War er am Anfang seiner Investment-Karriere eher “unbekannt”, so ist er mittlerweile zum Rebell der Wall-Street geworden – Michael Burry. Denn er wettet er gegen alles, worauf das Gros anderer Anleger gerade setzt. Das begann mit seinen genialen Trade gegen den US-Häusermarkt, der Ihm als Charakter letztendlich sogar den Weg nach Hollywood gefunden hat. Die Rede ist vom Oscar prämierten Meisterwerk „The Big Short“. Christian Bale verkörperte den, an Autismus leidenden Michael Burry. Doch in letzter Zeit hat sich Michael Burry auch einen Namen gemacht, in dem er gegen Tesla gewettet und sich öffentlich mit der Star-Investorin Cathy Woods “angelegt” hat, erneut eine Immobilienblase “vorhersagt” und ETFs für Teufelszeug hält.
Zeit also, diese außergewöhnliche Börsenpersönlichkeit etwas genauer zu betrachten und Ihn vorzustellen. Was für ein Mensch ist er? Wie verlief sein Leben und was macht er heute. Was machte ihn zur Investment-Legende? Welche Investmentstrategie lässt sich auf Ihn zurückführen? Wagen wir einen Blick auf diesen, in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Investor.
Martin B.
19. Mai 2020
Zuletzt aktualisiert am: 8. Dezember 2025
Wer den Film “The Big Short” gesehen hat, kann von Michael Burry eigentlich nur das Bild eines “Freaks” gewinnen, denn er stellt in Perfektion das komplett konträre Erscheinungsbild eines “Star-Investors” von der Wall Street dar: T-Shirt, Sporthose und Badelatschen im Büro und dazu Hard-Rock Musik hörend. Zudem zeigt er in dem Film, dass er als durchaus willensstark betrachtet werden kann. Und das kommt nicht von ungefähr, denn als Mensch hat Michael Burry schon einige harte Schicksalsschläge hinnehmen müssen. Wagen wir also einen Blick auf den “Mensch” als auch auf den Investor Michael Burry.
Diese Frage kann im Grunde nur eine ihm sehr nahe stehende Person beantworten. Dennoch möchte ich es zumindest versuchen zu erklären, welchen Eindruck er auf mich macht. In Interviews wirkt er ruhig und gefasst und auf eine ihm ganz eigene Art symphatisch. Dabei muss man berücksichtigen, dass er als Kind ein Auge verloren hat und seitdem ein Glasauge trägt. Zudem leidet er unter dem sogenannten Asperger-Syndrom, einer Form des Autismus.
Das Asperger-Syndrom in wenigen Stichpunkten erklärt:
In seiner Kindheit hatte er nur wenige Freunde und widmete sich stattdessen lieber den Zahlen. Sein Desinteresse an zwischenmenschlichen Beziehungen sollte später den Hang zur Kapitalanlage fördern – Stichwort: “Spezielle Interessen”
Michael Burry ist 48 Jahre alt und wurde am 19. Juni in 1971 in der Millionen Metropole San Jose im schönen Kalifornien geboren. Er studierte an der University of California in Los Angeles Medizin und Ökonomie. 1997 erreichte er sein Master-Degree an der Vanderbilt University School of Medicine und machte seinen Doktor.
In dieser Zeit widmete sich Burry bereits den Finanzmärkten und brachte 1996 seinen ersten eigenen Börsenbrief heraus. Das machte er scheinbar so gut, dass einige Investmentbanken wie Morgan Stanley auf ihn aufmerksam wurden.

Ursprünglich wollte ich das Wort „Vorbild” durch „Superstar” in der Headline ersetzen. Was aber zu viel des Guten wäre, denn ein “Superstar” wollte Burry zweifelsfrei nie sein. Noch heute meidet er die große Bühne und es gibt nur wenige Auftritte von ihm in der Öffentlichkeit, worin sich auch sein geringer Bekanntheitsgrad außerhalb der “Börsianer Szene” erklärt. Als er sich im Jahr 2000 gegen eine Karriere als Doktor entschied, gründete er die Investmentgesellschaft Scion Capital.

Der Ruf eilte Michael Burry voraus und immer mehr Investoren setzten auf Scion Capital. Ende 2004 verwaltete die Investmentgesellschaft bereits 600 Millionen USD.
Als sich 2003 die Weltwirtschaft langsam wieder erholte, befasste sich Burry ausgiebig mit dem Immobilienmarkt. Nach langer Recherche und umfassenden Analysen datierte er das Platzen der Blase auf das Jahr 2007.
Die Vergabe von Hypotheken war 2005 reine Formalität. Kaum ein Kreditinstitut hat die Antragsteller genauer unter die Lupe genommen. Der amerikanische Traum verleitete auch Menschen mit geringem Einkommen, keinem Vermögen und teilweise sogar ohne Arbeitsplatz dazu, sich ein Haus zu kaufen. In den ersten Jahren waren die Zinsen für die Kredite fix und konnten nicht angehoben werden.
Anschließend wurde diese Zinsbindung aufgehoben und es folgte die Katastrophe. Viele konnten sich die Finanzierung nicht mehr leisten. Sie verloren ihr Haus und die Immobilienfinanzierer verloren ihr Geld, denn wegen des steigenden Angebots haben die auf Pump gekauften oder bereits belasteten Häuser keinen Wert mehr gehabt. Die Häuserpreise gingen in den Keller.
Doch ein wichtiges Puzzleteil fehlt: Der vorangegangene Absatz beschreibt die Auswirkungen auf die Kreditgeber für Immobilien. Das alleine hätte keine weltweite Wirtschaftskrise ausgelöst. Auf der Suche nach neuen Geldströmen wurden vorher die vergebenen Kredite in Subprime-Anleihen verbrieft. Diese Anleihen wurden an Investoren in Erwartung einer hohen Rendite verkauft.
Am Anfang wurden die guten Kredite (AAA) verbrieft. Später wurde dann der ganze Ramsch beigemischt und an die Interessenten verkauft. Die Ratingagenturen hätten die Problematik erkennen müssen, doch sie haben munter Bestnoten für die zweifelhaften Anleihen vergeben.
Michael Burry hatte eine geniale Idee. Niemand hatte zuvor gegen den Häusermarkt gewettet. Er wollte den Gewinn seines Lebens machen und ließ sogenannte Credit Default Swaps bei diversen Banken auflegen. Dabei handelt es sich um nichts anderes als eine Kreditausfallversicherung. Sobald jemand seinen Kredit nicht mehr bedienen kann, ist Burry über die CDS abgesichert und bekommt eine Entschädigung von der auflegenden Bank. So einfach war das, zumindest in der Theorie.
Wie bereits ausgeführt wurde, hatte vor Burry noch nie jemand im großen Stil gegen den Häusermarkt gewettet. Das Missfiel einigen Kunden von Scion Capital. Einige forderten ihn auf, von seiner Idee Abstand zu nehmen und gingen juristisch gegen ihn vor. Ausnahmetalent Burry hielt trotz aller Widerstände an seiner Idee fest und schließlich wurden er und die verbliebenen Investoren 2007 mit einer Rendite von 166,91 Prozent belohnt.
Seine Kunden erhielten um die 700 Millionen US-Dollar. Für Burry selbst blieben 100 Millionen US-Dollar übrig. Michael Burry hat seiner analytischen Fähigkeiten und wegen seiner Beharrlichkeit in acht Jahren mit Scion Capital eine Rendite von 489 Prozent erwirtschaftet.

Michael Burry hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ihm die Investoren schwer zugesetzt haben. Er schloss 2008 Scion Capital und konzentrierte sich auf eigene Investments.
Vor 10 Jahren (2013) eröffnete er ein eigenes privates Investmenthaus namens Scion Asset Management, LLC. Dafür sammelte Burry von ausgewählten Investoren Geld ein und investierte in sogenannte Ick Aktien.
ICK steht im Grunde für nichts anderes als >> Unterbewertete und unbeliebte Aktien
Scion Asset Management nahm die Gegenposition bei den Ick-Aktien zur Investoren-Mehrheit ein. Heute setzt er neben Ick-Investments auch noch auf einen Anstieg des Wasserpreises. Er kennt die gesellschaftliche Diskussion um Wasser. Aus diesem Grund investiert er in Landwirtschaftsbetriebe mit einer guten Wasserversorgung.
In Zukunft wird es nicht darum gehen in wasserarme Regionen Wasser zu transportieren, sondern darum, diese Landstriche mit wasserreicher Nahrung zu versorgen. Wusstest du, dass für eine Flasche Wein mehr als 400 Flaschen Wasser benötigt werden?
Genau darum geht es Michael Burry. Wie viel er in Farmen und Land investiert hat, verschweigt er. Burry bevorzugt unbebautes Land, denn es ist günstig und leicht zu haben. Seine Gedanken sind nicht verkehrt. Bis 2025 könnten 1,8 Milliarden Menschen von Wasserknappheit betroffen sein. Der Verbrauch von Frischwasser erhöht sich ebenfalls von Jahr zu Jahr. Zwar ist die Erde zu 72 Prozent mit Wasser bedeckt, aber nur 0,3 Prozent sind tatsächlich Trinkwasser.


Vor knapp einem ganzen Jahrzehnt nahm die Finanzkrise ihren Lauf. Auf Youtube gibt es mittlerweile über 71.400 Ergebnisse zu diesem Ereignis. Kaum eine Dokumentation und kaum ein klassischer Spielfilm haben das erreicht, was dem Regisseur Adam McKay mit “The Big Short” gelungen ist. Er brachte die Perspektive verschiedener Akteure ungeschönt und authentisch in die weltweiten Kinosäle.
„Der wahrscheinlich beste Film des Jahres: Da war einmal diese Finanzkrise, aber verstanden haben wir sie nicht. Jetzt geht ihr die Filmkomödie „The Big Short” auf den Grund – und macht richtig wütend”, schreibt welt.de.
Nominiert für fünf Oscars und ausgezeichnet mit dem Oscar für das beste adaptierte Drehbuch verfilmte Adam McKay das gleichnamige Buch, des Finanzjournalisten Michael Lewis. Für sein Werk recherchierte der Autor monatelang und tauschte sich dabei mit zahlreichen Bankern und Hedgefonds-Managern aus. Eine der Hauptfiguren, Michael Burry wird dabei von Christian Bale gespielt. Die schauspielerische Leistung verdient Anerkennung, denn Michael Burry ist kein einfacher Charakter. Er hat Ecken und Kanten, meidet die soziale Interaktion mit anderen Menschen und erkennt das Platzen der Immobilienblase zu einer Zeit, als alle noch fröhlich zur Musik tanzten.
Mitwirkende Schauspieler:
Michael Burry ist kein klassischer Value Investor a la Warren Buffett oder Benjamin Graham. Er zieht beispielsweise den Chart in seinen Entscheidungsfindungsprozess mit ein.
“I prefer to buy within 10% to 15% of a 52-week low that has shown itself to offer some price support. That’s the contrarian part of me. And if a stock — other than the rare birds discussed above — breaks to a new low, in most cases I cut the loss.” Zitat von Michael Burry.
Value Investoren handeln antizyklisch. Sie steigen ein, wenn alle Anderen aussteigen und stellen sich somit gegen die Meinung des Marktes. Die Gefahr besteht darin, in ein fallendes Messer zu greifen. Das fallende Messer ist eine Metapher für einen anhaltenden Kursrutsch. Michael Burry bediente sich deshalb der technischen Analyse. Er steigt erst in ein Wertpapier ein, wenn der Chart einen Boden ausgebildet hat.
So vermeidest du den Griff ins fallende Messer:
Werfen wir einen Blick auf den Aktienchart von Infineon.

Das 52-Wochentief spielt für die Akteure an der Börse aus der psychologischen Perspektive eine große Rolle. Es bildet das Pendant zum 52-Wochenhoch. An solchen markanten Linien sind oftmals mehr Käufer, als Verkäufer vertreten, weshalb der Kurs oft dreht. Behauptet sich das 52-Wochentief, kann es ein erstes Indiz für eine Trendwende sein. Im folgende bespreche ich zwei weitere Beispiele mit Hilfe der Charts von Daimler und 3D-Systems.


Die Frage nach der optimalen Anzahl von Aktien für das eigene Depot ist stark individuell. Michael Burry legte sich 12 bis 18 Aktien in sein Portfolio. Er selbst sagt, dass er mit einer größeren Anzahl an Aktien nur unnötig viel Stress hätte.
Womit im Grunde auch klar wird, dass Michael Burry, in allem was er tut, seinen eigenen Weg geht und diesen auch in aller Konsequenz verfolgt. Das mag dem einen oder anderen Menschen in seiner Umgebung durchaus arrogant vorkommen, aber letztendlich gibt ihm sein Erfolg an der Börse recht.
Das Michael Burry als Investor also auch gern gegen den Strom schwimmt und kein Problem damit hat, sich auch dementsprechend kritisch in der Öffentlichkeit zu äußern, belegen zahlreiche Aussagen und Kommentare zu bestimmten Anlageprodukten und Marktsituationen.
Beispiel zum Thema ETF und passive Anlagestrategien>>
„Die Blase bei passiven Anlagen über ETFs sowie der Trend unter Vermögensverwaltern zu sehr großen Investitionen lässt weltweit kleinere, wertorientierte Wertpapiere verwaisen.”
Doch genau darin sieht er für sich selbst als auch andere Anleger entsprechende Chancen, denn es gäbe hier “keine kritische Masse aktiver Manager, die auch Aktien mit geringen Markt-Kapitalisierungen suchen”.
Oder sein Statement zum Thema “drohende Inflation nach Corona” >>
“Bereitet euch auf eine Inflation vor. Wiederöffnung und (Kauf-)Anreize sind im Anmarsch. Vor der Ausbreitung von Covid-19 brauchte es 3$ Schulden, um 1$ des Bruttoinlandsprodukts zu schaffen. Jetzt ist es noch schlimmer. In einer inflationären Krise werden die Regierungen versuchen, konkurrierende Währungen zu zerschlagen.”
Was er damit sagen will? Das weder Gold noch Kryptowährungen Anlageschwerpunkte für Anleger sein sollten.
Und zu guter Letzt seine Meinung zu Bitcoin selbst >>
“Bitcoin ist eine spekulative Blase, die mehr Risiko als Chance birgt. Dies, obwohl die meisten Befürworter in ihren Argumenten richtig liegen, warum Bitcoin zu diesem Zeitpunkt in der Geschichte relevant sei. Doch wenn Anleger nicht wissen, wie viel Hebel im Aufstieg verwendet wird, wissen Sie möglicherweise nicht genug, um Bitcoin zu besitzen”
Seine aktuelle Kritik an Tesla (Dezember 2025) >>
“Tesla’s Marktkapitalisierung ist lächerlich überbewertet und das schon seit langer Zeit. Mit der jüngsten Nachricht über Elon Musks $1 Billion Vergütungspaket ist sicher, dass die Verwässerung der Aktionäre weitergehen wird.”
Burry kritisiert insbesondere die hohe aktienbasierte Vergütung bei Tesla, die seiner Berechnung nach zu einer jährlichen Verwässerung von 3,6 Prozent führt – ohne dass das Unternehmen Aktienrückkäufe durchführt, um dies auszugleichen. Zudem äußert er sich spöttisch über Tesla-Fans: “Die Elon-Sekte war ganz auf Elektroautos fokussiert, bis Konkurrenz auftauchte, dann ganz auf autonomes Fahren, bis Konkurrenz auftauchte, und jetzt ist sie ganz auf Roboter fokussiert – bis Konkurrenz auftaucht.”
Das Michael Burry einer der erfolgreichsten Investoren trotz seiner oftmals gegenläufigen Meinung zur Marktentwicklung ist, beweist ein Blick auf seine Investment-Erfolge nach dem globalen Finanz-Skandal von 2008.
So zählt seine, bereits erwähnte Position zum Thema “Wasser” ebenfalls zu einem seiner größten Investitionserfolge.
Damals investierte Burry in verschiedene Unternehmen, die im Bereich der Wasseraufbereitung und -versorgung tätig sind, darunter Nalco, Gorman-Rupp und Watts Water Technologies. Seine Investitionen in diesem Sektor zahlten sich aus, als die weltweite Nachfrage nach sauberem Wasser aufgrund von Bevölkerungswachstum und Klimawandel stieg. Im Jahr 2015 berichtete Burry, dass seine Wasser-Investitionen ihm und seinen Anlegern einen Gewinn von mehr als 600 Prozent eingebracht hatten.
Ein weiteres erfolgreiches Investment von Michael Burry war seine Wette auf den japanischen Aktienmarkt im Jahr 2011. Burry erkannte das Potenzial des japanischen Marktes, der zu der Zeit aufgrund des Erdbebens und des Tsunamis vom März 2011 stark unterbewertet war. Er investierte in verschiedene japanische Unternehmen, darunter Softbank, Seven & i Holdings und Sumitomo Mitsui Financial Group. Seine Wetten auf den japanischen Markt zahlten sich aus, als die japanische Wirtschaft sich erholte und die Aktienkurse stiegen. Burrys japanische Investments brachten ihm und seinen Anlegern einen Gewinn von mehr als 200 Prozent ein.
Ein weiteres erfolgreiches Investment von Michael Burry war seine Wette auf Gold im Jahr 2019. Burry sah die Unsicherheit in der globalen Wirtschaft und die Möglichkeit einer Rezession voraus und investierte in Gold-ETFs und Goldminenaktien. Seine Wetten auf Gold zahlten sich aus, als der Goldpreis im Jahr 2020 aufgrund der Unsicherheit auf den globalen Märkten stieg. Burrys Investitionen in Gold brachten ihm und seinen Anlegern einen Gewinn von mehr als 100 Prozent ein.
Insgesamt hat Michael Burry nach seinem erfolgreichen Investment gegen den US-Immobilienmarkt im Jahr 2008 weiterhin beeindruckende Renditen erzielt.
Michael Burry hat sein Portfolio im Verlauf des Jahres 2025 dramatisch umgestellt und zeigt damit erneut seine konträre Anlagestrategie. Die Entwicklung von Q1 über Q2 bis Q3 2025 offenbart eine der spektakulärsten und volatilsten Portfolio-Entwicklungen in seiner jüngeren Investmentgeschichte – geprägt von radikalen Schwenks zwischen extremen Short-Positionen und bullischen Wetten.
Im ersten Quartal 2025 sorgte Burry für Aufsehen, als er eine massive Short-Position auf Nvidia im Wert von über 113 Millionen US-Dollar aufbaute – dies machte allein 48,96 Prozent seines gesamten Portfolios aus. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Nvidia auf dem Höhepunkt seines KI-Chip-Booms, während gleichzeitig Sorgen über US-Zölle auf Tech-Exporte nach China aufkamen.
Doch Burry ging noch weiter: Er liquidierte nahezu sein gesamtes Portfolio und setzte massiv auf fallende Kurse bei Tech- und chinesischen E-Commerce-Giganten durch PUT-Optionen. Sein Q1-Portfolio war extrem konzentriert und bearish ausgerichtet:
Die Entscheidung erwies sich als äußerst profitabel: Bis Ende des Quartals war der Nvidia-Aktienkurs um nahezu 23 Prozent gefallen, noch bevor die „Liberation Day”-Zollankündigungen von Präsident Trump den Markt zusätzlich belasteten.
Die 13F-Einreichung vom 30. Juni 2025 offenbarte eine dramatische Strategieänderung. Burry schloss alle PUT-Positionen komplett und schwenkte auf eine überwiegend bullische Ausrichtung um. Sein Portfolio-Wert explodierte nahezu auf das Dreifache auf 578,34 Millionen US-Dollar – eine der schnellsten und vollständigsten Strategie-Pivots in Scions Geschichte.
Burry setzte massiv auf Call-Optionen in ausgewählten Sektoren, die er für unterbewertet hielt:
Nach der spektakulären Kehrtwende von Q1 zu Q2 überraschte Burry die Märkte im dritten Quartal erneut mit einer radikalen Strategieänderung. Die 13F-Einreichung vom 30. September 2025 offenbart eine der aggressivsten Short-Positionierungen seiner jüngeren Geschichte – diesmal gezielt gegen die hochfliegenden KI-Aktien, die den Markt dominieren.
Der Gesamtwert des gemeldeten Portfolios explodierte auf beeindruckende 1,38 Milliarden US-Dollar – mehr als das Doppelte des Q2-Portfolios. Doch die wahre Geschichte liegt in der extremen Konzentration: Knapp 80 Prozent des Portfolios bestehen aus massiven Put-Optionen auf nur zwei Unternehmen.
Während die Put-Positionen das Portfolio dominieren, hält Burry weiterhin einige ausgewählte Long-Positionen, die zusammen nur etwa 20 Prozent des Portfolios ausmachen:
Neben den Long-Aktien hält Burry auch Call-Optionen in ausgewählten Bereichen:
Zwei wesentliche Faktoren treiben Burrys extreme Vorsicht gegenüber dem KI-Sektor:
Erstens sieht er drastisch überhöhte Bewertungen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des S&P 500 hat ein besorgniserregendes Niveau erreicht – das letzte Mal war der Markt während des Höhepunkts der Dotcom-Blase Ende der 1990er Jahre so teuer. Die einzige andere vergleichbare Phase war kurzzeitig im Jahr 2021, angeheizt durch massive Pandemie-Stimuli und Nullzinsen.
Zweitens warnt Burry vor einem extremen Konzentrationsrisiko: Die Top-10-Aktien machen derzeit sage und schreibe 39 Prozent des S&P 500 aus – weit mehr als während der Dotcom-Blase, als der Wert bei knapp über 25 Prozent lag. Nvidia allein macht mittlerweile über 8 Prozent der Marktkapitalisierung des S&P 500 aus – die höchste Einzelaktiengewichtung, die jemals verzeichnet wurde.
Seine massive Wette gegen Palantir und Nvidia wird in Medienberichten als klare Warnung vor einer sich bildenden KI-/Tech-Blase interpretiert. Burry scheint zu glauben, dass die euphorischen Bewertungen dieser Unternehmen nicht durch ihre tatsächlichen Geschäftsergebnisse gerechtfertigt sind und eine schmerzhafte Korrektur bevorsteht.
Burrys Portfolio-Transformation im Jahr 2025 – von extremen Tech-Shorts im Q1, zu bullischen Call-Positionen im Q2, zurück zu massiven KI-Shorts im Q3 – ist außergewöhnlich und zeigt seine Bereitschaft, radikal auf sich ändernde Marktbedingungen zu reagieren.
Die erneute Fokussierung auf massive Put-Positionen gegen KI-Highflyer unterstreicht seine Überzeugung, dass die aktuellen Bewertungen nicht nachhaltig sind. Die Größe seiner Positionen (80% des Portfolios in nur zwei Short-Wetten) zeigt, wie stark diese Überzeugung ist.
Gleichzeitig behält er selektive Long-Positionen in defensiven Sektoren wie Healthcare und Konsum bei, was auf eine Absicherungsstrategie hindeutet. Seine Call-Optionen auf Energie-Werte wie Halliburton deuten darauf hin, dass er auch bullische Gelegenheiten in anderen Sektoren sieht.
Wichtig zu beachten: Der extensive Einsatz von Optionen – sowohl Puts als auch Calls – bedeutet, dass Burrys tatsächliche Renditen stark von der Entwicklung in den kommenden Monaten abhängen. Optionen bieten Hebel, aber sie können auch vollständig wertlos verfallen, wenn sich die Märkte nicht wie erwartet entwickeln.
In einer überraschenden Wendung deregistrierte Michael Burry im November 2025 sein Hedgefonds Scion Asset Management bei der SEC und liquidierte den Fonds vollständig. Diese Entscheidung kam kurz nachdem seine massiven Put-Positionen gegen Palantir und Nvidia öffentlich wurden und bedeutet, dass Burry kein externes Kapital mehr verwaltet.
Gleichzeitig startete er einen Newsletter auf Substack mit dem Namen “Cassandra Unchained” – eine Anspielung auf die mythische Prophetin Kassandra, die dazu verdammt war, die Wahrheit zu verkünden, ohne dass ihr jemand glaubte. Der Newsletter kostet $379 pro Jahr und hat bereits über 90.000 Abonnenten erreicht. Über diesen Kanal kann Burry nun ohne die regulatorischen Einschränkungen eines registrierten Investmentberaters seine Analysen und Markteinschätzungen veröffentlichen.
In seinem Newsletter und auf X (ehemals Twitter), wo er 1,6 Millionen Follower hat, hat Burry seine Kritik am KI-Boom massiv intensiviert. Seine Hauptargumente:
Parallelen zur Dotcom-Blase: Burry zieht explizite Vergleiche zwischen der aktuellen KI-Euphorie und der späten 1990er Tech-Mania. Er weist darauf hin, dass Fed-Chef Alan Greenspan 2005 behauptete, es gäbe “keine Anzeichen einer Immobilienblase” – nur zwei Jahre vor dem Crash. Heute sieht er Fed-Chef Jerome Powell ähnliche Fehler machen, wenn dieser sagt, KI-Unternehmen seien “tatsächlich profitabel” und “eine andere Sache” als frühere Booms.
Nvidia als neues Cisco: Burry vergleicht Nvidia mit Cisco vor dem Dotcom-Crash – ein Unternehmen, das die “Picks and Shovels” für die Internet-Revolution lieferte und dessen Aktie dramatisch abstürzte. Er behauptet, Nvidias Kunden würden ihre AI-Hardware über 5-6 Jahre abschreiben, obwohl die tatsächliche Lebensdauer der GPUs nur 12-24 Monate beträgt, bevor sie durch neue Generationen obsolet werden.
“Supply-Side Gluttony”: Burry argumentiert, dass die massiven KI-Investitionen eher von Angst getrieben sind (“Fear of Missing Out”) als von echter, nachhaltiger Nachfrage. Er bezeichnet das System als zirkuläres Finanzierungsschema: Tech-Giganten kaufen Nvidia-Chips mit Geld, das sie teilweise durch vendor financing von Nvidia selbst erhalten.
Künstlich aufgeblähte Gewinne: In detaillierten Analysen behauptet Burry, dass Hyperscaler wie Google, Meta, Microsoft und Oracle ihre Gewinne durch fragwürdige Buchhaltungspraktiken künstlich erhöhen. Seine Berechnungen zufolge könnten die gemeldeten Gewinne von Meta um etwa 21 Prozent und die von Oracle um 27 Prozent bis 2028 überbewertet sein. Er schätzt, dass die Branche insgesamt ihre Abschreibungen von 2026 bis 2028 um etwa $176 Milliarden unterbewerten könnte.
Extremes Konzentrationsrisiko: Burry warnt eindringlich davor, dass ein Crash im KI-Sektor anders verlaufen würde als die Dotcom-Blase. Da heute deutlich mehr Privatanleger passiv in Indexfonds und ETFs investiert sind, die stark auf wenige Tech-Giganten konzentriert sind, würde ein Absturz langwieriger und schmerzhafter sein. “Ich denke, das Ganze wird einfach zusammenbrechen,” sagte er in einem Podcast. “Es wird sehr schwer sein, long in US-Aktien zu sein und sich zu schützen.”
Nach Bekanntwerden von Burrys massiver Short-Position gegen Palantir ging CEO Alex Karp in die Offensive und bezeichnete Burrys Strategie im CNBC-Interview als “bats*** crazy” (völlig verrückt). Burry konterte auf X, indem er Karp spöttisch vorwarf, nicht zu verstehen, wie man SEC-Unterlagen richtig liest. Dieser öffentliche Schlagabtausch zeigt die zentrale Spaltung am Markt: Ist KI eine transformative Technologie, die jede Bewertung rechtfertigt, oder befinden wir uns in einer Mania-Phase, die schlecht enden wird?
Ein Schlüssel zu Burrys aktuellen Ansichten ist Phil Clifton, sein ehemaliger Associate Portfolio Manager bei Scion. In seinem Abschiedsbrief an die Scion-Investoren im Oktober 2025 bezeichnete Burry Clifton als “den produktivsten Denker”, dem er je begegnet ist. Clifton, der mittlerweile seine eigene Firma Pomerium Capital gegründet hat, lieferte detaillierte Research-Berichte, die argumentieren, dass die Ökonomie hinter dem massiven KI-Infrastruktur-Ausbau die Kosten nicht rechtfertigt.
Zum Vergleich: Im vierten Quartal 2024 sah Burrys Portfolio noch ganz anders aus, mit starkem Fokus auf chinesische Tech-Werte:
Wichtiger Hinweis: Auch erfahrene und respektierte Investoren wie Michael Burry können falsch liegen. Die hier beschriebenen Positionen basieren auf öffentlichen 13F-Filings bis zum 30. September 2025 und Medienberichten bis Dezember 2025. Da Burry seinen Hedgefonds im November 2025 deregistriert hat, werden zukünftige Portfolio-Änderungen nicht mehr öffentlich über 13F-Filings berichtet. Seine jüngste Portfolio-Entwicklung zeigt einmal mehr: Burry ist nicht nur bereit, gegen den Strom zu schwimmen – er ist auch flexibel genug, seine Meinung radikal zu ändern, wenn sich die Datenlage ändert.
Ich würde gerne mehr von Michael Burry in den Medien sehen. Ob nun im US-Häusermarkt oder beim indirekten Investment in Wasser, er ist der Börse scheinbar immer einen Schritt voraus und erkennt Dinge frühzeitig. Insofern verdienen auch seine aktuellen Statements zu den vorgenannten Punkten (ETFs versus Small Caps, drohende Inflation, Bitcoin, Tesla und insbesondere seine aktuellen Warnungen zur KI-Blase) durchaus Beachtung. Sie sollten an der einen oder anderen Stelle durchaus zum Nachdenken anregen.
Besonders interessant ist jedoch sein Durchhaltevermögen. Als die Kunden von Scion Capital ihn vor der Finanzkrise verklagten, blieb er standhaft. Nicht weil er auf die Finanzkrise hoffte, sondern weil er die Krise faktisch belegen konnte.
Das macht ihn für mich zum Vorbild als Anleger. Zudem zeigt der Lebenslauf von Burry, dass kein Weg vorherbestimmt ist. Er war Arzt und fand seine Passion in der Geldanlage. Es zeigt, wie sich Dinge und Perspektiven ändern können. Eine wichtige Erkenntnis für jeden Trader und Investor.
Seine dramatischen Portfolio-Schwenks im Jahr 2025 – von extremen Shorts über bullische Call-Positionen zurück zu massiven KI-Shorts – demonstrieren eindrucksvoll seine Flexibilität und Bereitschaft, sich radikal neu zu positionieren, wenn sich seine Einschätzung der Marktlage ändert. Die Deregistrierung seines Hedgefonds und der Start seines Newsletters “Cassandra Unchained” im November 2025 markieren eine neue Phase in seiner Karriere: Burry ist nun ein freier Kommentator ohne regulatorische Einschränkungen, der seine Überzeugungen direkt an ein Millionenpublikum kommunizieren kann.
Ob seine aktuellen Warnungen vor einer KI-Blase sich als ebenso weitsichtig erweisen werden wie sein Housing-Short 2008, wird die Zeit zeigen. Seine Kritiker weisen darauf hin, dass viele seiner bearischen Prognosen seit 2008 – etwa seine Warnungen vor einem Crash der passiven Investments 2019 oder seine Vorhersage, der S&P 500 könnte 2022 auf unter 1.900 Punkte fallen – nicht eingetreten sind. Der S&P 500 steht heute bei fast 7.000 Punkten.
Dennoch: Diese Anpassungsfähigkeit, gepaart mit seinem analytischen Scharfsinn und seiner Bereitschaft, gegen den Strom zu schwimmen, macht ihn zu einer der faszinierendsten Persönlichkeiten an den Finanzmärkten. Auch wenn nicht jede seiner Vorhersagen eintrifft, sollten seine detaillierten Analysen und Warnungen ernst genommen und als wichtiger Gegenpol zur manchmal allzu euphorischen Marktstimmung betrachtet werden.
Martin B.
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Zuletzt aktualisiert am 8. Dezember 2025 by Redaktion