Gerd Kommer Capital Interview

Im Gespräch mit Daniel Kanzler/ Head of Investment Gerd Kommer Capital

Gerd Kommer Capital - ein wissenschaftlich fundierter Robo-Advisor, der das bewährte Weltportfolio-Konzept von Dr. Gerd Kommer konsequent digital umsetzt und dabei auf Factor-Investing ohne Markt-Timing setzt. Doch wie behauptet sich der evidenzbasierte Ansatz in einem Markt voller Marketing-Versprechen und KI-Mythen? Diese und 9 weitere Fragen haben wir Daniel Kanzler, Prokurist und Head of Investment, gestellt. Im Folgenden das Gerd Kommer Capital Interview.

22. September 2025 | Markus G.

Zuletzt aktualisiert am: 9. Oktober 2025

 

10 Fragen an Gerd Kommer Capital

Interview mit Daniel Kanzler,  Prokurist und Head of Investment der Gerd Kommer Invest GmbH


Gerd Kommer Capital steht als einer der führenden wissenschaftlich fundierten Roboadvisor-Anbieter in Deutschland für die konsequente Umsetzung des bewährten Weltportfolio-Konzepts von Dr. Gerd Kommer. Das Unternehmen setzt dabei systematisch auf Factor-Investing und Prognosefreiheit – Prinzipien, die auf jahrzehntelanger Kapitalmarktforschung basieren.

In einer Zeit, in der viele Roboadvisor-Anbieter den deutschen Markt verlassen haben oder sich neu positionieren mussten, verfolgt Gerd Kommer Capital einen klaren, evidenzbasierten Ansatz: kosteneffizientes, diversifiziertes Investieren ohne Markt-Timing oder spekulative Elemente. Diese Philosophie hat das Unternehmen zu einem der vertrauenswürdigsten Anbieter in der digitalen Vermögensverwaltung gemacht.


Zur Person

Daniel Kanzler fungiert als Prokurist und Head of Investment bei der Gerd Kommer Invest GmbH und gilt als ausgewiesener Spezialist für ETF-basierte Anlagestrategien sowie moderne Kapitalmarkttheorie. Seine Verantwortungsbereiche in der Vermögensverwaltung erstrecken sich von der ETF-Analyse und -Auswahl bis hin zur strategischen Kundenbetreuung und Geschäftsentwicklung. Als einer der federführenden Architekten des Gerd Kommer Index verfügt er über tiefgreifende Kenntnisse aller technischen und methodischen Aspekte des hauseigenen ETF-Produkts.

Seine akademische Laufbahn führte ihn durch den renommierten Elitestudiengang Finance and Information Management an der Technischen Universität München, den er mit einem Master of Science with Honors abschloss. Zuvor erwarb er seinen Bachelor in Global Business Management. Internationale Erfahrungen sammelte er während Studienaufenthalten in Australien und Hongkong sowie durch Praktika in der Bankenberatung, strategischen M&A-Beratung und bei einem asiatischen FinTech-Startup.

Abseits der beruflichen Tätigkeit widmet sich Daniel Kanzler dem Radsport, verschiedenen sportlichen Aktivitäten und dem Gitarrespiel. Seine Reiseleidenschaft nutzt er zur Erkundung fremder Kulturen und Sprachen. Sein gesellschaftliches Engagement zeigt sich in seiner ehrenamtlichen Arbeit im Leo Club, wo er zuletzt als International Liaison Officer aktiv war.


Unternehmensspezifische Fragen


1

Factor-Investing-Strategie bei GKC

Sie integrieren in Ihre Portfolios die Faktorprämien Small Size, Value, Momentum, Quality und Minimum Volatility. Angesichts der unterschiedlichen Performance dieser Faktoren in den letzten Jahren – insbesondere der schwächeren Value-Performance – wie bewerten Sie deren langfristige Relevanz und wie häufig justieren Sie die Faktorgewichtungen in Ihren Anlagestrategien?

Die wissenschaftliche Evidenz für das langfristige Bestehen von Faktorprämien ist robust und basiert auf mehreren Jahrzehnten Kapitalmarktforschung. Die vier Hauptfaktoren, die wir in unserer Faktorstrategie nutzen – Small Size, Value, Momentum und Quality – sind nicht nur historisch dokumentiert, sondern auch ökonomisch plausibel erklärbar und empirisch wiederholt nachgewiesen worden.

Wichtig ist: Einzelne Faktoren können über kürzere Zeiträume – auch über mehrere Jahre – underperformen, ohne dass damit ihre Existenz oder langfristige Relevanz infrage gestellt wäre. Die Schwäche der Value-Prämie in den vergangenen Jahren ist ein gutes Beispiel dafür. Diese Phasen sind kein Bug, sondern ein Feature: Sie sind inhärent notwendig, damit die Prämien als solche überhaupt bestehen bleiben können. Gäbe es keine Perioden enttäuschender Faktor-Performance, wären Arbitrageure längst vollständig in diese Strategien eingestiegen und hätten die Prämie eliminiert.

Unsere Faktorgewichtungen sind strategisch festgelegt und werden nicht taktisch angepasst. Anpassungen erfolgen nur dann, wenn es fundierte strukturelle Gründe dafür gibt – etwa neue wissenschaftliche Erkenntnisse oder regulatorische Veränderungen –, aber nicht auf Basis kurzfristiger Performancebeobachtungen oder Marktstimmungen.

Unser Ziel ist es, die bewährte Kombination von Faktorprämien im Portfolio beizubehalten, um langfristig eine bessere risikoadjustierte Rendite zu erzielen als mit einem rein marktkapitalisierungsgewichteten Portfolio. Kurzfristige Abweichungen von einzelnen Faktoren betrachten wir dabei als unvermeidbar und sogar notwendig.

2

Partnerschaft mit Scalable Capital

Seit 2020 arbeiten Sie mit Scalable Capital zusammen, die die technische Infrastruktur bereitstellen und die Finanzportfolioverwaltung durchführen, während Sie beratend tätig sind. Wie stellen Sie sicher, dass das ursprüngliche Weltportfolio-Konzept von Dr. Gerd Kommer in dieser arbeitsteiligen Struktur authentisch umgesetzt wird, und welche Entscheidungshoheit haben Sie bei strategischen Portfolio-Anpassungen?

Die Zusammenarbeit mit Scalable Capital beruht auf einer klaren Aufgabenteilung: Scalable Capital agiert in der rechtlichen Rolle des Finanzportfolioverwalters, stellt die regulatorische und technische Infrastruktur bereit und verantwortet die operative Umsetzung, insbesondere das Rebalancing und die Abwicklung. Unsere Rolle hingegen ist die konzeptionelle Gestaltung der Anlagestrategien, also der inhaltliche Kern: Wir entwickeln die Portfoliostruktur, definieren die strategische Asset-Allokation und verantworten auch das Regelwerk für die Berücksichtigung von Faktorprämien. Unsere Investmentphilosophie – also das Weltportfolio-Konzept auf ETF-Basis – bildet dabei die Grundlage.

Änderungen an der strategischen Allokation oder an der Methodik erfolgen nur in enger Abstimmung zwischen beiden Partnern. Ohne unsere fachliche Zustimmung werden keine strategischen Portfolioanpassungen vorgenommen. Damit ist sichergestellt, dass das Weltportfolio-Konzept von Dr. Gerd Kommer nicht nur dem Namen nach, sondern auch inhaltlich und methodisch vollständig erhalten bleibt.

Die Vorteile dieser arbeitsteiligen Struktur liegen für unsere Kundinnen und Kunden auf der Hand: Sie profitieren von der Expertise und Unabhängigkeit unseres Hauses in Bezug auf die Anlagestrategie und gleichzeitig von der technologischen Exzellenz und der regulatorischen Infrastruktur von Scalable Capital.

3

Mindestanlage-Senkung von 10.000 auf 25 Euro

Sie haben die Mindestanlage dramatisch von ursprünglich 10.000 Euro auf nur 25 Euro gesenkt. Diese Demokratisierung des Zugangs dürfte Ihre Kundenstruktur fundamental verändert haben. Wie hat sich dadurch Ihr durchschnittliches Anlagevolumen pro Kunde entwickelt und welche Auswirkungen hat dies auf Ihre Profitabilität bei einem Gebührenmodell von 0,60-0,70% p.a.?

Mit der Absenkung der Mindestanlagesumme auf 25 Euro verfolgen wir ein zentrales Ziel: wissenschaftlich fundiertes, kosteneffizientes Investieren für alle zugänglich zu machen – unabhängig vom Einkommen oder Vermögen. Diese Demokratisierung war kein kurzfristiger Marketing-Schachzug, sondern ein konsequenter Schritt, um unseren Bildungsauftrag mit einem echten Anlageangebot zu verbinden.

Das durchschnittliche Anlagevolumen pro Kunde ist in der Folge gesunken, allerdings weniger als wir erwartet hätten, was daran liegt, dass wir weiterhin viele Kunden haben, die sechsstellige Beträge investieren. Gleichzeitig sehen wir, dass ein großer Teil der Kundengruppe mit kleineren Anfangsbeträgen regelmäßig spart und über die Zeit substantielle Anlagevolumina entstehen.

Was die Profitabilität betrifft: Unser Geschäftsmodell basiert auf langfristigem Kundenwachstum, nicht auf kurzfristiger Marge. Entscheidend sind die hohe Automatisierung und Standardisierung, die es uns selbst bei kleineren Anlagesummen erlaubt, mit relativ niedrigen Gebühren wirtschaftlich zu arbeiten. Zudem steigert die niedrigere Einstiegshürde unsere Markenbekanntheit, wovon wir auch mittel- und langfristig profitieren.

4

Milestone: 1 Milliarde Euro AuM

Im April 2024 haben Sie den Meilenstein von über 1 Milliarde Euro verwalteten Vermögens erreicht. Angesichts der Tatsache, dass der gesamte deutsche Roboadvisor-Markt auf etwa 25 Milliarden Euro geschätzt wird, bedeutet dies einen Marktanteil von rund 4%. Welche Wachstumsstrategie verfolgen Sie, um diesen Anteil weiter auszubauen, und sehen Sie sich eher als Nischenspieler für “Kommer-Anhänger” oder als Mainstream-Anbieter?

Zunächst eine Klarstellung: Die 1 Milliarde Euro an verwaltetem Vermögen zum damaligen Zeitpunkt umfasst die Summe aller verwalteten Kundengelder in unserer Vermögensverwaltung Gerd Kommer Invest, unserem im Juni 2023 lancierten Gerd-Kommer-ETF sowie dem Robo Advisor Gerd Kommer Capital. Aktuell sind über 110 Millionen Euro im Robo Advisor investiert.

Wir sehen uns nicht als reinen Nischenanbieter für sogenannte „Kommer-Jünger”. Unsere Kunden schätzen die Klarheit, Wissenschaftsorientierung und Konsistenz unserer Strategie. Aber diese Prinzipien sind keineswegs exklusiv, sondern universell anwendbar und relevant für alle, die rational und langfristig Vermögen aufbauen wollen. In diesem Sinne verstehen wir uns zunehmend als Anbieter für zumindest den Teil der Bevölkerung, der eigenverantwortlich und informiert investieren möchte.

Unsere Wachstumsstrategie beruht einerseits auf unserer inhaltlichen Authentizität: Wir bleiben unserem wissenschaftlich fundierten, kosteneffizienten Ansatz treu. Andererseits basiert unsere Markenpräsenz nicht nur auf Werbung im klassischen Sinne, sondern auf kontinuierlicher Bildungsarbeit über Herr Dr. Kommers Bücher und Medienpräsenz sowie unserem Blog und unseren Social-Media-Kanälen. Diese Vertrauensbasis wirkt nachhaltig und verschafft uns ein solides und langfristiges Wachstum – ganz im Sinne unserer Anlagestrategie.

5

Prognosefreiheit vs. taktische Allokation

Dr. Gerd Kommer betont in seinen Büchern die Prognosefreiheit als Grundprinzip. Gleichzeitig führen Sie regelmäßige Rebalancing-Prozesse durch und integrieren Factor-Investing-Ansätze. Wo ziehen Sie die Grenze zwischen wissenschaftlich fundierter Anpassung und spekulativer Marktprognose, insbesondere bei der Gewichtung zwischen Aktien und Anleihen in Ihren verschiedenen Risikoklassen?

Prognosefreiheit bedeutet für uns: Wir versuchen nicht, kurzfristige Marktbewegungen vorherzusagen oder durch taktische Allokationsentscheidungen zu „überlisten”. Wir lehnen aktives Market Timing genauso ab wie das gezielte Über- oder Untergewichten von Anlageklassen aufgrund makroökonomischer Erwartungen. Die empirische Evidenz zeigt sehr klar, dass solche Strategien langfristig kaum Mehrwert liefern und meist eher schaden.

Rebalancing, also das Zurückführen eines Portfolios auf seine strategische Zielstruktur, ist kein Ausdruck von Markterwartung, sondern ein mechanischer, regelbasierter Prozess. Es dient dazu, das Risikoprofil eines Portfolios über die Zeit konstant zu halten.

Factor Investing, wie wir es praktizieren, basiert nicht auf kurzfristigen Einschätzungen, sondern auf robusten, langfristig validierten Renditequellen wie Small Size, Value, Momentum oder Quality. Diese Prämien sind wissenschaftlich dokumentiert und in der Regel langfristig angelegt. Wir wechseln nicht taktisch zwischen Faktoren, sondern implementieren sie dauerhaft.

Die Gewichtung zwischen Aktien und Anleihen richtet sich bei uns ausschließlich nach dem individuellen Risikoprofils des Anlegers und nicht nach unserer Meinung zur Zinspolitik, Inflation oder geopolitischen Risiken. Die sogenannte strategische Asset Allocation ist das Ergebnis eines strukturierten Abfrageprozesses zu Risikotragfähigkeit und -toleranz des Kunden. Sie ist langfristig angelegt und wird nur angepasst, wenn sich das Profil des Anlegers verändert, nicht die Lage an den Märkten.

Kurz gesagt: Wir glauben an Systematik statt Spekulation. Rebalancing und Faktorprämien sind keine Formen versteckter Prognose, sondern Ausdruck eines disziplinierten, prognosefreien Investmentansatzes.

Markt- und Wettbewerbsfragen

6

Kostenpositionierung im deutschen Markt

Mit Gesamtkosten von etwa 0,8-0,9% p.a. (inklusive Produktkosten) positionieren Sie sich im oberen Mittelfeld des deutschen Roboadvisor-Markts. Anbieter wie Quirion oder Raisin Invest sind deutlich günstiger. Wie rechtfertigen Sie diese Preispremium, und sehen Sie angesichts des intensiven Preiswettbewerbs Spielraum für Gebührensenkungen?

Unsere Gesamtkostenquote von etwa 0,8–0,9 % p.a. ist bewusst so gewählt, dass sie signifikant günstiger ist als klassische Bankprodukte, aber dennoch ausreichend Spielraum lässt für eine hochwertige, langfristig tragfähige Dienstleistung.

Unser Mehrwert besteht nicht primär im Preis, sondern in der konsequenten Umsetzung des Weltportfolio-Konzepts nach wissenschaftlichen Kriterien und berücksichtigt einen Multifaktoransatz. Viele günstigere Anbieter verfolgen keinen faktorbasierten Ansatz über den Großteil des Portfolios.

Was den Preiswettbewerb betrifft: Natürlich beobachten wir den Markt kontinuierlich und analysieren unsere Wettbewerbsfähigkeit. Sollte sich durch Skaleneffekte oder technologischen Fortschritt Spielraum ergeben, wäre eine moderate Gebührenanpassung langfristig denkbar. Unsere oberste Priorität bleibt aber ein nachhaltiges Geschäftsmodell mit echtem Kundennutzen.

7

Marktkonsolidierung und Konkurrenz

Der deutsche Roboadvisor-Markt erlebt derzeit eine Konsolidierungsphase – Moneyfarm/Vaamo zieht sich zurück, Prospery stellt ein. Gleichzeitig drängen immer mehr etablierte Banken mit eigenen digitalen Angeboten in den Markt. Wie bewerten Sie diese Entwicklung für GKC, und wo sehen Sie Ihre Hauptkonkurrenz: bei anderen reinen Roboadvisors oder bei den “Corporate Robos” der etablierten Finanzinstitute?

Diese Entwicklung war absehbar und ist aus unserer Sicht gesund. Der Markt bereinigt sich – insbesondere bei jenen Anbietern, die kein klares Alleinstellungsmerkmal hatten oder zu sehr auf das reine Technikversprechen gesetzt haben. Digitalisierung allein reicht eben nicht aus, um ein differenziertes und dauerhaft tragfähiges Anlageangebot zu schaffen. Insofern sehen wir die Konsolidierung nicht als Bedrohung, sondern als Bestätigung unserer Strategie.

Wir bei Gerd Kommer Capital haben nie versucht, der lauteste oder günstigste Anbieter zu sein, sondern der überzeugendste – mit einem klar wissenschaftsbasierten Anlagekonzept, maximaler Transparenz und einer kompromisslos rationalen Investmentphilosophie. Unser „Weltportfolio”-Ansatz ist kein Marketingkonstrukt, sondern die Umsetzung jahrzehntelanger Kapitalmarktforschung. Das unterscheidet uns sowohl von vielen klassischen Banken als auch von manchem Fintech-Angebot.

Natürlich gibt es auch Wettbewerber, die ähnliche Zielgruppen ansprechen. Viele Corporate Robos integrieren jedoch Verkaufsinteressen oder bieten zu komplexe und teure Produktstrukturen. Fintechs hingegen bieten oft moderne Interfaces, aber kein belastbares Anlagekonzept.

Unsere Hauptkonkurrenz sehen wir jedoch weder in den Corporate Robos noch in den klassischen Roboadvisors, sondern im Nicht-Investieren. Die meisten Deutschen haben ihr Geld immer noch auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten liegen: Die größte Konkurrenz ist daher die Untätigkeit oder die Hoffnung auf den perfekten Einstiegszeitpunkt.

Langfristig glauben wir nicht, dass es über 20 Roboadvisor-Anbieter in Deutschland braucht, aber es braucht einige wenige, die echte Qualität, Unabhängigkeit und Kundennutzen liefern. Dafür sehen wir uns gut aufgestellt.

8

ESG und Nachhaltigkeit

Während viele Wettbewerber stark auf ESG- und Impact-Investing setzen, fokussieren Sie sich bisher primär auf das klassische Weltportfolio-Konzept ohne explizit nachhaltigen Investmentansatz. Angesichts der wachsenden Nachfrage nach ESG-konformen Anlagen: Planen Sie die Einführung nachhaltiger Portfoliovarianten, oder sehen Sie das als Abweichung von Ihrer wissenschaftlich fundierten Kernstrategie?

Nachhaltigkeit ist für uns ein relevantes Thema – sowohl gesellschaftlich als auch ökonomisch. Unsere Zurückhaltung gegenüber ESG-Strategien resultiert jedoch nicht aus Desinteresse, sondern aus unserem wissenschaftlich fundierten Anlageverständnis. Aus Sicht der Kapitalmarktforschung ist keine systematische Überrendite für ESG-Investing zu erwarten. Wenn dann dürfte das Gegenteil der Fall sein.

Unser Ansatz konzentriert sich auf einen marktbreiten Faktoransatz und ist neutral in Bezug auf ESG. Vor dem Hintergrund einiger anderer Anbieter, die gezielt den Bereich nachhaltiges investieren abdecken, sehen wir in unserem Segment faktorbasiertes wissenschaftliches Investieren eine gute Expertenstellung.

Zukunfts- und Technologiefragen

9

KI und Machine Learning Integration

Viele Roboadvisor-Anbieter integrieren zunehmend KI- und Machine Learning-Technologien für personalisierte Anlageempfehlungen und dynamisches Portfoliomanagement. Wie stehen Sie zu dieser Entwicklung, und inwieweit planen Sie, solche Technologien in Ihr ansonsten stark regelbasiertes und wissenschaftlich fundiertes Anlagekonzept zu integrieren?

KI und Machine Learning gehören zu den spannendsten technologischen Entwicklungen unserer Zeit und haben zweifellos das Potenzial, viele Branchen zu transformieren. Auch im Bereich Asset Management wird KI bereits an verschiedenen Stellen genutzt, etwa in der Kundenkommunikation, bei der Automatisierung von Prozessen oder für Research-Zwecke.

Was wir bei GKC allerdings nicht tun werden, ist KI zur Spekulation auf künftige Marktbewegungen einzusetzen – also zur Prognose von Asset-Preisen oder zur dynamischen Allokation auf Basis „intelligenter” Mustererkennung. Dafür gibt es keine belastbare wissenschaftliche Evidenz, dass diese Ansätze – nach Kosten, Steuern und Risiko – systematisch Mehrwert für Privatanleger generieren. Im Gegenteil: Der Versuch, durch KI die Märkte zu schlagen, ist schlicht eine Neuauflage des alten aktiven Managements – diesmal im KI-Mäntelchen.

10

Internationale Expansion

Als einer der wenigen deutschen Roboadvisors mit einem starken intellektuellen Markenkern durch Dr. Gerd Kommers Reputation: Haben Sie Pläne für eine internationale Expansion, insbesondere in den DACH-Raum, und wie würden Sie das Weltportfolio-Konzept an unterschiedliche regulatorische und steuerliche Gegebenheiten in anderen Märkten anpassen?

Tatsächlich ist der Gedanke einer internationalen Expansion für uns grundsätzlich attraktiv, insbesondere deshalb, weil unser Anlageansatz universell anwendbar ist: Das Weltportfolio basiert auf globaler Diversifikation, niedrigen Kosten, Prognosefreiheit und wissenschaftlicher Evidenz. Diese Prinzipien sind nicht „made in Germany”, sondern global gültig – und damit in nahezu allen entwickelten Märkten anschlussfähig.

Gleichzeitig sehen wir die regulatorischen und steuerlichen Unterschiede zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz. Unsere Vermögensverwaltung und den Gerd Kommer ETF können wir bereits Anlegern im Ausland anbieten. Für unseren Robo Advisor wird dies noch länger dauern.


Was wollten Sie schon immer über den deutschen Roboadvisor Markt „loswerden”, sind aber noch nie mit einer entsprechenden Frage „konfrontiert” worden?

Der Begriff „Roboadvisor” führt in der Öffentlichkeit regelmäßig in die Irre. Viele Menschen denken dabei an künstliche Intelligenz, maschinelles Stock Picking oder gar an eine Art Trading-Roboter fürs eigene Depot. Die Realität sieht bei den meisten Anbietern – auch bei uns – ganz anders aus.

In Wahrheit ist ein guter Roboadvisor nichts anderes als ein digital zugänglicher Vermögensverwalter, der mit klaren Regeln, evidenzbasierten Methoden und automatisierten Prozessen arbeitet. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. „Robo” steht hier nicht für künstliche Intelligenz, sondern für die sinnvolle Automatisierung von Dingen, die der Mensch ohnehin nicht besser kann, etwa Rebalancing oder Depotstrukturierung nach festgelegten Allokationen.

Ich finde, wir sollten den Begriff „Roboadvisor” langfristig durch „digitale Vermögensverwaltung” ersetzen, weil das viel besser beschreibt, was wir tun und was wir nicht tun. Weniger Robo, mehr Ratio. Das wäre mein Wunsch für die Debatte um Geldanlage in Deutschland.


Zu guter Letzt

Herr Kanzler, wir danken Ihnen sehr für das sehr interessante und aufschlussreiche Interview!

Interview geführt im Rahmen der Serie „10 Fragen an…” zur digitalen Vermögensverwaltung in Deutschland. Alle Angaben entsprechen dem Stand zum Zeitpunkt des Interviews und ohne Gewähr.

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Markus G.

Markus ist der “Kopf” des Teams. Ideengeber, Vermarkter, Redakteur und irgendwie an allem auf diesem Portal beteiligt. Ohne ihn würde es dieses Portal so nicht geben. Eine Idee – entstanden aus dem persönlichen Interesse an FinTech und nun langjähriger Erfahrungen in der Finanz-Szene. Zudem ist Markus Kolumnist auf zahlreichen Online-Plattformen – im englischsprachigen Raum unter anderem aufTalkmarkets, aber auch auf im deutschsprachigen Raum u. a. auf Focus.de
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