Die Robo-Advisor der Vermögensverwalter – die großen Gewinner?

Als die ersten Robo-Advisor am Markt auftraten, waren sich viele Experten sicher, dass die, als FinTechs geltenden „neuen“ Online Vermögensverwalter wie Scalable CapitalLiqidgrowney und Co. eine starke Konkurrenz zu den etablierten und klassischen Vermögensverwaltungen werden würden. Auch den Banken sollte, laut Prognosen zahlreicher Experten, durch eben diese FinTechs im Bereich der Geldanlage Ungemach drohen.

Oliver S.

Oliver S.

31. Mai 2019

Vermögensverwalter - Die Gewinner bei digitalen Geldanlagen

31. Mai 2019

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on email

Und was ist nach nun knapp 5 Jahren, als die ersten Robo-Advisor am deutschen Markt auftauchten daraus geworden? Große Aufruhr und Veränderung? Banken unter Druck? Klassische Vermögensverwalter am Ende ihrer Daseinsberechtigung?

Die Wahrheit ist: So gut wie gar nichts von dem, was Experten hinsichtlich des zu erwartenden Markteinflusses der Robo-Advisor, teilweise sehr vollmundig, prognostizierten, ist eingetreten. Alles also nur heiße Luft? Nein – ganz so hart ist es dann eben doch nicht.

Fakt ist, dass bis heute ist dieser vorhergesagte harte Konkurrenzkampf fast komplett ausgeblieben ist. Ganz im Gegenteil: Zahlreiche Robo-Advisor kooperieren mit Banken. Sei es in Form einer technologischen Kooperation (Bereitstellung der eigenen Plattform als White Label Lösung) oder in Form einer direkten Kooperation (Scalable >> ING, WhiteBox >> Volkswagen Bank, Pax – Investify etc.). Nix ist mit großem Konkurrenzkampf!

Und die klassischen, traditionellen Vermögensverwalter? Deren Erkenntnis nach Beobachtung der Entwicklung des deutschen Robo-Advisor Marktes scheint zu lauten: Was die Fin-Techs und nun einigen Banken glauben zu können, können wir schon lange. Also gründen wir unseren eigenen Robo-Advisor. Beispiele hierfür? Hauck & Aufhäuser (Zeedin), Fidelity (Wealth Expert), DJE Kapital (Solidvest) und zahlreiche andere, kleinere Vermögensverwalter wie Dr. Lux & Präuner.

Doch warum hat sich der Markt für digitale Geldanlagen so entwickelt, wie er sich aktuell präsentiert? Gibt es treffende Gründe, warum die groß prognostizierte digitale Revolution bei der Geldanlage bis dato eher langsam und schleichend voranschreitet? Warum sich der anfängliche Hype für so manch einen Anbieter als Blase entpuppt hat?

Dreierverbund am Finanzmarkt: Banken, klassische Vermögensverwalter und Robo-Advisor

Fakt ist, dass die folgenden drei Gruppen am Finanzmarkt nahezu vereint um Kunden werben, die eine Vermögensverwaltung in Anspruch nehmen möchten:

• Banken
• Klassische Vermögensverwalter
• Robo-Advisor

Einziger Unterschied ist bis dato lediglich darin zu sehen, dass Banken und Robo-Advisor eher die breite Masse potentieller Anleger ansprechen. Klassische Vermögensverwaltungen klammern bestimmte Anlegergruppen bis dato allein dadurch aus, das hohe Mindestanlagesummen gefordert werden.

Schwieriges Thema: Banken und Robo-Advisor

Und die Banken? Sie böten mit ihren riesigen Kundenstämmen eigentlich exakt jenes Kundenpotential, welches wohl so ziemlich jeder Robo-Advisor zweifelsohne gern als eigenen Kundenstamm hätte. Was sicherlich vor einigen Jahren zahlreiche Experten zu der Einschätzung verleitete, dass der Großangriff der Robo-Advisor auf die Banken unmittelbar bevorstehe. Aber wie bereits erwähnt – nix ist passiert. Oder besser nicht viel.

Die Robo-Advisor mühen sich um Kooperationen und die Banken präsentieren sich als das, was sie in den letzten Jahren auch in anderen Bereich immer wieder bestätigten. Sie verschlafen schlicht die Digitalisierung in der Geldanlage. Beispiele gefällig?

• HASPA beendet nach 1 Jahr Testphase Zusammenarbeit mit Investify
• Commerzbank bringt es über den Plan eines eigenen Robos nicht hinaus
• Santander stoppt eigenes Robo-Advisor Angebot SINA
• DKB – selbst nach 2,5 Jahren keine finale Entscheidung, ob Robo-Advisor kommt oder nicht

Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, aber mit ehrlichem Auge betrachtet, sind die Targobank mit Pixit neben der ING (beide kooperieren interessanterweise mit Scalable Capital) die einzigen Großbanken, die ihre Kunden mit einem Robo-Advisor Angebot bedienen. Kleinere Volksbanken, regionale Sparkassen etc. mal ausgenommen.

Experten halten Robo-Advisor für klassische Vermögensverwalter für sehr wichtig

Und die klassischen Vermögensverwalter? Tatsache: Es gibt derzeit nicht wenige Experten, die es für wichtig halten, dass große Vermögensverwaltungen ihren eigenen Robo-Advisor gründen. Und sie liefern durchaus nachvollziehbare Argumente für diese Aussage.

Zum einen besteht nach Auffassung der Experten der Vorteil darin, dass es so keine Konkurrenz bei den eigenen Kunden zwischen Offline- und Online-Vermögensverwaltung geben muss.

Und zum anderen gibt es einfach immer mehr Kunden, die zwar grundsätzlich die Expertise und die oft jahrzehntelangen Erfahrungen klassischer Vermögensverwalter schätzen, aber zum Beispiel aufgrund der deutlich geringeren Kosten trotzdem zu einem Online-Vermögensverwalter tendieren.

Wenn nun die klassische Vermögensverwaltung einen eigenen Robo-Advisor schafft, kann sie beide Kundengruppen bedienen: Diejenigen, die auf Erfahrungen und Renommee einer „Offline-Vermögensverwaltung“ setzen und auch die Kunden, die sehr preissensibel und den digitalen Angeboten gegenüber aufgeschlossen sind.

MiFID II als weiterer Grund für klassische Vermögensverwaltungen

MIFID 2 zwingt Vermögensverwalter zur Neuausrichtung ihrer Geschäftsfelder
MIFID 2 macht es erforderlich: Vermögensverwalter müssen umdenken und sich den neuen Anforderungen stellen

Neben den genannten Gründen sind viele Experten zudem der Auffassung, dass immer mehr klassische Vermögensverwalter ihr Angebot auch deshalb um einen Robo-Advisor erweitern möchten, weil die Regulierungen spätestens seit den europaweit geltenden Richtlinien in Form der MiFID II weiter gestiegen sind.

Die erweiterten Anforderungen aus der EU – Richtlinie an eine Beratung bzw. Vermögensverwaltung für den Kunden führen dazu, dass klassische Vermögensverwalter zukünftig nur noch dann werden profitabel arbeiten können, wenn sie relativ hohe Kundeneinlagen betreuen. Doch gerade dieses Kundenklientel ist bekannterweise stark umworben, weil eben auch nicht in einer breiten Masse existent.

So haben viele Vermögensverwalter jetzt schon Vorgaben, dass Kunden den Service erst ab beispielsweise 500.000 Euro Anlagesumme nutzen können. Aus diesem Grund tendieren klassische Vermögensverwalter ebenfalls zum eigenen Robo-Advisor, denn aufgrund der deutlich besseren Kosteneffizienz kann dieser auch Kunden mit kleineren bzw. mittleren Vermögen mindestens kostendeckend betreuen. Womit aus Sicht der Vermögensverwalter durch ein entsprechendes Robo-Advisor Angebot, das breite Feld der Kleinanleger interessant und vor allem akquirierbar wird.

Neue Kundengruppen für klassische Vermögensverwalter möglich

Die meisten klassischen Vermögensverwalter, die bereits einen eigenen Robo-Advisor geschaffen haben oder sich in der Planungsphase befinden, erhoffen sich dadurch natürlich zum einen, bestehende Kunden zu halten und diese nicht zu einem anderen Online-Vermögensverwalter ziehen lassen zu müssen. Zum anderen ist es ein weiteres Ziel, im Idealfall selbst neue Kundengruppen zu erschließen.

Kleinanleger werden interessant

Vor allem jene Anleger mit kleineren oder mittleren Vermögen, die bisher entweder noch gar keine Vermögensverwalter nutzen (konnten) oder sich für einen (anderen) Robo-Advisor entschieden haben. Tatsächlich hat die Kombination von Renommee, langen Erfahrungen einerseits und günstige Gebühren sowie den Service der Online-Nutzung andererseits sicherlich für manche Anleger ihren Charme, die sich daraufhin möglicherweise erstmalig für eine Vermögensverwaltung entscheiden.

Vermögensverwalter: Synergieeffekte stehen meistens im Vordergrund

Für die meisten klassischen Vermögensverwalter, die einen eigenen Robo-Advisor gründen, stehen sicherlich Synergieeffekte im Vordergrund. Dabei können die Vorteile der klassischen Vermögensverwalter mit denen der Robo-Advisor vereint werden, insbesondere:

• Langjährige Erfahrungen am Markt
• Persönliche Betreuung vor Ort
• Renommee
• Günstige Gebühren
• Keine hohe Mindesteinlage
• Online nutzbar

Zusammenfassend gehen die meisten Experten derzeit davon aus, dass es in den nächsten ein bis zwei Jahren noch einige klassische Vermögensverwalter geben wird, die einen eigenen Robo-Advisor gründen. Ob dieser dann auf Dauer bestehen kann, ist eine andere Frage denn der Markt der Online-Vermögensverwaltungen beginnt sich bereits zu konsolidieren.

Share on facebook
Facebook
Share on twitter
Twitter
Share on linkedin
LinkedIn
Share on pinterest
Pinterest
Share on pocket
Pocket
Share on reddit
Reddit
Share on xing
XING
Oliver S.

Oliver S.

Oliver ist der Journalist im Team. Ausgebildeter Banker (Hypo Vereinsbank), hat hohes Maß an spezifischem Finanzwissen und ist einer der bekanntesten Schreiberlinge in der Finanz-Szene. Er das Thema Finanzen in einer Leichtigkeit, die seinesgleichen sucht. Nicht ohne Grund hat Oliver unter anderem auch für die Huffington Post geschrieben. Zudem ist er bis heute auch als Redakteur für FTD.de (ex Financial Times Deutschland) als auch auf Unternehmerhandbuch.de tätig. Kümmert sich hier um alles, was mit dem Thema Finanzwissen, Interviews und News zu tun hat.

Empfehlungen aus der Redaktion
Zurück zum Blog

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.