Börsenpersönlichkeiten: Nicolas Darvas

Wer sich heutzutage mit der Börse und deren Geschichte beschäftigt, trifft dabei vor allem mal auf die Namen Benjamin Graham, der als Vater der Aktienanalyse betrachtet wird, als auch sein Schüler Warren Buffet, der wiederum als Erfinder des Value at Risk Investments gilt.  Dann wird dem Einen oder Anderen vielleicht noch Sir John Templeton (dem “Vater” aller Fonds) als auch die Investoren-Legenden Carl Icahn als auch George Soros etwas sagen. Aber Nicolas Darvas? Dabei ist gerade, die von Ihm entwickelte Methodik bis heute prägend in der Arbeit von Investoren und Börsianern. Zeit ihn, sein Schaffen und die von Ihm entwickelte Methodik vorzustellen.

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Martin B.

30. März 2018

Nicolas Darvas

30. März 2018

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Vom Tellerwäscher zum Millionär und von kleinem Mann zum großen Investor – geht es um atemberaubende Geschichten von vermeintlich kleinen und “unbedeutenden  Menschen, die im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ihr Glück machten, dann ist Nicolas Darvas sicherlich ein hervorragendes Beispiel dafür – und das in vielerrlei Hinsicht.   

Nicolas Darvas – Der Entdecker der Korrektur

Er machte zwischen 200.000 und 2.000.000 US-Dollar in wenigen Monaten. Er ist Autor eines der wohl bekanntesten Börsenbücher. Er arbeitete als einer der Ersten erfolgreich mit Verlustbegrenzungen. Er war ein Trendfolger. Er war ein Tänzer und wurde zum Börsenpionier. Erfahre in diesem Artikel die Geschichte über Nicolas Darvas. Einem in Ungarn geborenen Mann, der mit 24 Jahren vor den Nazis floh und 1951 in die USA emigrierte.

Zoom, Zoom – Aus 3.000 Dollar werden 9.000 Dollar

Darvas Toronto

Bild: In der kanadischen Stadt Toronto kam Darvas zum ersten Mal mit Aktien in Berührung. Grafikquelle: Google.de

Sein Geld verdiente Darvas mit Tanzauftritten. Im Jahre 1952 wurde er von einem Nachtclub im kanadischen Toronto gebucht. Anstelle von Bargeld wurde er mit Aktien der Bergbaufirma Brilund im Wert von 3.000 Dollar entlohnt. Zu diesem Zeitpunkt hatte Darvas noch keinen blassen Schimmer von der Finanzwelt. 

Er kümmerte sich nicht weiter um seine Aktien und widmete sich weiterhin seiner großen Leidenschaft, dem Tanzen. Dafür trainierte er täglich acht Stunden, denn Nicolas Darvas war sehr diszipliniert. Eines Tages prüfte er den Wert seiner Aktien und kam wahrscheinlich aus dem Staunen nicht mehr raus. Sein Paket war nun 9.000 Dollar wert. In diesem Moment war es um ihn geschehen.

Fortan studierte er die Kurse und las über 200 Bücher. Anfänglich hatte er keinen Erfolg an der Börse. Das sollte sich aber schnell ändern. Zuvor musste er nur eine passende Strategie entwickeln.

Die Darvas Box – Einfaches Regelwerk

Darvas Box

Bild: Die Darvas-Box erklärt am Beispiel von Amazon. Es wurden ein Wochenchart, anstelle eines Tagescharts ausgewählt. Zur Erklärung der Vorgehensweise ist das aber unerheblich. Grafikquelle: tradingview.com

Der Tanz brachte Ihn um die ganze Welt. Als treuer Leser des wöchentlich erscheinenden Magazins Barron’s wollte er egal wo auf der Erde nicht auf den Kursteil des Heftes verzichten. Er lies sich die Lektüre nachsenden und studierte, wenn auch mit Verzögerung, die Kurse diverser Aktien. Dabei machte er eine interessante Entdeckung. Kurse bewegen sich nicht von einem Hoch zum nächsten. Vielmehr gibt es Verschnaufpausen. 

Im Zeitalter der Aktiencharts erkennen wir solche Konsolidierungsphasen sehr einfach. Damals war das natürlich anders. Diese kurzen Seitwärtsphasen verglich er mit einem Tänzer. Der Tänzer geht vor seinem Sprung in die Hocke, dadurch holt er die maximale Sprungkraft aus sich heraus. Diese Erkenntnis machte sich Darvas zunutze und entwickelte eine einfache Strategie.

Darvas Box – Allgemeine Voraussetzungen

Darvas 52 Wochenhoch

Bild: Die Deutsche Börse erreich ein neues 52-Wochenhoch und wäre somit interessant für den Ansatz nach Darvas. Grafikquelle: trademy.de

Der Ausnahmetrader Darvas betrachtete den Preis, das Volumen und seine konstruierten Boxen. Bevor eine Box überhaupt gezeichnet werden durfte, musste der Aktienkurs ein neues 52-Wochenhoch, besser noch ein Allzeithoch erreichen. Zwischen dem 52-Wochentief und dem 52-Wochenhoch müssen mindestens 100 Prozent liegen. 

Er setzte somit, wie auch Jesse Livermore oder Michael Burry auf steigende Aktien. Er handelte prozyklisch und erlag nicht dem Alltime-High-Bias, denn viele trauen ungerechtfertigter Weise einer Aktie kein weiteres Kurspotenzial zu, wenn diese bereits Höchststände erreicht hat.

Darvas Box – Obere Begrenzung

Wird ein neuer Höchstkurs erreicht, müssen die nächsten drei Kerzen unterhalb des Höchststandes notieren. Überschreitet beispielsweise die zweite Kerze den Höchstkurs, dann wird das neue Hoch zur oberen Begrenzung. Vorausgesetzt, die nächsten drei Kerzen notieren unterhalb des zuvor erreichen Hochpunktes.

Darvas Box – Untere Begrenzung

Sobald die obere Begrenzung eingezeichnet wurde, wird analog dazu ein Tiefpunkt in der Korrektur gesucht. Sobald ein Tief an drei aufeinanderfolgenden Tagen nicht unterschritten wird, gilt es als untere Begrenzung. Nicolas Darvas handelte im Tageschart. Die Methode ist aber sowohl in kleineren als auch in größeren Zeiteinheiten anwendbar.

Liegt eines der drei nächsten Tiefs oberhalb der oberen Begrenzung, dann gilt die Box als nicht konstruiert.

Darvas Box – Einstieg

Der Einstieg erfolgt über eine Buy-Stop-Order auf dem Niveau der oberen Begrenzung. Sobald also ein Breakout stattfindet, wird die Order ausgeführt. Das Volumen sollte beim Breakout ansteigen, sonst kann es sich um einen Fehlausbruch handeln. Diese Erkenntnis ist heute wahrscheinlich viel wichtiger, als noch zu Zeiten von Darvas.

Für Ihn war diese Herangehensweise sehr komfortabel, denn er konnte trotz seiner Tanztourneen die Trades planen.

Darvas Box – Ausstieg

Nicolas Darvas war einer der wenigen, die frühzeitig erkannten, dass das Begrenzen von Verlusten essenziell wichtig für den Börsenerfolg ist. Deshalb platzierte er bei der unteren Begrenzung den Stop-Loss. Er arbeitete so erfolgreich mit der Verlustbegrenzung, dass zwischenzeitlich der Stop-Loss von den Brokern abgeschafft wurde. Erst durch einen Protest anderer Händler wurden solche Aufträge wieder angenommen.

Seinen Stop-Loss zog er von Box zu Box nach. Er war Fest davon überzeugt, dass es unwichtig ist, wie viele Chancen jemand verpasst, aber es ist verdammt wichtig, seine Verluste zu begrenzen.

Strategie entwickelt – Jetzt werden Millionen gemacht

Im Jahre 1954 ging Darvas für mehrere Jahre auf Welttournee. Bis April 1957 wurden seine Positionen mit Hilfe des Stop-Loss verkauft. Sein Vermögen betrug zu diesem Zeitpunkt 37.000 Dollar.

In den nächsten Jahren verloren viele Händler an der Wall Street ihr Geld. Als der 34. Präsident der USA Eisenhower 1957 ein Schlaganfall erlitt, machten sich alle Sorgen, ob der Wirtschaftsaufschwung der vergangenen Jahre so weitergeht. Die Verunsicherung war komplett, als die UDSSR am vierten Oktober 1957 den ersten Satelliten Sputnik I in den Weltraum brachten. 

Die USA konnte sich nicht mehr auf ihren technologischen Fortschritt verlassen und es begann ein Wettlauf um die Eroberung des Weltalls. Während in diesem Jahr der Dow Jones von 499,5 auf 435,70 Punkte fiel, war Darvas kaum investiert. Der Grund lag auf der Hand, die Aktien erreichten keine neuen Jahreshochs, da diese von der negativen Stimmung an den Märkten beeinflusst wurden.

Ende 1957 war Darvas in Saigon und musste seine Strategie adaptieren. Fortan stieg er in Aktien ein, die zwar noch kein 52-Wochenhoch erreicht haben, aber fundamental unterbewertet sind und in einem zukunftsträchtigen Geschäftsfeld arbeiteten. 

Die nächsten beiden Jahre liefen im Dow Jones sehr gut und er hat aufs richtige Pferd gesetzt. Er konnte sein Vermögen auf 2 Millionen Dollar vermehren. Sein unfassbares Können fasste er in einem Buch mit dem Titel „How I Made $2,000,000 in the Stock Market“ zusammen.

Übertrieb Darvas – 2.000.000$ oder 200.000$?

Das Buch von Darvas schlug ein wie eine Bombe und rief den New Yorker Generalstaatsanwalt Louis Lefkowitz auf den Plan. Er warf ihm „Verfälschung durch Auslassung“ vor. Am Ende waren 210.000 Dollar nachweisbar. Die Summe ist zwar dennoch beachtlich, aber weit von zwei Millionen Dollar entfernt. Beide Parteien haben sich außergerichtlich geeinigt und Darvas zog nach Paris, wo er dann 1977 verstarb.

Nicolas Darvas – Ein Pionier

Darvas war unabhängig von der tatsächlichen Höhe sehr erfolgreich an der Börse. Noch heute können Trader viel von ihm lernen, denn er hat sich einen Tradingstil überlegt, der zu ihm passt. Sein Ansatz als Ganzes ist ebenfalls sehr spannend, auch wenn er heute vielleicht etwas modifiziert werden müsste. Er erkannte Seitwärtsbewegungen und handelte nach einem klaren Regelwerk. Er war ein Pionier und für mich ist er bis heute ein Vorbild.

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Martin B.

Martin ist Tradingcoach und unter anderem Mitbegründer der Trademy Trading Akademie. Zudem ist Martin Kolumnist bei Wallstreet-Online.de, Sharewise und anderen großen Finanzplattformen sowie Buchautor. Insofern also ein Experte im Bereich Trading und allem, was mit Geldanlage & Börse zu tun hat. Großen Einfluss auf sein ökonomisches Weltbild haben die Publikationen von Karl-Heinz Paqué und Joseph Schumpeter. Als Börsianer inspirieren ihn die Ansätze von Buffett, Burry, Livermore und Lynch. Martin ist Gastautor bei uns und bereichert uns zweifelsohne mit seinem fundierten Börsenwissen.
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