Börsen-Persönlichkeiten: Michael Burry

War er am Anfang seiner Investment-Karriere eher “unbekannt”, so ist er mittlerweile zum Rebell der Wall-Street geworden – Michael Burry. Denn er wettet gegen alles, worauf das Gros anderer Anleger gerade setzt. Das begann mit seinem genialen Trade gegen den US-Häusermarkt, der ihm als Charakter letztendlich sogar den Weg nach Hollywood gefunden hat. Die Rede ist vom Oscar-prämierten Meisterwerk „The Big Short“. Christian Bale verkörperte den, am Asperger-Syndrom leidenden Michael Burry.

Doch in letzter Zeit hat sich Michael Burry auch einen Namen gemacht, indem er seinen Hedgefonds Scion Asset Management Ende 2025 schloss, mit milliardenschweren Wetten gegen die KI-Giganten Nvidia und Palantir den Hype rund um Künstliche Intelligenz in Frage stellt und über seinen neuen Newsletter „Cassandra Unchained” seine unverblümte Marktkritik nun direkt an ein breites Publikum richtet.


Zeit also, diese außergewöhnliche Börsenpersönlichkeit etwas genauer zu betrachten und ihn vorzustellen. Was für ein Mensch ist er? Wie verlief sein Leben und was macht er heute? Was machte ihn zur Investment-Legende? Welche Investmentstrategie lässt sich auf ihn zurückführen? Wagen wir einen Blick auf diesen, in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Investor.

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Martin B.

19. Mai 2020

Michael Burry

Zuletzt aktualisiert am: 26. Februar 2026

Inhaltsverzeichnis

Wer den Film “The Big Short” gesehen hat, kann von Michael Burry eigentlich nur das Bild eines “Freaks” gewinnen, denn er stellt in Perfektion das komplett konträre Erscheinungsbild eines “Star-Investors” von der Wall Street dar: T-Shirt, Sporthose und Badelatschen im Büro und dazu Hard-Rock Musik hörend. Zudem zeigt er in dem Film, dass er als durchaus willensstark betrachtet werden kann. Und das kommt nicht von ungefähr, denn als Mensch hat Michael Burry schon einige harte Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Wagen wir also einen Blick auf den “Mensch” als auch auf den Investor Michael Burry.

Wie ist Michael Burry als Mensch?

Diese Frage kann im Grunde nur eine ihm sehr nahe stehende Person beantworten. Dennoch möchte ich es zumindest versuchen zu erklären, welchen Eindruck er auf mich macht. In Interviews wirkt er ruhig und gefasst und auf eine ihm ganz eigene Art symphatisch. Dabei muss man berücksichtigen, dass er als Kind ein Auge verloren hat und seitdem ein Glasauge trägt. Zudem leidet er unter dem sogenannten Asperger-Syndrom, einer Form des Autismus.

Das Asperger-Syndrom in wenigen Stichpunkten erklärt:

  • Umgang und Pflege von sozialen Kontakten fällt schwer
  • Probieren ungern etwas Neues aus
  • Spezielle Interessen

In seiner Kindheit hatte er nur wenige Freunde und widmete sich stattdessen lieber den Zahlen. Sein Desinteresse an zwischenmenschlichen Beziehungen sollte später den Hang zur Kapitalanlage fördern – Stichwort: “Spezielle Interessen”

Sein Leben vor der Finanzkarriere

Michael Burry ist 54 Jahre alt und wurde am 19. Juni in 1971 in der Millionen Metropole San Jose im schönen Kalifornien geboren. Er studierte an der University of California in Los Angeles Medizin und Ökonomie. 1997 erreichte er sein Master-Degree an der Vanderbilt University School of Medicine und machte seinen Doktor.

In dieser Zeit widmete sich Burry bereits den Finanzmärkten und brachte 1996 seinen ersten eigenen Börsenbrief heraus. Das machte er scheinbar so gut, dass einige Investmentbanken wie Morgan Stanley auf ihn aufmerksam wurden.

Michael Burry University of California
An der University of California in Los Angeles sammelte Michael Burry seine ersten akademischen Erfahrungen. Kartenquelle: Google

Vom Hedgefonds-Manager zum Vorbild vieler Börsianer

Ursprünglich wollte ich das Wort „Vorbild” durch „Superstar” in der Headline ersetzen. Was aber zu viel des Guten wäre, denn ein “Superstar” wollte Burry zweifelsfrei nie sein. Noch heute meidet er die große Bühne und es gibt nur wenige Auftritte von ihm in der Öffentlichkeit, worin sich auch sein geringer Bekanntheitsgrad außerhalb der “Börsianer Szene” erklärt. Als er sich im Jahr 2000 gegen eine Karriere als Doktor entschied, gründete er die Investmentgesellschaft Scion Capital.

Michael Burry - Outperformance
Während der S&P 500 in den ersten drei Jahren nach der Gründung von Scion Capital abstürzte, erwirtschaftete Burry für seine Kunde jährlich zweistellige Renditen.

Der Ruf eilte Michael Burry voraus und immer mehr Investoren setzten auf Scion Capital. Ende 2004 verwaltete die Investmentgesellschaft bereits 600 Millionen USD.

Als sich 2003 die Weltwirtschaft langsam wieder erholte, befasste sich Burry ausgiebig mit dem Immobilienmarkt. Nach langer Recherche und umfassenden Analysen datierte er das Platzen der Blase auf das Jahr 2007.

Die Vergabe von Hypotheken war 2005 reine Formalität. Kaum ein Kreditinstitut hat die Antragsteller genauer unter die Lupe genommen. Der amerikanische Traum verleitete auch Menschen mit geringem Einkommen, keinem Vermögen und teilweise sogar ohne Arbeitsplatz dazu, sich ein Haus zu kaufen. In den ersten Jahren waren die Zinsen für die Kredite fix und konnten nicht angehoben werden.

Anschließend wurde diese Zinsbindung aufgehoben und es folgte die Katastrophe. Viele konnten sich die Finanzierung nicht mehr leisten. Sie verloren ihr Haus und die Immobilienfinanzierer verloren ihr Geld, denn wegen des steigenden Angebots haben die auf Pump gekauften oder bereits belasteten Häuser keinen Wert mehr gehabt. Die Häuserpreise gingen in den Keller.

Doch ein wichtiges Puzzleteil fehlt: Der vorangegangene Absatz beschreibt die Auswirkungen auf die Kreditgeber für Immobilien. Das alleine hätte keine weltweite Wirtschaftskrise ausgelöst. Auf der Suche nach neuen Geldströmen wurden vorher die vergebenen Kredite in Subprime-Anleihen verbrieft. Diese Anleihen wurden an Investoren in Erwartung einer hohen Rendite verkauft.

Am Anfang wurden die guten Kredite (AAA) verbrieft. Später wurde dann der ganze Ramsch beigemischt und an die Interessenten verkauft. Die Ratingagenturen hätten die Problematik erkennen müssen, doch sie haben munter Bestnoten für die zweifelhaften Anleihen vergeben.

Michael Burry hatte eine geniale Idee. Niemand hatte zuvor gegen den Häusermarkt gewettet. Er wollte den Gewinn seines Lebens machen und ließ sogenannte Credit Default Swaps bei diversen Banken auflegen. Dabei handelt es sich um nichts anderes als eine Kreditausfallversicherung. Sobald jemand seinen Kredit nicht mehr bedienen kann, ist Burry über die CDS abgesichert und bekommt eine Entschädigung von der auflegenden Bank. So einfach war das, zumindest in der Theorie.

Wie bereits ausgeführt wurde, hatte vor Burry noch nie jemand im großen Stil gegen den Häusermarkt gewettet. Das Missfiel einigen Kunden von Scion Capital. Einige forderten ihn auf, von seiner Idee Abstand zu nehmen und gingen juristisch gegen ihn vor. Ausnahmetalent Burry hielt trotz aller Widerstände an seiner Idee fest und schließlich wurden er und die verbliebenen Investoren 2007 mit einer Rendite von 166,91 Prozent belohnt.

Seine Kunden erhielten um die 700 Millionen US-Dollar. Für Burry selbst blieben 100 Millionen US-Dollar übrig. Michael Burry hat seiner analytischen Fähigkeiten und wegen seiner Beharrlichkeit in acht Jahren mit Scion Capital eine Rendite von 489 Prozent erwirtschaftet.

Die Zeit nach Scion Capital

SEC Scion Capital Management
Der letzte 13-F-Report wurde bei der SEC am 14.11.2016 veröffentlicht. Zu diesem Zeitpunkt machten Coty und Alphabet den größten Teil des Portfolios von Scion Asset Management, LLC aus. Quelle: sec.gov

Michael Burry hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ihm die Investoren schwer zugesetzt haben. Er schloss 2008 Scion Capital und konzentrierte sich auf eigene Investments.

Vor 13 Jahren (2013) eröffnete er ein eigenes privates Investmenthaus namens Scion Asset Management, LLC. Dafür sammelte Burry von ausgewählten Investoren Geld ein und investierte in sogenannte Ick Aktien.

Was sind Ick-Investments?

ICK steht im Grunde für nichts anderes als >> Unterbewertete und unbeliebte Aktien

Scion Asset Management nahm die Gegenposition bei den Ick-Aktien zur Investoren-Mehrheit ein. Heute setzt er neben Ick-Investments auch noch auf einen Anstieg des Wasserpreises. Er kennt die gesellschaftliche Diskussion um Wasser. Aus diesem Grund investiert er in Landwirtschaftsbetriebe mit einer guten Wasserversorgung.

In Zukunft wird es nicht darum gehen in wasserarme Regionen Wasser zu transportieren, sondern darum, diese Landstriche mit wasserreicher Nahrung zu versorgen. Wusstest du, dass für eine Flasche Wein mehr als 400 Flaschen Wasser benötigt werden?

Genau darum geht es Michael Burry. Wie viel er in Farmen und Land investiert hat, verschweigt er. Burry bevorzugt unbebautes Land, denn es ist günstig und leicht zu haben. Seine Gedanken sind nicht verkehrt. Bis 2025 könnten 1,8 Milliarden Menschen von Wasserknappheit betroffen sein. Der Verbrauch von Frischwasser erhöht sich ebenfalls von Jahr zu Jahr. Zwar ist die Erde zu 72 Prozent mit Wasser bedeckt, aber nur 0,3 Prozent sind tatsächlich Trinkwasser.

Dr. Michael Burry im Film „The Big Short”

Headline FAZ 1 Finanzkrise 2008
Die Nachwehen der Finanzkrise sind noch heute zu spüren. Das Erdbeben brachte die Bankenregulierung und löste eine gesellschaftliche Diskussion aus. Quelle: FAZ.de
Finanzkrise 2008 - schwarzer Montag - Lehman Pleite
Too Big to Fail. Darauf haben sich einige Banken und andere Finanzinstitute verlassen. Die Staaten mussten mit Garantien einspringen, um nicht noch einen weiteren Dominostein ins Wanken zu bringen. Kaum ein anderes Ereignis steht für die Gier einer ganzen Branche. Quelle: handelsblatt.de

Vor knapp einem ganzen Jahrzehnt nahm die Finanzkrise ihren Lauf. Auf Youtube gibt es mittlerweile über 71.400 Ergebnisse zu diesem Ereignis. Kaum eine Dokumentation und kaum ein klassischer Spielfilm haben das erreicht, was dem Regisseur Adam McKay mit “The Big Short” gelungen ist. Er brachte die Perspektive verschiedener Akteure ungeschönt und authentisch in die weltweiten Kinosäle.

„Der wahrscheinlich beste Film des Jahres: Da war einmal diese Finanzkrise, aber verstanden haben wir sie nicht. Jetzt geht ihr die Filmkomödie „The Big Short” auf den Grund – und macht richtig wütend”, schreibt welt.de.

Nominiert für fünf Oscars und ausgezeichnet mit dem Oscar für das beste adaptierte Drehbuch verfilmte Adam McKay das gleichnamige Buch, des Finanzjournalisten Michael Lewis. Für sein Werk recherchierte der Autor monatelang und tauschte sich dabei mit zahlreichen Bankern und Hedgefonds-Managern aus. Eine der Hauptfiguren, Michael Burry wird dabei von Christian Bale gespielt. Die schauspielerische Leistung verdient Anerkennung, denn Michael Burry ist kein einfacher Charakter. Er hat Ecken und Kanten, meidet die soziale Interaktion mit anderen Menschen und erkennt das Platzen der Immobilienblase zu einer Zeit, als alle noch fröhlich zur Musik tanzten.

Mitwirkende Schauspieler:

  • Ryan Gosling spielt den Aktienhändler der Deutschen Bank Jared Vennett
  • Christian Bale spielt den Scion Capital Gründer Michael Burry
  • Brad Pitt spielt den ehemaligen Top-Banker Ben Rickert
  • Steve Carell spielt den Hedgefonds-Manager Mark Baum

Handeln wie Michael Burry

Michael Burry ist kein klassischer Value Investor a la Warren Buffett oder Benjamin Graham. Er zieht beispielsweise den Chart in seinen Entscheidungsfindungsprozess mit ein.

“I prefer to buy within 10% to 15% of a 52-week low that has shown itself to offer some price support. That’s the contrarian part of me. And if a stock — other than the rare birds discussed above — breaks to a new low, in most cases I cut the loss.” Zitat von Michael Burry.

Value Investoren handeln antizyklisch. Sie steigen ein, wenn alle Anderen aussteigen und stellen sich somit gegen die Meinung des Marktes. Die Gefahr besteht darin, in ein fallendes Messer zu greifen. Das fallende Messer ist eine Metapher für einen anhaltenden Kursrutsch. Michael Burry bediente sich deshalb der technischen Analyse. Er steigt erst in ein Wertpapier ein, wenn der Chart einen Boden ausgebildet hat.

So vermeidest du den Griff ins fallende Messer:

  • Tipp#1: Dreht der Markt, nur weil du das glaubst?
  • Tipp#2: Starke Kursverluste dauern nicht nur drei Tage.
  • Tipp#3: Buy-Stop-Order oberhalb des Hochs der letzten Woche oder des letzten Monats legen.

Werfen wir einen Blick auf den Aktienchart von Infineon.

Michael Burry Beispiel 52 Wochentief Infineon
Gezeigt wird der Chart vom Halbleiterkonzern Infineon. Im September 2012 wurde ein neues 52-Wochentief gebildet. Die Folgekerze hat die neue Unterstützung nicht gebrochen. Die Wahrscheinlichkeit eine Trendwende ist hoch. Quelle: Tradingview.com

Das 52-Wochentief spielt für die Akteure an der Börse aus der psychologischen Perspektive eine große Rolle. Es bildet das Pendant zum 52-Wochenhoch. An solchen markanten Linien sind oftmals mehr Käufer, als Verkäufer vertreten, weshalb der Kurs oft dreht. Behauptet sich das 52-Wochentief, kann es ein erstes Indiz für eine Trendwende sein. Im folgende bespreche ich zwei weitere Beispiele mit Hilfe der Charts von Daimler und 3D-Systems.

Michael Burry Beispiel 52 Wochentief Daimler
Im August 2011 bildete sich im Chart von Daimler eine große rote Kerze. Der Börsianer spricht dabei vom klassischen fallenden Messer. Im Oktober 2011 hat sich ein neues 52-Wochentief herausgebildet, welches in den folgenden Monaten nicht unterschritten wurde. Der Bodenbildungsprozess ist im Chart klar erkennbar. Entlang der Unterstützungslinie kann ein Einstieg gewagt werden. Quelle: Tradingview.com
Michael Burry Beispiel 52 Wochentief 3D-Systems
3D-Druckeraktien erlebten vor Jahren einen unvergleichbaren Hype. Als die Aktie Anfang 2011 kein Halten mehr kannte, folgte eine Konsolidierungsphase. Dabei wurde ein neues Jahrestief herausgebildet. Die eingezeichnete Unterstützung wurde durch keine der Folgekerzen gebrochen. Ein Einstieg wäre keine schlechte Wahl gewesen. Quelle: Tradingview.com

Die Frage nach der optimalen Anzahl von Aktien für das eigene Depot ist stark individuell. Michael Burry legte sich 12 bis 18 Aktien in sein Portfolio. Er selbst sagt, dass er mit einer größeren Anzahl an Aktien nur unnötig viel Stress hätte.

Interessant – Michael Burry und seine Meinungen zu…..

Womit im Grunde auch klar wird, dass Michael Burry, in allem was er tut, seinen eigenen Weg geht und diesen auch in aller Konsequenz verfolgt. Das mag dem einen oder anderen Menschen in seiner Umgebung durchaus arrogant vorkommen, aber letztendlich gibt ihm sein Erfolg an der Börse recht.

Das Michael Burry als Investor also auch gern gegen den Strom schwimmt und kein Problem damit hat, sich auch dementsprechend kritisch in der Öffentlichkeit zu äußern, belegen zahlreiche Aussagen und Kommentare zu bestimmten Anlageprodukten und Marktsituationen.

Beispiel zum Thema ETF und passive Anlagestrategien>>

„Die Blase bei passiven Anlagen über ETFs sowie der Trend unter Vermögensverwaltern zu sehr großen Investitionen lässt weltweit kleinere, wertorientierte Wertpapiere verwaisen.”

Doch genau darin sieht er für sich selbst als auch andere Anleger entsprechende Chancen, denn es gäbe hier “keine kritische Masse aktiver Manager, die auch Aktien mit geringen Markt-Kapitalisierungen suchen”.

Oder sein Statement zum Thema “drohende Inflation nach Corona” >>

“Bereitet euch auf eine Inflation vor. Wiederöffnung und (Kauf-)Anreize sind im Anmarsch. Vor der Ausbreitung von Covid-19 brauchte es 3$ Schulden, um 1$ des Bruttoinlandsprodukts zu schaffen. Jetzt ist es noch schlimmer. In einer inflationären Krise werden die Regierungen versuchen, konkurrierende Währungen zu zerschlagen.”

Was er damit sagen will? Das weder Gold noch Kryptowährungen Anlageschwerpunkte für Anleger sein sollten.

Und zu guter Letzt seine Meinung zu Bitcoin selbst >>

“Bitcoin ist eine spekulative Blase, die mehr Risiko als Chance birgt. Dies, obwohl die meisten Befürworter in ihren Argumenten richtig liegen, warum Bitcoin zu diesem Zeitpunkt in der Geschichte relevant sei. Doch wenn Anleger nicht wissen, wie viel Hebel im Aufstieg verwendet wird, wissen Sie möglicherweise nicht genug, um Bitcoin zu besitzen”

Seine aktuelle Kritik an Tesla (Dezember 2025) >>

“Tesla’s Marktkapitalisierung ist lächerlich überbewertet und das schon seit langer Zeit. Mit der jüngsten Nachricht über Elon Musks $1 Billion Vergütungspaket ist sicher, dass die Verwässerung der Aktionäre weitergehen wird.”

Burry kritisiert insbesondere die hohe aktienbasierte Vergütung bei Tesla, die seiner Berechnung nach zu einer jährlichen Verwässerung von 3,6 Prozent führt – ohne dass das Unternehmen Aktienrückkäufe durchführt, um dies auszugleichen. Zudem äußert er sich spöttisch über Tesla-Fans: “Die Elon-Sekte war ganz auf Elektroautos fokussiert, bis Konkurrenz auftauchte, dann ganz auf autonomes Fahren, bis Konkurrenz auftauchte, und jetzt ist sie ganz auf Roboter fokussiert – bis Konkurrenz auftaucht.”

Michael Burry – seine erfolgreichsten Investments nach 2008

Das Michael Burry einer der erfolgreichsten Investoren trotz seiner oftmals gegenläufigen Meinung zur Marktentwicklung ist, beweist ein Blick auf seine Investment-Erfolge nach dem globalen Finanz-Skandal von 2008.

So zählt seine, bereits erwähnte Position zum Thema “Wasser” ebenfalls zu einem seiner größten Investitionserfolge.

Damals investierte Burry in verschiedene Unternehmen, die im Bereich der Wasseraufbereitung und -versorgung tätig sind, darunter Nalco, Gorman-Rupp und Watts Water Technologies. Seine Investitionen in diesem Sektor zahlten sich aus, als die weltweite Nachfrage nach sauberem Wasser aufgrund von Bevölkerungswachstum und Klimawandel stieg. Im Jahr 2015 berichtete Burry, dass seine Wasser-Investitionen ihm und seinen Anlegern einen Gewinn von mehr als 600 Prozent eingebracht hatten.

Ein weiteres erfolgreiches Investment von Michael Burry war seine Wette auf den japanischen Aktienmarkt im Jahr 2011. Burry erkannte das Potenzial des japanischen Marktes, der zu der Zeit aufgrund des Erdbebens und des Tsunamis vom März 2011 stark unterbewertet war. Er investierte in verschiedene japanische Unternehmen, darunter Softbank, Seven & i Holdings und Sumitomo Mitsui Financial Group. Seine Wetten auf den japanischen Markt zahlten sich aus, als die japanische Wirtschaft sich erholte und die Aktienkurse stiegen. Burrys japanische Investments brachten ihm und seinen Anlegern einen Gewinn von mehr als 200 Prozent ein.

Ein weiteres erfolgreiches Investment von Michael Burry war seine Wette auf Gold im Jahr 2019. Burry sah die Unsicherheit in der globalen Wirtschaft und die Möglichkeit einer Rezession voraus und investierte in Gold-ETFs und Goldminenaktien. Seine Wetten auf Gold zahlten sich aus, als der Goldpreis im Jahr 2020 aufgrund der Unsicherheit auf den globalen Märkten stieg. Burrys Investitionen in Gold brachten ihm und seinen Anlegern einen Gewinn von mehr als 100 Prozent ein.

Insgesamt hat Michael Burry nach seinem erfolgreichen Investment gegen den US-Immobilienmarkt im Jahr 2008 weiterhin beeindruckende Renditen erzielt.

Die aktuellen Investments von Michael Burry im Jahr 2025 und 2026

Michael Burry hat sein Portfolio im Verlauf des Jahres 2025 dramatisch umgestellt und zeigt damit erneut seine konträre Anlagestrategie. Die Entwicklung von Q1 über Q2 bis Q3 2025 offenbart eine der spektakulärsten und volatilsten Portfolio-Entwicklungen in seiner jüngeren Investmentgeschichte – geprägt von radikalen Schwenks zwischen extremen Short-Positionen und bullischen Wetten.

Q1 2025: Extrem bearish – Der große Short 2.0

Im ersten Quartal 2025 sorgte Burry für Aufsehen, als er eine massive Short-Position auf Nvidia im Wert von über 113 Millionen US-Dollar aufbaute – dies machte allein 48,96 Prozent seines gesamten Portfolios aus. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Nvidia auf dem Höhepunkt seines KI-Chip-Booms, während gleichzeitig Sorgen über US-Zölle auf Tech-Exporte nach China aufkamen.

Doch Burry ging noch weiter: Er liquidierte nahezu sein gesamtes Portfolio und setzte massiv auf fallende Kurse bei Tech- und chinesischen E-Commerce-Giganten durch PUT-Optionen. Sein Q1-Portfolio war extrem konzentriert und bearish ausgerichtet:

  • Nvidia: $113,27M in PUT-Optionen (48,96% des Portfolios)
  • Alibaba, Baidu, JD.com und PDD Holdings: Alle Long-Positionen verkauft und durch PUT-Optionen ersetzt
  • Sämtliche Healthcare-Positionen (Molina Healthcare, HCA Healthcare) liquidiert
  • Einzige verbleibende Long-Position: 200.000 Aktien von Estée Lauder
  • Gesamt-Portfolio-Wert: Nur noch $199,23 Millionen

Die Entscheidung erwies sich als äußerst profitabel: Bis Ende des Quartals war der Nvidia-Aktienkurs um nahezu 23 Prozent gefallen, noch bevor die „Liberation Day”-Zollankündigungen von Präsident Trump den Markt zusätzlich belasteten.

Q2 2025: Die spektakuläre Kehrtwende – Von Bear zu Bull

Die 13F-Einreichung vom 30. Juni 2025 offenbarte eine dramatische Strategieänderung. Burry schloss alle PUT-Positionen komplett und schwenkte auf eine überwiegend bullische Ausrichtung um. Sein Portfolio-Wert explodierte nahezu auf das Dreifache auf 578,34 Millionen US-Dollar – eine der schnellsten und vollständigsten Strategie-Pivots in Scions Geschichte.

Die Top-Positionen per Q2 2025:

Burry setzte massiv auf Call-Optionen in ausgewählten Sektoren, die er für unterbewertet hielt:

  • UnitedHealth Group (UNH): Mit 350.000 Call-Optionen im Wert von $109,19 Millionen (18,88% des Portfolios) plus 20.000 Aktien ($6,24M) war dies Burrys größte Position. Die Aktie war seit dem April-Höchststand um 50 Prozent gefallen und handelte auf Dekaden-Tiefs bei den Bewertungskennzahlen.
  • Regeneron Pharmaceuticals (REGN): 200.000 Call-Optionen im Wert von $105 Millionen (18,16% des Portfolios) plus 15.000 Aktien ($7,88M). Die Aktie war seit ihrem August-2024-Peak um über 60 Prozent gefallen.
  • Lululemon Athletica (LULU): 400.000 Call-Optionen im Wert von $95 Millionen (16,43% des Portfolios) plus 50.000 Aktien ($12M). Die Aktie war um 60 Prozent von ihrem 2024-Höchststand gefallen.
  • Meta Platforms (META): 100.000 Call-Optionen im Wert von $73,8 Millionen (12,76% des Portfolios). Eine überraschende Rückkehr zu Big Tech.
  • Estée Lauder (EL): 500.000 Call-Optionen ($40,4M) plus 150.000 Aktien ($12,12M), insgesamt 21,55% des Portfolios.

Q3 2025: Erneute dramatische Wende – Massive Shorts auf KI-Highflyer (Stand September 2025)

Nach der spektakulären Kehrtwende von Q1 zu Q2 überraschte Burry die Märkte im dritten Quartal erneut mit einer radikalen Strategieänderung. Die 13F-Einreichung vom 30. September 2025 offenbart eine der aggressivsten Short-Positionierungen seiner jüngeren Geschichte – diesmal gezielt gegen die hochfliegenden KI-Aktien, die den Markt dominieren.

Der Gesamtwert des gemeldeten Portfolios explodierte auf beeindruckende 1,38 Milliarden US-Dollar – mehr als das Doppelte des Q2-Portfolios. Doch die wahre Geschichte liegt in der extremen Konzentration: Knapp 80 Prozent des Portfolios bestehen aus massiven Put-Optionen auf nur zwei Unternehmen.

Die dominierenden Short-Positionen per Q3 2025:

  • Palantir Technologies (PLTR): Put-Optionen im Umfang von etwa 5 Millionen Kontrakten mit einem Marktwert von rund 912 Millionen US-Dollar – dies macht allein etwa 66 Prozent des gesamten gemeldeten Portfolios aus. Palantir, der Datenanalyse- und KI-Spezialist für Regierungen und Unternehmen, hatte im Jahr 2025 eine spektakuläre Rally hingelegt und sich von seinen COVID-Tiefs mehr als verzehnfacht. Die Aktie wurde mit KGVs von über 200 gehandelt – für Burry offenbar ein klares Signal für eine überhitzte Bewertung. Seine massive Position deutet darauf hin, dass er einen signifikanten Rücksetzer im KI-Hype erwartet.
  • Nvidia (NVDA): Put-Optionen im Umfang von rund 1 Million Kontrakten mit einem Marktwert von etwa 186 Millionen US-Dollar (circa 13,5 Prozent des Portfolios). Interessanterweise hatte Burry bereits im Q1 2025 massiv gegen Nvidia gewettet, diese Position dann im Q2 komplett geschlossen – nur um im Q3 erneut eine große Short-Position aufzubauen. Diese Rückkehr zu seiner bearischen These unterstreicht seine Überzeugung, dass die KI-Chip-Euphorie nicht nachhaltig ist. Nvidia handelte im Q3 auf historischen Höchstständen mit einer Marktkapitalisierung von über 3 Billionen US-Dollar und machte allein über 8 Prozent des gesamten S&P 500 aus.

Long-Positionen: Selektiv und deutlich kleiner

Während die Put-Positionen das Portfolio dominieren, hält Burry weiterhin einige ausgewählte Long-Positionen, die zusammen nur etwa 20 Prozent des Portfolios ausmachen:

  • Lululemon Athletica (LULU): Burry stockte seine Position auf, indem er 50.000 zusätzliche Aktien erwarb. Die Position bleibt eine seiner Kernüberzeugungen im Konsumgüterbereich. Nach dem deutlichen Kursrückgang sieht er offenbar weiterhin Aufholpotenzial, insbesondere durch die China-Expansion und die Normalisierung der Konsumnachfrage.
  • Molina Healthcare (MOH): Eine neue bzw. deutlich aufgestockte Position mit 125.000 Aktien im Wert von etwa 23,9 Millionen US-Dollar. Interessant ist Burrys Rückkehr in den Healthcare-Sektor, nachdem er im Q1 alle Healthcare-Positionen liquidiert hatte. Molina Healthcare, ein Anbieter von Medicaid-Versicherungen, profitiert von stabilen staatlichen Programmen und demografischen Trends.
  • SLM Corp (SLM): Eine neue Position mit rund 480.000 Aktien. SLM (auch bekannt als Sallie Mae) ist auf Studienkredite spezialisiert. Diese Position könnte Burrys Wette auf eine Erholung im Bildungsfinanzierungssektor darstellen, insbesondere wenn Zinssätze stabilisieren oder fallen.
  • Bruker Corp (BRKR): Die Position in Bruker-Vorzugspapieren und Stammaktien bleibt bestehen. Der Anbieter wissenschaftlicher Instrumente passt zu Burrys Vorliebe für spezialisierte Industrieunternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen.

Call-Optionen: Gezielte opportunistische Wetten

Neben den Long-Aktien hält Burry auch Call-Optionen in ausgewählten Bereichen:

  • Halliburton (HAL): Berichten zufolge hält Burry etwa 2,5 Millionen Call-Optionen auf den Öl- und Gasdienstleister. Diese Position deutet auf eine bullische Sicht auf den Energiesektor hin, möglicherweise getrieben durch geopolitische Spannungen und strukturelle Unterinvestitionen in fossile Energieträger.
  • Weitere kleinere Call-Positionen wurden in verschiedenen Sektoren identifiziert, die jedoch nicht im Detail offengelegt wurden.

Warum Burry so massiv gegen KI-Aktien wettet

Zwei wesentliche Faktoren treiben Burrys extreme Vorsicht gegenüber dem KI-Sektor:

Erstens sieht er drastisch überhöhte Bewertungen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 hat ein besorgniserregendes Niveau erreicht – das letzte Mal war der Markt während des Höhepunkts der Dotcom-Blase Ende der 1990er Jahre so teuer. Die einzige andere vergleichbare Phase war kurzzeitig im Jahr 2021, angeheizt durch massive Pandemie-Stimuli und Nullzinsen.

Zweitens warnt Burry vor einem extremen Konzentrationsrisiko: Die Top-10-Aktien machen derzeit sage und schreibe 39 Prozent des S&P 500 aus – weit mehr als während der Dotcom-Blase, als der Wert bei knapp über 25 Prozent lag. Nvidia allein macht mittlerweile über 8 Prozent der Marktkapitalisierung des S&P 500 aus – die höchste Einzelaktiengewichtung, die jemals verzeichnet wurde.

Seine massive Wette gegen Palantir und Nvidia wird in Medienberichten als klare Warnung vor einer sich bildenden KI-/Tech-Blase interpretiert. Burry scheint zu glauben, dass die euphorischen Bewertungen dieser Unternehmen nicht durch ihre tatsächlichen Geschäftsergebnisse gerechtfertigt sind und eine schmerzhafte Korrektur bevorsteht.

Was bedeutet das für Anleger?

Burrys Portfolio-Transformation im Jahr 2025 – von extremen Tech-Shorts im Q1, zu bullischen Call-Positionen im Q2, zurück zu massiven KI-Shorts im Q3 – ist außergewöhnlich und zeigt seine Bereitschaft, radikal auf sich ändernde Marktbedingungen zu reagieren.

Die erneute Fokussierung auf massive Put-Positionen gegen KI-Highflyer unterstreicht seine Überzeugung, dass die aktuellen Bewertungen nicht nachhaltig sind. Die Größe seiner Positionen (80% des Portfolios in nur zwei Short-Wetten) zeigt, wie stark diese Überzeugung ist.

Gleichzeitig behält er selektive Long-Positionen in defensiven Sektoren wie Healthcare und Konsum bei, was auf eine Absicherungsstrategie hindeutet. Seine Call-Optionen auf Energie-Werte wie Halliburton deuten darauf hin, dass er auch bullische Gelegenheiten in anderen Sektoren sieht.

Wichtig zu beachten: Der extensive Einsatz von Optionen – sowohl Puts als auch Calls – bedeutet, dass Burrys tatsächliche Renditen stark von der Entwicklung in den kommenden Monaten abhängen. Optionen bieten Hebel, aber sie können auch vollständig wertlos verfallen, wenn sich die Märkte nicht wie erwartet entwickeln.

November 2025: Das Ende von Scion Asset Management und der Start von “Cassandra Unchained”

In einer überraschenden Wendung deregistrierte Michael Burry im November 2025 sein Hedgefonds Scion Asset Management bei der SEC und liquidierte den Fonds vollständig. Diese Entscheidung kam kurz nachdem seine massiven Put-Positionen gegen Palantir und Nvidia öffentlich wurden und bedeutet, dass Burry kein externes Kapital mehr verwaltet.

Gleichzeitig startete er einen Newsletter auf Substack mit dem Namen “Cassandra Unchained” – eine Anspielung auf die mythische Prophetin Kassandra, die dazu verdammt war, die Wahrheit zu verkünden, ohne dass ihr jemand glaubte. Der Newsletter kostet $379 pro Jahr (oder $39 monatlich) und hat bereits über 227.000 Abonnenten erreicht (Stand Februar 2026). Über diesen Kanal kann Burry nun ohne die regulatorischen Einschränkungen eines registrierten Investmentberaters seine Analysen und Markteinschätzungen veröffentlichen.

In seinem Abschiedsbrief an die Scion-Investoren schrieb Burry:

“Nach 25 Jahren im professionellen Fondsmanagement verlasse ich das Hedgefonds-Geschäft, um mich auf das zu konzentrieren, was ich schon immer geliebt habe: schreiben und Investment-Ideen teilen. Das professionelle Geldmanagement kam mit regulatorischen und Compliance-Beschränkungen, die meine Kommunikationsfähigkeit effektiv mundtot machten.”

Seine aktuellen Warnungen zur KI-Blase (November 2025 bis Februar 2026)

In seinem Newsletter und auf X (ehemals Twitter), wo er 1,6 Millionen Follower hat, hat Burry seine Kritik am KI-Boom massiv intensiviert. Seine Hauptargumente:

Parallelen zur Dotcom-Blase: Burry zieht explizite Vergleiche zwischen der aktuellen KI-Euphorie und der späten 1990er Tech-Mania. Er weist darauf hin, dass Fed-Chef Alan Greenspan 2005 behauptete, es gäbe “keine Anzeichen einer Immobilienblase” – nur zwei Jahre vor dem Crash. Heute sieht er Fed-Chef Jerome Powell ähnliche Fehler machen, wenn dieser sagt, KI-Unternehmen seien “tatsächlich profitabel” und “eine andere Sache” als frühere Booms.

Nvidia als neues Cisco: Burry vergleicht Nvidia mit Cisco vor dem Dotcom-Crash – ein Unternehmen, das die “Picks and Shovels” für die Internet-Revolution lieferte und dessen Aktie dramatisch abstürzte. Er behauptet, Nvidias Kunden würden ihre AI-Hardware über 5-6 Jahre abschreiben, obwohl die tatsächliche Lebensdauer der GPUs nur 12-24 Monate beträgt, bevor sie durch neue Generationen obsolet werden.

“Supply-Side Gluttony”: Burry argumentiert, dass die massiven KI-Investitionen eher von Angst getrieben sind (“Fear of Missing Out”) als von echter, nachhaltiger Nachfrage. Er bezeichnet das System als zirkuläres Finanzierungsschema: Tech-Giganten kaufen Nvidia-Chips mit Geld, das sie teilweise durch vendor financing von Nvidia selbst erhalten.

Künstlich aufgeblähte Gewinne: In detaillierten Analysen behauptet Burry, dass Hyperscaler wie Google, Meta, Microsoft und Oracle ihre Gewinne durch fragwürdige Buchhaltungspraktiken künstlich erhöhen. Seine Berechnungen zufolge könnten die gemeldeten Gewinne von Meta um etwa 21 Prozent und die von Oracle um 27 Prozent bis 2028 überbewertet sein. Er schätzt, dass die Branche insgesamt ihre Abschreibungen von 2026 bis 2028 um etwa $176 Milliarden unterbewerten könnte.

Extremes Konzentrationsrisiko: Burry warnt eindringlich davor, dass ein Crash im KI-Sektor anders verlaufen würde als die Dotcom-Blase. Da heute deutlich mehr Privatanleger passiv in Indexfonds und ETFs investiert sind, die stark auf wenige Tech-Giganten konzentriert sind, würde ein Absturz langwieriger und schmerzhafter sein. “Ich denke, das Ganze wird einfach zusammenbrechen,” sagte er in einem Podcast. “Es wird sehr schwer sein, long in US-Aktien zu sein und sich zu schützen.”

Der öffentliche Konflikt mit Palantir-CEO Alex Karp

Nach Bekanntwerden von Burrys massiver Short-Position gegen Palantir ging CEO Alex Karp in die Offensive und bezeichnete Burrys Strategie im CNBC-Interview als “bats*** crazy” (völlig verrückt). Burry konterte auf X, indem er Karp spöttisch vorwarf, nicht zu verstehen, wie man SEC-Unterlagen richtig liest. Dieser öffentliche Schlagabtausch zeigt die zentrale Spaltung am Markt: Ist KI eine transformative Technologie, die jede Bewertung rechtfertigt, oder befinden wir uns in einer Mania-Phase, die schlecht enden wird?

Phil Clifton und die Research-Grundlage

Ein Schlüssel zu Burrys aktuellen Ansichten ist Phil Clifton, sein ehemaliger Associate Portfolio Manager bei Scion. In seinem Abschiedsbrief an die Scion-Investoren im Oktober 2025 bezeichnete Burry Clifton als “den produktivsten Denker”, dem er je begegnet ist. Clifton, der mittlerweile seine eigene Firma Pomerium Capital gegründet hat, lieferte detaillierte Research-Berichte, die argumentieren, dass die Ökonomie hinter dem massiven KI-Infrastruktur-Ausbau die Kosten nicht rechtfertigt.

Februar 2026: Die Performance der KI-Shorts und die Bitcoin “Death Spiral” Warnung

Wie entwickeln sich Burrys massive Wetten?

Stand Mitte Februar 2026 zeigt sich ein gemischtes Bild für Burrys extreme Short-Positionen:

Palantir (PLTR): Burrys Wette zahlt sich dramatisch aus. Die Aktie, die im November 2025 noch bei einem Allzeithoch von $207,18 stand, ist bis Mitte Februar 2026 um etwa 25-35 Prozent gefallen und notiert im Bereich von $135-150. Seine massive Put-Position von $912 Millionen ist damit bereits deutlich im Gewinn – Berichten zufolge liegt der Gewinn bei etwa 35 Prozent seit seinem Einstieg im Q3 2025.

Die Gründe für den Absturz sind vielfältig:

 

  • Allgemeine Rotation aus hochbewerteten Tech-Aktien
  • Kontroversen um Palantirs Zusammenarbeit mit der US-Einwanderungsbehörde ICE
  • Sorgen über die extreme Bewertung (trotz starker Q4-Ergebnisse mit 70% Umsatzwachstum)
  • Wachsende Skepsis gegenüber dem KI-Boom generell

Burry hat seine bearische These auf X untermauert und Anfang Februar 2026 einen technischen Chart gepostet, der eine “Head-and-Shoulders”-Formation zeigt. Er prognostiziert, dass Palantir weitere 40-60 Prozent fallen könnte – mit einem ersten Unterstützungsniveau knapp unter $100 und einem “Zielbereich” leicht über $50. Dies wäre deutlich unter dem aktuell bearishsten Analystenziel von $70.

Nvidia (NVDA): Hier läuft es für Burry noch nicht nach Plan. Die Aktie notiert Mitte Februar 2026 bei etwa $182-183, was zwar etwa 14 Prozent unter dem Allzeithoch von $212 im Oktober 2025 liegt, aber immer noch weit über Burrys Put-Optionen mit einem Strike-Preis von $110 liegt, die erst im Dezember 2027 verfallen.

Burry hat Anfang Januar 2026 auf X erklärt, dass seine Nvidia-Wette “der konzentrierteste Weg ist, um eine bearische Sicht auf den KI-Trade auszudrücken”. Er argumentiert, dass die Aktie günstig zu shorten sei, da sie “die meistgeliebte und am wenigsten angezweifelte” sei, was bedeutet, dass Put-Optionen relativ günstig sind im Vergleich zu kontroverseren Aktien.

Seine Nvidia-Puts sind aktuell “out of the money” und haben noch keine Gewinne erzielt, aber Burry hat bis Ende 2027 Zeit für seine These. Die Aktie müsste um weitere 40 Prozent fallen, damit seine Wette aufgeht.

Die letzte öffentliche Bestandsaufnahme: Am 14. Februar 2026 war das Q4 2025 13F-Filing fällig – die letzte öffentliche Einsicht in Burrys Positionen vor der Fondsschließung. Dieses Filing sollte zeigen, ob er seine Put-Positionen gerollt, ausgeweitet oder teilweise geschlossen hat, bevor Scion Asset Management Ende 2025 liquidiert wurde.

Die Bitcoin “Death Spiral” Warnung (Februar 2026)

Am 2. Februar 2026 schockierte Burry die Krypto-Community mit einem detaillierten Substack-Post, in dem er vor einem sich selbst verstärkenden “Death Spiral” für Bitcoin warnte. Dies ist eine seiner schärfsten und konkretesten Warnungen vor Kryptowährungen, die er je ausgesprochen hat.

Die Ausgangslage: Bitcoin war von seinem Allzeithoch von über $126.000 im Oktober 2025 auf etwa $70.000 Anfang Februar 2026 gefallen – ein Rückgang von fast 40 Prozent in nur vier Monaten. Dies ist die längste Verlustserie seit 2018.

Burrys zentrale Argumentation:

1. Bitcoin hat als “Debasement Hedge” versagt: Burry argumentiert, dass Bitcoin den entscheidenden Test nicht bestanden hat – sich als dauerhafte Absicherung gegen Währungsentwertung zu beweisen. Während Gold und Silber angesichts geopolitischer Spannungen und Dollarschwäche auf Rekordstände stiegen, versagte Bitcoin als “Safe Haven”. Stattdessen verhält es sich wie ein rein spekulativer Trade.

2. Die Kettenreaktion bei weiterem Absturz: Burry skizziert “erschreckende Szenarien”, die nun in Reichweite gekommen sind:

 

  • Bei $70.000 (bereits erreicht): Erste Warnsignale. Unternehmen wie Michael Saylors Strategy (MSTR), die massiv Bitcoin auf ihrer Bilanz halten, geraten unter Druck.
  • Bei einem weiteren 10% Rückgang: Strategy würde Milliarden Dollar “underwater” sein und faktisch vom Kapitalmarkt abgeschnitten werden. Das Unternehmen kann kein neues Geld mehr aufnehmen, um weitere Bitcoin zu kaufen.
  • Bei $50.000: Mining-Unternehmen wie MARA Holdings und Riot Platforms würden ihre Zahlungsfähigkeit verlieren. Tokenisierte Edelmetall-Futures würden “in ein schwarzes Loch ohne Käufer kollabieren”. Physische Edelmetalle könnten sich aufgrund von Safe-Haven-Nachfrage vom Trend abkoppeln.

3. Strukturelle Schwächen: Burry weist darauf hin, dass fast 200 börsennotierte Unternehmen mittlerweile signifikante Bitcoin-Bestände auf ihren Bilanzen haben. Treasury-Assets müssen jedoch “mark-to-market” bewertet werden – anhaltende Preisrückgänge könnten Risikomanager zwingen, Verkaufsempfehlungen auszusprechen, was die Verluste beschleunigt.

4. ETFs verschärfen das Problem: Die Einführung von Spot-Bitcoin-ETFs hat die Spekulation intensiviert und gleichzeitig Bitcoins Korrelation mit Aktien erhöht. Die Korrelation mit dem S&P 500 liegt mittlerweile bei etwa 0,50, was das Risiko synchronisierter Sell-offs erhöht. Bitcoin-ETFs verzeichneten in den letzten 10 Tagen des Januars 2026 einige ihrer größten Tagesabflüsse seit der Einführung.

5. Kein “organischer Use Case”: Burry betont, dass es “keinen organischen Use-Case-Grund gibt, warum Bitcoin seinen Abstieg verlangsamen oder stoppen sollte”. Bitcoin hat nicht auf seine üblichen Katalysatoren wie Dollar-Schwäche oder erhöhte geopolitische Risiken reagiert, die Gold und Silber nach oben trieben, während Bitcoin neben dem Aktienmarkt abstürzte.

6. Kollateralschaden in anderen Märkten: Burry schätzt, dass Ende Januar 2026 bereits bis zu $1 Milliarde an Edelmetallen liquidiert wurden, allein aufgrund fallender Krypto-Preise. Trader waren gezwungen, profitable Positionen in tokenisierten Gold- und Silber-Futures zu verkaufen, um Verluste im Krypto-Bereich zu decken. Diese Produkte sind nicht durch physisches Metall gedeckt und können die physischen Märkte überwältigen, was einen “Collateral Death Spiral” auslöst.

Wichtige Einordnung: Trotz der düsteren Prognose betont Burry, dass Bitcoin allein wahrscheinlich nicht das gesamte Finanzsystem destabilisieren kann. Mit einer Marktkapitalisierung unter $1,5 Billionen, begrenzter Haushaltsexposition und schmaler Unternehmensadoption sollte jeder Vermögenseffekt begrenzt bleiben. Dennoch warnt er vor Zweitrundeneffekten durch Deleveraging und Ansteckungseffekte.

Marktreaktion: Nach Veröffentlichung von Burrys Post fiel Bitcoin weiter und testete kurzzeitig die $73.000-Marke, bevor es sich leicht auf etwa $76.000 Mitte Februar 2026 erholte. Der Krypto-Markt verlor in der ersten Februar-Woche 2026 fast $50 Milliarden an Marktkapitalisierung.

Strategy (MSTR), Michael Saylors Bitcoin-Vehikel, verlor im Februar 2026 bereits 18 Prozent an Wert und handelt auf Niveaus, die seit September 2024 nicht mehr gesehen wurden. Das Unternehmen wird am 13. Februar 2026 seine Q4-Ergebnisse berichten – viele Anleger erwarten schlechte Nachrichten.

Burrys aktueller Standpunkt im Kontext (Februar 2026)

Während Burry mit seiner Palantir-Wette bereits spektakulär richtig lag, ist seine Nvidia-Position noch nicht im Gewinn. Seine Bitcoin-Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Krypto-Märkte bereits stark unter Druck stehen.

Es ist wichtig zu beachten, dass Burry auch nach 2008 nicht alle seine bearischen Vorhersagen richtig getroffen hat:

 

  • Seine 2019er Warnung vor einem Crash der passiven Investments ist nicht eingetreten
  • Seine 2022er Vorhersage, der S&P 500 könnte auf unter 1.900 Punkte fallen, war falsch – der Index steht heute bei fast 7.000 Punkten
  • Seine wiederholten Tesla-Shorts waren in der Vergangenheit oft zu früh

Dennoch: Die Tatsache, dass Palantir bereits stark gefallen ist und Bitcoin massiv unter Druck steht, zeigt, dass seine aktuellen Warnungen ernst genommen werden sollten. Der Software-Sektor ist im Februar 2026 bereits um 19 Prozent gefallen, und die Bewertungen vieler KI-Aktien haben sich deutlich abgekühlt.

Frühere Positionen aus Q4 2024 (zum Vergleich)

Zum Vergleich: Im vierten Quartal 2024 sah Burrys Portfolio noch ganz anders aus, mit starkem Fokus auf chinesische Tech-Werte:

  • Alibaba Group Holdings: War mit 16,42 Prozent des Portfolios seine größte Position (später im Q1 2025 komplett liquidiert).
  • Baidu Inc.: Machte 13,61 Prozent des Portfolios aus, fokussiert auf KI-Investitionen (ebenfalls Q1 2025 verkauft).
  • JD.com Inc.: Mit 13,43 Prozent vertreten, einer der größten chinesischen Online-Händler (Q1 verkauft, Q2 via Call-Optionen zurückgekehrt).
  • Molina Healthcare Inc.: 9,40 Prozent des Portfolios, US-Gesundheitsdienstleister (Q1 2025 komplett verkauft, Q3 2025 wieder aufgenommen).
  • Pinduoduo Inc.: 9,39 Prozent, chinesische Social-Commerce-Plattform (Q1 verkauft).

Wichtiger Hinweis: Auch erfahrene und respektierte Investoren wie Michael Burry können falsch liegen. Die hier beschriebenen Positionen basieren auf öffentlichen 13F-Filings bis zum 30. September 2025 und Medienberichten bis Mitte Februar 2026. Da Burry seinen Hedgefonds im November 2025 deregistriert hat, werden zukünftige Portfolio-Änderungen nicht mehr öffentlich über 13F-Filings berichtet. Seine jüngste Portfolio-Entwicklung zeigt einmal mehr: Burry ist nicht nur bereit, gegen den Strom zu schwimmen – er ist auch flexibel genug, seine Meinung radikal zu ändern, wenn sich die Datenlage ändert.

Fazit zu Michael Burry

Ich würde gerne mehr von Michael Burry in den Medien sehen. Ob nun im US-Häusermarkt oder beim indirekten Investment in Wasser, er ist der Börse scheinbar immer einen Schritt voraus und erkennt Dinge frühzeitig. Insofern verdienen auch seine aktuellen Statements zu den vorgenannten Punkten (ETFs versus Small Caps, drohende Inflation, Bitcoin, Tesla und insbesondere seine aktuellen Warnungen zur KI-Blase) durchaus Beachtung. Sie sollten an der einen oder anderen Stelle durchaus zum Nachdenken anregen.

Besonders interessant ist jedoch sein Durchhaltevermögen. Als die Kunden von Scion Capital ihn vor der Finanzkrise verklagten, blieb er standhaft. Nicht weil er auf die Finanzkrise hoffte, sondern weil er die Krise faktisch belegen konnte.

Das macht ihn für mich zum Vorbild als Anleger. Zudem zeigt der Lebenslauf von Burry, dass kein Weg vorherbestimmt ist. Er war Arzt und fand seine Passion in der Geldanlage. Es zeigt, wie sich Dinge und Perspektiven ändern können. Eine wichtige Erkenntnis für jeden Trader und Investor.

Seine dramatischen Portfolio-Schwenks im Jahr 2025 – von extremen Shorts über bullische Call-Positionen zurück zu massiven KI-Shorts – demonstrieren eindrucksvoll seine Flexibilität und Bereitschaft, sich radikal neu zu positionieren, wenn sich seine Einschätzung der Marktlage ändert. Die Deregistrierung seines Hedgefonds und der Start seines Newsletters “Cassandra Unchained” im November 2025 markieren eine neue Phase in seiner Karriere: Burry ist nun ein freier Kommentator ohne regulatorische Einschränkungen, der seine Überzeugungen direkt an ein Millionenpublikum kommunizieren kann.

Stand Februar 2026 zeigt sich, dass seine Warnungen zumindest teilweise Früchte tragen: Seine Palantir-Short-Position ist bereits deutlich profitabel, während seine Nvidia-Wette noch Zeit braucht, um sich zu bewähren. Seine Bitcoin-Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Kryptowährung bereits massiv unter Druck steht und seine “Death Spiral”-Szenarien beängstigend real erscheinen.

Ob seine aktuellen Warnungen vor einer KI-Blase sich als ebenso weitsichtig erweisen werden wie sein Housing-Short 2008, wird die Zeit zeigen. Seine Kritiker weisen darauf hin, dass viele seiner bearischen Prognosen seit 2008 – etwa seine Warnungen vor einem Crash der passiven Investments 2019 oder seine Vorhersage, der S&P 500 könnte 2022 auf unter 1.900 Punkte fallen – nicht eingetreten sind. Der S&P 500 steht heute bei fast 7.000 Punkten.

Dennoch: Diese Anpassungsfähigkeit, gepaart mit seinem analytischen Scharfsinn und seiner Bereitschaft, gegen den Strom zu schwimmen, macht ihn zu einer der faszinierendsten Persönlichkeiten an den Finanzmärkten. Die Tatsache, dass einige seiner aktuellen Wetten bereits aufgehen (Palantir) und andere Märkte (Bitcoin, Software-Sektor) bereits signifikante Schwäche zeigen, unterstreicht, dass seine detaillierten Analysen und Warnungen ernst genommen und als wichtiger Gegenpol zur manchmal allzu euphorischen Marktstimmung betrachtet werden sollten.

Mit seinem Newsletter “Cassandra Unchained” und über 227.000 zahlenden Abonnenten hat Burry bewiesen, dass seine Stimme auch außerhalb des traditionellen Fondsmanagements enormen Wert hat. Seine ungefilterten, detaillierten Analysen zur KI-Blase, zu überhöhten Bewertungen und strukturellen Risiken im Finanzsystem werden von Investoren weltweit aufmerksam verfolgt. Ob man seinen bearischen Thesen folgt oder nicht – Burry bleibt eine Stimme, die man nicht ignorieren sollte.

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Martin B.

Martin ist Tradingcoach und unter anderem Mitbegründer der Trademy Trading Akademie. Zudem ist Martin Kolumnist bei Wallstreet-Online.de, Sharewise und anderen großen Finanzplattformen sowie Buchautor. Insofern also ein Experte im Bereich Trading und allem, was mit Geldanlage & Börse zu tun hat. Großen Einfluss auf sein ökonomisches Weltbild haben die Publikationen von Karl-Heinz Paqué und Joseph Schumpeter. Als Börsianer inspirieren ihn die Ansätze von Buffett, Burry, Livermore und Lynch. Martin ist Gastautor bei uns und bereichert uns zweifelsohne mit seinem fundierten Börsenwissen.
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