fintego - das Roboadvisor Angebot der ebase. Seit rund 7 Jahren am deutschen Markt aktiv, aber vordergründig bei Weitem nicht so "präsent" wie beispielsweise Scalable, Liqid, Quirion und Co. Warum ist das so? Ist man zufrieden mit dem eigenen Angebot? Nur zwei Fragen im Rahmen unseres Fintego Interview....
10. November 2021 | Markus G.
Interview mit Kai Friedrich, Sprecher der Geschäftsführung ebase / fintego
Als einer der ersten deutschen Robo-Advisor überhaupt verkörpert fintego seit 2014 die Evolution des digitalen Asset Managements – von den Anfängen einer Nischentechnologie bis zur heutigen Marktreife. Während 2025 KI-gesteuerte Algorithmen und aktive Strategien um Aufmerksamkeit wetteifern, behauptet sich fintego mit einem wissenschaftlich fundierten ETF-Ansatz, der auf über einem Jahrzehnt Markterfahrung basiert.
Hinter dem Robo-Advisor steht die ebase als führende B2B-Direktbank – eine institutionelle Stärke, die in einer von Fintech-Startups dominierten Landschaft zunehmend wertvoll wird. fintegos 15%-Rebalancing-Regel und die strategische Asset-Allokation nach wissenschaftlichen Erkenntnissen repräsentieren einen bewährten Gegenentwurf zu hochfrequenten KI-Strategien. Mit 10 Anlagestrategien (inklusive fintego green+) und der Fokussierung auf hybride Mensch-Maschine-Modelle positioniert sich fintego als solide Alternative für Anleger, die Stabilität über Spektakel schätzen.
Kai Friedrich bringt über drei Jahrzehnte Finanzmarkt-Expertise mit: Nach seinem BWL-Studium in München startete er 1994 bei der DAB Bank, hatte seit 1999 verschiedene Management-Positionen in der BNP Gruppe inne und war zuletzt CEO der Consorsbank/DAB BNP Paribas. Seit 2020 führt er als CEO die European Bank for Financial Services (ebase), die strategische Heimat von fintego. Seine einzigartige Kombination aus traditionellem Banking und digitaler Innovation macht ihn zu einem der profiliertesten Kenner der deutschen Robo-Advisor-Entwicklung.
Herr Friedrich, erstmal vielen Dank für die Zustimmung zum Interview. Fintego ist in Deutschland seit etwas mehr als 7 Jahren aktiv und gilt somit zweifelsohne als einer der Pionier-Anbieter beim Thema „Robo-Advisor”. Wie haben Sie in diesen 7 Jahren die Marktentwicklung hinsichtlich digitaler Geldanlage-Angebote erlebt? Sind Sie mit der bisherigen Entwicklung zufrieden?
Das Thema digitale Geldanlage ist deutlich größer als Robo Advice. Insgesamt hat sich hier in den letzten Jahren sehr viel getan. Mehr und mehr Kunden sind bereit digitale Angebote und Services zu nutzen, nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat hier nochmals zu einer deutlichen Beschleunigung dieses Trends geführt.
Vielfach sind die Kunden dabei jedoch auf der Suche nach hybriden Angeboten, also einem Mix zwischen Mensch und Maschine. Rein digitale Angebote, wie beispielsweise auch Robo Advisor, sind nach wie vor nur für eine bestimmte Zielgruppe relevant. Diese ist in den letzten Jahren jedoch gewachsen und auch das Interesse an den Angeboten hat zugenommen.
Auch wir nehmen hier eine wachsende Nachfrage nach fintego wahr und sind mit der Entwicklung seit dem Start sehr zufrieden.
Fintego bietet Anlegern insgesamt 5 Anlagestrategien an, die ausnahmslos mit ETFs umgesetzt werden. Ein Kapitalanlage-Angebot, das auf den ersten Blick jedoch mehr als vergleichbar ist. Warum sollten sich Anleger also ausgerechnet für das Angebot von fintego entscheiden? Was hebt fintego von den mittlerweile doch recht zahlreichen Mitbewerbern ab?
Um genau zu sein sind es sogar 10 Anlagestrategien, 5 mit dem „klassischen” fintego Ansatz und fünf weitere bei fintego green+, die speziell auch Nachhaltigkeits-Anforderungen berücksichtigen. Wir sind davon überzeugt, dass jeder Anleger die Anlagestrategie, obwohl es sich um eine Vermögensverwaltung handelt, auch selbst transparent nachvollziehen können sollte. Entsprechend haben wir auch unseren Ansatz und die Portfolien gestaltet.
Dem fintego Managed Depot liegen dabei zwei theoretische Annahmen zugrunde. Zum einen, dass aktives Management langfristig keinen signifikanten Mehrertrag erbringt – Studien belegen, dass über 90% der Wertentwicklung von Portfolien aus der strategischen Allokation (langfristige Ausrichtung) kommen.
Zum anderen vertreten wir die Ansicht, dass ein großer Fehler vieler Anleger darin besteht, dass sie nicht langfristig zu der einmal gewählten Allokation stehen und diese während der unterschiedlichen Marktphasen nicht konsequent beibehalten. Basis für die konkrete Produktausgestaltung des fintego Managed Depots war eine umfassende Marktstudie.
Je nach Risikoprofil kommen verschiedene Assetklassen in unterschiedlicher Gewichtung (Soll-Gewichtung) zum Einsatz. Weicht aufgrund von Marktbewegungen die tatsächliche Gewichtung einer der Assetklassen von der Soll-Gewichtung um +/– 15% ab, so erfolgt ein sogenanntes Rebalancing. So soll ein optimaler Trade-off zwischen Transaktionskosten und Wertentwicklung sichergestellt werden.
Auf Ihrer Webseite zitieren Sie Ihren Portfoliomanager, Herrn Halter, dass man auf die bis dato erzielte Performance stolz sei. Schaut man sich jedoch die 2-Jahres Performance von fintego im Echtgeldtest an, so landet die genutzte Anlagestrategie eher im hinteren Mittelfeld. Was ist passiert? Hat Ihr Risikomanagement „versagt”?
Wie gesagt sind wir mit unserer Performance, gerade auch risikoadjustiert, sehr zufrieden. Dabei hat unser Risikomanagement auch in dieser historisch – was die Geschwindigkeit der Kursrückgänge angeht – einmaligen Krise einwandfrei funktioniert. Auch hier hat sich unsere grundsätzliche Ausrichtung bewährt.
Gerade einige Anbieter, die auf einen Value at Risk-Ansatz gesetzt haben, wurden von den massiven Kurseinbrüchen im Frühjahr 2020 deutlich härter getroffen.
In dem von Ihnen angeführten Test geht es um eine Strategie mit „mittlerem Risiko”, hier bewegen wir uns im 2-Jahreszeitraum im Mittelfeld, welches jedoch eng beisammen liegt. Auf längere Zeiträume gesehen liegen wir auch in diesem Test noch weiter vorne.
Wie viele andere Anbieter setzen auch Sie bei der Umsetzung auf kostengünstige ETFs. Doch zeigt sich – gerade in den Echtgeldtests – dass diejenigen Anbieter, die auf Investments in Einzel-Aktien oder aktiv gemanagte Fonds setzen, teilweise deutlich besser abschneiden. Warum sollten Anleger dennoch in ETF-basierte Strategien investieren?
Die Aussage, dass ein Verzicht auf Einzeltitel einem Verzicht auf Outperformance gleichkommt teilen wir absolut nicht. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass der strategischen Ausrichtung eines Portfolios die größte Bedeutung für die Wertentwicklung zukommt. Um Märkte diversifiziert und kostengünstig abzudecken eignen sich ETFs sehr gut.
Natürlich können Sie mit einem sehr konzentrierten Portfolio, welches auf bestimmte Einzeltitel setzt, sofern man hier bei der Auswahl richtig liegt, sehr attraktive Renditen erzielen. Wenn man sich aber bei der Auswahl der Einzeltitel irrt passiert exakt das Gegenteil.
Für Anleger, die ihre Hoffnung weniger auf unterschiedliche „Wetten” auf Einzeltitel setzen wollen, sondern von der Relevanz der strategischen Asset Allokation überzeugt sind, bietet unser Angebot daher einige Vorteile.
Mit der Offenlegungsverordnung soll das Thema „nachhaltige Geldanlagen” für den Anleger deutlich transparenter werden. Zahlreiche Anbieter loben die Intention der Gesetzgebung, bemängeln jedoch die Vorgaben der praktischen Umsetzung: zu unklar, zu praxisfremd. Teilen Sie diese Auffassung?
Nachhaltigkeit und auch speziell nachhaltige Geldanlagen sind sicherlich eines der Themen, die uns aktuell alle sehr beschäftigen. Ich teile die Einschätzung, dass wir hier noch lange nicht am Ziel angekommen sind und sich in den nächsten Jahren noch sehr viel tun wird und muss, jedoch nicht nur auf Seiten des Regulators hier sind alle Marktteilnehmer gefragt.
Der deutsche Robo-Advisor Markt umfasst mittlerweile rund 50 Anbieter. Mit Blick auf die zahlreichen Prognosen und zumeist sehr vergleichbaren Angebote, stellt sich die Frage, ob der deutsche Markt anbieterseitig nicht bereits übersättigt ist. Verträgt der Markt noch weitere Anbieter? Oder werden wir eine Marktbereinigung sehen?
Sicherlich hat sich der Markt in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt, wobei es mittlerweile bereits eine große Auswahl an unterschiedlichen Angeboten gibt. Nichtsdestotrotz gehe ich nicht davon aus, dass wir in nächster Zeit keine weiteren Markteintritte sehen werden. Im Gegenzug werden aber auch eine Reihe von Anbietern wieder vom Markt verschwinden.
Gerade für solche Anbieter, die keinen guten Kundenzugang oder einen starken Partner im Rücken haben wird es zunehmend schwierig. Der Aufwand und die Kosten mit einem rein auf online Marketing fokussierten Ansatz Kunden zu gewinnen sind nach wie vor sehr hoch und es ist nicht davon auszugehen, dass es hier zu spürbaren Veränderungen kommt.
Auch die Zielgruppe für entsprechende Angebote wächst zwar, bleibt allerdings bezogen auf den Gesamtmarkt eher klein. Nicht ohne Grund sehen wir vielfach den Versuch zahlreicher Anbieter stärker im B2B-Geschäft Fuß zu fassen oder aber über Kooperationen einen skalierbaren Kundenzugang zu erschließen. Dies wird aber sicherlich bei weitem nicht allen Anbietern gelingen.
Mit mehr als 7 Jahren Existenz am Markt ist fintego ein echter Robo-Advisor Pionier. Was benötigt es aus Ihrer Sicht auch die nächsten 7 Jahre präsent zu sein? Wird es reichen sich rein auf die Online-Vermögensverwaltung zu konzentrieren? Müssen neue Aktivitätsfelder gefunden werden? Stichwort: Neo-Broker, Krypto-basierte Portfolios etc.?
Hier kommt es sehr darauf an, sich den Hintergrund der unterschiedlichen Anbieter vor Augen zu halten. Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass gerade hybride Angebote immer mehr an Bedeutung gewinnen und das Bankgeschäft perspektivisch auch klar dominieren werden.
Fintego ist als Robo Advisor ein sehr stark digitales Angebot, welches eine Vielzahl an unterschiedlichen Bausteinen nutzt, die auch entweder rein digital oder in einem hybriden Mensch Maschine Mix genutzt werden können. Um langfristig attraktiv zu bleiben werden wir fintego konsequent weiterentwickeln, wie in diesem Jahr beispielsweise mit der Einführung von fintego green+.
Für uns als ebase – die als führende B2B Direktbank hinter diesem Angebot steht – haben wir entschieden, dass fintego weiterhin ein Robo Advisor sein soll. Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden. Durch unsere breite Basis und sehr solide Aufstellung als Bank sind wir an dieser Stelle auch nicht wie viele andere Anbieter versucht mit dem Robo Advisor weitere Geschäftsfelder zu erschließen, um zu wachsen oder aber zusätzliche Ertragsquellen zu erschließen.
Testberichte in Fach-Magazinen und Online-Portalen erheben den Anspruch, dem potenziellen Anleger eine solide Grundlage für eine Investment-Entscheidung bieten zu können. Doch wenn man sich die zahlreichen Testberichte ansieht, sorgen diese eher für Verwirrung. Wie stehen Sie zu diesen oft sehr unterschiedlich ausfallenden Testergebnissen?
In der Tat gibt es hier mittlerweile nicht nur eine Reihe von Anbietern sondern auch eine Vielzahl an Tests mit teilweise sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Dies ist aber nachvollziehbar, wenn man die unterschiedlichen Schwerpunkte, Zeiträume und auch Vorgehensweisen bei den Tests berücksichtigt.
Während der eine Test beispielsweise einen sehr starken Fokus auf den Kundenservice und die Features legt, steht bei einem anderen rein die Performance im Fokus. Natürlich kann es auf dieser Basis zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Wie bei jeder Geldanlage sollte der Anleger grundsätzlich ein Angebot wählen, dass bestmöglich zu seinen Zielen passt.
Zudem haben wir die Erfahrung gemacht, dass ein nachvollziehbarer Ansatz, gerade auch in Zeiten turbulenter Märkte, sehr hilfreich ist. Sofern bei der Auswahl Tests herangezogen werden, sollte darauf geachtet werden, dass diese die, für einen selbst wichtigen, Faktoren entsprechend berücksichtigen und auf einer soliden Datenbasis basieren.
Gerade bei Tests die sehr stark auf die Performance abstellen macht es Sinn, wenn mehrere, im besten Fall drei oder mehr, Jahre berücksichtigt werden. Da so eine deutlich solidere Basis besteht, die einen besseren Eindruck über die nachhaltige Leistungsfähigkeit eines Angebotes vermittelt.
Zu guter Letzt und wie immer als abschließende Frage: was wollten Sie schon immer über den deutschen Robo-Advisor Markt beziehungsweise die deutsche Anleger-Mentalität loswerden, sind aber noch nie mit einer entsprechenden Frage „konfrontiert” worden?
Es ist schön, zu sehen dass sich die Deutschen in kleinen Schritten von „Sparern” zu „Investoren” werden. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Trend dieses Mal auch anhält!
Herr Friedrich, wir danken Ihnen vielmals für das aufschlussreiche Interview.
Interview geführt im Rahmen der Serie „10 Fragen an…” zur digitalen Vermögensverwaltung in Deutschland. Alle Angaben entsprechen dem Stand zum Zeitpunkt des Interviews und ohne Gewähr.
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Zuletzt aktualisiert am 8. August 2025 by Redaktion