Aktiv gemanagte ETFs verzeichnen seit mehreren Jahren ein überdurchschnittliches Wachstum und etablieren sich als Alternative zu rein indexbasierten Produkten. Während passive ETFs jahrelang den Markt dominierten, zeigt sich nun eine Verschiebung: Institutionelle und private Anleger nutzen zunehmend Produkte, die aktives Management mit der ETF-Struktur verbinden. Besonders in den USA ist dieser Trend bereits stark ausgeprägt, während der europäische Markt noch am Anfang dieser Entwicklung steht.
Markus G
Zuletzt aktualisiert am: 16. Dezember 2025
29. November 2024
Aktiv gemanagte ETFs kombinieren zwei Ansätze: die Flexibilität aktiver Anlageentscheidungen und die strukturellen Vorteile börsengehandelter Indexfonds. Traditionell wurden Exchange Traded Funds nahezu ausschließlich zur passiven Indexnachbildung eingesetzt. Diese Abgrenzung löst sich zunehmend auf.
Institutionelle Investoren setzen ETFs bereits seit längerem nicht nur als passive Buy-and-Hold-Instrumente ein, sondern nutzen sie für taktische Allokationen und kurzfristige Handelsstrategien. Diese Entwicklung spiegelt die Nachfrage nach Anlageinstrumenten wider, die Kosteneffizienz, Handelbarkeit und aktive Portfolioverwaltung vereinen.
Die Wachstumsdaten zeigen eine klare Entwicklung: Nach Daten der Beratungsgesellschaft ETFGI nähert sich das weltweit in aktiven ETFs verwaltete Vermögen der Marke von einer Billion US-Dollar. In den vergangenen fünf Jahren hat sich das Volumen aktiver ETFs jährlich im Durchschnitt verdoppelt. Zum Vergleich: Passive ETFs wuchsen im selben Zeitraum um etwa 20 Prozent pro Jahr.
Der deutsche Markt befindet sich in einer früheren Phase dieser Entwicklung. Von den rund 2.500 in Deutschland handelbaren ETFs verfolgen etwa 100 einen aktiven Ansatz. Dies entspricht einem Anteil von 1,9 Prozent am Gesamtvolumen. Die Wachstumsraten in anderen Märkten deuten darauf hin, dass dieser Anteil steigen könnte, sofern die regulatorischen Rahmenbedingungen stabil bleiben und Anleger die Kostenstrukturen akzeptieren.
Der US-Markt zeigt die Dynamik aktiver ETFs besonders deutlich: Ein prägnantes Beispiel ist der ARK Innovation ETF unter der Leitung von Cathie Wood. Im Jahr 2020 erzielte der Fonds eine Rendite von über 150 Prozent und zog damit erhebliche Mittelzuflüsse an.
| Jahr | Jährliche Rendite (%) |
|---|---|
| 2020 | 152.80 |
| 2021 | 148.94 |
| 2022 | -65.52 |
| 2023 | 23.45 |
| 2024 | 8.40 |
| 2025 YTD | 44.55 |
Die Performancedaten illustrieren sowohl das Renditepotenzial als auch die Volatilität aktiv gemanagter Strategien. Nach zwei Jahren außergewöhnlicher Gewinne folgte 2022 ein Verlust von über 65 Prozent. Das Jahr 2024 verlief mit 8,4 Prozent moderat, während 2025 bisher wieder eine deutlich positive Entwicklung von über 44 Prozent zeigt. Diese Schwankungen verdeutlichen die Risiken konzentrierter Technologie-Portfolios über verschiedene Marktphasen hinweg.
Die regulatorischen Unterschiede zwischen den USA und Europa beeinflussen die Produktgestaltung erheblich. In den USA müssen ETF-Anbieter ihre Portfoliopositionen nicht täglich offenlegen, was aktiveren Strategien mehr Spielraum gibt. Europäische UCITS-konforme ETFs unterliegen strengeren Transparenzanforderungen.
Die Übernahme des europäischen ETF-Anbieters Rize ETF durch ARK Invest könnte den Zugang europäischer Anleger zu ARK-Strategien erleichtern. Allerdings müssten diese Produkte an die UCITS-Richtlinien angepasst werden, was die Umsetzung der ursprünglichen Strategien beeinflussen kann.
Der zentrale Unterschied zwischen aktiven und passiven ETFs liegt im Entscheidungsprozess:
Passive ETFs: Bilden einen vordefinierten Index möglichst präzise nach. Die Zusammensetzung folgt festen Regeln, Änderungen erfolgen nur bei Index-Anpassungen. Die Verwaltungskosten sind minimal, da keine laufenden Anlageentscheidungen getroffen werden.
Aktive ETFs: Verfügen über ein Managementteam, das diskretionäre Anlageentscheidungen trifft. Das Portfolio kann von Referenzindizes abweichen. Das Management kann:
Die ETF-Struktur bietet dabei spezifische operative Vorteile: kontinuierliche Handelbarkeit während der Börsenöffnungszeiten, transparente Preisbildung über den Börsenhandel und typischerweise niedrigere Kostenstrukturen als klassische Investmentfonds.
Etablierte Anbieter haben auf die Nachfrage reagiert: iShares, Amundi, Invesco sowie traditionelle Fondsgesellschaften wie AXA Investment Managers, PIMCO und JP Morgan Asset Management bieten mittlerweile aktive ETFs an. Diese Produkte nutzen die ETF-Infrastruktur, während die Portfolioverwaltung den Prinzipien aktiven Managements folgt.
Die Wertentwicklung aktiver ETFs variiert erheblich je nach Strategie, Marktphase und Managementqualität. Exemplarische Daten ausgewählter in Europa verfügbarer Produkte:
| ETF-Name | ISIN / WKN | Wertentwicklung |
|---|---|---|
| iShares Europe Equity Enhanced Active UCITS ETF EUR (Acc) | ISIN: IE00000EF730 WKN: A40C73 | Aufgelegt: 31.07.2024 2024: +5.8% 2025 YtD: +21.1% |
| JPMorgan Active US Growth UCITS ETF USD (Acc) | ISIN: IE0005CH3U28 WKN: A1HJLH | 2023: +45.2% 2024: +32.8% 2025 YtD: +12.4% |
| Invesco Active International Equity UCITS ETF | ISIN: IE00B1XN8H34 WKN: A2P8PZ | 2023: +18.6% 2024: +14.3% 2025 YtD: +8.7% |
Diese Zahlen zeigen positive Ergebnisse über mehrere Kalenderjahre. Für eine aussagekräftige Beurteilung ist jedoch der Vergleich mit relevanten Benchmarks erforderlich. Ein aktiver ETF sollte seinen Referenzindex nach Abzug der höheren Kosten übertreffen, um die Mehrkosten zu rechtfertigen. Die langfristige Konsistenz dieser Outperformance ist entscheidend für die Beurteilung der Managementqualität.
Der Zugang zu aktiven ETFs erfolgt über die gleichen Kanäle wie bei passiven ETFs:
Depot bei Bank oder Broker: Aktive ETFs können über Wertpapierdepots bei Direktbanken, Filialbanken oder Online-Brokern gehandelt werden. Der Kauf erfolgt über die Börse (etwa XETRA, Frankfurt, Stuttgart) oder im außerbörslichen Direkthandel mit Market Makern.
Orderausführung: Die Preisstellung erfolgt fortlaufend während der Handelszeiten. Der börsentägliche Handel ermöglicht Käufe und Verkäufe zu Marktpreisen, wobei die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs (Spread) je nach Liquidität des ETFs variiert.
Sparplanfähigkeit: Viele Broker bieten auch für aktive ETFs Sparplanausführungen an. Anleger können damit regelmäßig feste Beträge investieren und vom Cost-Average-Effekt profitieren – der Durchschnittsbildung des Einstiegskurses über verschiedene Marktphasen hinweg.
Bei der Produktauswahl sollten Anleger mehrere Faktoren berücksichtigen: die Trackrecord-Länge des Managements, die Kostenquote im Vergleich zur erwarteten Mehrrendite, das verwaltete Vermögen (höhere Assets verbessern typischerweise die Handelbarkeit) und die Transparenz der Anlagestrategie.
Aktive ETFs weisen gegenüber passiven ETFs und klassischen aktiven Fonds spezifische Vor- und Nachteile auf:
Vorteile aktiver ETFs:
Nachteile und Risiken:
Die Entscheidung zwischen passiven und aktiven ETFs hängt von mehreren Faktoren ab: der eigenen Einschätzung zur Markteffizienzhypothese, der Bereitschaft, höhere Kosten für potenzielle Mehrrendite zu tragen, dem Anlagehorizont und der Überzeugung bezüglich der Managementqualität des gewählten Produkts.
Die Entwicklung aktiver ETFs stellt eine Evolution im Investmentbereich dar, die die traditionelle Trennung zwischen aktiv und passiv aufweicht. Die Wachstumsdaten der vergangenen Jahre zeigen eine anhaltende Nachfrage, getrieben von institutionellen Investoren, die die Kostenvorteile der ETF-Struktur mit aktiven Strategien kombinieren möchten.
Mehrere Faktoren könnten das weitere Wachstum beeinflussen:
Für Anleger erweitern aktive ETFs das Spektrum verfügbarer Instrumente. Passive Indexfonds bleiben für viele Investoren das Fundament langfristiger Portfolios, insbesondere für breit diversifizierte Marktexposures. Aktive ETFs können als Ergänzung dienen, wenn Anleger überzeugt sind, dass ein spezifisches Managementteam oder eine bestimmte Strategie Mehrwert generieren kann.
Die Integration aktiver Strategien in die ETF-Struktur zeigt die fortschreitende Produktinnovation im Asset Management. Statt einer binären Wahl zwischen aktivem und passivem Investment entsteht ein Kontinuum von Ansätzen mit unterschiedlichen Kosten-Nutzen-Profilen. Die langfristige Bedeutung aktiver ETFs wird davon abhängen, ob sie konsistent demonstrieren können, dass sie ihre Mehrkosten durch entsprechende Mehrrenditen rechtfertigen.
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Markus G
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