Die Nachfrage nach nachhaltigen Geldanlagen durchläuft derzeit eine Phase der Konsolidierung, die sich deutlich von der Wachstumsdynamik der Jahre 2019 bis 2021 unterscheidet. Während ESG-Investments (Environmental, Social, Governance) lange als unverzichtbarer Bestandteil moderner Portfolios galten, zeigen aktuelle Daten einen Rückgang des Anlegerinteresses. Diese Entwicklung lässt sich nicht auf einen einzelnen Faktor reduzieren, sondern resultiert aus einem komplexen Zusammenspiel ökonomischer, regulatorischer und methodischer Herausforderungen.
Markus G
Zuletzt aktualisiert am: 29. November 2025
28. November 2025
Die globalen Mittelabflüsse aus nachhaltigen Fonds dokumentieren die veränderte Stimmung präzise. Nach Erhebungen von Morningstar verzeichneten nachhaltige Fonds in Europa im Jahr 2023 erstmals seit 2018 Nettoabflüsse in Höhe von 16 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr 2024 setzte sich dieser Trend mit weiteren Abflüssen von 8,2 Milliarden Euro fort. In den USA gestaltete sich die Situation noch ausgeprägter: Dort flossen 2023 rund 13 Milliarden US-Dollar aus ESG-Fonds ab, nachdem 2021 noch Zuflüsse von 69 Milliarden US-Dollar verzeichnet worden waren.
Der deutsche Fondsverband BVI berichtet für den deutschen Markt von einem Rückgang der Nettomittelzuflüsse bei nachhaltigen Publikumsfonds um 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das verwaltete Vermögen in nachhaltigen Fonds stagnierte 2024 bei etwa 578 Milliarden Euro, was einem Marktanteil von rund 15 Prozent entspricht. Zum Vergleich lag dieser Anteil Ende 2021 noch bei prognostizierten 20 Prozent für 2024.
Die Performance nachhaltiger Investments hat die ursprünglichen Erwartungen vieler Anleger oftmals nicht erfüllt. Der MSCI World ESG Leaders Index erzielte zwischen Januar 2022 und Oktober 2024 eine Gesamtrendite von minus 2,3 Prozent, während der konventionelle MSCI World Index im gleichen Zeitraum um 8,7 Prozent zulegte. Diese Performancedifferenz von über 11 Prozentpunkten erklärt sich primär durch die Sektorgewichtung: ESG-Fonds waren traditionell in Technologiewerten und erneuerbaren Energien übergewichtet, während sie klassische Energiewerte und Verteidigungsunternehmen untergewichteten.
Besonders deutlich zeigt sich die Underperformance bei spezialisierten Themenfonds. Clean-Energy-Fonds verloren zwischen 2021 und 2023 durchschnittlich 45 Prozent an Wert, während der breite Aktienmarkt weitgehend stabil blieb. Der S&P Global Clean Energy Index notierte im November 2024 etwa 50 Prozent unter seinem Höchststand von 2021. Diese Entwicklung resultierte aus steigenden Zinsen, die kapitalintensive Projekte im Bereich erneuerbarer Energien unattraktiver machten, sowie aus enttäuschenden Quartalszahlen führender Unternehmen der Branche.
Die Annahme, nachhaltige Investments würden durch geringere Risiken langfristig überlegen abschneiden, ließ sich empirisch nicht konsistent bestätigen. Eine Metastudie der Universität Oxford aus dem Jahr 2024, die 1.000 Einzelstudien auswertete, kam zum Ergebnis, dass in 58 Prozent der Fälle kein signifikanter Performanceunterschied zwischen ESG- und konventionellen Portfolios bestand, in 18 Prozent ESG-Portfolios schlechter und in 24 Prozent besser abschnitten.
Die Glaubwürdigkeit nachhaltiger Investments wurde zudem durch zahlreiche Greenwashing-Skandale beschädigt. Die Deutsche Bank musste 2023 nach Untersuchungen der Securities and Exchange Commission (SEC) 25 Millionen US-Dollar Strafe zahlen, weil ihre Tochtergesellschaft DWS irreführende Angaben zur ESG-Integration gemacht hatte. Goldman Sachs Asset Management zahlte 2024 vier Millionen US-Dollar zur Beilegung ähnlicher Vorwürfe wegen Greenwashing.
Eine Untersuchung der Finanzaufsicht BaFin aus dem Jahr 2024 beanstandete bei 42 Prozent der geprüften nachhaltigen Fonds in Deutschland unzureichende oder irreführende Nachhaltigkeitsinformationen. Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA stellte in einem Bericht vom März 2024 fest, dass 60 Prozent der von Fondsanbietern verwendeten ESG-Begriffe nicht hinreichend definiert oder durch objektive Kriterien hinterlegt waren.
Diese Vorfälle führten zu messbarer Verunsicherung bei Anlegern. Nach einer Umfrage des Deutschen Anleger Fernsehens (DAF) vom September 2024 gaben 67 Prozent der Befragten an, den Nachhaltigkeitsversprechen von Finanzprodukten eher nicht oder überhaupt nicht zu vertrauen. Nur 11 Prozent äußerten volles Vertrauen in die Richtigkeit der gemachten Angaben.
Die EU-Offenlegungsverordnung (SFDR), die seit März 2021 gilt, sollte ursprünglich für mehr Transparenz sorgen, führte jedoch zu erheblicher Komplexität. Fondsanbieter müssen zwischen drei Kategorien unterscheiden:
Die Taxonomie-Verordnung, die definiert, welche wirtschaftlichen Aktivitäten als nachhaltig gelten, erwies sich in der Praxis als schwer anwendbar. Viele Fondsgesellschaften stuften ihre Produkte 2023 und 2024 von Artikel 9 auf Artikel 8 herab. Nach Daten von Morningstar wurden in Europa bis Oktober 2024 insgesamt 287 Fonds herabgestuft, was einem verwalteten Vermögen von 175 Milliarden Euro entspricht. Diese Rückstufungen erfolgten nicht primär wegen mangelnder Nachhaltigkeit der Portfolios, sondern aufgrund verschärfter Interpretationen der regulatorischen Anforderungen und der Vermeidung rechtlicher Risiken.
Die EU-Taxonomie deckt derzeit nur etwa 20 Prozent der Wirtschaftsaktivitäten ab, was die praktische Anwendbarkeit einschränkt. Besonders problematisch gestaltete sich die Einstufung von Erdgas und Kernenergie als Übergangstechnologien, die von verschiedenen Mitgliedsstaaten unterschiedlich bewertet wird. Diese regulatorische Unsicherheit erschwert sowohl Anbietern als auch Anlegern eine klare Orientierung.
Die Bewertung von Unternehmen nach ESG-Kriterien erfolgt durch spezialisierte Ratingagenturen wie MSCI, Sustainalytics, ISS ESG oder Refinitiv. Die Korrelation zwischen den Ratings verschiedener Anbieter liegt jedoch lediglich bei etwa 0,3 bis 0,5, was auf erhebliche methodische Unterschiede hinweist. Ein Unternehmen kann bei einem Anbieter im obersten Quintil und bei einem anderen im untersten Quintil landen.
Diese Diskrepanzen entstehen durch unterschiedliche Gewichtungen der drei ESG-Säulen, divergierende Definitionen von Materialität und verschiedene Datenquellen. Während einige Ratingagenturen primär auf selbstberichtete Unternehmensdaten setzen, verwenden andere externe Datenquellen und algorithmische Auswertungen. Eine Studie des MIT Sloan aus dem Jahr 2023 dokumentierte, dass die Varianz zwischen ESG-Ratings sechsmal höher ausfällt als bei konventionellen Kreditratings.
Die fehlende Standardisierung führt dazu, dass Anleger nicht verlässlich einschätzen können, ob ein als nachhaltig beworbener Fonds ihren persönlichen Nachhaltigkeitsvorstellungen entspricht. Ein Fonds kann beispielsweise aufgrund guter Governance-Praktiken ein hohes ESG-Rating erhalten, gleichzeitig aber in fossile Energien investiert sein.
In den Vereinigten Staaten hat sich ESG zu einem politisch kontroversen Thema entwickelt. Republikanisch regierte Bundesstaaten wie Florida, Texas und West Virginia verabschiedeten Anti-ESG-Gesetze, die öffentlichen Pensionsfonds die Berücksichtigung von ESG-Kriterien erschweren oder verbieten. Bis November 2024 hatten 23 Bundesstaaten entsprechende Regelungen eingeführt oder angekündigt.
Der Bundesstaat Texas zog 2023 Vermögen in Höhe von 8,5 Milliarden US-Dollar von BlackRock ab, mit der Begründung, die ESG-Strategie des Vermögensverwalters schade der heimischen Öl- und Gasindustrie. Florida folgte mit dem Abzug von zwei Milliarden US-Dollar. Diese politisch motivierten Entscheidungen verstärkten den Abflusstrend aus nachhaltigen Fonds erheblich.
BlackRock, der weltweit größte Vermögensverwalter, reagierte auf diese Entwicklung mit einer Abschwächung seiner öffentlichen ESG-Kommunikation. CEO Larry Fink, der zuvor als prominenter Verfechter nachhaltiger Investments galt, verwendete den Begriff ESG in seinem jährlichen Brief an CEOs 2024 nicht mehr. Auch andere große Vermögensverwalter wie Vanguard zogen sich aus ESG-fokussierten Initiativen zurück, etwa aus der Climate Action 100+ im Jahr 2023.
Die zentralen Faktoren, die zum Rückgang der Nachfrage nach nachhaltigen Geldanlagen führen, lassen sich wie folgt zusammenfassen:
Die Kostenstruktur nachhaltiger Fonds gestaltet sich differenzierter als häufig angenommen. Aktiv verwaltete Aktienfonds verlangen nach aktuellen Marktdaten durchschnittlich zwischen 1,5 und 2,5 Prozent Gesamtkostenquote (TER) pro Jahr, wobei einzelne Fonds auch darüber liegen können. Bei passiven ESG-ETFs beträgt die TER typischerweise zwischen 0,20 und 0,25 Prozent, während Standard-ETFs ohne expliziten Nachhaltigkeitsfokus häufig zwischen 0,10 und 0,20 Prozent jährlich veranschlagen.
Interessanterweise zeigt eine Untersuchung von Absolut Research aus dem Jahr 2022, dass nachhaltige Aktienfonds im direkten Vergleich mit konventionellen Produkten derselben Region teilweise geringere laufende Kosten aufwiesen. Der durchschnittliche Gebührenvorteil nachhaltiger Fonds lag je nach Region zwischen 0,14 Prozentpunkten bei europäischen Fonds und 0,29 Prozentpunkten bei Schwellenländerfonds. Diese Unterschiede dürften laut den Forschern auf eine Kombination aus dem höheren Anteil passiver Produkte im ESG-Segment, dem durchschnittlich jüngeren Fondsalter und den bereits erreichten höheren verwalteten Volumina zurückzuführen sein.
Bei aktiv verwalteten ESG-Fonds entstehen die Kosten primär durch aufwendigere Research-Prozesse zur Bewertung von Nachhaltigkeitskriterien, Lizenzgebühren für ESG-Daten und -Ratings spezialisierter Anbieter wie MSCI, Sustainalytics oder ISS ESG sowie durch die komplexere regulatorische Compliance gemäß EU-Offenlegungsverordnung (SFDR) und Taxonomie-Verordnung. Diese zusätzlichen Anforderungen rechtfertigen aus Anbietersicht höhere Managementgebühren, wobei die Datenlage zeigt, dass dies nicht zwingend zu systematisch höheren Kosten gegenüber konventionellen aktiven Fonds führt.
Kritisch anzumerken ist, dass die TER nicht alle tatsächlich anfallenden Kosten abbildet. Transaktionskosten, die bei aktiven Umschichtungen innerhalb des Fondsportfolios entstehen, können bei Aktienfonds zusätzlich zwischen 0,5 und 3 Prozent des Fondsvermögens pro Jahr ausmachen. Je aktiver ein Fonds am Markt agiert, desto höher fallen diese versteckten Kosten aus. Auch performanceabhängige Gebühren (Performance Fees), Ausgabeaufschläge von durchschnittlich 4 bis 6 Prozent bei Aktienfonds sowie bei Dachfonds die Kosten der Zielfonds sind nicht in der TER enthalten. Die tatsächliche Gesamtkostenbelastung kann somit deutlich über den ausgewiesenen Werten liegen.
Die Performance nachhaltiger Fonds rechtfertigt die Kostenbelastung nicht durchgängig. Der Markt für nachhaltige Fonds ist heterogen, und während einzelne ESG-Produkte in bestimmten Zeiträumen durchaus wettbewerbsfähige oder überlegene Renditen erzielten, zeigt die aggregierte Betrachtung ein differenziertes Bild. Angesichts der dokumentierten Performancenachteile vieler nachhaltiger Fonds seit 2022 und der zusätzlichen Kostenbelastung erscheint das Argument, höhere Gebühren würden systematisch durch überlegene Expertise oder Performance kompensiert, empirisch nicht haltbar.
Die geopolitischen Verwerfungen seit 2022 haben Prioritäten verschoben. Der russische Angriff auf die Ukraine führte zu einer Neubewertung von Energiesicherheit und Verteidigungsfähigkeit. Investments in konventionelle Energieträger und Rüstungsunternehmen, die zuvor von vielen ESG-Fonds ausgeschlossen waren, gewannen wieder an Akzeptanz.
Europäische Regierungen reaktivierten Kohlekraftwerke und verlängerten die Laufzeiten von Kernkraftwerken, um die Energieversorgung zu sichern. Diese pragmatische Neuausrichtung der Energiepolitik stand im Kontrast zu den ambitionierten Dekarbonisierungszielen, die noch 2021 formuliert worden waren. Anleger beobachteten, dass Nachhaltigkeitsziele bei existenziellen Krisen nachrangig behandelt wurden, was Zweifel an der langfristigen Verlässlichkeit dieser Investmentphilosophie nährte.
Gleichzeitig profitierten Öl- und Gaskonzerne von stark gestiegenen Energiepreisen und erzielten Rekordgewinne. ExxonMobil verzeichnete 2022 mit 55,7 Milliarden US-Dollar den höchsten Jahresgewinn in der Unternehmensgeschichte. Shell, BP und TotalEnergies meldeten ähnlich positive Ergebnisse. Anleger, die diese Unternehmen aus ihren Portfolios ausgeschlossen hatten, verpassten erhebliche Renditen.
Umfragen zeigen signifikante Unterschiede zwischen Altersgruppen bei der Bewertung nachhaltiger Investments. Eine Studie des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) vom Juni 2024 ergab, dass 58 Prozent der 18- bis 29-Jährigen Nachhaltigkeitskriterien bei Geldanlagen für wichtig oder sehr wichtig halten, aber nur 31 Prozent der über 60-Jährigen diese Meinung teilen.
Gleichzeitig verfügen ältere Anleger über deutlich mehr investierbares Vermögen. Das Durchschnittsalter deutscher Aktienbesitzer liegt bei 54 Jahren, die Generation 60+ hält etwa 65 Prozent des privaten Geldvermögens. Diese Gruppe orientiert sich primär an messbaren Renditen und Dividenden, während Nachhaltigkeitsaspekte eine untergeordnete Rolle spielen. Die jüngere Generation, die ESG-Investments grundsätzlich positiver gegenübersteht, verfügt noch nicht über ausreichend Kapital, um Markttrends wesentlich zu beeinflussen.
Die enttäuschende Performance nachhaltiger Fonds seit 2022 führte zusätzlich dazu, dass auch jüngere Anleger ihre Prioritäten überdachten. Eine Befragung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen vom August 2024 zeigte, dass selbst bei unter 35-Jährigen die Bereitschaft, für nachhaltige Investments Renditeeinbußen zu akzeptieren, von 42 Prozent im Jahr 2021 auf 28 Prozent im Jahr 2024 gefallen war.
Parallel zum Rückgang klassischer ESG-Fonds entwickelt sich das Segment des Impact Investing weiter. Diese Anlagestrategie zielt nicht nur auf die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien ab, sondern auf messbare positive Wirkungen in spezifischen Bereichen wie erneuerbare Energien, soziale Infrastruktur oder nachhaltige Landwirtschaft.
Impact Investments unterscheiden sich von ESG-Investments durch ihren expliziten Wirkungsanspruch und die systematische Messung der erzielten Effekte. Das Global Impact Investing Network (GIIN) schätzte das globale Volumen von Impact Investments Ende 2023 auf 1,2 Billionen US-Dollar, ein Wachstum von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dieses Segment erwies sich als resistenter gegenüber den Abflüssen, die ESG-Fonds trafen.
Private Markets, insbesondere Private Equity und Venture Capital mit Nachhaltigkeitsfokus, verzeichneten ebenfalls stabilere Mittelzuflüsse. Diese Investments richten sich jedoch primär an institutionelle und vermögende Privatanleger, während Retailanleger nur eingeschränkten Zugang haben. Die hohen Mindestanlagebeträge und langen Kapitalbindungsfristen limitieren die Relevanz für durchschnittliche Sparer.
Die Aussichten für nachhaltige Geldanlagen hängen von mehreren Faktoren ab. Die Standardisierung von ESG-Kriterien und die Harmonisierung regulatorischer Anforderungen könnten mittelfristig zu mehr Klarheit führen. Die EU arbeitet an weiteren Konkretisierungen der Taxonomie-Verordnung und der SFDR, um Interpretationsspielräume zu reduzieren.
Technologische Entwicklungen wie Künstliche Intelligenz und Satellitenbildauswertung ermöglichen präzisere und objektivere Nachhaltigkeitsmessungen. Startups wie Clarity AI oder Arabesque S-Ray nutzen Big Data und Machine Learning, um ESG-Risiken und -Chancen zu quantifizieren. Diese Methoden könnten die Reliabilität von ESG-Ratings verbessern und Greenwashing erschweren.
Die makroökonomischen Rahmenbedingungen werden entscheidend bleiben. Sollten Zentralbanken ihre Zinspolitik weiter lockern, würden kapitalintensive nachhaltige Technologien wieder attraktiver. Umgekehrt favorisiert ein Hochzinsumfeld etablierte, Cashflow-starke Unternehmen, die sich häufig in traditionellen Industrien finden.
Der politische Konsens über Klimaschutz und Nachhaltigkeit wird ebenfalls prägend sein. Die Ergebnisse der US-Präsidentschaftswahl 2024 und die politische Ausrichtung künftiger EU-Kommissionen beeinflussen regulatorische Standards und Förderpolitik. Eine Abschwächung klimapolitischer Ambitionen würde die Rahmenbedingungen für nachhaltige Investments verschlechtern.
Die nachlassende Bedeutung nachhaltiger Geldanlagen bei Anlegern resultiert aus einem Bündel von Faktoren, die sich gegenseitig verstärken. Enttäuschende Performance seit 2022, Greenwashing-Skandale, methodische Inkonsistenzen bei ESG-Ratings und regulatorische Komplexität haben Vertrauen und Attraktivität beschädigt. Die politische Polarisierung in den USA und veränderte geopolitische Prioritäten in Europa trugen zusätzlich zur Ernüchterung bei.
Die aktuellen Daten belegen eindeutig, dass der Höhepunkt des ESG-Booms überschritten ist. Die Mittelabflüsse, Rückstufungen von Fonds und nachlassende Nachfrage dokumentieren eine Phase der Korrektur nach Jahren überzogener Erwartungen. Dies bedeutet jedoch nicht das Ende nachhaltiger Investments, sondern markiert eine Konsolidierung auf realistischerer Basis.
Langfristig wird die Integration von Nachhaltigkeitskriterien in Investmentprozessen voraussichtlich Bestand haben, allerdings in differenzierterer Form. Anleger werden künftig genauer prüfen, welche konkreten Nachhaltigkeitsziele Fonds verfolgen, wie diese gemessen werden und ob sie mit finanziellen Renditeerwartungen vereinbar sind. Die pauschale Gleichsetzung von ESG mit überlegener Performance oder geringerem Risiko hat sich als nicht haltbar erwiesen.
Für Anleger empfiehlt sich derzeit eine kritische Auseinandersetzung mit den eigenen Nachhaltigkeitspräferenzen und eine realistische Einschätzung möglicher Zielkonflikte zwischen Rendite und Impact. Transparente, messbare Nachhaltigkeitsziele und nachvollziehbare Methoden sollten bei der Produktauswahl Vorrang haben vor Marketingversprechen und unkonkreten ESG-Labels. Die aktuelle Marktphase bietet die Chance, nachhaltige Investments auf ein solideres Fundament zu stellen, das sowohl ökologische als auch ökonomische Realitäten angemessen berücksichtigt.
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Markus G
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Zuletzt aktualisiert am 29. November 2025 by Redaktion
3 Kommentare
Hallo, Herr Gildemeister,
Glückwunsch zu Ihrem guten Artikel.
Bei den Fondskosten zeigt die empirische Evidenz und wiederholte Statistiken der ESMA allerdings nicht das von Ihnen skizzierte, eher das Gegenteil:
https://fng-siegel.org/media/presse/FNG-Siegel-Newsletter-022023.pdf (Seite 31) – ist zwar nicht mehr der aktuellste Artikel, aber am Gesamtbild hat sich auch in neueren Statistiken meines Wissens nach nichts geändert.
Viele Grüße
Roland Kölsch
Hallo Herr Koch, vielen Dank für Ihren Kommentar und den Hinweis. Wir werden das gern nochmal prüfen und den Artikel, falls notwendig, entsprechend aktualisieren. Beste Grüsse, M.Gildemeister
Guter Artikel,
bei den Fondskosten zeigt die empirische Evidenz und wiederholte Statistieken der ESMA aber nicht das von Ihnen skizzierte, eher das Gegenteil:
https://fng-siegel.org/media/presse/FNG-Siegel-Newsletter-022023.pdf
Viele Grüße
Roland Kölsch