mein Geld heute für 10 Jahre in einen Fonds an und realisiere am Ende durch Verkauf meinen Gewinn, bleiben einmalig 801 Euro davon steuerfrei.

Realisiere ich dagegen in jedem der 10 Jahre meinen Gewinn, beispielsweise durch Verkauf und erneuten Kauf des Fonds, kann ich im Idealfall 10 Mal vom Sparerfreibetrag profitieren, am Ende also 8010 Euro steuerfrei vereinnahmen.

Wir können diese Gewinnrealisierung in Abhängigkeit vom eingereichten Freistellungsauftrag und der tatsächlichen Wertentwicklung der Geldanlage für unsere Nutzer automatisieren.

Das Ganze macht natürlich nur Sinn, wenn durch den Verkauf und Kauf der Geldanlage keine Transaktionskosten oder gar Ausgabeaufschläge und Rücknahmeabschläge entstehen oder etwa Geld/Brief-Spannen existieren. Aber diese Kosten gibt bei den EVERGREEN Fonds zum Glück nicht, sodass der Effekt zu 100 % auf das Vermögen des Anlegers durchschlägt.

7) Evergreen verfolgt das Modell “Passive Dynamic Investing”, nach dem auch die zwei Publikumsfonds Fonds (PDI) benannt sind. Können Sie einmal in wenigen Sätzen erklären, was Passive Dynamic Investing im Kern beinhaltet?

In einem Satz: PDI ist eine synthetische Options-Strategie, welche das Auszahlungsprofil einer multidimensionalen Collar-Struktur repliziert.

Es handelt sich um eine hochentwickelte Wertsicherungsstrategie, welche das Schwankungsrisiko unserer Anleger genau quantifiziert und mittels dynamischer Asset Allokation, also täglicher Anpassung der Anlagestruktur, prognosefrei steuert.

„Passive“ deshalb, weil wir auf die „aktive“ Auswahl von Einzeltiteln verzichten und unser globales Anlageuniversum kostengünstig über Futures (nicht ETFs!) abbilden.

„Dynamic“, weil wir die Aktien-, Renten- und Cash-Quoten in unseren Anlegerdepots mittelbar über die Asset Allokation unserer Fonds täglich anpassen.
Im Evergreen PDI Yang beispielsweise schwankt die Aktienquote zwischen 0 % und 90 %, je nach aktueller Marktsituation.

Für Experten habe ich auf dem Podcast-Channel „The Wall Street Lab“ das Konzept der dynamischen Asset Allokation einmal detailliert erläutert:
>> Zum Podcast >> Wall Street Lab -dynamische Asset Allokation

8) Was sind aus Ihrer Sicht die drei größten Vorteile von Evergreen? Warum sollten sich Anleger gerade für Sie und nicht für einen der mittlerweile über 30 Mitbewerber am Markt in Bereich der Robo-Advisors entscheiden?

Das wichtigste Alleinstellungsmerkmal ist sicher die dynamische Portfolio-Steuerung, also die deutliche Reduzierung von Risiken in Krisenphasen und die prognosefreie Partizipation im positiven Marktumfeld.

Zwar gibt es bei anderen Anbietern ebenfalls Ansätze zur prognosefreien Dynamik, allerdings zeigt die Erfahrung der vergangenen Monate, dass diese Ansätze akademisch teilweise überholt sind und allenfalls halbherzig umgesetzt wurden.

In einem Portfolio bestehend aus ETFs ist die tägliche Optimierung der Anlagequoten schon aus Kostengründen quasi unmöglich. Hier kommt uns unsere jahrelange Erfahrung als quantitative Wertsicherungsmanager zugute.

Nicht weniger wichtig und im Vergleich einmalig, sind natürlich die geringen Kosten, welche durch den Verzicht auf jegliche Service-, Depot- und Transaktionskosten zustande kommen und entsprechend die Rendite der Anleger erhöhen. Hier profitieren unsere Anleger davon, dass EVERGREEN nicht nur Vermögensmanager, sondern auch gleichzeitig Fondsmanager ist und die Kostenvorteile durch die verkürzte Wertschöpfungskette an alle Anleger weitergibt.

Neben der professionellen Anlagestrategie und den fairen Gebühren, können unsere Nutzer unser erweitertes Serviceangebot ausnutzen. Dazu gehören unsere kostenlosen Finanzplanungstools, die automatische Optimierung der Steuerlast, die tägliche Verfügbarkeit der angelegten Beträge ab 1 Euro Anlagesumme oder die EVERGREEN Pockets,

Diese Pockets ermöglichen unseren Anlegern, unterschiedliche „Unterdepots“ für verschiedene Sparziele innerhalb von Sekunden anzulegen und jedem Pocket ein eigenes Risikoniveau zuzuweisen. Auch für die Pockets gibt es faktisch keine Mindestgröße.

Nicht unerwähnt bleiben sollte unsere Experten-Analyse, bei der unsere Anleger den Fondsmanagern quasi in Echtzeit über die Schulter schauen können, um herauszufinden, welche Veränderungen sich in ihren Depots ergeben haben. Das betrifft sowohl die Asset Allokation als auch alle relevanten Risiko-Parameter. Und zwar für jedes einzelne Pocket.

9) Ein Blick in die Gegenwart: Wie bewerten sie die aktuelle Situation an den globalen Börsen? Bieten sich gerade jetzt optimale Einstiegschancen und wenn ja: Warum?

Die aktuelle Situation bestätigt es erneut: Prognosen sind mit Unsicherheit behaftet, besonders wenn sie in die Zukunft gerichtet sind. Das gilt natürlich nicht nur für den Rückgang der Aktienkurse, den selbstverständlich kein noch so erfahrener Profi am Jahresanfang auf dem Zettel hatte, sondern auch für eine potentielle Erholung. Deshalb bin ich sehr dankbar dafür, dass sich unsere prognosefreien Konzepte so gut bewährt haben.

Wichtiger als das „wann?“ ist für einen Einstieg vielmehr das „wie?“. Die Anleger und auch die Profis müssen sich damit abfinden, dass der optimale Zeitpunkt zum investieren nicht bestimmbar ist. Deshalb ist man gut beraten, wenn man Risiken entsprechend der großen Unsicherheit weitgehend reduziert und Risiko-Positionen schrittweise aufbaut, sobald sich eine Erholung abzeichnet.

Oder man überlässt das ganze einem dynamischen Konzept zur Asset Allokation wie Evergreen PDI, welches Risiko und Ertrag täglich gegeneinander abwägt und die Positionen in steigenden und fallenden Märkten schrittweise optimiert. Damit stellt sich dann auch die Frage nach dem Timing nicht mehr.

10) Ein Blick in die Zukunft: Wie wird der Markt der digitalen Vermögensverwalter Ihrer Einschätzung nach in fünf Jahren aussehen? Gibt es mehr Mitbewerber am Markt oder vielleicht weniger? Haben Sie vielleicht bereits Erweiterungen innerhalb Ihres Angebotes geplant, wie zum Beispiel individuelle Anlagethemen oder die Aufnahme externer Fonds zur breiteren Diversifikation?

Ich vermute, dass es einfache ETF-Portfolios bald ohne zusätzliche Servicegebühren geben wird. Das Konzept ist relativ simpel und prinzipiell von jedem Anleger, auch ohne Robo Advisor, in seinem eigenen Depot replizierbar. Der Effekt des Rebalancing wird dabei häufig überschätzt und wird als Value Proposition überbewertet.

In den USA kostet der ETF-Portfolioservice schon seit geraumer Zeit nicht mehr als 0,25 % p.a. und die ersten ETF-Anbieter, wie beispielsweise Vanguard, bieten bereits ihren eigenen Service dazu an. Dann kaufe ich doch als Anleger lieber direkt beim „Hersteller“, vermutlich sogar ganz ohne Servicegebühr.

Als digitaler Vermögensmanager bieten wir unseren Nutzern einen echten, individuellen Asset Management Service – „customer centric asset management“. Hinzu kommt die Hilfestellung bei der privaten Vermögensanalyse und -strukturierung. Der Kombination von kundenorientiertem, dynamischen Vermögensmanagement und individuellem Service gehört meiner Meinung nach die Zukunft.

Zu guter Letzt

Herr Kurz, wir danken für das sehr interessante und vor allem aufschlussreiche Interview!

Zur Person >> Iven Kurz / evergreen

Iven kurz ist Gründer und aktueller CEO seines Fintech Unternehmens, der evergreen GmbH in Leipzig. Er blickt auf eine lange Karriere im Investmentsektor zurück, denn vor seinem Weg in die Selbstständigkeit war er unter anderem 7 Jahre als Portfolio-Manager beim Bankhaus Metzler und rund 12 Jahre in selbiger Position bei Lampe Asset Management, einer Tochtergesellschaft des Bankhaus Lampe tätig.

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Oliver S.

Oliver ist der Journalist im Team. Ausgebildeter Banker (Hypo Vereinsbank), hat hohes Maß an spezifischem Finanzwissen und ist einer der bekanntesten Schreiberlinge in der Finanz-Szene. Oliver hat so unter anderem auch für die Huffington Post geschrieben. Zudem war er auch als Redakteur für FTD.de (ex Financial Times Deutschland) tätig. Also eine echte Bereicherung für das Team. Kümmert sich hier um alles, was mit dem Thema Finanzwissen, Interviews und News zu tun hat. Oliver ist verheiratet, hat Kinder und lebt in Nordrhein-Westfalen.
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