Und ewig klafft die Gender Gap: Warum nicht mehr Frauen investieren

Gender Gap – ja es gibt sie, die kleinen Unterschiede zwischen Mann und Frau. Im Alltag, im Job, im Investment. Oft heißt es, Frauen seien nicht risikofreudig genug, um erfolgreich an der Börse zu investieren. Aber das ist gar nicht notgedrungen der maßgebliche Unterschied. Frauen treten vor allem anders an die Geldanlage heran, als Männer. Sie haben eine Tendenz, ihr Vermögen aufzugliedern. Und einige Bereiche sind dabei für ihre eigenen Ausgaben tabu, etwa der Sparfonds für ihre Kinder. Wenngleich es absolut gerechtfertigt ist, Geld für unterschiedliche Bereiche und Bedürfnisse aufzuteilen, kann das natürlich die Rendite bei der Geldanlage schmälern.

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Julia F.

27. September 2019

Gender Gap: Warum das investieren vernachlässigen

27. September 2019

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Die wohl größten Unterschiede zwischen Frauen und Männern beim Investieren sind aber wohl einerseits das Anlageziel – Frauen wollen sich tendenziell vor allem finanziell absichern – und andererseits der, vermutlich, Instinkt getriebene Blick über den eigenen Tellerrand hinaus – Frauen möchten häufiger als Männer von ihrer Geldanlage nicht nur persönlich profitieren, sondern damit auch anderen Gutes tun. Das kann für die engsten Familienmitglieder ebenso gelten, wie für die Allgemeinheit. Gut erkennbar ist das etwa daran, dass Frauen häufiger in sogenannte ethische, grüne oder nachhaltige Anlagen investieren.

Die Frage, die sich aus diesen hehren Zielen ergibt: Warum investieren nicht mehr Frauen ihr Geld um dem Gender Gap zu entgehen? Zu sagen es läge an der Risikoscheue von Frauen wäre zu kurz gegriffen. Vielmehr liegt es vordergründig daran, dass Frauen aufgrund des noch immer allgegenwärtigen Gender Pay Gaps weniger Mittel zur Verfügung haben, als Männer. Dadurch wird natürlich eine gewisse Zurückhaltung begünstigt. Denn, das Wenige, das sie haben, möchten sie nicht bei einer vermeintlichen risikobehafteten Geldanlage „verzocken“. Das Problem ist nur, dass der Gender Pay Gap einen nicht unerheblichen Pension Gap zur Folge hat. Frauen droht vermehrt Altersarmut und das, obwohl sie länger leben, als Männer.

Investieren wird für Frauen zur Notwendigkeit

Dabei ist die Lösung im Grunde recht simpel: Investments generieren Vermögen. Das ist Fakt. Und durch ihre Zurückhaltung versäumen Frauen, die Chancen zur finanziellen Emanzipation zu nutzen, die Ihnen eine zielgerichtete Geldanlage eigentlich auf dem Silbertablett serviert. Fatal ist jedoch: Für die Mehrheit der Frauen sind Sparbücher immer noch eines der interessantesten Produkte der Geldanlage. Sparbücher! Die nicht nur längst keinerlei Zinsen mehr einfahren, sondern den Wert des angesparten Geldes sogar sinken lassen. Im Gegensatz dazu, hat der Kapitalmarkt in den letzten 90 Jahren eine Durchschnittsrendite von 9,5 Prozent eingefahren – trotz des großen Crashs von 2008. Kann es ein besseres Argument für eine langfristige Investition in die Kapitalmärkte geben? Wohl kaum!

Gender Gap schließen: Erfolgsfaktoren Zeit und Geduld

Die größte Waffe, die Privatanlegerinnen an der Börse haben, ist Zeit. Zeit ist sogar mächtiger, als die Höhe der Anlagesumme. Darum ist es besonders für junge Frauen wichtig, so früh wie möglich, ihr Geld rendite-orientiert (also bitte Nicht das Sparbuch!) anzulegen. Selbst als risikobewusste und konservative Anlegerin, die eher nach der Buy and Hold Strategie verfährt, kann eine Zwanzigjährige ein Investment von 10.000 Euro binnen 40 Jahren versiebenfachen. Die Inflation mal außen vor gelassen!

Das beste, was Frauen also tun können, um den Gender Gap beim Thema Investment zu schließen, ist, sich finanziell weiterzubilden. Wer Investments und Kapitalmärkte versteht, fühlt sich weniger eingeschüchtert und ist eher bereit, Geld anzulegen. So schwer ist es ja auch nicht, sich ein Grundwissen anzueignen – es soll ja nicht jede Investorin Derivate handeln, sondern nur wissen, wie und ob sie ihre finanziellen Weichen richtig stellt.

Ein weiteres Konzept, mit denen Frauen sich beschäftigen sollten, ist das des passiven Investments. Diese Form der Geldanlage passt gut zur Buy-and-Hold-Strategie, weil es dabei darum geht, möglichst breit über den gesamten Markt zu investieren und das Investment dann nicht weiter zu beachten. Es ist einfacher und kostengünstiger, als Einzelanteile auszuwählen oder jemanden zu bezahlen, der das übernimmt. Außerdem ist es historisch betrachtet ein erfolgreicheres Investment, als ständiges Kaufen und Verkaufen. Selbst der Börsenguru Warren Buffet war so überzeugt davon, dass passive Investments besser abschneiden als Hedge Funds, dass er bereit war eine Million US-Dollar darauf zu wetten. Und er sollte recht behalten.

Investments von Frauen können den Gender Pension Gap kompensieren

Der Gender Gap “Pension” und der Gender Gap “Investment” sind insofern eng miteinander verknüpft, als dass der Investment Gap den Pension Gap vergrößert. Im Laufe der Zeit wird der Graben zwischen einem kleinen Investment und einem ein bisschen größeren Investment immer tiefer. Das bedeutet schlicht: Wer wenig investiert und auch noch spät damit anfängt, wird im Rentenalter mit deutlich weniger Geld rechnen können. Schuld daran ist der Zinseszinseffekt – den Albert Einstein einmal als das achte Weltwunder beschrieben hat. Und er war der Meinung, dass, wer ihn versteht, daran verdient und wer ihn nicht versteht, dafür bezahlt.

Wie funktioniert der Zinseszins?

Den Zinseszinseffekt zu verstehen ist kein Hexenwerk. Es bedeutet im Prinzip nichts anderes, als sich Renditen und Zinsen nicht nach einem Jahr Sparen oder Investieren ausbezahlen zu lassen, sondern sie zu reinvestieren. Dadurch bleibt jedes Jahr eine höhere Summe im Depot (oder auf dem Sparbuch; bzw. eben nicht, bitte nicht!), die reinvestiert werden kann.

Der Zinseszins ist also, wenn die durch den Einmal- oder Jahreszins verdiente Summe mit sich selbst im Folgejahr multipliziert wird:

Ausgehend von einer Anlagesumme von 1.000 Euro und einem Zinssatz von 5 Prozent p.a. haben Sparerinnen und Anlegerinnen nach 12 Monaten die Summe von 1.050 Euro zur Verfügung. Lassen sie sich diese 50 Euro ausbezahlen, kann das Investment nie mehr als diese Summe pro Jahr erwirtschaften. Reinvestiert man diese 50 Euro jedoch, so wird der Zinseszins aktiv und im zweiten Jahr sind aus ursprünglich 1.000 Euro 1102,50 Euro geworden. Die 2,50 Euro sind der Zinseszins in Zahlen nach dem zweiten Jahr. Nach 10 Jahren wächst die gehaltene Anlagesumme so auf 1.621,89 Euro, nach 20 Jahren 2653,29 Euro, und so weiter.

War nicht weiter oben davon die Rede, dass der Faktor Zeit die mächtigste Waffe beim Investieren ist? Um vom Zinseszins-Effekt profitieren zu können ist die Laufzeit eines Sparplans mindestens so wichtig, wie die Höhe des Investments. Je nach Risikobereitschaft sogar ungleich wichtiger. Und es ist der Zeit und dem aus ihr resultierenden Zinseszins-Effekt zu verdanken, dass Frauen, die möglichst früh mit einem Investment – und sei es noch so konservativ – beginnen, mit Hilfe von Investitionen den Gender Pension reduzieren können.

Ein Tipp zum Schluss

Übrigens: Anlegerinnen, die darüber hinaus noch mehr tun möchten, sollten sich beim Anlageberater ihrer Wahl über Stamm-Aktien informieren. Mit diesen haben sie ein Stimmrecht bei der Jahreshauptversammlung des oder der Unternehmen, an denen sie Anteile haben und können somit Entscheidungen zur Wahl von Frauen in den Vorstand etwa oder die Gehaltsangleichung von Mann und Frau im Unternehmen beeinflussen. So lässt sich der Gender Gap von allen Seiten in Angriff nehmen – den alle drei geschlechtsbedingte Lücken (Bezahlung, Rente, Investment) bedingen sich gegenseitig. Und mit smarten Investments können Frauen diese Schwachstellen geschickt ausnutzen.

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Julia F.

Julia F.

Julia ist unsere Spezialistin im Bereich “Frauen und Geldanlage”. Selbst als Quereinsteigerin in die Finanz-Szene gestartet, setzt sie sich bei uns mit den typischen Fragen und Unsicherheiten von Frauen beim Thema Geldanlage und Vermögensaufbau auseinander. Und sie spricht aus Erfahrung, denn sie ist mittlerweile selbst erfolgreiche Anlegerin. Julia gewährt uns mit ihren Beiträgen einen Einblick in die weibliche Welt der Geldanlage und des Vermögensaufbaus.

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