Interview mit fintego

Im Gespräch mit Kai Friedrich/ Geschäftsführung ebase / fintego

fintego - das Roboadvisor Angebot der ebase. Seit rund 7 Jahren am deutschen Markt aktiv, aber vordergründig bei Weitem nicht so "präsent" wie beispielsweise Scalable, Liqid, Quirion und Co. Warum ist das so? Ist man zufrieden mit dem eigenen Angebot? Nur zwei Fragen im Rahmen unseres Fintego Interview....

10. November 2021 | Markus G.

Mit fintego ist die ebase (European Bank for Financial Services GmbH) bereits seit dem Jahr 2014 in Deutschland aktiv und gilt somit zu den Wegbereitern des deutschen Robo-Advisor Marktes. Doch trotz seiner nunmehr 7-jährigen Existenz am Markt gehört das Angebot von fintego vordergründig nicht zu den absoluten TOP Playern am Markt. Dorst stehen bei einer vergleichbaren Marktaktivität Unternehmen wie Scalable, Quirion, Liqid, Visualvest etc. – gemessen an den Assets under Management – noch vor dem Robo-Advisor Angebot fintego der ebase. 

Stellt sich natürlich die Frage warum das so ist und ob man seitens der ebase dennoch zufrieden ist mit der bisherigen Entwicklung des eigenen Roboadvisor Angebotes. Ob wo man gerade dabei ist: Ist man eigentlich mit der Performance der Anlagestrategien zufrieden?

Warum also diese Fragen und noch ein paar nicht einfach mal wieder in ein Interview verpacken? Also die Anfrage an die Presse-Abteilung der ebase, ob man für ein solches Fintego Interview bereitstehen würde? Und erfreulicherweise wurde die Anfrage bestätigt. Herausgekommen ist somit also, das zugegebenermaßen langersehnte Fintego Interview mit niemand geringerem als dem Sprecher der Geschäftsführung der ebase, Herrn Kai Friedrich.   

Das fintego Interview: Herr Kai Friedrich, Sprecher der Geschäftsführung ebase / fintego

1.) Herr Friedrich, erstmal an dieser Stelle vielen Dank für die Zustimmung zum folgenden Interview. Fintego ist in Deutschland seit etwas mehr als 7 Jahren aktiv und gilt somit zweifelsohne als einer der Pionier-Anbieter beim Thema „Robo-Advisor“. Wie haben sie in diesen 7 Jahren die Marktentwicklung hinsichtlich digitaler Geldanlage-Angebote in Deutschland erlebt? Sind sie mit der bisherigen Entwicklung ihres Angebotes hinsichtlich verwalteter Kundengelder und Kundenanzahl zufrieden?

Das Thema digitale Geldanlage ist deutlich größer als Robo Advice. Insgesamt hat sich hier in den letzten Jahren sehr viel getan. Mehr und mehr Kunden sind bereit digitale Angebote und Services zu nutzen, nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat hier nochmals zu einer deutlichen Beschleunigung dieses Trends geführt. Vielfach sind die Kunden dabei jedoch auf der Suche nach hybriden Angeboten, also einem Mix zwischen Mensch und Maschine. Rein digitale Angebote, wie beispielsweise auch Robo Advisor, sind nach wie vor nur für eine bestimmte Zielgruppe relevant. Diese ist in den letzten Jahren jedoch gewachsen und auch das Interesse an den Angeboten hat zugenommen. Auch wir nehmen hier eine wachsende Nachfrage nach fintego wahr und sind mit der Entwicklung seit dem Start sehr zufrieden.

2.) Fintego bietet Anlegern insgesamt 5 Anlagestrategien an, die ausnahmslos mit ETFs umgesetzt werden. Ein Kapitalanlage-Angebot, das auf den ersten Blick jedoch mehr als vergleichbar ist. Warum sollten sich Anleger also ausgerechnet für das Angebot von fintego entscheiden? Was hebt fintego von den mittlerweile doch recht zahlreichen Mitbewerbern ab?

Um genau zu sein sind es sogar 10 Anlagestrategien, 5 mit dem „klassischen“ fintego Ansatz und fünf weitere bei fintego green+, die speziell auch Nachhaltigkeits-Anforderungen berücksichtigen. Wir sind davon überzeugt, dass jeder Anleger die Anlagestrategie, obwohl es sich um eine Vermögensverwaltung handelt, auch selbst transparent nachvollziehen können sollte. Entsprechend haben wir auch unseren Ansatz und die Portfolien gestaltet.

Dem fintego Managed Depot liegen dabei zwei theoretische Annahmen zugrunde. Zum einen, dass aktives Management langfristig keinen signifikanten Mehrertrag erbringt – Studien belegen, dass über 90 % der Wertentwicklung von Portfolien aus der strategischen Allokation (langfristige Ausrichtung) kommen.

Zum anderen vertreten wir die Ansicht, dass ein großer Fehler vieler Anleger darin besteht, dass sie nicht langfristig zu der einmal gewählten Allokation stehen und diese während der unterschiedlichen Marktphasen nicht konsequent beibehalten. Basis für die konkrete Produktausgestaltung des fintego Managed Depots war eine umfassende Marktstudie. Je nach Risikoprofil kommen verschiedene Assetklassen in unterschiedlicher Gewichtung (Soll-Gewichtung) zum Einsatz. 

Weicht aufgrund von Marktbewegungen die tatsächliche Gewichtung einer der Assetklassen von der Soll-Gewichtung um +/– 15 % ab, so erfolgt ein sogenanntes Rebalancing. Dabei werden durch Umschichtungen die Soll-Gewichtungen der Assetklassen wiederhergestellt. So soll ein optimaler Trade-off zwischen Transaktionskosten und Wertenwicklung sichergestellt werden. Denn kurzfristige Umschichtungen bewegen sich immer im Spannungsfeld zwischen Transaktionskosten und Performance, wobei die Kosten häufig überwiegen.      

3.) Auf Ihrer Webseite zitieren sie Ihren Portfoliomanager, Herrn Halter dahingehend, dass man auf die bis dato erzielte Performance stolz sei. Schaut man sich jedoch hierzu einmal die 2-Jahres Performance von fintego im Echtgeldtest von brokervergleich an, so landet die dort genutzte Anlagestrategie mit einem Plus von 11,1 % eher im hinteren Mittelfeld. Dies wird bestätigt mit einem Blick auf die Verluste während der Corona-Krise 2020, von der sie sich langsamer zu erholen scheinen als einige Mitbewerber. Was ist passiert? Hat ihr Risikomanagement „versagt“? Gewähren sie uns einen Einblick?

Wie gesagt sind wir mit unserer Performance, gerade auch risikoadjustiert, sehr zufrieden. Dabei hat unser Risikomanagement auch in dieser historisch – was die Geschwindigkeit der Kursrückgänge angeht – einmaligen Krise einwandfrei funktioniert. Auch hier hat sich unsere grundsätzliche Ausrichtung bewährt. Gerade einige Anbieter, die auf einen Value at Risk-Ansatz gesetzt haben, wurden von den massiven Kurseinbrüchen im Früher 2020 deutlich härter getroffen. 

In dem von Ihnen angeführten Test geht es um eine Strategie mit „mittlerem Risiko“, hier bewegen wir uns im 2-Jahreszeitraum im Mittelfeld, welches jedoch eng beisammen liegt. Auf längere Zeiträume gesehen liegen wir auch in diesem Test noch weiter vorne.

4.) Wie viele andere Anbieter setzen auch Sie bei der Umsetzung ihrer Anlagestrategien auf kostengünstige ETFs. Doch zeigt sich – gerade in bezug auf die Echtgeldtests – dass vor allem diejenigen Anbieter, zumindest in einem Anlagezeitraum von 1-2 Jahren, die auf Investments in Einzel-Aktien beziehungsweise aktiv gemanagte Fonds setzen, bei der Rendite nach Kosten teilweise deutlich besser abschneiden. Warum sollten Ihrer Auffassung nach Anleger dennoch in ETF-basierte Strategien investieren, auch wenn dies einem möglichen Verzicht auf eine „outperformance“ gleichkommt?

Die Aussage, dass ein Verzicht auf Einzeltitel einem Verzicht auf Outperformance gleichkommt teilen wir absolut nicht. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen, dass der strategischen Ausrichtung eines Portfolios die größte Bedeutung für die Wertentwicklung zukommt. Um Märkte diversifiziert und kostengünstig abzudecken eigenen sich ETFs sehr gut. Natürlich können Sie mit einem sehr konzentrierten Portfolio, welches auf bestimmte Einzeltitel setzt, sofern man hier bei der Auswahl richtig liegt, sehr attraktive Renditen erzielen. 

Wenn man sich aber bei der Auswahl der Einzeltitel irrt passiert exakt das Gegenteil. Für Anleger, die ihre Hoffnung weniger auf unterschiedliche „Wetten“ auf Einzeltitel setzen wollen, sondern von der Relevanz der strategischen Asset Allokation überzeugt sind, bietet unser Angebot daher einige Vorteile.    

5.) In dem Zusammenhang: Mit der Offenlegungsverordnung soll das Thema „nachhaltige Geldanlagen“ für den Anleger deutlich transparenter werden. Zahlreiche Anbieter aus dem Investment-Bereich loben hierbei die Intention der Gesetzgebung, bemängeln jedoch die „Vorgaben“ der praktischen Umsetzung: zu unklar, zu praxisfremd etc. Teilen sie diese Auffassung? Was muss aus Ihrer Sicht als Anbieter noch getan werden, um gegenüber dem potenziellen Anleger mit Bezug auf nachhaltige Geldanlagen die geforderte Transparenz bieten zu können?

Nachhaltigkeit und auch speziell nachhaltige Geldanlagen sind sicherlich eines der Themen, die uns aktuell alle sehr beschäftigen. Ich teile die Einschätzung, dass wir hier noch lange nicht am Ziel angekommen sind und sich in den nächsten Jahren noch sehr viel tun wird und muss, jedoch nicht nur auf Seiten des Regulators hier sind alle Marktteilnehmer gefragt.   

6.) Vollziehen wir einen Schwenk zum deutschen Robo-Advisor Markt, der mittlerweile rund 50 Anbieter umfasst. Mit Blick auf die zahlreichen Prognosen hinsichtlich der Anzahl von Anlegern sowie deren Pro-Kopf Anlagesumme als auch der zumeist sehr vergleichbaren Angebote, stellt sich die Frage, ob der deutsche Markt anbieterseitig nicht bereits übersättigt ist. Wie schätzen sie die aktuelle Wettbewerbs-Situation ein? Verträgt der Markt noch weitere Anbieter wie Vanguard, UBS, DKB (alle mit angekündigtem Markteintritt)? Oder werden wir in naher Zukunft eine Marktbereinigung sehen? Erwarten sie Übernahmen?

Sicherlich hat sich der Markt in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt, wobei es mittlerweile bereits eine große Auswahl an unterschiedlichen Angeboten gibt. Nichtsdestotrotz gehe ich nicht davon aus, dass wir in nächster Zeit keine weiteren Markteintritte sehen werden. Im Gegenzug werden aber auch eine Reihe von Anbietern wieder vom Markt verschwinden. Gerade für solche Anbieter, die keinen guten Kundenzugang oder einen starken Partner im Rücken haben wird es zunehmend schwierig. 

Der Aufwand und die Kosten mit einem rein auf online Marketing fokussierten Ansatz Kunden zu gewinnen sind nach wie vor sehr hoch und es ist nicht davon auszugehen, dass es hier zu spürbaren Veränderungen kommt. Auch die Zielgruppe für entsprechende Angebote wächst zwar, bleibt allerdings bezogen auf den Gesamtmarkt eher klein. 

Nicht ohne Grund sehen wir vielfach den Versuch zahlreicher Anbieter stärker im B2B-Geschäft Fuß zu fassen oder aber über Kooperationen einen skalierbaren Kundenzugang zu erschließen. Dies wird aber sicherlich bei weitem nicht allen Anbietern gelingen.

7.) Mit mehr als 7 Jahren Existenz am Markt ist wie eingangs bereits erwähnt fintego ein echter Robo-Advisor Pionier und hat sich bis dato in einem stärker werdenden Wettbewerb behauptet. Doch was benötigt es aus ihrer Sicht auch die nächsten 7 Jahre präsent zu sein? Wird es reichen sich rein auf die Online-Vermögensverwaltung zu konzentrieren? Müssen neue Aktivitätsfelder gefunden werden? Stichwort: Neo-Broker, Krypto-basierte Portfolios etc.?

Hier kommt es sehr darauf an, sich den Hintergrund der unterschiedlichen Anbieter vor Augen zu halten. Grundsätzlich bin ich davon überzeugt, dass gerade hybride Angebote immer mehr an Bedeutung gewinnen und das Bankgeschäft perspektivisch auch klar dominieren werden. Fintego ist als Robo Advisor ein sehr stark digitales Angebot, welches eine Vielzahl an unterschiedlichen Bausteinen nutzt, die auch entweder rein digital oder in einem hybriden Mensch Maschine Mix genutzt werden können. Um langfristig attraktiv zu bleiben werden wir fintego konsequent weiterentwickeln, wie in diesem Jahr beispielsweise mit der Einführung von fintego green+.

Für uns als ebase – die als führende B2B Direktbank hinter diesem Angebot steht – haben wir entschieden, dass fintego weiterhin ein Robo Advisor sein soll. Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden. Durch unsere breite Basis und sehr solide Aufstellung als Bank sind wir an dieser Stelle auch nicht wie viele andere Anbieter versucht mit dem Robo Advisor weitere Geschäftsfelder zu erschließen, um zu wachsen oder aber zusätzliche Ertragsquellen zu erschließen.

8.) Machen wir einen abermaligen Schwenk: Testberichte in Fach-Magazinen und Online-Portalen erheben den Anspruch, dem potenziellen Anleger eine solide Grundlage für eine Investment-Entscheidung bieten zu wollen und zu können. Doch wenn man sich die zahlreichen Testberichte und deren Ergebnisse ansieht, dann sorgen diese eher für Verwirrung. Wie stehen zu diesen doch oft sehr unterschiedlich ausfallenden Testergebnissen und worauf sollten Ihrer Auffassung nach Anleger bei der Auswahl eines Robo-Advisors besonders achten?

In der Tat gibt es hier mittlerweile nicht nur eine Reihe von Anbietern sondern auch eine Vielzahl an Tests mit teilweise sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Dies ist aber nachvollziehbar, wenn man die unterschiedlichen Schwerpunkte, Zeiträume und auch Vorgehensweisen bei den Tests berücksichtigt. Während der eine Test beispielweise einen sehr starken Fokus auf den Kundenservice und die Features legt, steht bei einem anderen rein die Performance im Fokus. Natürlich kann es auf dieser Basis zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Wie bei jeder Geldanlage sollte der Anleger grundsätzlich ein Angebot wählen, dass bestmöglich zu seinen Zielen passt. 

Zudem haben wir die Erfahrung gemacht, dass ein nachvollziehbarer Ansatz, gerade auch in Zeiten turbulenter Märkte, sehr hilfreich ist. Sofern bei der Auswahl Tests herangezogen werden, sollte darauf geachtet werden, dass diese die, für einen selbst wichtigen, Faktoren entsprechend berücksichtigen und auf einer soliden Datenbasis basieren. 

Gerade bei Tests die sehr stark auf die Performance abstellen macht es Sinn, wenn mehrere, im besten Fall drei oder mehr, Jahre berücksichtigt werden. Da so eine deutlich solidere Basis besteht, die einen besseren Eindruck über die nachhaltige Leistungsfähigkeit eines Angebotes vermittelt.

9.) Zu guter Letzt und wie immer als abschließende Frage: was wollten sie schon immer über den deutschen Robo-Advisor Markt beziehungsweise die deutsche Anleger-Mentalität loswerden, sind aber noch nie mit einer entsprechenden Frage „konfrontiert“ worden?

Es ist schön, zu sehen dass sich die Deutschen in keinen Schritten von „Sparern“ zu „Investoren“ werden. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Trend dieses Mal auch anhält!

Zu guter Letzt

Herr Friedrich, wir danken Ihnen vielmals für das aufschlussreiche Interview.

Zur Person – Kai Friedrich

Nach einem Betriebswirtschaftslehre Studium in München starte Kai Friedrich seine Karriere 1994 bei der DAB Bank. Danach hatte er seit 1999 unterschiedliche Management Positionen in der BNP Gruppe, zuletzt als CEO der Consorsbank/DAB BNP Paribas, inne. Seit 2020 ist er CEO der European Bank for Financial Services (ebase®), die hinter dem Angebot von fintego steht.

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Markus G.

Markus ist der “Kopf” des Teams. Ideengeber, Vermarkter, Redakteur und irgendwie an allem auf diesem Portal beteiligt. Ohne ihn würde es dieses Portal so nicht geben. Eine Idee – entstanden aus dem persönlichen Interesse an FinTech und nun langjähriger Erfahrungen in der Finanz-Szene. Zudem ist Markus Kolumnist auf zahlreichen Investment-Plattformen – vor allem im englischsprachigen Raum, aber u.a. auch auf Focus.de
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