Aktiv gemanagte ETFs: Echte Outperformance anstatt einfacher Index-Nachbildung?

Aktiv gemanagte ETFs verzeichnen seit mehreren Jahren ein überdurchschnittliches Wachstum und etablieren sich als Alternative zu rein indexbasierten Produkten. Während passive ETFs jahrelang den Markt dominierten, zeigt sich nun eine Verschiebung: Institutionelle und private Anleger nutzen zunehmend Produkte, die aktives Management mit der ETF-Struktur verbinden. Der UCITS-ETF-Markt verzeichnete 2025 mit Nettozuflüssen von rund 325 Milliarden Euro einen neuen Rekord — und 70 Prozent der europäischen Asset Manager planen, innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate neue aktiv gemanagte ETFs aufzulegen. Besonders in den USA ist dieser Trend bereits stark ausgeprägt, während der europäische Markt noch am Anfang dieser Entwicklung steht.

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Markus G

Zuletzt aktualisiert am: 31. Mai 2026

Aktiv gemanagte ETFs: Chancen für Outperformance im Vergleich zu Index-ETFs

29. November 2024

Aktiv gemanagte ETFs – das Beste aus 2 Anlagestrategien zusammengeführt

Aktiv gemanagte ETFs kombinieren zwei Ansätze: die Flexibilität aktiver Anlageentscheidungen und die strukturellen Vorteile börsengehandelter Indexfonds. Traditionell wurden Exchange Traded Funds nahezu ausschließlich zur passiven Indexnachbildung eingesetzt. Diese Abgrenzung löst sich zunehmend auf. Institutionelle Investoren setzen ETFs bereits seit längerem nicht nur als passive Buy-and-Hold-Instrumente ein, sondern nutzen sie für taktische Allokationen und kurzfristige Handelsstrategien. Diese Entwicklung spiegelt die Nachfrage nach Anlageinstrumenten wider, die Kosteneffizienz, Handelbarkeit und aktive Portfolioverwaltung vereinen.

Marktentwicklung und aktueller Stand bei aktiv gemanagten ETFs

Die Wachstumsdaten zeigen eine klare Entwicklung: Nach Daten der Beratungsgesellschaft ETFGI überschreitet das weltweit in aktiven ETFs verwaltete Vermögen mittlerweile die Marke von einer Billion US-Dollar. In den vergangenen fünf Jahren hat sich das Volumen aktiver ETFs jährlich im Durchschnitt verdoppelt. Zum Vergleich: Passive ETFs wuchsen im selben Zeitraum um etwa 20 Prozent pro Jahr. Der deutsche Markt befindet sich in einer früheren Phase dieser Entwicklung, wächst aber deutlich. Deutsche Anleger hielten zur Jahresmitte 2025 rund 500 Milliarden Euro in ETFs — das entspricht knapp einem Viertel des europäischen ETF-Markts (Quelle: BVI auf Basis von Clearstream-Daten). Von den in Deutschland handelbaren ETFs verfolgen bislang etwa 100 einen aktiven Ansatz, doch die Produktpalette wächst kontinuierlich. 70 Prozent der europäischen Asset Manager planen laut einer aktuellen Umfrage, in den nächsten 12 bis 18 Monaten neue aktiv gemanagte ETFs aufzulegen.

Der amerikanische Einfluss am Beispiel von ARK Capital und Cathie Wood

Der US-Markt zeigt die Dynamik aktiver ETFs besonders deutlich: Ein prägnantes Beispiel ist der ARK Innovation ETF unter der Leitung von Cathie Wood. Im Jahr 2020 erzielte der Fonds eine Rendite von über 152 Prozent und zog damit erhebliche Mittelzuflüsse an.

Wertentwicklung des ARK Innovation ETF (2020–2026)

Jahr Jährliche Rendite (%)
2020 +152,82
2021 –23,38
2022 –66,97
2023 +67,64
2024 +8,40
2025 (Gesamtjahr) +35,49
2026 YTD (Stand 27.05.2026) –1,63
Quelle: Yahoo Finance, Stand 27. Mai 2026. Alle Renditen in USD. Die Performancedaten illustrieren sowohl das Renditepotenzial als auch die Volatilität aktiv gemanagter Strategien. Nach dem Ausnahmejahr 2020 folgte 2021 ein Verlust von 23 Prozent — ein Rückgang, der von vielen Anlegern unterschätzt wird — und 2022 ein weiterer Einbruch von fast 67 Prozent. Die spektakuläre Erholung 2023 (+67,6 %) und das moderate 2024 (+8,4 %) zeigen die zyklische Natur konzentrierter Wachstumsstrategien. 2025 legte ARKK auf Jahresbasis 35,5 Prozent zu — getragen von KI-Themen und einer breiten Tech-Rallye in der ersten Jahreshälfte. Im laufenden Jahr 2026 liegt der Fonds Stand Ende Mai leicht im Minus (–1,6 %). Diese Schwankungen verdeutlichen die Risiken konzentrierter Technologie-Portfolios über verschiedene Marktphasen hinweg. Die regulatorischen Unterschiede zwischen den USA und Europa beeinflussen die Produktgestaltung erheblich. In den USA müssen ETF-Anbieter ihre Portfoliopositionen nicht täglich offenlegen, was aktiveren Strategien mehr Spielraum gibt. Europäische UCITS-konforme ETFs unterliegen strengeren Transparenzanforderungen. Die Übernahme des europäischen ETF-Anbieters Rize ETF durch ARK Invest könnte den Zugang europäischer Anleger zu ARK-Strategien erleichtern. Allerdings müssten diese Produkte an die UCITS-Richtlinien angepasst werden, was die Umsetzung der ursprünglichen Strategien beeinflussen kann.

Funktionsweise und Management dieser neuen ETFs

Der zentrale Unterschied zwischen aktiven und passiven ETFs liegt im Entscheidungsprozess: Passive ETFs: Bilden einen vordefinierten Index möglichst präzise nach. Die Zusammensetzung folgt festen Regeln, Änderungen erfolgen nur bei Index-Anpassungen. Die Verwaltungskosten sind minimal, da keine laufenden Anlageentscheidungen getroffen werden. Aktive ETFs: Verfügen über ein Managementteam, das diskretionäre Anlageentscheidungen trifft. Das Portfolio kann von Referenzindizes abweichen. Das Management kann:  
  • Sektorgewichtungen anpassen
  • Einzeltitel übergewichten oder untergewichten
  • In Erwartung von Marktbewegungen die Cashquote verändern
  • Positionen vollständig aufbauen oder auflösen
Die ETF-Struktur bietet dabei spezifische operative Vorteile: kontinuierliche Handelbarkeit während der Börsenöffnungszeiten, transparente Preisbildung über den Börsenhandel und typischerweise niedrigere Kostenstrukturen als klassische Investmentfonds. Etablierte Anbieter haben auf die Nachfrage reagiert: iShares, Amundi, Invesco sowie traditionelle Fondsgesellschaften wie AXA Investment Managers, PIMCO und JP Morgan Asset Management bieten mittlerweile aktive ETFs an. Diese Produkte nutzen die ETF-Infrastruktur, während die Portfolioverwaltung den Prinzipien aktiven Managements folgt.

Performance-Analyse aktiv gemanagter ETFs

Die Wertentwicklung aktiver ETFs variiert erheblich je nach Strategie, Marktphase und Managementqualität. Exemplarische Daten ausgewählter in Europa verfügbarer Produkte:
ETF-Name ISIN / WKN Wertentwicklung
iShares Europe Equity Enhanced Active UCITS ETF EUR (Acc) ISIN: IE00000EF730 WKN: A40C73 Aufgelegt: 31.07.2024 2024: +5,8 % 2025: +21,1 % (Mitte 2025)*
JPMorgan Active US Growth UCITS ETF USD (Acc) ISIN: IE0005CH3U28 WKN: A1HJLH 2023: +45,2 % 2024: +32,8 % 2025: +12,4 % (Mitte 2025)*
Invesco Active International Equity UCITS ETF ISIN: IE00B1XN8H34 WKN: A2P8PZ 2023: +18,6 % 2024: +14,3 % 2025: +8,7 % (Mitte 2025)*
*Die 2025-Angaben für europäische aktive ETFs beziehen sich auf den Stand Mitte 2025. Aktuelle Jahresrenditen und 2026-YTD-Werte bitte beim jeweiligen Anbieter oder auf justETF.com prüfen. Angaben ohne Gewähr; keine Anlageberatung. Diese Zahlen zeigen positive Ergebnisse über mehrere Kalenderjahre. Für eine aussagekräftige Beurteilung ist jedoch der Vergleich mit relevanten Benchmarks erforderlich. Ein aktiver ETF sollte seinen Referenzindex nach Abzug der höheren Kosten übertreffen, um die Mehrkosten zu rechtfertigen. Die langfristige Konsistenz dieser Outperformance ist entscheidend für die Beurteilung der Managementqualität.

Investitionsmöglichkeiten und praktische Aspekte

Der Zugang zu aktiven ETFs erfolgt über die gleichen Kanäle wie bei passiven ETFs: Depot bei Bank oder Broker: Aktive ETFs können über Wertpapierdepots bei Direktbanken, Filialbanken oder Online-Brokern gehandelt werden. Der Kauf erfolgt über die Börse (etwa XETRA, Frankfurt, Stuttgart) oder im außerbörslichen Direkthandel mit Market Makern. Orderausführung: Die Preisstellung erfolgt fortlaufend während der Handelszeiten. Der börsentägliche Handel ermöglicht Käufe und Verkäufe zu Marktpreisen, wobei die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs (Spread) je nach Liquidität des ETFs variiert. Sparplanfähigkeit: Viele Broker bieten auch für aktive ETFs Sparplanausführungen an. Anleger können damit regelmäßig feste Beträge investieren und vom Cost-Average-Effekt profitieren – der Durchschnittsbildung des Einstiegskurses über verschiedene Marktphasen hinweg. Bei der Produktauswahl sollten Anleger mehrere Faktoren berücksichtigen: die Trackrecord-Länge des Managements, die Kostenquote im Vergleich zur erwarteten Mehrrendite, das verwaltete Vermögen (höhere Assets verbessern typischerweise die Handelbarkeit) und die Transparenz der Anlagestrategie.

Chancen und Herausforderungen aktiv gemanagter ETFs

Aktive ETFs weisen gegenüber passiven ETFs und klassischen aktiven Fonds spezifische Vor- und Nachteile auf: Vorteile aktiver ETFs:
  • Flexibilität: Das Management kann auf Marktveränderungen, Unternehmensnachrichten oder makroökonomische Entwicklungen reagieren
  • Kosteneffizienz gegenüber klassischen Fonds: Die Gesamtkostenquote (TER) liegt typischerweise unter der von klassischen aktiven Fonds, da keine Ausgabeaufschläge anfallen und die Verwaltungsgebühren niedriger sind
  • Intraday-Handelbarkeit: Im Gegensatz zu klassischen Fonds können Positionen während der Handelszeiten gekauft oder verkauft werden
  • Transparenz: UCITS-ETFs müssen ihre Portfoliozusammensetzung täglich offenlegen
Nachteile und Risiken:
  • Höhere Kosten als passive ETFs: Die TER liegt bei aktiven ETFs typischerweise zwischen 0,4 und 1,0 Prozent, während passive Indexfonds oft unter 0,2 Prozent liegen
  • Managementrisiko: Die Performance hängt von den Entscheidungen des Managementteams ab. Fehleinschätzungen können zu Underperformance führen
  • Keine Outperformance-Garantie: Zahlreiche Studien zeigen, dass die Mehrheit aktiver Strategien ihre Benchmarks langfristig nicht nach Kosten übertrifft
  • Höhere Komplexität: Anleger müssen die Anlagestrategie verstehen und deren Eignung für ihre Situation beurteilen können
  • Transaktionskosten: Häufigere Portfolioanpassungen verursachen Handelskosten, die die TER nicht vollständig abbildet
Die Entscheidung zwischen passiven und aktiven ETFs hängt von mehreren Faktoren ab: der eigenen Einschätzung zur Markteffizienzhypothese, der Bereitschaft, höhere Kosten für potenzielle Mehrrendite zu tragen, dem Anlagehorizont und der Überzeugung bezüglich der Managementqualität des gewählten Produkts.

Aktiv gemanagte ETFs und Robo-Advisor: Was deutsche Anleger wissen sollten

Die meisten deutschen Robo-Advisor setzen bis heute fast ausschließlich auf passive ETFs — und das aus gutem Grund: Niedrige Kosten, breite Diversifikation und transparente Indexnachbildung sind die Grundprinzipien digitaler Vermögensverwaltung. Doch der Trend zu aktiven ETFs verändert auch dieses Segment. Was aktuell gilt: Kein etablierter deutscher Robo-Advisor setzt systematisch auf aktiv gemanagte ETFs als Kernbaustein. Das Fundament bleibt der passive, kostenoptimierte Index-ETF. Einige Anbieter gehen jedoch Zwischenwege: Ginmon beispielsweise nutzt einen faktorbasierten Ansatz nach dem Fama-French-Modell — das ist kein aktives Management im klassischen Sinne, aber auch keine reine Indexnachbildung. Scalable Capital setzt auf ein dynamisches Risikomanagement-Modell, das die Asset-Allokation aktiv anpasst, während die Einzelprodukte passiv bleiben. Was sich verändern könnte: Da 70 Prozent der europäischen Asset Manager planen, neue aktive ETFs aufzulegen, ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese Produkte auch in Robo-Advisor-Portfolios Einzug halten — zumal das neue Altersvorsorgedepot ab 2027 aktive Fonds ausdrücklich als förderfähige Anlageklasse einschließt. Anbieter, die dann aktive ETFs mit überzeugender Langzeitperformance und akzeptablen Kosten in ihre Modellportfolios integrieren, könnten sich differenzieren. Unsere Einschätzung: Wer heute über einen Robo-Advisor investiert, ist mit dem passiven ETF-Ansatz gut beraten — die Kostenvorteile sind real und langfristig messbar. Aktive ETFs als Beimischung können sinnvoll sein, wenn der Anbieter eine nachvollziehbare Strategie und einen langen, verifizierbaren Track Record vorweisen kann. Ohne diese beiden Voraussetzungen ist die Mehrgebühr nicht gerechtfertigt.

Zukunftsperspektiven und Fazit

Die Entwicklung aktiver ETFs stellt eine Evolution im Investmentbereich dar, die die traditionelle Trennung zwischen aktiv und passiv aufweicht. Die Wachstumsdaten der vergangenen Jahre zeigen eine anhaltende Nachfrage, getrieben von institutionellen Investoren, die die Kostenvorteile der ETF-Struktur mit aktiven Strategien kombinieren möchten. Mehrere Faktoren könnten das weitere Wachstum beeinflussen:
  • Regulatorische Entwicklungen: Änderungen der UCITS-Richtlinien in Europa könnten mehr Spielraum für aktive Strategien schaffen
  • Markteintritt etablierter Manager: Wenn weitere renommierte aktive Manager ihre Strategien in ETF-Form anbieten, könnte dies die Akzeptanz erhöhen
  • Technologische Innovation: Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen könnten neue Ansätze im aktiven Management ermöglichen
  • Kostendruck: Der anhaltende Gebührenwettbewerb könnte auch aktive ETFs günstiger machen
  • Altersvorsorgedepot als Wachstumstreiber: Das ab 2027 verfügbare staatlich geförderte Altersvorsorgedepot schließt aktive Fonds als förderfähige Produktkategorie ein — ein bedeutender struktureller Wachstumsimpuls für den deutschen Markt

Für Anleger erweitern aktive ETFs das Spektrum verfügbarer Instrumente. Passive Indexfonds bleiben für die meisten Investoren das Fundament langfristiger Portfolios — und das zu Recht. Aktive ETFs können als Ergänzung dienen, wenn Anleger von einem spezifischen Managementteam oder einer Strategie überzeugt sind. Die klare Bedingung dabei: überprüfbarer Track Record von mindestens fünf Jahren und eine TER, die die Mehrrendite nicht vollständig aufzehrt. Die Zahlen des ARK Innovation ETF illustrieren das Dilemma treffend: +152 % in 2020, dann –23 % und –67 % in den Folgejahren, dann +68 % Erholung — gefolgt von +35 % und wieder leichtem Minus 2026. Wer 2020 eingestiegen ist und durchgehalten hat, liegt vorne. Wer 2021 auf dem Hype-Höhepunkt kaufte, sitzt trotz der nachfolgenden Erholungen noch im Minus. Das ist aktives Management in seiner ganzen Ambivalenz: potenziell schlagkräftig, aber nur für Anleger mit langem Horizont, hoher Risikotoleranz — und der Disziplin, den Kurs zu halten, wenn es schmerzhaft wird.

Quellen


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Markus G

Markus ist der “Kopf” des Teams. Ideengeber, Vermarkter, Redakteur und irgendwie an allem auf diesem Portal beteiligt. Ohne ihn würde es dieses Portal so nicht geben. Eine Idee – entstanden aus dem persönlichen Interesse an FinTech und nun langjähriger Erfahrungen in der Finanz-Szene. Zudem ist Markus Kolumnist auf zahlreichen Online-Plattformen – im englischsprachigen Raum unter anderem aufTalkmarkets, Stocktwits, Publish0X.com, aber auch auf im deutschsprachigen Raum u. a. auf Focus.de und Sharewise.com.
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