Interview mit Solidvest / DJE Kapital AG

Im Gespräch mit Sebastian Hasenack/ Leiter Vertrieb

Mit Solidvest hat als einer ersten traditionellen Vermögensverwaltungen, die DJE Kapital AG von Dr. Jens Ehrhardt den deutschen Robo-Advisor Markt betreten. Doch anstatt wie das Gros der Mitbewerber auf die Verwendung von ETFs zu setzen, hat Solidvest den umgekehrten Weg gewählt. Solidvest investiert das Kapital seiner Anleger in Aktien. Warum diese Entscheidungen getroffen wurde und neun weitere Fragen beantwortet Sebastian Hasenack von Solidvest im Interview.

18. März 2020 | Oliver S

Mit Solidvest hat im Jahr 2017 die DJE Kapital AG unter der Führung von Dr. Jens Ehrhardt, einer der wohl bekanntesten Vermögensverwalter und weltweit anerkannte Investment-Experte, den Schritt in den Markt für digitale Kapitalanlage gewagt. Und mit Solidvest bewusst einen Gegenpol zu den bis dato zumeist genutzten ETF-basierten Robo-Advisor Angeboten geschaffen. Denn Solidvest investiert die Gelder seiner Anleger nicht, wie das Gros seiner Mitbewerber, in ETF-basierte Portfolios, sondern ganz bewusst in Einzeltitel. Denn das Ziel war es die Erfahrungen aus der professionellen Vermögensverwaltung und der Anlagestrategie von DJE in ein digitales Kapitalanlage-Angebot zu “transportieren”.

Warum man sich für diesen Weg entschieden hat, wie sich der Markt der Robo-Advisor entwickeln wird und einige weitere Fragen haben wir dem Leiter Vertrieb und Kooperationen bei der DJE Kapital AG, Herrn Sebastian Hasenack (Ex-Gründer von Investify) stellen dürfen. Ein Interview, das hinsichtlich der Beantwortung unserer Fragen etwas anders verlaufen ist, als erwartet.

Solidvest Interview: Herr Sebastian Hasenack, Leiter Vertrieb und Kooperationen der DJE Kapital AG

1.) Herr Hasenack, zu Beginn eine allgemeine Frage: Wie schätzen Sie den Markt der Robo-Advisor aktuell ein? Ist Ihrer Meinung nach noch Platz für mehr Mitbewerber oder zeigt sich bereits eine Tendenz einer Auslastung beziehungsweise einer Markt-Konsolidierung?

Speziell im Start-Up-Umfeld wird es zur weiteren Konsolidierung kommen. Obgleich diese durchaus schleichend sein kann. Ich gehe davon aus, dass die großen Robos auf längere Sicht bleiben, den Markt nahezu unter sich aufteilen werden. Die übrigen Gesellschaften verschwinden entweder vollständig oder werden ihr Geschäftsmodell drastisch anpassen. Kleine Anbieter können beispielsweise als Technologie- oder Softwaredienstleister für Dritte auftreten. Ich halte diese Neuausrichtung für absolut normal.

2.) Als einer von wenigen digitalen Vermögensverwaltern hat sich Solidvest dafür entschieden, direkt in Aktien und Anleihen zu investieren. Dafür wird komplett auf aktiv gemanagte Fonds und ETFs verzichtet. Aus welchen Gründen haben Sie sich für diesen, für einen Robo-Advisor doch eher ungewöhnlichen, Weg entschieden?

Wir haben anders als gängige Robo-Advisors und insbesondere Start-Ups hausintern die Methoden und Möglichkeiten, gezielt die Märkte zu prüfen und in aussichtsreiche Unternehmen zu investieren. Wir bieten unseren Kunden ein globales und gut geprüftes Aktien- und Anleihen-Spektrum, welches zugleich eine breite Diversifizierung über unterschiedliche Branchen, Regionen und Länder zulässt.

Mit ETFs hingegen investieren Sie zwar in diverse Märkte – aber eine aktive Vermögensverwaltung können Sie nicht ersetzen. Denn: Wenn diese Märkte weltweit schlecht laufen, können sich ETFs diesem Trend nicht entziehen – Verluste sind sozusagen programmiert. Wir können aufgrund der stark selektiven Titelauswahl aktiv leichter gegensteuern. Damit spielen wir unsere Kernkompetenzen als Portfoliomanager voll aus.

3.) Thema Nachhaltigkeit: Die DJE Kapital AG hat seit Ende des vergangenen Jahres (2018) ihr eigenes Fondsangebot in verstärkter Weise nachhaltig ausgerichtet. Wie aber sieht es mit den Investments von Solidvest aus? Wird bei den Aktien und Anleihen ebenfalls verstärkt auf Nachhaltigkeit der jeweiligen Unternehmen geachtet?

Nachhaltigkeit spielt eine bedeutende Rolle – für das gesamte Unternehmen. DJE ist als Familienunternehmen seit mehr als 45 Jahren ein zuverlässiger Partner privater und institutioneller Investoren, etwa Kirchen. Wir legen großen Wert darauf, der steigenden Nachfrage an nachhaltigen Investmentlösungen adäquat zu begegnen. Deshalb hat DJE die UNPRI-Richtlinien des UN-Global Compact unterzeichnet und setzt die Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren konsequent um.

Seit Ende 2018 hat DJE das eigene Fondsangebot verstärkt nachhaltig ausgerichtet, mit speziellen Fondslösungen wie dem DWS Concept DJE Responsible Invest. Auch Solidvest profitiert von dieser Weichenstellung und investiert ESG-konform. Für eine konsequente Umsetzung der Nachhaltigkeitsprinzipien arbeiten wir mit MSCI ESG Research zusammen, dem global führenden Anbieter von Nachhaltigkeitsanalysen und -ratings.

Diese Daten bilden dann die Grundlage für die hauseigene ESG-Analyse, worauf unsere Investitionsentscheidungen basieren. Zusätzlich besuchen unsere Analysten jährlich rund 900 Unternehmen, um diese persönlich vor Ort und genau zu prüfen. Das klare Ziel: die anspruchsvollen Kundenbedürfnisse erkennen und erfüllen – auch mit Blick auf nachhaltige Investmentlösungen.

4.) Solidvest hat es sich zum Ziel gesetzt, durch das direkte Investment in Aktien und Anleihen eine bessere Rendite als der Gesamtmarkt zu erzielen. Somit soll ebenfalls ein besseres Abschneiden als die den ETFs zu Grunde liegenden Indizes möglich sein. Tatsächlich schneiden viele aktive Investments, sei es mittels Aktien oder aktiv gemanagter Fonds, jedoch schlechter als der Gesamtmarkt und somit als ETFs ab. Warum sind Sie der Auffassung, dass dies bei Solidvest anders sein wird? Oder anders gefragt: Was ist das Geheimnis „ihrer“ Direkt-Investments?

Wir können aufgrund der Einzeltitel-Investments deutlich selektiver und flexibler investieren. Speziell in einem schwierigen Marktumfeld wie diesem – bei Verwerfungen im Rahmen der Corona-Krise – hat dies Vorteile. Neben der Rendite ist zudem die Volatilität für uns ein wesentlicher Parameter sowie ein Qualitätsmaß für eine gute Vermögensverwaltung.

Ein Beispiel: Bei den größeren Marktdämpfern im vierten Quartal 2018 haben wir die Investment-Quote deutlich reduziert, konnten mit einer taktischen Cash-Reserve, also einer verfügbaren Sicherheitskasse für unübersichtliche Zeiten, dann bei ersten Anzeichen einer Besserung direkt neue Chancen nutzen.

5.) Bei Solidvest können Anleger sich für bestimmte Themen entscheiden, die sie besonders interessieren und die dann bei der Auswahl der Aktien berücksichtigt werden. Dazu gehören beispielsweise Ernährung, digitales Leben oder auch Freizeit und Reisen. Als ein starkes Investmentthema vermissen wir dort den Bereich IT also bspw. Investments in Microsoft, SAP, Adobe etc.. Warum haben Sie sich dagegen entschieden, diese Branche ebenfalls als mögliches Spezialthema anzubieten?

Haben wir nicht. Denn diesen Sektor bilden wir bereits aktiv über das Thema „Skalierbare Geschäftsmodelle“ sowie „Digitales Leben“ ab; er ist damit ein Teil unserer Asset Allokation.

6.) Bei einer ersten Information über die Mindestanlage stößt man häufig auf einen Betrag in Höhe von 10.000 Euro. Erst bei näherem Hinschauen wird deutlich, dass dieser Mindesteinsatz ausschließlich unter der Voraussetzung gilt, dass gleichzeitig ein monatlicher Sparplan mit mindestens 100 Euro abgeschlossen wird. Geschieht dies nicht, beträgt die Mindesteinlage von 25.000 Euro. Für einen Robo-Advisor ist dies relativ hoch angesetzt. Aus welchen Gründen haben Sie sich für eine Mindesteinlage von 10.000 bzw. 25.000 Euro entschieden, wo es doch eine Reihe von Mitbewerbern gibt, bei denen die Mindestanlage-Summe (deutlich) geringer angesetzt ist.

Grundsätzlich verfolgen wir einen klaren Businessplan und haben unsere Services für eine Zielgruppe zugeschnitten, die gewisse Ansprüche an professionelles Vermögensmanagement und bereits einen ersten Kapitalstock aufgebaut hat. Dies setzt Qualität und Top-Betreuung voraus. Speziell im Support wollen wir unseren Kunden eine kurze Wartezeit und einen qualitativ hochwertigen Service bieten.

Von Beginn an war es uns wichtig ein tragfähiges Geschäftsmodell aufzubauen. Dabei beobachten wir unsere Kennzahlen zur Kundengewinnung und dem durchschnittlichen Anlagevolumen sehr genau. Wir verfolgen einen tragfähigen Wachstumskurs, lassen zugleich betriebswirtschaftliche Parameter dabei nicht ungeachtet. Wir wollen unseren Kunden ein langfristiges und hochwertiges Kapitalanlage-Angebot machen – mit verlässlichen Leistungen für ihren individuellen Vermögensaufbau.

7.) Sie geben als einen Vorteil des Investments in einzelne Aktien und Anleihen an, dass ein besonders hoher Grad an Diversifikation erreicht wird. Im Portfolio des Kunden sind rund 30 Aktien- und bis zu 20 Anleihetitel enthalten. Wenn wir allerdings einen einzigen ETF als Beispiel nehmen, beispielsweise mit Basis DAX, so findet dort bereits eine ebenso hohe Diversifizierung statt. Die meisten Robo-Advisors arbeiten natürlich mit mehreren ETFs oder aktiv gemanagten Fonds, sodass von der Summe her in deutlich mehr Aktien über die entsprechenden Fonds investiert wird. Wie begründen Sie demnach die Aussage, dass durch das Investment in Einzeltitel ein besonders hoher Diversifizierungs-Grad erreicht wird?

Unserer Ansicht nach besteht im Kontext Diversifikation ein abnehmender Grenznutzen. Weiterhin zeigen Studien auf, dass Fondsmanager ein Alpha mit nur wenigen Unternehmen generieren (sog. High Conviction Stocks). Daher verfolgen wir bei Solidvest die Strategie in ein konzentriertes, aber trotzdem global diversifiziertes Portfolio zu investieren.

8.) Thema Kosten: Mit Gesamtgebühren zwischen 1,1 und 1,4 Prozent im Jahr (je nach Anlagesumme) zählt Solidvest nicht unbedingt zu den günstigsten Robo-Advisor Angeboten. Hinzu kommt dann noch eine Gewinnbeteiligung in Höhe von 10 Prozent. Erzielt der Anleger beispielsweise eine Jahresrendite in Höhe von 7 Prozent, würde unter Einbezug der Gewinnbeteiligung in Höhe von 0,7 Prozent eine Gesamtkostenquote von 1,8 bis 2,1 Prozent entstehen. Halten Sie diese Gebühren trotzdem für konkurrenzfähig?

Ja. Beständige Qualität hat ihren Preis – und unterm Strich zählt der Ertrag für den Kunden. Oder anders gesagt: Für den Anleger ist stets die Rendite nach Kosten entscheidend, hier können wir uns behaupten. Dafür stehen neben unseren zufriedenen Kunden mehrere Gütesiegel und Auszeichnungen, etwa der 24-Monats-Branchen-Vergleich des unabhängigen Verbraucherportals biallo.de,

(Anm. der Redaktion: Daten, die wir auch in unserem Vergleichstool nutzen.)

9.) In Ihren FAQs antworten Sie unter anderem auch auf die Frage, mit welcher Rendite Anleger rechnen können. Dort geben Sie einen 12-monatigen Zeitraum an, der vom 1. Juli 2017 bis zum 1. Juli 2018 reicht. Dort wurde nach Kosten Ihren Angaben zufolge eine Rendite von 8 Prozent erreicht. Der Zeitraum Juli bis Juli ist doch etwas ungewöhnlich für die Angabe einer Rendite, denn meistens wird vom Jahresanfang bis Jahresende gearbeitet. Hat der Zeitraum unter Umständen damit zu tun, dass innerhalb dieser zwölf Monate eine besonders gute Entwicklung bei Aktien stattfand oder aus welchem Grund haben Sie nicht gerade für die Angabe dieser Zeitspanne als Beispiel für die mögliche Rendite als entschieden?

Anmerkung der Redaktion: Diese Frage wollte Herr Hasenack leider nicht beantworten. Hier wurde lediglich auf den Echtgeldtest von Brokervergleich hingewiesen, aus dem man die Rendite-Entwicklung ersehen könne. Die eigentliche Frage, warum in den FAQs eine Zeitspanne gewählt wird, in der die Portfolios offensichtlich sehr gut performten (Monats-verschobene Betrachtungsweise!) wird jedoch auch mit diesem Hinweis letztendlich NICHT beantwortet. Für uns in gewisser Weise unverständlich.

10.) Abschließend eine Frage: Wie denken Sie, wird sich der Markt der Robo-Advisors in den kommenden fünf Jahren entwickeln? Wird Solidvest voraussichtlich an seinem aktuellen Modell festhalten oder gibt es Pläne, in manchen Bereichen Verbesserungen bzw. Änderungen durchzuführen?

Wir arbeiten kontinuierlich an unserem Angebot, wie üblich für eine digitale Dienstleistung in einem dynamischen Wachstumsumfeld. Wir werden kurzfristig beispielsweise für unsere Kunden ein optimiertes Postfach online stellen. Im Zentrum steht für uns uneingeschränkt der Kundennutzen. Gerade unsere Services für bessere Nutzbarkeit unseres Angebots arbeiten wir systematisch weiter aus; wir denken dabei stets von Kunden her, richten unsere Lösungen, ob digital oder in DJE-Standorten, klar nach Anspruch und Bedarf aus. Und speziell mit unserer Investmentstrategie über Einzeltitel werden wir noch im Frühjahr neue Möglichkeiten der Individualisierung bieten.

Zu guter Letzt

Sehr geehrter Herr Hasenack, wir danken ihnen vielmals für das Interview mit Ihnen.

Zur Person Sebastian Hasenack 

Sebastian Hasenack ist seit Ende 2018 Leiter Vertrieb und Kooperationen für Solidvest, der Online Vermögensverwaltung der DJE Kapital AG. Zuvor war er einer der Gründer und Geschäftsführer des 2016 gegründeten Robo-Advisors investify.

Vor seinem Sprung in die Selbstständigkeit arbeitete er mehr als 6 Jahre bei der Rhein Asset Management in der Position des Portfolio- und Fondsmanagers. Weitere Stationen seiner beruflichen Laufbahn waren desweiteren die Bank Julius Bär und die Postbank.

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Oliver S.

Oliver ist der Journalist im Team. Ausgebildeter Banker (Hypo Vereinsbank), hat hohes Maß an spezifischem Finanzwissen und ist einer der bekanntesten Schreiberlinge in der Finanz-Szene. Was er schreibt, hat Gewicht und Aussagekraft. Vor allem vermittelt er das Thema Finanzen in einer Leichtigkeit, die seinesgleichen sucht. Nicht ohne Grund hat Oliver unter anderem auch für die Huffington Post geschrieben. Zudem ist er bis heute auch als Redakteur für FTD.de (ex Financial Times Deutschland) als auch auf Unternehmerhandbuch.de tätig. Also eine echte Bereicherung für das Team. Kümmert sich hier um alles, was mit dem Thema Finanzwissen, Interviews und News zu tun hat.