Und ewig klafft die Gender Gap: Warum nicht mehr Frauen investieren

Gender Gap — ja, es gibt sie, die Unterschiede zwischen Mann und Frau. Im Alltag, im Job, beim Investment. Oft heißt es, Frauen seien nicht risikofreudig genug, um erfolgreich an der Börse zu investieren. Aber das greift zu kurz. Frauen treten vor allem anders an die Geldanlage heran als Männer. Sie haben eine Tendenz, ihr Vermögen aufzugliedern und bestimmte Bereiche für eigene Ausgaben zu reservieren — etwa den Sparfonds für ihre Kinder. Wenngleich diese Aufteilung absolut gerechtfertigt ist, kann sie die erreichbare Rendite bei der Geldanlage schmälern.

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Julia F.

Zuletzt aktualisiert am: 12. Juni 2026

Gender Gap: Warum das investieren vernachlässigen

27. September 2019

Die wohl größten Unterschiede zwischen Frauen und Männern beim Investieren sind das Anlageziel — Frauen wollen sich tendenziell vor allem finanziell absichern — und der Blick über den eigenen Tellerrand: Frauen möchten häufiger als Männer mit ihrer Geldanlage nicht nur persönlich profitieren, sondern auch anderen Gutes tun. Gut erkennbar ist das daran, dass Frauen häufiger in ethische, grüne oder nachhaltige Anlagen investieren.

Die Frage, die sich daraus ergibt: Warum investieren nicht mehr Frauen, um dem Gender Gap zu entgehen? Es liegt nicht primär an Risikoscheue, sondern daran, dass Frauen aufgrund des allgegenwärtigen Gender Pay Gaps weniger Mittel zur Verfügung haben. Der unbereinigte Gender Pay Gap liegt in Deutschland laut Destatis 2025 bei 16 % — mit direkten Konsequenzen für die Altersvorsorge. Die Rentenlücke zwischen Männern und Frauen beträgt rund 46 %. Wer das Wenige, das bleibt, nicht bei einer vermeintlich risikobehafteten Geldanlage „verzocken“ möchte, hält sich zurück.

Das Problem: Wer gar nicht investiert, macht die Rentenlücke nur größer.

Investieren wird für Frauen zur Notwendigkeit

Die Lösung ist im Grunde simpel: Investments generieren Vermögen. Durch ihre Zurückhaltung versäumen Frauen, die Chancen zur finanziellen Emanzipation zu nutzen, die ihnen eine zielgerichtete Geldanlage bietet. Leider greifen viele Frauen noch immer bevorzugt zu defensiven Sparformen. Tagesgeldkonten bieten zwar aktuell wieder bis zu 3–4 % Zinsen — bei einer Inflationsrate von rund 2,3 % bleibt nach Steuern jedoch kaum mehr als der Kaufkrafterhalt. Echten Vermögensaufbau ermöglicht das nicht. Im Gegensatz dazu hat der globale Kapitalmarkt historisch eine Durchschnittsrendite von rund 7–9 % p.a. nominal erzielt — trotz Crashs, Krisen und Korrekturen. Kein Tagesgeldkonto der Welt kann das langfristig replizieren.

Gender Gap schließen: Erfolgsfaktoren Zeit und Geduld

Die größte Waffe, die Privatanlegerinnen an der Börse haben, ist Zeit. Zeit ist sogar mächtiger als die Höhe der Anlagesumme. Darum ist es besonders für junge Frauen wichtig, so früh wie möglich renditeorientiert anzulegen. Selbst als risikobewusste und konservative Anlegerin, die eher nach der Buy-and-Hold-Strategie verfährt, kann eine Zwanzigjährige ein Investment von 10.000 Euro binnen 40 Jahren bei 5 % p.a. versiebenfachen — Inflation vorerst außen vor.

Das Beste, was Frauen tun können, um den Investment Gender Gap zu schließen, ist sich finanziell weiterzubilden. Wer Investments und Kapitalmärkte versteht, fühlt sich weniger eingeschüchtert und ist eher bereit, Geld anzulegen. Grundwissen lässt sich heute leicht aneignen — es soll ja nicht jede Investorin Derivate handeln, sondern nur wissen, wie sie ihre finanziellen Weichen richtig stellt.

Ein weiteres Konzept, mit dem sich Frauen beschäftigen sollten, ist das des passiven Investments. Diese Form der Geldanlage passt gut zur Buy-and-Hold-Strategie: breit über den gesamten Markt investieren und das Investment dann nicht weiter anfassen. Es ist einfacher, kostengünstiger und historisch betrachtet erfolgreicher als ständiges Kaufen und Verkaufen. Selbst Warren Buffett war so überzeugt davon, dass passive Investments aktiv gemanagte Hedgefonds langfristig schlagen, dass er eine Million US-Dollar darauf verwettete — und Recht behielt. Mehr zum Ansatz erklärt unser Ratgeber zur Börsenpsychologie und Anlegerpersönlichkeiten.

Investments von Frauen können den Gender Pension Gap kompensieren

Der Gender Pension Gap und der Gender Investment Gap sind eng miteinander verknüpft: Wer wenig oder spät investiert, hat im Rentenalter deutlich weniger Kapital zur Verfügung. Schuld daran ist der Zinseszinseffekt — dem Albert Einstein, wie es heißt, den Rang des „achten Weltwunders“ zuschrieb.

Seine Überzeugung: Wer ihn versteht, verdient daran. Wer ihn nicht versteht, zahlt dafür.

Wie funktioniert der Zinseszins?

Den Zinseszinseffekt zu verstehen ist kein Hexenwerk. Er bedeutet schlicht: Erträge und Zinsen nicht auszahlen lassen, sondern reinvestieren. Dadurch bleibt jedes Jahr eine höhere Summe im Depot, die ihrerseits Erträge erwirtschaftet. Bei einer Anlagesumme von 1.000 Euro und 5 % Rendite p.a. stehen nach 12 Monaten 1.050 Euro zur Verfügung. Lässt man sich die 50 Euro auszahlen, bleibt das Investment statisch. Reinvestiert man sie, wächst das Depot im zweiten Jahr auf 1.102,50 Euro — die 2,50 Euro sind der Zinseszins. Nach 10 Jahren: 1.628 Euro. Nach 20 Jahren: 2.653 Euro. Nach 40 Jahren: über 7.000 Euro aus ursprünglichen 1.000 Euro.

War nicht weiter oben davon die Rede, dass Zeit die mächtigste Waffe beim Investieren ist? Um vom Zinseszinseffekt zu profitieren, ist die Laufzeit mindestens so wichtig wie die Höhe des Investments. Und es ist genau dieser Effekt, der Frauen, die möglichst früh beginnen, erlaubt, den Gender Pension Gap durch reinvestierte Erträge und Dividenden strukturell zu kompensieren.

Ein Tipp zum Schluss

Anlegerinnen, die darüber hinaus noch mehr tun möchten, sollten sich über Stammaktien informieren. Mit diesen haben sie ein Stimmrecht bei der Jahreshauptversammlung der Unternehmen, an denen sie Anteile halten — und können so Entscheidungen zur Wahl von Frauen in den Vorstand oder zur Gehaltsangleichung aktiv mitbeeinflussen. So lässt sich der Gender Gap von allen Seiten in Angriff nehmen: Alle drei geschlechtsbedingten Lücken — Bezahlung, Rente, Investment — bedingen sich gegenseitig. Und mit smarten Investments können Frauen diese Schwachstellen geschickt ausnutzen.

Redaktionelle Einschätzung — RoboAdvisor-Portal.com

Der Gender Investment Gap ist der am einfachsten schließbare aller drei Lücken

Den Gender Pay Gap kann eine Frau alleine nicht schließen — das ist eine strukturelle Aufgabe der Wirtschaft. Den Gender Pension Gap zu reduzieren erfordert politischen Willen. Aber den Gender Investment Gap? Den kann jede Frau mit einem Smartphone und 25 Euro monatlich heute noch angehen. Ein ETF-Sparplan oder Robo-Advisor erfordert keine Vorkenntnisse, keine Beraterin, keinen Mindestbetrag — nur den ersten Klick.

Den aktuellen Vergleich aller getesteten Robo-Advisors mit Kostenübersicht und ESG-Optionen finden Sie in unserem Robo-Advisor-Vergleich.

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Julia F.

Julia F.

Julia ist unsere Spezialistin im Bereich „Frauen und Geldanlage“. Selbst als Quereinsteigerin in die Finanz-Szene gestartet, setzt sie sich bei uns mit den typischen Fragen und Unsicherheiten von Frauen beim Thema Geldanlage und Vermögensaufbau auseinander. Und sie spricht aus Erfahrung, denn sie ist mittlerweile selbst erfolgreiche Anlegerin. Julia gewährt uns mit ihren Beiträgen einen Einblick in die weibliche Welt der Geldanlage und des Vermögensaufbaus.

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